Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2971 (5.6.1927)
- Date
- 1927-06-05
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Men, Sonntag Wiener Morgenzettnng 5. Juni 1927 Nr. 2971 Wien, 6. Juni. Die Hitze. Zu der heißen SMströmung ist nunmehr auch eine marine Luftströmung aus dem östlichen Mitteliioeerbecken nach Europa gekommen, so daß zunächst die Temperatur an stieg, dann aber gestern nachmittags durch einen ziemlich ausgiebigen Regen mit Gewitter und Hagelschlag etwas abkühlte. Die ungewohnte Hitze hat gestern vormittags noch eine Reihe von Unfällen hervorgerufen. Die RettunMesellschaft mußte in den letzten Hitzetagen nicht iveniger als M6 Interventionen vornehmen. Die Zahl der Erkrankten betrug 142. die der Verletzten 163. Sowohl daS Publikum auf der Straße ,als auch die Arbeiter in den Betrieben standen unter der verderblichen Einwirkung der Hitze. Ueberaus groß ist die Zahl der zumeist in Bädern von Sonnenbrand betroffenen Personen. Der gestrige Tag hat auch wieder mehrere Badeopfer gefordert. Der 19jährige Schneideraehilfe Hermann Stromer ,20. Bez., Treustraße wohnhaft, ist beim Baden im Donaukanal nächst der Donauwerft in der Brigittenau untergesunken und trotz aller Rettungsversuche ertrunken. — Freitag abends ging beim Schwimmen im Donaustrom oberhalb der Reichsbrücke der 17jährige Hilfsarbeiter Walter Rigele, Lassallestraße, unter, ohne daß seine Leiche geborgen werden konnte. — Gleichfalls Freitag abends um halb 9 Uhr wurde am Kaiserwasser nächst dem Strandbad Gänsehäufel ein herrenloses Boot anaetroffen, in dem sich Kleider und Wertsachen befanden. Am folgenden Morgen wurde in der Nähe der Fundstelle des Bootes die bloß mit der Schwimmhofe bekleidete Leiche eines Mannes geborgen. Sie wurde als die des 24jährigen Privatbeamten Ludwig L e ch n e r .Mühlgasse. erkannt. — Gestern mittags ist in Stadlau der 26jährige HandelsangesteMe Friedrich Goebel, Simmeringer Hauptstraße wohnhaft, beim Baden plötzlich im Wasser versunken. Alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Die Wettervorhersage spricht von einem Einbruch kühler Westwinde unter Gewitter, zeitweise Regen. Binder aufs LarH" i-r der T^risnkolonie Döslau werden noch restliche Mätze vom U .Hunt bis 15. 3ulr 1927 veraebeu. Selbstmord. Vorgestern fanden Passanten am linken Donaukanalufer unterhalb der Schlachthausbrücke einen schwarzen Ueverzieher und Abschiedsbriefe. Aus dem Inhalt der Schreiben ging hervor, daß Schreiber der Briese der 30jährige Kaufmann Otto Bernstein, Obermüllnerstraße wohnhaft, wegen finanzieller Schwierigkeiten Selbstmord begangen hat. Die Frühgeburt in der TeleWonzelke. .Gestern um j&5 Uhr nachmittags >fand der^Zähntechniker Natan Koßfler'in der'Telephonzelle auf dem'Rä^ausplatz nächst der Stadionaasfe einen ln ein .ivei^s SacktuH füllten Embrvo. 'Bei der Frühgeburt Ig.g ein Letter, der in kräftiger Männerschrift der gegenwärtigen Gesellschaft die ^huldbei.mjft. Die Kindesleiche rn -er Maggkwürseldose. Aus Baden wird uns gemeldet: Gestern fanden zwei Burschen in der Nähe deS Wiener-Neustädter Kanals eine Maagiwürfeldose, die eine Kindesleiche enthielt. Das Kind dürfte von der Mutter gewaltsam in die bloß 28 Zentimeter hohe und 16 Zentimeter breite Dose eingezwängt worden sein. Die Burschen Übergabe^ den Fund der Gendarmerie. Die Obduktion ergab ,datz das Kind erdrosselt worden Ist. Unter dem Verdachte, den Kindesmbrd verübt.jjtt .haben., . steht eine .Zigeunerin mrelche vor einigen Tagen 'in Der Nähe der Fundstelle laaerte.' Die Gendarmerie hat die Nachforsch unnen nach, dieser Zigeunervande einLelejtet. Eine Geschäftssran verschwunden. Seit dem 3. d. M. ist die 48jährige Geschäftsfrau