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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-05 · Heft 2971 (5.6.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2971 (5.6.1927)
Date
1927-06-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2971 Me«, GorrrMg Sekte 7 bin schweres AutomobilunglÜck. PklMkl«« -r. LIchtenfttt« leicht, leine Mtttn milch «erle»t. Wie uns in später Abendstunde mitgeteilt wird, hat sich gestern nachmittags in der Nähe von Sollenun bei Wiener-Neustadt ein schweres Antomobilunglück ereigne. Ein Wagen, in dem sich der bekannte Wiener Chirurg und Urolog, Primarius Dr. Robert Lichtenstern, sowie seine Gattin und sein Sohn befanden, überschlug sich und stürzte die Buchung der Landstraße hinab. Die Insassen wurden hrnausgeschlendert. Frau Dr. Lichtenstern wurde durch den Sturz so schwer verletzt, daß sie «ach kurzer Zeit starb. Ihr Gatte, sowie ihr Sohn kamen mit leichtere« Verwundungen davon. Ae wurden in ihre Wohnung nach Men überführt. Die Leiche der Frau Dr. Lichtscheu» wurde nach Wiener-Neustadt gebracht. « Das Unglück hat sich gegen 4 Uhr nachmittags bei Kilometer 33.6 der V undesstraße in Solkenau beim Aspangbahnhosc ereignet. Das Auto wurde von Primarius Dr. Robert Lichtenstern selbst gelenkt. Neben ihm saß seine Gattin Vilma, im Fond der Chauffeur und der junge Sohn des Arztes. Das Unglück dürste dadurch sich ereignet haben, daß Primarius Dr. Lichtenstern, um einem Fahrzeug zuvorznkommen, den Wagen, zur Seite gelenkt hat, hiebei an einen Randstein und dann an einen Baum ungefähren ist. Der Wagen wurde vorne förmlich eingedrückt, Frau Lichtenstern erlitt derart schwere innere Verletzungen, daß sie ihnen fast auf der Stelle erlegen ist. Von Wiener-Neustadt fand sich eine Polizeikommission au der Unfallstello ein, um den Tatbestand aufzunehmen. Festgestellt wurde, daß durch das Anstoßen des Autos an den Randstein die Pneumatiks gerissen sind, wodurch Primarius Dr. Lichtenstern die Herrschaft über den Wagen verlor. Sin falscher Arzt unter Mordverdacht Ae SM» aus der Sochzeltsrelse dwS z«leltlmea getütet? >Aus Innsbruck wird uns gemeldet: Hier wurde ein gewisser Eduard Michael Nagele, der sich als .Arzt ansgab, unter dem Verdacht verhaftet, seine ihm erst am;10. Mai d. I. in Bad Hall angetrante Gattin auf der Hochzeitsreise durch Injektionen getötet zu haben, usm sich irr den alleinigen Besitz der Mitgift zu Hetzen. Nach den Erhebungen der Wiener Polizei ist dieser Nagele ein oft abgestrafter Verbrecher. Er ist am 15. Februar 1903 in Lustenau in Vorarlberg geboren, nach .Telfs in Tirol zuständig und aus Wien wegen Gefährdung der Sicherheit des Eigerrtums abgeschafst. Nagele ist wiederholt wegen Einbruchdiebstahles, Betruges unb Veruntreuung abgestrast worden. Nagelte hat anfangs dieses Jahres die Tochter eines wohlhabenden Mairienbader Hotelbesitzers kennengelernt, der er sich als Assistenzarzt eines Innsbrucker Spitals vorgostellt hat. .Er hielt, da das Mädchen eine tiefe Zuneigung zu .ihm gefaßt hatte, bei den Eltern-um ihre Hand an. Die Eltern willigten ein, und als Mitgift setzte der Hotelier 11.000 Schilling in Bargeld und einen Scheck auf 61.000 tschechische Kronen fest, während die Tochter außerdem eine Brautausstattung im Werte vor: 20.000 Schilling erhielt. Nach der Trauung begab sich das Paar auf dieHvchz-eitsreise, und die Karten der jungen Frau an die Mern sprachen von restlosein Glück. Plötzlich kam die 'Nachricht, daß die Frau an einer Fleischvergi-f" düng gestorben sei. Die Frau Hätte über heftige Leib-!schmerzen geklagt, so daß ihr der Gatte „schmerzstivlende Injektionen" verabreichte. Im