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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-03 · Heft 2969 (3.6.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2969 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette t W'l-eri, Freitag WlenerMorge«zeitu»g 3. Juni 1927 Nr. SdtzS ihm eine A n s p r a ch c und rvies humorvoll darauf hin, » daß Diamond erneu legendären Ruf besäße. Der Grund sei £ fein andrer, als daß er stets zwei Knüppel bei sich gef rragen habe.!veil er einen zu schnell auf dem Kopf eines Gegners zersplitterte. Diamond hat nie von seiner Schußrvaffe Gebrauch gemacht, der Holzlnüppel war seine einzige Waffe. Zur Krönung des Festes iourde dem Jubilar eine goldene Uhr zur Erinnerung überreicht, zu der der Juwelier ein Zeugnis ausgestellt hatte, das den gef etzmäßigen Verkauf des Wertstückes bestätigt. Jas Gttfte der Andianerromanttt. „Der letzte Aotzlkaner". Sterben ble Rotyöute aus? - Eine lnvlanlM UnlversitSt. Vor hundert Jahren ist in Amerika ein Buch erschienen, das stürmisches Interesse erweckte. Es hieß „Der letzte M o h i k a n e r" („The last of the MohicanS"), ftanmrte aus der Feder des populären Reisefchriftftellers James Ferimore Cooper, und wurde — unsterblich. Keiner der vielen Schilderer der nordamerikanischen Indianer hat es verstanden, eine so packende und ergreifende Darstellung des Lebens der Rothäute zu geben, wie der vor 75 Jahren in Now Hork verstorbene I. F. Cooper. Alle seine sogenannten Lederstrumpfgeschichten, wie „The Pioneers", „The Prairie", ,^LHe Pathfindcr", zeigen ihn als genauen Kenner der indianischen Nomadenstämme, die zwischen dem Hudson und Connectut wohnten, mit ihren seltsamen Gebräuchen, Zeremonien und Festlichkeiten. Nun ist es überaus interessant festzustellen, tvelch unerhörte Entwicklung die Kultur der Indianer genommen hat, von der Mitte des 18. Jahrhunderts, der Zeit, in welcher Coopers Roman spielt, bis in die Gegenwart. Im „Letzten Mohikaner" haben wir es noch mit Wilden zu tun, abgesehen von der Art der Darstellung, die durch trage Vorgänge fesseln und das Gemüt erregen will. Aber die Jndianerstämme von heute haben genau so wie die „Bleichgesichter", ihre weißen Brüder, den Gesetzen der nordamerikanischen Union zu gehorchen. Früher konnten die Indianer ihren Aufenthaltsort nach Belieben wählen; heute hingegen dürfen sie sich nur aus bestimmten Territorien ansiedeln. Während ihre seinerzeitigen Wohnstätten aus zusammengenähten Bufsalofellen bestanden, sieht man gegenwärtig kaum solche Behausungen mehr, höchstens, wenn man schon von modernen Häusern nicht sprechen will, gut gebaute und eingerichtete Zelte. Streng verpönt ist es heute, bei Verarmung einen Teil der Wohnung gegen Entgelt abzutreten, da dies als Zeichen der Entwürdigug und der Verletzung des Familiensinns gilt. Wir wissen es aus Reiseschilderungen und Bildern, wie malerisch die Kleidung der Indianer in früheren Jahrhunderten war, an gefangen von dem mit bunten Federn geschmückten Kops über die mit Perlen verzierten Gewänder bis zu den Füßen, deren Bekleidung reich an Ornamentik war. Die amerikanische Welle hat auch hier Spuren hinterlassen: die Indianer kleiden sich mit geringen Ausnahmen genau so wie ihre weißen Mitmenschen, sie erscheinen, abgesehen von ihrer Hautfarbe, als Repräsentanten des amerikanischen Typs in allen Großstädten, und an Stelle der Zugpferde sieht man auch bei den Rothäuten allenthalben Lastautos. Alle Funktionen des menschlichen Daseins haben eine tiefgehende Veränderung erfahren. Wer erinnert sich nicht an die originelle Art der Heirat, wie Cooper sie uns im „Letzten Mohikaner" schildert: 12 Pferde für die liebliche Tochter eines Häuptlings, 2 Pferde mit Decken für eine nach Geburt und Rang niedrigere Braut! Und dann das Bestatten der Toten! Die Indianer