Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2971 (5.6.1927)
- Date
- 1927-06-05
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ts Men, Sonntag 2M«mer Mvrge«zett»«s s. Fintt WZ7 «K.SSA .Sv kämpft Natürlichkeit gegen die Tyrannei der Go- .ftWhaft und — unterliegt. Gustav bäumte sich zwar gegen den Zwang der KonvKäekz. -- „Nein!" schrie er rvild in den dunklen WalV hinein. ^Jch tu's nicht mehr! Sollen Sie hrmdertmal sagmr: Ich bin ein Selcher! Was liegt daran?!"-Tief atmete er die würzige -Lust des Waldes unjd> berauscht von der Schönheit, rief er wieder: „Ich will nicht! Ich kann nicht weiter studieren!" — — Der Städter in Gustavs Seele, der sein Ende fühlte, breitete seine Schwingen; Schlau und still floß sein Gift in dieses Unglückliche Gehirn und zischelte süß und verlockend: ,Mer schön wär's doch gewesen die Matura! ,Mst schon so nah! Nur noch eine Kleinigkeit und hast's gewonnen.^ — — — Gustav horchte dem Sirenengesang: Unentschlossen und — leidend. Der Wald war stumm geworden. Er wirbt nicht. Er .winkt Und singt und nickt und' "leuchtet, er duftet und' grünt — Mwch Nur denr, der int chm lebt. — I D>er Dtädter in Gustav führte den "letzten, entscheidenden!Schlag. Er stachelte den Ehrgeiz: „Willst du denn gar uÄhks glanz machen! Nichts vollenden in deinem Leben?" — Da rief Gustav — als hätten diese Worte den innersten Arnn in ihm geweckt: „Fa! Sv ist es! Ich Hab' nie in Utemem Leben etwas fertig gebracht! "Ich soll mich schatnenrj" — Und als wäre der jüngste Tag, zählte er — Richter und Angeklagter zugleich — alle seine Stücken aus: „Biolinspiel hast du als Kind angefangen und nichts erreicht! ^Aus dem Gymnasium, aus der Handelsschule — haben ©te dich hinausgeworfen! 'Stenographie, fremde Sprachen — alles hast diu versucht, angefangen und nicht vollendet! — Nichts hast du im Leben geleistet als Geschäft! Ja, ja, Geschäft! Immer wieder Nur Geschäft! Nur verdienen! Verdienen! —- Nur zum Erwerb bist du auf der Welt! Alles Höhere wirfst du weg! Nur Geld und wieder Geld! Schäm' dich!" — >— — Da — als wäre.wärklich der jüngste Tag Und Äe Matur verletze ihr Herkommen — begann sogar die Natur um die Gunst eines Menschen Kr werben: Plötzlich singen Me Wackvöglein Kr singen an. — Am Himmel, oberhalb.Gustavs Haupt glühte ein breiter, roter Streifen wie Feuer! Es schien, als riefen die unzähligen kleinen Fkammchen: „Was ist Ehre? Was ist Ansehen — gegen einen.Strahl von Uns!?- > Gustav stand eine Weile, wie erstart; dann blickte er ein.wenig wehmütig in den steken, grünen Wald, preßte die Appen .aneinander. Und — zog seiner Seele nach, die schon lange porHer in die enge Äadt geflogen war. — 2«. Kapitel. Die.Erinnerung vergoldet die Vergangenheit mit dem süßen .Schein der Ruhe. Schern. — Vielleicht ist das' Me icke'.so IW Und traut gewesen, als der Mensch in der (unruhigen! ^Gegenwart wähnt. — Uns cSkv dünkt das Gewesene ein Paradies. Vielleicht —.weil Uns die Vergangenheit unerreichbar, verschlossen ist? jDmUm schauen wir auch — wie die Kinder — fo gerne hinem. {— — lZuweiten erfaßt auch den Schriftsteller die Sehnsucht Nach .den früherer, ruhigen Zeiten' und so klettere ich setzt über den Zaun der Vergangenheit in jene Zeit, als Gustav vom Lehrling zum Gehilfen aufstieg. — — Es war eine Woche mrch hem Freispruch Gustavs, da stand Herr Lampl an die Holzwand seines Kontors gelehnt und rief Über den Hof.mit satter Stimme: „Gusti!" Gustav trappelte in seinen Hvlzschuhen eilig aus dem Wurstzimmer in den Hof Kr seinem Lehrherrn; und Herr Lampl sprach mit fremcklicher Wiette: „Gusti! Heut' is der Erste! Urck du kriegst jetzt einen Lohn. — Da hast du!" Er gab ihm einen Zehnguldeuschein. — Die Höhe des Betrages überstieg Gustavs Erwartungen Md die Freude nahm ihm die Sprache. — Er blickte Kt Boden, als wäre ihm ein tiefes Leid geschehen, so daß Herr Lampl öetlmmbert fragte: „No, Gusti? Fs es dir nicht recht? Du redst gar nix?!"