Krankenhaus ist sie Tags darauf gestorben, wobei im Totenschein Herzschwäche als Folge einer Bergiftuingserkrankung angegeben wurde. Die Diagnose hatte sonderbarerweise dev Gatte der Toten selbst gestellt. In Innsbruck hat Nagele sich in den Angaben über den . Tod seiner Frau wiederholt in Widersprüche verwickelt, so daß die Polizch. sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen begann. Hickbei wurde festgestellt, daß Nagele nur die Volksschule absolviert hat, kein Arzt ist, wohl aber als Diener bei einem Arzt beschäftigt ivar, der ihn wegen Unredlichkeiten entließ. Dort hat er sich einige medizinische Kenntnisse angeeignet. Seine Dokumente und seinen Paß hat er durch die Einfügung des Doktortitels gefälscht. Bei den bisherigen Einvernahmen leugnete er die chm zur Last gelegte Tat, doch wurde er auf Grund dev vorliegenden Verdachtsmomente bereits dem LandeSgerichte ttngeliefert. Kn erotischer Frauenjiiger- Verhaftung eines angeblichen russischen KavalleriemajorS. In den letzten Monaten ist >in den Wiener Ringstraßeneafes ein exotisch ausschender Mann ausgefallen, der eine phantastische Uniform trug. In hohen Reitstiefeln mit Sporen und in reich verzierter Uniform stolzierte der Mann, säst immer eine Reitgerte in der Hand haltend, in der Stadt herum. Man wußte nicht recht, wovon der Mann eigentlich lebte, und Mt ihn für einen distinguierten Fremden. Verschiedene Anzeigen gegen ihm veranlaßteir aber nun die Polizei, sich mit ihm näher zu befassen. Es wurde festgestellt, daß er durch Inserate und Bokanutschasten wiederholt Mädchen, an sich zu locke« versucht hat, denen er eine Stelle als SeckrntÄrLn verstrach. Ans dem Posten wurde zwar nichts tvvHl aber versuch l c , er den zumeist halbwüchsigen Mädchen seine Liebe aufzn; drängen. Er verlangte von den MÄchön, daß sie ihm nicht nur als Hilfskraft, sondern für ^Wkes" dienen müßten. Nicht weniger als zwölf solcher Anzeigen sind gegen ihn. Ct]TOttCt IwCtrPtu Bov der Polizei gab er sich als gstvan KarmawoMffi aus, 1688 zu Kieslar im Kcmkaftrs geboren, vormals Major in einem russischen Kavallerieregiment. Als politischer Flüchtling sei er zunächst in die Tschechoflowakei, dann aber wegen Verfolgungen nach Wien gekommen. Festgestellt wurde, daß die ,^-olitischm Verfolgungen" in der Tschechoslowakei darin bestanden, daß Karmanowfki wegen Veruntreuung mit *16 Monaten schweren Kerkers bestraft rmd ans der Tschechoslowakei aus gewiesen würde. In Men hat er auch verschiedenen Psfonen größere Geldbeträge herawSgMR. Gr wßrd dxM.LarckesgerichtL eimgk^esert. Das grhcimnsrvMe Halsband. Gin Newyorker Bankier brachte ferner Frau von einer Geschäftsreise ein Jade-Halsband mit, wofür er 260 Dollar bezahlt hatte. Bald daraus wurde der Schließer des Kolliers schadhaft und der Bankier brachte es zu einem . jj> toelier, damit er es repariere. Als er sein Eigentum wieder^fI zurückholen wollte, wurde ihm mitgeteiA, daß das Hals- *' band sich bei dom erster Fachmann« der Firma befinde, der ihn zu sprechen wünsche. Der Bankier begab sich zu dem Sachverständigen und vernahm von diesem, daß die Firma' bereit sei, ihm 10.000 Dollarfür das Halsband zu bezahlen. Der Bankier bemerkte jedoch, daß seine Frau das Kollier zu bchalten wünsche und daß es ihm aus diesem Grunde nicht feil sei. Schon stand er bei der Tür, als ihm der Experte das Doppelte, 20.000 Dollar, anbot. Der glückliche Eigentümer schlug jedoch auch dieses Angebot aus und drängte aus baldige Rcharatur. Einige Tage später kam er sich wieder erkundigen, wie es mit dem Kollier stche. Moder bekam er es nicht zu sehen, doch diesmal wurden ihm 40.000 