Hermine Hirsch aus ihrer Wohnung in der Neuwaldeggerstraße spurlos verschwunden und ihre Angehörigen vermuten mit Rücksicht auf Aeußerungen, die die Vermißte vor ihrem Verschwinden gemacht hat, daß sie sich. ein Leid angetan haben könnte. Die Vermißte wird beschrieben als groß, schlank, mit meliertem Haar, i tauen Augen, trug falsches Gebiß und war mit dunkelblauem stleid und schwarzem Hut bekleidet. Sie dürfte aus Furcht'vor' tiner Operation das Haus verlassen haben.' Hmlptusrsammlung der zahnärztlichen Vereine Oesterreichs. Unter Teilnahme von 200 Zahnärztendes In- und Auslandes, der Vertreter der ärztlichen und zahnärztlichen wissenschaftlichen und Standesorganisationen der Grazer ^Universität und der Bundes- und Landesvehörden wurde gestern in Graz die achte Hauptversammlung des Verbandes der zahnärztlichen Vereine Oesterreichs durch, den Präsidenten Dozenten Dr. Spitzer (Wien) und Professor Dr. Braurer (Graz) eröffnet. Auf dem Programm stehen Vovträge über Themen aus dem chirurgischen, anatomischen, hiistologischcn und praktischen Gebiete der Zahnheilkunde. E Sorglos verlassen Sie Ihre Wohnung, wenn Sie Teppiche jmb Kostbarkeiten in Obhut wissen bei Lüftschitz A. G.,21. Äoz., Mgde-burgstraße 71. Auch Belehnungen zu günstigen Bedingungen. Tel. 46-5-81. internationaler katholischer Geseklenürg. Gestern hat in Wien ein Kongreß der internationalen latholischen Gesellenvereine begonnen, zu welchem etwa sechshundert Delegierte aus der ganzen Welt eingetroffen sind. Lie Tagung dieser von dem Pfarrer Kolping in Köln begründeten sozial-charitativen Verbände steht unter der Devise ^Familie, Demokratie, Völkerfrieden". Dre Straßenbahn als Wetterprophet. In der im Verlag G. HirthS Nächst in München er- Scheinenden Zeitschrift „Illustrierte Technik für jedermann" esen wir: Der UnterbrechungSfunke, der entsteht, wenn ie Rolle am Stromneymerbügel der Straßenbahn vom Draht etwas abgleitet oder über die Stelle geht, wo seitliche Drähte dom Leitungsdrayt avzweigen, Ist ein guter Wetterprophet! Der Funke ist blau, wenn die Lust wenig Feuchtigkeit enthält; man kann dann schließen, daß am nächsten Tag voraussichtlich gutes Wetter fein wird. Beim lleberschlagen in feuchter Luft ist der Funke grün; die sfirlge vuchter Lust pflegt Nebel oder Regen zu sein. Weiße Funftn entstehen, wenn das Wetter umschlägt, feuchte Luft trocken kber trockene Lust Plötzlich feucht wird. Weiße Funsen bet schlechtem Wetter zeigen also eine nahe Besserung m, weiße Funken bei gutem Wetter können mahnen: lieber den Regenschirm mitneymen. der älteste Weinstock. Deo älteste Weinstock der Welt befindet sich in der Rheinpfolz, tnd zwar in Oberlustadt bei Germersyeim. Der Stammtmfang dies»' Stocks betritt etwa 120 Zentimeter, seine Würfln haben die i '«sehnliche Länge von etwa 60 Metern. Dieser Leinsrock trägt aMhrlich noch prächtige Früchte. Seine Pflanzflt dürfte in daS Jahr 1500 falten, wie Professor Dr. DÄ«- ferlini chü» andere Weinbausachverständige angegeben haben. E BeschwerbenfrvieS Alter erreichbar durch eine Radiostklerin -kur, die eine Verdünnung des Blutes bewirkt, der Verkalkung der Blutgefäße vorbeugt und diesen die notwendige Glafezität erhält. Radiofllerin ist als Borbeugungs- und Linderungsmittel ärztlich erprobt und frei verkäuflich. Radimn- ^ehal^ amtlich geprüft. Depot: Apotheke Bayer, Wien, 1., E Das feit 95 Jahren bestehende Bankhaus Schelhammer & Schatte ra, Wertz I., Stephmlsplatz Rr. 11, wo auch bei der soeben beendeten 16. Klassenlmterie mehrere Haupttreffer gewonnen wurden, macht unsere w. Leser , auf die beginnende 17. Lotterie aufmerksam und evsucht, das zu unserer heutigen Gesamtauflage beigelegte Prospekt