-Da preßte der neue Gehilfe ein ehrliches „Danke!" aus seiner Bmst Und lief rasch aus dem Kontor, aber mit dem -ZehngUldenschein in der Hand. — Cr lief über den Hof in sein Zimmer. Er sperrte das Zimmer von innen ab, denn er wollte alkin sein mit seinem MüÄ und — den Freudentränen. — Eine Weile blieb er neben der versperrten Türe stehen, dann atmete er tief, ging M seinem Bett', streifte die Holzschuhe von den Füßen Und legte sich — so wie er war — angckleidet auf das Bett. — Ms sein Herz ruhiger klopfte, setzte er sich im Brite 'auf, zog die Beine an den Oberkörper Und faß nun da wie der glückliche Türke vor der Tabaktrafik; Nur hielt er jfatt der Pfeife die Banknote in der Hand.! Gustav blickte auf seinen Verdienst, ttuf die erste FrUcht seiner Mbeit so glücklich Und so stolz wie eine Wüter auf ihr erstes Kind. (Fortsetzung im Dienstagblatt.) Bengpfee&r „Wte&er Morgenzeitang“: Monatlich Wien und Oesterreich.. ...» .8 5*— Tschechoslowakische RepuWfl?......... KL 22*— Jugoslawien.. . . . . Dinar 60*— Polen. Zloty b*E»» Deutschland ........... > OoMmarfc 4*— Frankreich, Brisen. Pres. 35*— IHatten.. . Ue ^Ä*— galten »,»»»« i * t « * »Lewa 100*** lila DoHar l1*- reiz und das übrige Anstand . . . . . Pranken 5*^ Oestezc. PostsoarkassenkiwÄ 1S0£93> Rabbiner Dr. Margules und Frau TACHAU (C. S. R.) geben hiemlt die Geburt ihres Töehterchens Gabriele bekannt Fühlst Du an sorgenschweren Tagen Dich elend, müde nnd zerschlagen, Lass’ „CLIO“ Dir ein Glas kredenzen, Und fröhlich wird Dein Antlitz glänzen! WOLLEN SIE genu/)rei«fie *wfingst feiet tage verbringen, so besuchen Sie die Ausstellung „Wien und die Wiener“. Sie bietet Ihnen Anregung und Unterhaltung. „Der JfCimmef iifte* Wien" im Zeiss- Planetarium. Alt-Wiener Kaffeehaus. Heurigengarten. Täglich Konzert. Geöffnet an Wochentagen von 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 8 Uhr früh an; täglich bis 23 Uhr. Eintrittspreis in die Ausstellung 8 1*—. E Kranke Frauen erfahren durch den Gebrauch des natürlichen ,Frarrz-Joses"-iBitterwassers ungehinderte, leichte Darmentleerung, womit oft eine außerordentlich wohltuende Rückwirkung auf die erkrankten Organe verbunden ist. Schöpfer klassischer Lehvbücher für Frauenkrankheiten schreiben, daß die günstigen Wirkungen des Franz-Josef-Wasiers auch durch ihre Untersuchungen bestätigt seien. Uebemll erhältlich. Bühne und Kunst. Sine Haust Riese-Redde im LuMkeltheater. »Die eilige Johanna" von Peter Herz und Karl M. May. . Das, PölksstLck ist. mchsestochen, Nestroh beNagt es, aber prophezeit ihm seine Auferstehung. Nnd die Niese, so heihts in der Apothefe des <Hchlußbil!des, kann es, die letzte Repräsentantin des echten Wienertums, zum Leben erwecken. Dazu der „Geist der Zeit" und wir haben eine neue Gattung, die Volksstückrevue. Es hieße Gelsen in den Prater tragen, .wollte man die Niese Men, als Darstellerin einer echten Wienerin, die verpflichtet ist, resch auf fesch zu reimen, und es zu sein. Also ein' Vottsstück mit dem gesunden Vorstadchumor, den man mit einem lachenden und einem tränenden Auge genießen kann. Den Abend trägt eine Reihe von Couplets, die Frau Niese singt, tanzt, dirigiert, bisweilen Ausflüge machend in Werbezirk-Bezircke, wo sie sich nicht minder wohl