Dollar angetzoten. Wiederum weigerte sich der Bankier, das Kleinod zu verkaufen. Er verlangte auf das bestimmteste, daß ihm das Halsband zürückgegeben werde, auch wenn es noch nicht repariert sei. Auf diesen entschiedenen Ton hin, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ, ersuchte ihn der Juwelier, auf Kosten seiner Firma nach Chicago zu reisen, wo das Kollier bei einem Antiquar in sicherer Hut sei. Diesem Ersuchen leistete der Bankier Folge und schon wollte er Abschied nehmen, da bot ihm der Juwelier .70.000 Dollar an. Schon fragte sich der Bankier innerlich, ob es unter solchen Umständen nicht besser wäre, sein Bankgeschäft auszugeben und ein Geschäft mit Kolliers anzufangen und er hatte sich bereits vovgenommen, bei einem Angebot von 76.000 Dollar sein Halsband daranzugeben, in der Hoffnung, bann wohl auch zu erfahren, was denn diese eigenartige Geschichte eigentlich zu bedeuten habe. Noch hatte er seine Absicht nicht ausgesprochen, so bot ihm der Juwelier den Betrag von 100.000 Dollar an, für welchen Betrag der Kauf endlich abgeschloffen wurde. Der Bankier empfing einen Scheck, der auf den Betrag von 100.000 Dollar lautete und zugleich einen versiegelte n B r i e f, den er aber erst nach Ablauf von vier Wochen zu öffnen versprechen muhte. Endlich waren die vier Wochen herum. Mit zitternden Händen machte der Juwelier den Brief auf. Darin stand geschrieben, daß der Juwelier aus einem der Jadesteine die Inschrift „A. I. de N. — 1802" gefunden hatte. Es war ein Geschenk Nckpvleons an Josephine Beauharnais, das im Jahre 1860 aus dem Louvre gestohlen worden war und für dessen Wiedererlangung die französische Regierung einen Pr eis von 200.000 Dollar ausgefetzt hatte. vu. amRssAsse s muH man sich eine Frau vvrstellen, die wie unsere Niesen- Hamen aussicht und nur in eine Droschke nach Maß hinempaßt, eine dicke Dame aus dem Naritätei'.üaüinett meinetwegen, diese gilt — nehmt alles nur in allem — als das begehrteste Weib der Touaregs. Die Forscherin Dorothy Mills hat wie ein Faden neben. diesen Schönheiten dagesessen. Sie hat so manche Sitte mitgemacht, aber sie hat es abgelehut, sich einer Mastkur zu unterziehen, so sehr sie auch darum gedrängt wurde — gedrängt besonders von männlichen Mitgliedern dieses- Stammes. Das Land der dicksten Fenn en. Aus Timbuktu kehrte die Forscherin Dorothy Mills nach Europa heim. Sie hat wochenlang mit den Angehörigen des Kriegerstammes der Touaregs unter einem Dach gelebt und deren merünürdige Sitten und Gebräuche teifö mitgemacht, teils nur betrachtet. Die Touaregs wandern, wie andere Nomadenstämme auch, durch die Wüste Sahara. Weil Dorothy Mills nicht zu ihrem Privatvergnügen in Afrika war, hat sie in einem Buche niedergelegt, was ihr au Merkwürdigkeiten! be-> gegnet ist. Wenn ein Sklave vom Stamme dieser Touaregs seine Stellung wechseln will, daun kündigt er nicht, wie wir es machen würben, zum nächsten Ersten. Er geht einfach in das Zelt des Mannes, dem er zu dienen wünscht, durchschneidet einem seiner Kamele die Kniefchrmi) damtt bas Wer nicht lausen kan«. Sodann präsentiert er sichdem geschädigten Herrn, der ihn ohne Umstände engagiert. Am merkwüttitgsten sind die Frauen dieses! Stammes. Sie waschen sich mit Sand. Es ist natürllch richtig, daß bei Uns sich kleine Kinder mitunter auch mit Sand waschen. Aber bei den Touaregs ist diese Sitte von tieferer Bedeutung. GS geschicht nämlich wegen der Schönheit. Man muß sich vmHellen, daß die kompakte Masfch die allzu übertrieben fette Frau, das Ideal dieser barbarischen Männer vorstellt. Die Mädchen werden von Kindheit an mit grausamer Strenge gemästet. Sie