genau, zu beachten. E OeffentRche Hmchelsschule Allina. Prospekte und Aufnahme in die zwei- und eimährigen Tageskurse des 60. Schuljahres 1927/38 in der Schulranzlei, 1. Bez., Rauhensteingasse 5. Unterricht für Schüler nur vormittags, fiir Schülerinnen nach Wahl vor- oder nachmittags. Tel. 77-0-77. E Gesellschaftsreise der Zionisten Oesterreichs nach Beatiflava (Preßbmg). Sonntag, den 26. Juni, mit Separatdampfer. Rückkunft nach Wien um 11 Uhr nachts. Paß und Visum nicht erforderlich. Preis 9 S. für Hin« und Rückfahrt. Kartenbehebung für restliche Plätze, letzter Termin: 10. Juni. Zion. Bureau, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, Tel. 77-4-65, 77-4-86. E Seit 74 Jahren veranstaltet die staatliche Lotterieverwaltung regelmäßig Geldlotterien für wohltätige und gemeinnützige Zwecke, welche den Loskäufern günstige Gew'.nstaussichten bieten. Zur nächsten Ziehung, welche am 9. Juni L I. stattfindet, kostet ein Los wieder 3 Schilling, demgegenüber beträgt der erste Haupttreffer 100.060 Schilling. E Neuerlich haben wir den Beweis unserer Beliebtheit bei unseren geehrten Kunden deutlich Zeichen: Der Zustrom zu meiner Modenausstelliing ist ein derart riesiger, wie er sonst nur in den größten amerikanischen Warenhäusern vorkommt! Kein Wunder, denn unsere unerhört billigen Preise — gediegenste Qualitäten — der Schick unseres Hauses und zum Schluffe die allergrößte Auswahl wirken wie ein Magnet auf unsere Kunden und ziehen täglich neue Massen an! Modeupalais Krupnik, 7. Bez., Kaiserstraße 111—115. E Achtung, meine Damen! Serien tage Gerngroß!!! Am Dienstag, den. 7. Juni, beginnen unsere Serien-Verkäufc laut Inserat aus Seite 11. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, oaß der Serien-Berkauf nur vormittags von 8 bis 12 Uhr stattfindet. Lassen Sie sich diese „seltene" Kaufgelegenheit nicht entgehen. Damenkonfektion im Modenhaus A. Gerngroß A. G-, 7. Bez.- Mariahilferstraße 38—48. E Heute Eröffnung der Hernalser Radrennbahn. Der einst so blühende Radrennsport in Wien geht allem Anscheine nach einer neuen Renaissance entgegen. Die bekannte Hernalser Bahn in der Rose n stei ngasse wurde vom Direktor Dusch in - sky übernommen und ganz neu renoviert. Die Eröffnungsrennen finden heute und morgen statt. Im Rahmen der großen Konkurrenz wirken auch hervorragende ausländische Fahrer mit, -darunter der Europameister Stellbrinü. Während der Abhaltung der Rennen wird die Musikkapelle der Eisenbahner Wien-West konzertieren. Beginn ist um 15 Uhr 30 Minuten. oooooooooooc QQQQcxxx)ooooooooogxxxxxx)oooooocxxxxxxxx)o,x30oooQoocxxxxxxxxxxxx>ooout * JÜDISCHE WEIT ==J AattfemMfche Ansschrektnngen in Posen. Lodzer Kaufleute, die soeben aus Posen zurückkehrten, teilen mit, daß sich die antifemittsche Propaganda im Distrikt Posen abermals sehr verstärkt hat. Auf die Gerüchte hin, daß die Regierung bereit sei, die Vorschrift 'der ZwangSfvnntagsruhe zugunsten der Juden zfl mildern, setzte eine spontane Hetze ein, die wiederholte Ueberfällc aus die Juden zur Folge hatten. Der Warschauer Kaufmann Hilirowiez wurde schwer verletzt und in bedenklichem Zustand in das Kranken-- hcms überführt. Nicht unbedenkliche Verletzungen trag der Kajufmann A. Warszawski davon. Sehr scharf wird auf den Eisenbahnen gegen die Juden gehetzt. In 'Posen und im ganzen Bezirk werden Massenversammlungen gegen die Milderuvg der Sonntagsruhe-Vorschriften abgchalten. (I. T. 31.) •: Sine Stiunetnng an die gndenMlnng im denischen Heere. Die „C. B.