Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2971 (5.6.1927)
- Date
- 1927-06-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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'^'-H r:iv ‘r- ■* Nr. 2S7i Men, Sonntag Wiener Morgenzeitung ö.Jnnl W27 Sektes lDsr Zohn des IVIosss Mautner Ein Wiener Roman von Leopold HicKfer. Copjright lWTby R. Lßwit Verlag,Wien- Leipzig (52. Fortsetzung.) den Homer! Der paßt da her!" — „Oho! Lieber Freunds*" sagte der Philologe, Professor Kornfeld, „die Rosinen darf ich Sie nicht heraussuchen lassen. Ich bereite Sie für eine Prüfung vor. — Wir arbeiten für die Matura! Wie leicht ist es möglich, daß Sie eine Stelle aus der Aencis bekommen! Bitte — suchen Sie nur." Gustav seufzte, beugte sich wieder Mer das Buch und suchte. — Die Sonne war bereits unten., Durch die Bäume glühte aber noch der feurige Himmel und warf kleine Lichterchen auf die so schwer verständlichen lateinischen Worte. — — Sehnsüchtig und vierstohlen blickte Gustav zu dem schönen Himmel hinauf, aber schon hatte es der Philologe bemerkt: „Herr Mautner!" rief er mit leisem Tadel, >„leider muß ich sagen: Haben Sie nicht nrehr die wichtige Aufmerksam» keit! — Wenn ich bedenke, wie Sie 'früher überseht haben! '— Ich muß gestehen: Das Land — (hat Sie eher verwirrt!" — — In diesem Augenblick zwitscherte ganz nahe ein kleiuer Fink und in freudigem Schreck blickte Gustav durch das .dichte Lckub nach dem kleinen Sänger. „Aber, Herr Mautner!" rief Professor Kornfeld, „das verbum sinitum?" — Das Verbum finitUm!-Dieses Vexierbild! Es ist vorhanden; nur dem Schüler ist es verborgen. Gustav war aber.des Rätselspiel's müde. — Er erhob sich, klappte das Buch zu: „Nein, Herr Professor! Nein. — Ich Hab' genug! — Ich kann den Bevgil nicht übersetzen! Da geb' ichs lieber aus!"-- Im ersten Schreck nahm Professor Kornfeld die Brille ab, reinigte sie und blickte dann durch schärfere Gläser nach seinem Schüler, ob er auch recht vernoMnien?-„Wie sagen Sie, Herr Mautner?" — „Ja, Herr Professor! Ich Hab' genug!" und zur Bekräftigung schob er den Bergil, wie einen Aussätzigen zur Seite. „Der geht mir bis daher!" und er deutete nach seinem Hals. — Zlassimgslos rief der Philologe: „Wie? Die Aeneis? Dieses erhabene Werk? Birgil! Bergiliust...?!" — „Ist ein Ekel!" ergänzte Gustav; denn ihm war alles gleich geworden. „Ist der fadeste Patron, der mir je im Leben untergekommen ist! Ich kann ihn nicht nrehr übersetzen!" — „Herr M'aUtner! Herr Mautner! Bedenken Sie Ihr sträfliches Vorhaben! Wir sind knapp vor dem Ziele! — — Jetzt wollen Sie die Flinte ins Korn iverfen?!" — „Ich kann nicht inehr, Herr. Professor! Ich Hab' genug!" — „Ueberlegen Sie, Herr Mautner! lieber!egevi L1e< Aus Ihnen spricht der Zorn und nicht die wahve Gesinnung!"- Du artfremder Philologe! Die Worte desiZorns sind wahr Und echt! Durchgearbeitet, durchgeglüht — wie die Lava des Vulkans — dringen sie aus jensm dunklen Schacht der Seele, den der Mensch sonst vor sich und anderen verschließt! — Sofern wäre der Zorn von Gott; denn in diesen Eruptionen ringt sich etwas ans Licht, das sonst niedergestoßen und niedergetreten wirjd: Die Wahrheit. Sie bleibt nicht lange an der Sonne, denn der Mansch widerruft Und wir nennen es dann beschönigeird: Ueberlegung statt: Ueberwindung des wahren Ich. — „Nun, Herr Mautner?" fragte der Philologe, „haben Sie Überlegt?"-„Herr Professor! Ich bitte üm Bedenkzeit. — Ich muß allein sein! — Ich geh' — fort; nur für eine viertel Stunde. Ich...." Er stürmte schon aus dem Garten und lief in den 'angrenzenden Wald. — — Ruhig wars im Walde und eine tiefe Sehnsucht nach. diesem stillen Glück sichte und verzehrte ihn. —., „Wer hat dich du schöner Wald. " — dachte Gustav. „Brauchst kein verbum sinitum, atmest ohne Aorist und trigonometrische Formeln, frei von jeder Marter! Und ■ die kleinen Vögel in dir! Wie Munter hüpfen sic in der Zweigen! Wie sorglos und unbeirrt! Sv leicht, fo fve .sein!"- Sommer-Kleider Qlrfglnal-Modella in Crepe de Chine, Cröpe Georgette, Foulard, Rohseide S aus engl. Stoffen, Herren-Fassons 8 ^Öa" Notfälle in diversen Stoffen und /Q Farben, auch gefüttert S wir»“ Wirfsdiofis % Korten n Dirndl Ripsleinen, Rohseiden- Irnit,, Wasch-Vofle Kleider Neueste Nüster! s Blusen aus Panama, Crepe, Popeline, Ripsleinen 3gfi0, 2,80, H, Klnder-Kleidchen 2.«, Lk 0.« Wasch - Voile, Ripsleinen Etamine, honlge FassonsE s Mariahlfferstr m-- 98—4S