Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2967 (1.6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seit« 4 Wien, Mittwoch wTCnCl! mWJgCTjWilIig .;1 9^ 8967' qrost- Müh.', beit Kadaver des Ungetüms von der meusch-- .ielen Leiche loszulösen. Schließlich gelang dem Taucher der Ar/stieg mit der Leiche, die an Land als jene eines Matrosen von einem kürzlich gesunkenen Küstendampfer identifiziert wurde. Hook war, als fr ans Tageslicht gelangte, von dem furchtbaren Kamps mit öcm Polyperr vollständig erschöpft. »> en-g! „Ae TotensaüÄ." Aus Tokio wird uns geschrieben: „Die Totenfackel" — das ist der Titel eines schaurigen Bühnenstückes, dessen Schicksal soeben die Gemüter ganz Tokios heftig bewegt. Das Stück kann man einfach nicht aufftthren, ohne daß der Darsteller des Haupthelden alsbald einem dräuenden Geschick zum Opfer füllt. Aerzte, Gelehrte und Priester haben stch schon mit dem eigenartigen Fall beschäftigt. Die erstgenannten sind der Ansicht, daß es stch hierbei um eine Massensuggestion epidemischer Art handelt — die anderen glauben darin das geheimnisvolle Walten einer übersinnlichen Macht M erkennen. Sei dem nun, wie ihm wolle: jedenfalls hat soeben die j ap a n i -s che R e g i e r u n g die weitere A u f s ü h r u n g d-es gefährlichen Stückes für das ganze Reich auf, das ftreng.-ste untersagt, womit das seltsamste Theaterv-erbot, das die Geschichte überhaupt kennt, zustandegekommen sein dürste. ' Was aber ist denn eigentlich geschehen? Hier die- Daten» 8üre Geige ßftttc öMm. Eine reiche Sammlung alter lund nreMvürdigov Mtsik-» instrirmento besitzt der englischerKrnwttibks Lkr fdäjfc* 600 verschiedene Instrumente Pin eigen nannte Bari) jetzt dtoc Anzahl nach AnrerLa verkauft hat. Als Schuljungebogmu^- er zu saltznrcln urrd kaufte damals ein altes Horn für zwei Schild ling. Das brachte ihn auf den Gedanken, Instrumente-tznstrmmen. znbringcn, dir die Entwicklung der Musiktverkzeuzo in den ver» schiedenen-Zeibaltern illustrieren, und besonders verlegte srrsüh-mtf exotv.schr Jnstrumente. Sv liegen denn jetzt in einer Sammlung die imrnderlichsien „Tonerzeuger'^ beisammen van bern Priestcrhorn der tibetanischen Lamas bis zu den Flöten pider Sndsee-Jnsulaner, die mit der Nase auKMasen werden. ' Der Kanonikus kann auf alten seinen Instrumenten späten und führt den Besuchern die seltsamsten Laute vor. Da ist zunt Beispiel eine N e^a ft a ra n g a oder indische Kchk-Trompete, dis von einigen Hindusckten benützt wird. Däse Sekten glauben, daß cs eine Sünde sei, den Mund zum Blasen eines Instrumentes zu verwenden; der Spieler summt daher nun den D»n, und, die Schwingungen des KchlkopseS bringen eine spinnwektzarte Membran in dem Mundstück der Trompete znm Schwingen. Der „Stier-Br LN er" ist ein langes dünnes Stück Holz, das an einem Strick herumgeschwungen wird und einen schwirrenden Ton, wie das dumpfe Brüllen eines Stiers, erzeugt. Dieses Instrument wird von afrikanischen Stämmen benützt, um die Frauen von den Festen der Krieger seruzuhaltMt. Eine,chinesische Pfeife ist eine hohle Holzkugel, die an ein Schwe^rULschwänzHen gebunden ist und schrill pfeift, wenn, sie -durch die Luft geschleudert wird. Das merkwürdigste Strcichürstrlunent der Sammümg ist, vpoe i fdio Nagelgeig-e, die keine Saitvr hatz,.:sie tmrrdo von «lm»t I russischen Geiger des 18. IlchchmibettS dev ’ Zrchrll, ccks -er mit seiirem %it .