-Zeitung" in Berlin schreibt zu dem Tode des früheren Kriegsministers v. Ssiein: „Sein 'Ableben ruft die Erinnerung an jene beschämender: Vorkommnisse der letzten Kriegsjahre wach, in denen das preußische Kttegsministerium unter Leitung des Generals Wild vo Hohemborn. die berüchtigte Judenzählung ..im Heere anyrdnete. Der Sturm der Entrüstung, deN dieser folgenschwere Bruch des Burgfriedens 'hervorrief, im Verein mit politischen Vorgängen allgemeiner Natur, .entfernte General Wild. v. Hohenborn, dem General v. Stein folgte, von seinem Posten'. Der neue Minister fand die unerquickliche Aufgabe vor, den Schritt feines Vorgängers zu entschuldigen und seine. Wirkungen nach Kräften wieder auszugleichen. In zahlreichen Schreiben brachte er zum Ausdruck, daß e r die Jndenstatistik nicht angeordnet haben würde. Sv schrieb er beispielsweise an Geheimrat Oskar Cassel; jedenfalls habe ich festgeftellt, daß das Verhalten der jüdischen Soldaten und Mitbürger während des.Krieges keine Veranlassung zu der Anordnung, meines Herrn Vorgängers, gegeben hat und damit nicht ixi Beziehung gebracht werden kann . . ." Die Bemühungendes Generals v. Stein, die verhängnisvolle Wirkung der Judenstatistik aus der Welt zu schaffen, sind leider vergeblich gewesen. Noch immer beruft man sich bei diesen auf die Zahlen, die Otto Armin, alias Alfred Roth in seiner Schrift „Die Juden im Heere" angeblich unter Benützung des Materials des Kriegsministeriums veröffentlicht hat und die nicht uachgeprüft werden können, weil das Krregsnrini'sterium die Menrinficht verweigerte. Für den objektiven Untersuchungen zugänglichen Menschen fteilich sprechen die Zahlen edr Segallschen KrtegSstatistek mit ihren hunderttausend Juden als Kriegsteilnehmern und ihren 12.000 GefaNenen eine überzeugende und erschütternde Sprache." Sin Wischer Konfistorin« in Litnnen. Ans Kowno wird uns berichtet: In der vor kurzem abgehaltenen Konferenz des Rates der litauischen Rabbinervereinigung wurde die Frage der Schaffung einejüdischen Konsistoriums in Litauen mit einem Großrabbiner an der Spitze behandelt. Bei der Beratung sprachen sich die Rabbiner aus der Provinz gegen dieses ProM aus und beantragten, es solle die Jnstttutton der Kveisrahhiner, wie sie vor einigen Jahrzchnten in Litauen bestanden hat, Wieder inS Leben gerufen werden. Für daS. KonjistoriumSprojekt setzten sich die Rabbiner von Kvtono ein. Der Rat des Rabbinerverbandes entsandte in deri Angelegenheit eine Deputattan zu dem Referenten für Kultusangelegenheiten im Innenministerium. Der Deputation wurde dev Bescheid, daß die litauische Regierung bereits die Einsetzung eines Großrabbiners für ganz Litauen beschlossen hat. Ueber die Schaffung eines Konsistoriums ist ein endgültiger Beschluß noch nicht gefaßt worden, doch dürste es ebenfalls von der Regierung in bejahendem Sinne entschieden werden. Für die Stelle eines Großrabbiners kommt primo et unieo loco der Kownoer Rabbiner Schapira in BetrM. Sine Gartenstadt für Wische Waisenkinder bei Lodz. Aus Lodz wird uns berichtet: Me von zionistischer Seite vor drei Jahren ins Leben gerufene Waistnsarm „Hclenubck" bei! Lodz hat trotz ihres kurzen Bestandes eine gute und moderne Entwicklung genommen, so daß jetzt darangegangen werden konnte, durch Erwerbung neuen ausgedehnten Kulturbodens eine Vergrößerung der Anstalt dnrchzufnhren. Zunächst tvnrde eine neue Handwcrkerschule errichtet und bereits eröffnet. Dia Waisenfarm wird jetzt allmählich zu einer herrlichen Garteilstadt ausgestaltet; von besonderem Interesse für die Fachleute ist dir Anlage einer allen neuesteir Forderungen der Technik entsprechenden großen Orangerie; diese wird znm Andenken an> den verstorbenen Präsidenten des Zentralen jüdischen Arbeiterverbandes von Lodz, Sälo F r ö h l ich, gepflanzt - und soll in zwei Monaten vollständig fertiggestellt sein. Ein jüdischer „Arbeitsheld". I. T. A. meldet