begruben nicht ihre crnwalt" sich znwendend und auf die „Angeklagten" hinzeigend im Flüsterton gesteht: „Ich liebe diese." Max Reinhardt formte die Flucht der kurzen Szenen a la „Liliom". Jede Geste, jeder Tonfall der Akteure beraten, jede Bühnenminute mit Aktion gefüllt. Eine Hemmung die Re-gievorschrift an alle Vorstadtleute, mit böhmischem Mzent zu sprechen. Nur Frau S e r v a e s, welche die Anna ebenso einfach wie eindringlich spielt, hielt durch. Und Josef D a n e g g e r in der Rolle des hevkulischen „Wasenmeister-Gehilfen-Anwärters". (Das Burgtheater ließ den ausgezeichneten Künstler ziehen.) Die andeven vergewaltigen den Dialekt zunächst und emanzipieren sich später gänzlich von ihm. Halbe Sache, ungute Sache. Bei Hermann Thimig, dem wirklich unvergleichlichen Darsteller, kann solcher Mangel die Gestaltung nicht beeinträchtigen. Ein liebenswerter Hauptkerl, Vollblütig, unverderbt, ein Kind urit gewaltigem Bizeps, ein Pülcher mit f omantik ist sein Franz. Und kreuzbrav, datz es einem die ehle beengt, wenn er dem Kommissär den Totschlag gesteht. Dieser Kommissär, von Moser, der diesmal ein anderer ist, wunldewoll gespielt, hat Anlagen, den Weg des disziplinierten Richters zu gehn, so menschenfreundlich lassen ihn der Dichter Langer und der Mitautor Moser sein. Hans Thimigs Part, des armen verkrüppelten, talentierten Burschen, wurde von der Regie mit einer melodramatischen Szene ausgestaitet. Gesprochener Text mtt obligater Harmonika, emgenehm und rührend zu hören. Aber die Konzerteinlage scheint uns doch zu aufdringlich und fällt aus dem Vorstadtbild. Lustig Friedell in einer Episode. Nach Schluß des Abends rief das Publikum immer wieder Reinhardt und seine Schauspieler, dankbar und ergriffen. Mit Grund. Otto A b el e s. Stammesgenossen, sondern bedeckten die Leichname mit Fellen und befestigten sie an den Aesten eines Baumes. Hieraus wurde das Pferd des Verstorbenen getötet und der Kopf des Tieres an einen angrenzenden Baum angeuagelt. All diese Zeremonien gehören der Vergangenheit an, wie denn überhaupt ein Ungleichen an die amerikanischen Gewohnheiten im öffentlichen und privaten Leben zu bemerken ist. Lange Zeit war auch in wisienschastlichen Kreisen die Ansicht vorherrschend, daß die Jndianerrasse im Aussterben begriffen sei. Man führte dies auf die Gefährdung des Lebens durch Lungentuberkulose und andere schwere Seuchen zurück. Diese Meinung hat sich als irrig erwiesen. Nach einem erheblichen Rückgang der Bevölkerungszahl bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist diese gegenwärtig stationär und alle Anzeichen materieller und physiologischer Natur lassen aus eine Zunahme für die nächste Zeit schließen. Die älteren Indianer, die an ein rastloses Leben gewöhnt waren, können sich nur sehr schwer an das Loben in den ihnen zugowiesenen Territorien, den Reservationen, gewöhnen. Den Sontmer über, wo sie mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt sind, ist ihr Wandertrieb gehemmt; aber inr Spätherbst und im Winter sehnen sie sich nach ihrem einstigen Wanderleben zurück, da sie noch nach Herzenslust ihren romantischen Wanderungen nachgehen dursten. Mit der gegenwärtigen Generation der Rothäute hat für die Jndianerrasse eine neue Epoche begonnen. Diese sind bereits in dm Reservationen geboren und seit ihrer Kindheit daher an ein Loben der Seßhaftigkeit und Raumkontingentierung gewöhnt, ein Leben, das dem Vater, dem Schwarzen Adler oder dom Onkel, dem Grimmigen Panther, unerträglich gewesen wäre. Welch Unterschied also zwischen der Coopevschen Schilderung und dem Jndianerleben von heute! So geht zum Beispiel aus einem Bericht des kanadischen Ministeriums für Angelegenheiten der Indianer hervor, daß in der letzten Zeit für Jndianerkindcr 324 Schulen errichtet wurden, ja man Plant sogar die Errichtung