über. Mve^Mrvzet ftHr, merkte, daß dadurch etn Torr enkstMd. Er baute «akp «chr yaWdst^! förmiges Jnftrnment mit -größeren «nd Ksiiner« SAgeL^ Äe j mit dem Bogen gestrichen werden imid so dSe DnÄeNrcvgxberr j Wtlvios ist auch eine große F-a m rtie-mbchb^l, dev» KchM sich beim Qestzen alseine., w-MMv Dfo®ci Paar Glocken. SWelkms der Strafverfahrem gegen Ae Funttionare der LejMe»« bank. UrmtMelbar nach dem Zusammenbrrrch derDSpvsiket^ , bank war gegen den ehemaligen Präsidenten, CarMo; Ca-stü g-lromi, dem Generaldirektor Neumann md die übrigen, nach dem Ausscheiden der beiden (Saft* genannten, in der Leitung -des Unternehmens! verbAeberen Funktionäre eine Strafuntersuchung emgeleiet worden. Das Strafverfahren ist nunmehr eingestellt^ worden. Eine Ueberprüfung der ganzen Situation buch gerichtliche Sachverständige ergab nämliche daß E-a^ßügckälomÄ und N Mrat-tttt-n Mne Verantwortung für den ZWmmerrvMlh W Instituts Die Uraufsührung des Stuckes ging unter rauschendem Beifall von statten. Da, gleich am nächsten Tag, tvurde ider Hauptdarsteller das Opfer eines Au tonn falls. Damals siel es natürlich noch niemandem ein, zwischen dem Stück und diesem Vorfall einen Zusammenhang zu vermuten. Für den toten Schauspieler trat ein anderer ein, der aber sofort nach Beendigung des Stückes von einem heftigen Au gen-übel befallen wurde, durch das er in der Folge erblindete. Nun wurde man doch stutzig. Ein dritter Schauspieler brach alsbald das Bern — ein vierter erlitt einen Schlagansall. «Seither ist keine Vorstellung des Stückes ohne Unfall verlaufen — auch in der Provinz nicht, wo, als man iu einer -kleineren Stadt den Versuch machte, Feuer ausbrach, durch das der Theaterbau vollkommen zerstört wurde. Kein Wunder, daß fortan kein Schauspieler mehr stch bereit fand, die Hmrptrolle zu übernehmen, und kein Direktor es mehr wagte, das Stück in den Spiclplan aufzunehmen — bis sich kürzlich Onoto Kikugora, der bedeutendste Schauspieler der Tokioer Bühnen, entschloß, dennoch den gefährlichen Versuch zu wagen, um den Aberglauben, der seiner Ansicht nach, stch an das Stück und die Hauptrolle geheftet, ad absurdum zu führen. Also trat er ans — mit brausendem Erfolg übrigens, und ohne daß währcurd des Abends irgendeine Kcrälstrophe eingetreten wäre. Der Bann schien «gebrochen. Aber man hatte zu früh triumphiert. Schon am nächsten Tag erkrankte der Schauspieler auf geheimnisvolle Weise. Die Aerzte haben bis heute sein Uebel noch nicht einwandsrei feststellen können. Sicher ist nur, daß Kikugora auch heute noch unfähig rst^auf der Bühne zu erscheinen, und niemand abzusehen vermag, wie seine Erkrankung enden wird. Anläßlich dieses letzten -mysteriösen Vorfalls erließ dann die Regierung das.-erwähnte Verbot. 'S Aus der Zeit des Rokoko sicht man «zwei. Zvll ÄÄW Taschen vroline-n, die dre Dcmzmeisier irr dev. SchoMschen ihrer: Fr^äs mitführicn,-ML.-.öernr^UMerricht-EfspieLeil^zu.MMw. Oie Juclen Wiens BtNB. STÄTISTISCHe STUOfE vom DR. LEO GOLDHAMMER DfE GEGEN WÄRTTGE-SrnjÄTION DER JUDENGEMEINDE WIEN UND IHRE ZUKUNFT ERÖFFNET DIESE WERT¬ VOLLE BROSCHÜRE DIE FÜR Jܬ DISCH - POLITISCHE KREISE VON GROSSER BEDEUTUNG IST SCfcULL4.1l G 4.