fühlt als das Publikum. Um Frau Niese das von Jarno wchlgeführte Ensemble des Lufispieltheaters mit den guten Chargen Maria Waldner, Josef Hübner, Paul Mahr, Heinrich N e ck a m, einem neuen Junglebemanntyp, Ludwig H r adsk y und Kurt Karsten, dem populären Kabarettisten, dem der Sprung vom Pndium auf die Bühne gut gelang, das witzige Bild „In der Theateragentur", in dem Lotte H u - sarek (Schwank), Else Panto (Tragödie) und Lola Diosy (Ballett) durch Maske und Spiel auffielen. Peter Herz schrieb geschmackvolle Verse und brachte auch sonst angenehmen, wenn auch öfter langbärttgen Humor, Karl M. M a y beherrscht die Rhythmik des Schlagerkompcmrsten. Seine Musik gefiel un- und allgemein. Die Stimmung war ausgezeichnet, alles wurde bejubelt. Und das Publikum fächelte zum Schluß sich Kühlung, der Niese Abschiedswinke zu. o. r. Las Werk eines Maierarchttelten. Die Landhausriurichtung von Fritz Groß. Im Mai- und Juniheft der von Alexander Koch- Darmstadt herausgeg-ebenen Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration, deren Führung auf kulturkünstlerischom Gebiete unbestritten ist, finden wir, in zahlreichen Reproduktionen festgchalten, -die Inneneinrichtung einer Wohnstätte, geschaffen vom jungen Wiener Künstler Fritz Groß. Wir haben den durch die Schule der ArchitMur hindurchgegangenen Fritz Groß bisher nur als Maler und Zeichner gekannt und gewürdigt. Seine im „Hagenbund" ausgestellten Arbeiten, die unsere kritische Wertschätzung t m neue Problem: ein teures Telegramm oder ein bllllger ausführlicher Luftvostbrlefr Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbvief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern* am Mslngstage As 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt. ' gesunden haben, ließen eine Entwicklung auf ausschließlich malerischem Gebiete erwarten. Und nun werden wir von einer Leistung überrascht, die bei aller ästhetischen Einstellung doch nur dem Form- und Gestaltungswillen eines logisch wertenden Menschen zuzuschreiben ist; von einer Leistung, die in ihrer Gesamtheit wie in den Einzelheiten den persönlichen Geist des Schaffenden in unserer Zeit atmet. Fritz Groß bekam von einem Kunstfreund den Auftrag, eine Wohnstätte, die Inneneinrichtung für ein Heim zu schaffen, das dem temperamentvollen, in der slowakischen Stille auf Innerlichkeit eingestellten Bauherrn die Vision von Pracht, Gediegenheit, Vornehmheit und Zweckerfüllung geben sollte. Der vom Rausch der Farbe träumende Künstler könnte hier leicht in die Gefahr geraten, seine Ekstase blindwütend Wirklichkeit werden zu lassen. Aber Groß, obwohl voll äußerer Freiheit in seinen Entschlüssen und seinen Bauherrn Schritt für Schritt für seine Plline gewinnend, wählte instinktiv die für jedes architektonische Werk geltende Dreieinigkeit, Sachlichkeit, Zweckmäßigkeit, Schönheit, so daß die Frage des Stils keinerlei Bedeutung mehr hatte. Es galt Zweckformen zu schaffen, ohne in Nüchternheit zu verfallen. Damit ergab sich das Aufleben des älteren, allerdings nicht veralteten, Stils, das Verwenden von Intarsien aus verschiedenen Hölzern, wodurch ein reiizvolles Farbenbild zustande kam. Im übrigen ward die starke Farbigkeit der Wohnräume dadurch erzielt, daß die Wände unis als Folie für die Farbensymphonie der Möbel, Türen, Ueberzüge usw. verwendet wurden. Ueberaus reich präsentiert sich das verwendete Material. Die verschiedensten Hölzer (für das Empfangszimmer Rio-Palisander, mjt exoten Hölzern eingelegt, für die Diele Nuß mit Kirsch, für das Arbeitszimmer mattes Pyramidenmahagonl mit Nußholzeinlagen) wurden