einer indianischen Universität. So bröckeln nach und nach die Merkmale der indianischen Sonderstellung in Nordamerika ab. Schon gibt es regelrechte Verträge, die zwischen den Rothäuten und der kanadischen Regierung abgeschlossen wurden: der Indianer ist ein völkerrechtlich brauchbarer Vertragspartner geworden. Die alten Sitten verschwinden und die Grausamkeiteti, wie das Skalpieren und Verbrennen der Gefangenen, gehören bank der Tätigkeit der Missionäre der Vergangenheit an. Immer mchr bricht die Opposition gegen den zwangsweisen Aufenthalt in den Reservationen zusammen. Die Zivilisation duldet kein Nomadentum und macht ine wildesten Jndianerstämme zu amerikanischen Bürgern. or. Ser Durchschnittsmensch. Ein amerikanischer Psychologe, Dr. Harry L. Hollin gsworth von der Universität Columbia, hat eiu riesiges statistisches Material gesammelt, um ein wissenschaftlich einwandfreies Bild des Durchschnittsmenschen zu entwerfen. Er hat dafür die Aufstellungen der Lebensversicherungen, die Statistikm und Prüfungsergebnisse des amerikanischen Heeres, die Berichte der Polizeibehörden, die Angaben der verschiedenen Schulen und Hochschulen mit heißem, Bemühen ducchstudiert und glaubt sich gerüstet, um ein genaues Signalement des Durchschnittsmenschen in körperlicher wie in geistiger Hinsicht zu bieten. Freilich erkennt er selbst, daß dieser am weitesten verbreitete Zeitgenosse nur ein Schemen ist, ein Paradigma, das sich nirgends in der Welt befindet; aber er meint, daß alle Menschen sich bis zu einem gewissen Grade in diesem Durchschnittsmenschen wiederfinden, und nenn auch nicht alle Menschen — fügen wir hinzu — so doch wenigstens die Amerikaner, derrn aus dem Material, das sie lieferten, ist dieses Schema des Durchschnittsmenschen geschaffen. j ,^Jm Alter von 63 Jahren oder noch früher stirbt der Durchschnittsmensch," heißt es in der Schilderung des Gelehrten. ,^Zu den Zeiten dev Römer lebte er noch nicht so lange. Was aber auch seine Lebensdauer sein mag, ein Drittel davon verbringt der Durchschnittsmensch im Schlaf. Sein Gewicht beträgt etwa 150 Pfund; er ist gegen 67 Zoll groß und trägt unter seiner Schädeldecke ein Gehirn, das gegen 1300 Gramm wiegt. Er braucht darauf nicht besonders stolz zu sein, denn es gibt Menschen, die ein Gehirn besitzen, das Über 2000 Gramm schwer ist. Aber mit Genugtuung kann es ihn erfüllen, daß sein Gehirn mehr als doppelt so viel wiegt als das der Menschenaffen, das durchschnittlich nicht über 500 Gramm hin auskommt. Der Durchschnittsmensch hat eine Pulszahl von 70 in der Minute. Die Wortmenge, deren er sich in feinen Gesprächen bedient, umfaßt an die 7600 Ausdrücke. Er kann drei Unterschiede zwischen einem Präsidenten und einem König angebeu, aber der Unterschied zwischen Evolution und Revolution ist ihm unklar. Er hat wohl einmal etlvas von der Entwicklungslehre gehört und denkt, daß Darwin den Menschen vom Affen abstammen läßt, doch mchr weiß er nicht. Er braucht eine ganze Minute, um eine richtige Antwort zu geben, wenn man ihn fragt, wieviele Bleistifte für fünf Mark gekauft werden können, wenn zwei Bleistifte 60 Pfennig kosten. Er kann sieben Zahlen wiederholen, die er hört, aber bei acht Zahlen vergißt er gewöhnlich schon eine." „Der Durchschnittsmensch geht acht Jahre in die Schule, Hat nur sehr mrgMre MgraMM Vorstellungen, weiß wenig von Geschichte und ebenso wenig von dem Bau seines eigenen Körpers. Trotzdem er sich im Vollbesitze aller bürgerlichen Rechte befindet, weiß er nicht allzu viel von den Einrichtungen des Staates, dem er angchört. Er kann nur eine Sprache sprechen. Nach den Jntelligenzprüfungen bleibt er fein Leben lang etwa auf dem Standpunkt, auf dem in geistiger Hinsicht ein Junge voir 14 Jahren steht. Niemals entwickelt er in sich die höheren Geisteskräfte, die durch den