müssen M dafitzen und haben nÄW zu tun, als immer nur zu essen. Dadurch werden sie zusehetlds fetter, beziehungsweise schöner. Und weil es gewöhnlich zu lange dauert, werden sie zwischendurch mit Oel eingevieben und in den Sand gerollt, damit sich alle Poren hübsch verstopfen und der Köcher Mörig MlSMyHezMt. Nun! . Farbe« als Wärmemeffer. Eine 'bemerkenswerte Erfindung ist die im Laboratorium der amerikanischen Electric Company gelungene Herstellung von Farben, die sich bei Temperaturerhöhung oder Temperaturabnahme deutlich wahrnehmbar verändern und daran die jeweilige Temperatur erkennen lassen. Die Veränderung erfolgt in der Weise, daß die Farben auf Erhöhung der Wärme reagieren, das heißt, sich verändern, während bei Temperatürabnahme der normale Farbentvn wieder auftritt. Enthält beispielsweise eine leuchtend rote Farbe doppeltes Kupfer oder Kupferjodid, so wird sie bei einer Temperatur von ungefähr 70 Grad Celsius zunächst dunkelbraun, bei einer Temperatur, die der des kochenden Wassers gleichkommt, jedoch ganz schwarz. Dieselben Farben, aber in der umgekehrten Aufeinanderfolge, treten -dann auf, wenn die Wärme wieder bis zur Normaltemperatur abnimmt. Bei Farben, die Mer- oder quecksilberhaltiges Salz enthalten, nimmt das natürliche Gelb bei starker Erwärmung ein dunkles Ziegelrot an. Die praktische Verwendung der temperaturanzeigenden Farben wird sich in erster Linie auf den, Anstrich von Maschinenteilen erstrecken, die starker Erhitzung ausgesetzt sind, so daß ein Warmlaufen sofort erkennbar wird. Auch für Behälter von Warmwaffer als Wasserstandsanzeiger wird ein Anstrich mit den neuen Farben gute Dienste leisten. Die Mod« int afrikanische« Busch. Nichts verdeutlicht die Relativität aller ästhetische!: Begriffe und Ideale besser als die Tatsache, daß es «ganze Völler und Stämme «gibt, denen das, was uns als ein Gipfel der Häßlichkeit erscheint, als vorbildlich schön gilt. Da sind zum Beispiel die Wambubas, ein afrikanischer Waldstamm, der noch vor nicht langer Zeit der Menschenfresserei huldigte. Irrwischen hat er sich zwar gebessert, aber mehr dem Schein nach als in Wirklichkeit. Die Frauen des Stammes kommen, sich am elegantesten vor, wenn sic eine möglichst große Zahl von schweren eisernen Halsrin-gen umgetan haben, die wie die Fesseln von Galeerensträflingen aussehen. In die Unterlippe bohren sie sich Köcher, die sie mit .Grashi'isschcln durchflechten. Am Oberkörper schlitzen sie sich die Haut auf, reiben die Wunden mit kWanzens-aft ein, um eine schnelle Heilung zu verhindern, und erzielen so eine Tätowierung, die plastisch herbortritt wie ein Relief. Bekleidet sind sie nur mit einem Gürtel, der kaum drei Zentimeter breit ist. In den Gürtel gesteckt tragen sie ein breites, scharfes Messer, das beim Gehen ihre Lenden schabt. Je aufgerauhter dadurch die .Haut wird, desto Legchrenswerter erscheint die betreffende Frau. Die Männer tragen viel breitere Gürtel als die Frauen und überdies noch breite, stoffartige Rindensetzen, die rückwärts etwa bis zu halber Rückenhöhe und vorn bis zum Nabel reichen. AngefertigL werden diese Fetzen aus der Rinde des Milu.mba-Baumes, die in feuchtem Zustand mit geriffelter: Knüppeln, manchmal auch mit Elfenbeinkeulen, bearbeitet wird. Unablässig Aop-fen die Wcunbubas m ihren Dörfern an Stücken der Kilumbarinde herum, um immer etwas anzuziehen zu haben. Ich weint', als meine erste Fra,» entschlief. Und auch, als meine zweite fort mir lief. Doch bet der dritten geht's mir ungleich besser, Denn sie nimmt Huber-Essig, nicht bloß saure Wässer,. h % 'rm

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