-60 R. LOWIT VERLAG, WIEN L, FLEISCH MARKT! ROTEUTURMSTB.22 schemmsammlungen vorging, mit der geringen Effizienz, welche eben diese Polizei gegenüber den Herrn Räubern, bisher bewiesen hat. Auch können die Juden noch 'lange nicht verwinden, daß in der Polizei, und besonders in ihren leitenden Stellen, das jüdische Element so schwach vertreten ist. Aus dieser Mißstimmung heraus ist es zu verstehen, daß man geradezu aufatmete, als anfangs Mai auf -dem Kwisch zwischen Jerusalcni und Nablus drei Autos überfallen wurden, in deren einem der anglikanische Bischof von Ferusälem, Mac I n n e-s, samt Gemahlin saß. Ern Chauffeur, der fliehen wollte, wurde von den Briganten niedergeknallt, eine englische Touristin am Fuß cmgeschossen. -während man den Bischof, weil er zu wenig Geld bei sich trug, wenigstens schlug und seines Habits beraubte. Nicht daß irgendwer dem hohen Geistlichen, der sich auch uns Juden gegenMer stets freundlich erwies, tvas Ueibles vergönnt hätte; doch man sagte sich: Jetzt, wo es nicht mehr um Natives geht, werden die Behörden durchgreifen. Wirklich hat man inzwischen die Räuber dingfest gemacht. Es sind Bauern aus dem nahen Dorfe Siluad, das zu den Aeberfällen am bewußten Ort. bei Kilometer 3k, wo das WM Haramije, das „Räubertal", einmundet, seit Urväterzeiteu die Komparsen üeistellt. In diesem Zusammenhang muß noch ein anderes Kapitel der Ilnsicherhoit zitiert werden, das in letzter Zeit auch manches Opfer gefordert hat: Die Autoraserei. Der Wahrheit die Ehre! Die Straßen Palästinas werden von den Public Works trefflich instand gehalten imd immer noch verbessert. Es heißt, daß Lord P'lumer seVbst es sich sehr arrgelegen sein läßt, bei seinen Dienstsahrten die Stellen zu bezeichnen, wo ihm ein Uwbau zwecks Milderung oder Beseitigung einer gefährlichen 5kurve möglich scheint. Und demroch haben die Stvaßenunfälle wieder stark zugenommen. Die Schuld liegt zumeist gm Chauffeur. Und unter den Schuldigen überwiegt bei weitem das Koritingent der Araber jenes der jüdischen Berussgenosierr. Der Araber ist eben ein Naturkind, dem die Führung eines Kraftwagens nicht eirffach Erfüllilng einer veranttoortlmgsschweren Pflicht, sondern zugleich ein. Spiel bedeutet. Wenn sein auf geradem Weg im Sturm dahmsaust, wenn es wll von Serpentine zu Serpentine wirbelt, oder gar wenn es die Ueberflugelung eines KoLlegen, den Wettlauf mit der Eisenbahn gN, dann beseeligt das den arabischen Chauffeur als eine Art Fantasia, gleich den Reiterkünfteu der Beduinen, jMch dem Schwertertanz am WÄbi-Musa-Fest. Auch mutz jedermanu den Juden volle Nüchternheit znibW-, ligen, wahrend sich bei einem arabischen Chauffeur nicht darauf schwören läßt... Leider werden diese Tatsachen von vielen Touristen, die sich von der unzweifelhaften Geschicklichkeit aller Autoffrhrer des Landes blenden lassen, nicht errbsprecheud beachtet. Und leider scheint die Polizei -ihrerseits wicht forsch genug, um gegen den Unfug der , Chauffeure einzuschreiten — oder sind denn doch ihre Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. Der böse Zufall fügte es. daß unter den Opfern der leßteb Zeit gleich zwei Besucher aus Oesterreich waren. Die Wiener Fabrik-cmtm Frau Hartwig, eine Christin, welche mit Prem Manu aus Aegypten auf eine Spritztour herüberkam, mutzte das mit dem Tode büßen. Und letztens wurde die brave Zionistiu, Frau Dr. Marta Hof mann, nächst Mo aus einem arabischen Auw