Besuch höherer Schulen und eine wissenschaftliche Ausbildung entfaltät werden. Was seinen Beruf altgeht, so wird er nach einer verhältnismäßig kurzen Ausbrldungspcrivdc ein ganz tüchttger Zimmermnan, Schlosser, Schuster oder Schneider, aber er bringt es rr&fji weiter als sein Vater. Er heiratet früh und hat drei bis fünf.Kin-§ der. Seine Familie ernährt er mit einem Einkommen, das nicht mchr als 1000 Dollar im Jahre beträgt. Unter seinen Vorstellungen beftndot sich eine Menge Aberglauben und Unsinn; für die Religion hat er kein großes Interesse, aber sehr feste Anschauungen über die Sittlichkeit. Er hält große Stücke vom „gefunden Menschenverstand" und ist fest davon Überzeugt, daß er ihn in hohem Maße besitzt. Seine Unterhaltung dreht sich hauptsächlich um persönliche Angelegenheiten, und umS Wetter." Bettler-Reisen an die SHbfeta. Die Zunft der Pariser Bettler blickt nicht nur auf ein ehrwürdiges Alter zurück, sondern sie genießt auch besonderes Ansehen, da wahre Aristokraten des BettelgewerbeS zu ihren Mitgliedern gehören. Das Haus mit den sieben Türen in einer Straße hinter Nvtre-Dame zu Paris, in dem die Bettlervereinigung tagt, hat schon manches prunkvolle Fest geschert. Die teuersten Weine und die erlesensten Speisen werden hier nicht selten aufgetrag^n, und ein Journalist, der auf den Ruf eines Feinschmeckers Anspruch erhebt und dem'es vor einiger Zeit gelang, sich bei einem solche:: Fest einzuschmuggeln, berichtet, er hübe noch niemals so vortrefflichen Champagner getrunken, wie bei dem Gelage der Bettler. Diese Herrschaften reisen natürlich in der schlechten Jahreszeit nach, der Riviera, wo sie ihre besten Pariser Kunden wiedertreffen. „Ich habe viele alte Bekannte auf der Promenade des Anglais wiedergetroffen," schreibt ein Besucher von Nizza; „da sah ich den Mann mit der Hasenscharte, der so jämmerlich dreinzuschauen versteht, den blinden Bettler mit den weißen Mäusen und den Krüppel ohne Beine, der sich selbst in einem kleinen Holzkarren so geschickt vorwärtsbewegt. Alle diese Bettler, die man sonst in Paris sieht, sonnen sich hier unter dem blauen Himmelt, aber ihre Ernte ist in diesem Jahre — wie die der Hotelbesitzer — nicht sehr groß. Als der Franc so niedrig stand, da steckten ihnen amerikanische und englische Besucher 20-, ja sogar 50-Francsi-Noten in die aufgehaltenen Händel Das war zu der Zeit, da die jungen UankeeZ eine zusammengefaltete 100-Franc-Rote im Knopfloch trugen und eine 6-Franc-Note auf ihre Koffer klebten, um ihre Verachtung für dieses „Belnahe-Geld" auszudrücken. Heute ist der Franc wieder etwas wert, und er fliegt nicht niehr so leicht aus der Tasche. Deshalb haben die Bettler schlechte Zeiten. Sie dürften daher bald wieder nach Paris zurückkehren, wo das Erntefeld immerhin größer ist und wo man genug verdient, um sich auch einmal ein solennes Fest leiistlen zu, könnest.^ z,muuu Kimmerer haben die Flugzeuge der Polnischen Luftverkeh'rs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bez., DegetthoMraße 7, Tel. 71-0-84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Leben gekommen, kein Warentransport verloren oder beschädigt worden. ® SHe besten a Jleuersefkeinun&en der modernen Siteratur stets vorrätig FELIX SALTEN, Martin Overbeck, geb. . S 8.80 ROMAIN ROLLAND, Mutter and Sohn, geb. HEINRICH MANN, Mutter Marie, geb.. . ARTHUR SCHNITZLER, Spiel Im Morgengrauen, geb. JEAN CASSOU, Schloß Esterhäzy, geb, . SOMERSET MAUGHAM, Der Besessene, geb. GUSTAV MEYRINK, Der Engel vom westlichen Fenster, geb.. 16.80 JACK LONDON, Jerrv, geb.» 8.60 LEO SLEZAK, Der Wortbruch, geb....» 12,60 STEFAN ZWEIG, Verwirrung der Gefühle, geb. .. » 12.60 » 13.50 » 9.50 9.90 7.60 » IO.- iS bei K £öwii, Wien, I. tfiotentmmstvaße SL BBBBBaamaaafiimammriiiniä

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