herangezogen, farbige Steinfliesen (Fußboden) zu ornamentaler Wirkung kompositionell gesteigert, Türen durch Schleiflack in verschiedenen Farben ihrer Gebrauchs Nüchternheit entkleidet. Besonders sympathisch und symptomatisch erscheint die Betonung des rein Handwerklichen, die WiedereMeckung und Verwendung der durch das Maschinelle i und Konstruktive heute zu sehr verdrängten Technikern, ohne daß hiebei die Zweckform vernachlässigt wird. Man denkt unwiMürlich an jene Epochen, in denen der individuelle Geist des Handwerkers in profanen und religiösen Bauten ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Metalltreib e a r b e i t e n entzücken durch ihre Freiheit und durch die Leichtigkeit, mit der die Sprödigkeit des Materials überwunden wurde: Heizgitter, schmiedeeiserner Paravant vor dem Kamin und der Blmnenständer mit verschiebbaren Trägern, wobei aus der Schmiedeeisentechnik die Form herausgeholt wurde. Keramik von Valley - W i e s e l t h i e r, Luster im Wintergarten, Fabeltier am obern Kamin, von Jakob L ö w, Heizgitter und Brunnen im Wintergarten, eine HoWulptur von Prof. Franz Barwig, Stukkoarbeiten mit reicher figuralek Verwertung, Intarsia im Empfangs- und Mustkraum, die Motive präzisierend, damit bei aller Modernität eine gewisse Zeitlostgkcit erzielt werde, bezeugen die Bedeutung handwerklicher Technik. Bis in die letzten Details reicht die Einheitlichkeit der Gesamtleistung. Fritz Groß ließ es sich nicht nehmen, sogar Türdrücker, Möbelbeschläge und Klingeltasten zu zeichnen, Muster für Vorhang- und Ueberzugsstoffe zu entwerfen, all das aus dem einzigen Bestreben heraus, neben äschetischen Werten eine reine Zweckarchitektur, neben Schönheit Hygiene zur Geltung zu bringen. Für Fachleute bietet die Verwendung neuer Hölzer besondere Anregungen. Das Garten Projekt, eben in der Ausführung begriffen (in der diesjährigen Wiener Gartenausstellung nach Paffierung der Jury durch Prof. Peter Behrens ausgestellt), zeichnet sich dadurch aus, daß es mit der Tradition des französisch geschnittenen und des deutschen Zierbeetgartens bricht. Es gilt, dem Prinzip der Natur unter Betonung malerischer Gesichtspunkte zum Sieg zu verhelfen. Wege, unregelmäßig, mit Steinen belegt, zwischen denen Gras in wilder Unbekümmertheit auftvächst, die Ausgleichung der Niveauunterschiede des Terrains durch Ziegelstufen, die Anlage des Bassins, wobei das Wasser im Niveau der Steinumfassung liegt, das Ganze durch bi" Manigfaltigkeit der Blumensarben und des Baumschlag! in eine abwechslungsreiche Harmonie gesetzt, lassen deutlich die Prinzipien der modernen Gartenarchitektur er^ kennen. Maler nnd Architekt waren hier in verständnisvoller Zusammenarbeit am Werk. Die Freiheit, die der Bauherr dem Künstler gewährte, hat sich bezahlt gemacht. Farbe, Form und Zweckmäßigkeit erfüllt sich in: Sinne künstlerischen Willens. So kam eine Wohnstätte zustande, in der alles der Verwirklichung edler architektonischer Absichten dient. Oskar Rosenfeld. Sie kinweihrmg de« Helve-Ieulmals in «itona.!A!m 2. Juni fand in dein neueebanten Mausoleum des v. Donnerschen Parkes in Altona, die neue Einweihuug des von dem holländischen Bildhauer Hasselrijs geschaffenen Heinrich Heine-Denkmals statt. Es ist dies das schicksalveiche Steinbild des sitzenden, kranken Dichters aus der Zeit der Pariser Mätratzengrust. Dieses Denknial, 1871 entstanden, nmrde, da seine Aufstellung in Deutschland verboten war, von der Kaiserin E lisaveth »ach ihrem Achilleivn auf Korfu gcholt. Als nach dem Tvde Elisabeths Kaiser Wäl helm N. des Schloß ertvarb, ve r-