aus M o ska u: Der 64jährige jüdische Schmied Wolf Rothbart im Städtchen Stepeschize (Circaffin), der -seit 50 Jahrdn seinen Beruf ausü-bt, wurde auf Vorschlag der lokalen Gewerkschaft durch den Titel „Arbeitsheld" ausgezeichnet. Bernhard Barons Stiftungen. Wie die I. T. A. aus London meldet, hat Herr Bertthard Baron neuerdings 10.000. Pfund Sterling für das Royal Sussex County Hospital zu Brighton gespendet. Damit haben die Spenden des Herrn Baron zu karitativen Zwecken die Höhe von einer Mil l i o n Pfund erreicht. Jüdische Stadträte in Amsterdam. Bei den soeben durchgeführten Wahlen zum Amsterdamer Stadtrat wurden unter den 45 Stadträten 13 Juden gewählt. Es sind dies die Herren: S. R. de Miranda, E. Polak,, E. Boekman, S. I. Pothuis, W. Polak, G. v. d. Bergh, B. H. Sajet, Frau A. v. Blitz-Bonn (Sozialdemokraten); I. H. Bos (liberal); E. I. Abrahams (freier Demokrat); A. Weiß (neutral); D. Wyn-koop und A. Lisser (Kommunisten). Jüdische BoMbikdungsarbeit in Sarajevo. Aus Sa rajevo wird uns geschrieben: Bor einem Jahr hat sich jin Sarajevo, wo es gegen 8000 Juden gibt, auf Initiative'des Oberrabbiners Dr. L evi ein jüdischer Kultmvervin „Tärvuth" gebildet, der sich zur Mfgabe stellte, in Sarajevo eine 'Art VolLsbildungsanstalt zu schaffen, in welcher regelmäßig populäre Vorträge aus den jüdischen und anderen Gebieten gehalten werden sollen. Die viesjährige Vortragssaison, die im Dezember v. I. eröffnet wurde, ist soeben beendet worden. Es wurden 18 Vorträge abgehalten. Unter anderen sprachen: Ing. Grof (Tempelbauten), Dr. Perle (Trumpeldor), Dr. Neuer (Die Ehe und das Recht), Dr. B e r a n (über Psychoanalyse), Dr. Schneider (Spinoza), Vilma Bauer (Beethoven), Dr. Goldberger (Norton) usw. Diese Vorträge haben insgesamt 3409 Personen, unter ihnen 1826 Erwachsene und 1684 Jugendliche, besucht, was als ein sehr schöner Erfolg zu werten ist. Ein historisch wichtiger jüdischer Grabstein gesunden. Sit Mainz hat man bei der Erneuerung der Fassade eines Hauses in der Jnsolstraße, eines bekannten Bierrestaurants, an der Sttaßenecke erneu Grabstein mit hebräischrr Inschrift, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammend, entdeckt. Die Mainzer Fachautoritüten sind mit der Prüfung -der^ Schrift beschäftigt. Soweit sich bis jetzt beurteilen laßt, scheint der Inhalt des Epitaphs von bemerkenswertem historischem Interesse zu sein. Es schweben Verhandlungen mit dem Besitzer des Hauses, zu dem Zioecke, -den Stein womöglich loszulösen und ihn dem neuerrichteten jüdischen Denkmalsfriedhos zuzuführen. Wie bekannt, blioben die jüdischen Friedhöfe am Rh-oin während der Judenverfolgungen im Mittelalter lange Zeit ohne Aufsicht. Währen-d-dessen wurden die Steine verschleppt und zu Häuserbau tcu benutzt. Anfnahmsbedingmlaen für die Berliner Schächterschule. Aus Baden wird gemeldet: Zum Präsidenten des Kuratoriums der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden ins Leben! gerufenen Schächterschule tvurde Bruno G a l e w s k i-Aerlin und zu dessen Stellvertreter Rabbiner Dr. L ö w e n. t h a l-Berlin gewählt. Als Aufnahmsbedingungen für die Schule lourde festgesetzt, baß nur jüngere Männec zur Ausbildung zugelasseu werden sollen. Es wird der Nachweis der erforderlichen Kenntnisse des biblischen und talmudischen Schrifttums uno des einwandfreien Lebenswandels der Äufnahmstverber gefordert. Die Ausbildung soll sich auch auf veterinäres Wisserc erstrecken und Wert daraus gelegt werden, daß die Gesamtausbildung eine Hebung des ganzen Schächterstandes erreicht. jDie Eröffnung der Schule findet am' 1, Juli d. I. statt. Die Lehrzeit dürste fort allgemeinen mindestens auf zwei Jahre bemjejsen werden.