geschleudert urrd schr schwer verletzt. Großes Aufsehen machte es dabei, daß -das Gericht in Haifa den schuldigen Chauift feur einer zahlungskräftigen Autogesellschast trotz recht gravierender Umstände gegen bloß 30 Pfund Kautwn einstweilen freiüeß. So hat der neuerimnnte österr. Konsul Dr. Walter Haas gleich Arbeit bekonunen. Es mutzte mit wrrechten Dingen zugehen, toenn er nicht zum Schutz seiner Landsleute bet den palästinensischen Behörden: vorstellig geworden ift Alles in allem: die politische Sicherheit in Palästina besteht — Gottlob — ungeschmälert fort, über die Sicherheit gegen Stratzenraub, Diebstahl urrd Auwunfälle ist in letzter Zeit arg gefährdet. Natürlich lassen sich die Gegner der Mandatarmacht diese Blöße nicht entgehen. Um so mehr ist zu hoffen, daß die leitenden?lmtsstellen Palästinas, toelchen der Begriff „Pax Pritannica" keine Reklamesrage, sondern Ehrensache ist, sich bemühen werden, die Oeffentlichkeit zu beruhigen. Diese Beruhigung aber wird erst dann ein treten, wenn man weiß, daß alles vorgekehrt ist, nm dw volw.Mherheit irn.Larlde rasch wieder herzustellen. LreMn Winne, La beide schon lange dor'der ZcMsngsein» stellung der Depositenbank ans -der Leitung des Untcruehmerrs ausgoschieden waren. Die Ueberprüftmg ter Bilanz ergab ferner, -daß das Institut a nch noch wach dem Austritt!de-r b-eiden aktiv war -und dch -ihnen die UoLerschuldnng der -Bcmck nicht Mr Lcht gxLegl wmweu kann. Das Schwergewicht ider Untersuchung mußte sohin ansdie semepzert unmittelbar vor -dem Zusammenbruche ver-! antwortlichen Funktionäre -G oldst ein, Drucker uiün Sachse-l verlegt werden. Mit 'der fortschreitenden Klar, stöllnng >der BerhältnGe bei ider Depositenbank -eqgab siü immer mehr, daß " ' 1 die katastrophale Krise des FriWahrs 1924 ' die llrsachedes Zusammenbruches war -und daß die Ver autwortlichkeit der Funktionäre strafrechtlich uich? begründet werden kann. Die großen VerMög-enswerte, welche nicht nur 'die Erfüllung der Verpflichtungen im AuS gleichZverf-cchren und die Befriedigung aller befristeter Forderungen ermöglichten, sondern auch darüber huraü - für -das K red i t i n str tut für v-fse n t liche Arb e i tem noch einen namhafte-u Gewi nn erübrigten, rechtfertigen die Annahme, -daß -das JnsÄrt nicht zusamme-n--geHrochen wäre, wenn es wcht von der katastrophalen Krise überrascht worden wäre. Es müßte -MMnfteu dar ^snWonLre . -ins -GenE Allen,. daß, tze.M " mamsqß haben, sondern vielmehr -auch anläßlich -8e§ ZusamMLn-! braches pe-rs o n l i ch g r o ß e O p f er ga b ra habe n. In Würdigüng ider 'Ergebnisse der llntersuchnnig> konnte ihnen daher nicht einmal eine givi-tlrechtLLch! zu beurteilende fahrlässige Gebarum.g augelcvstet! werden. Es mußte dahtt die EüHelluug 'des Strafver-- faHwens-erMgeu., " 1 Großer tzinbruch In der KrMenkasse ijet, Handelsgehilfen. -. 30,000 Schilling grittchim. : .Gestern nächw wurde in den Räumen dep-'Wranken-! kaffe der Handelsgchilfen Ln der Kolingnsss L3 ein Kaffen--- > einbruch verübt, bei dem den Tätern, pUZwoifechaft Be-! rufsembrecheru, etwa 30.000 SchWing 'als Beute zugvfallen fein dürften. Me Tatw haben die rechte Seiwwvand der eisernen Kasse ausgeschnitten und durch die Oeffnwrg das Bargev» geraubt. Der Kassestand betrug gestern eiwja 60.000 Schilling, von dem jedoch etwa 40.000 Schilling aögchvbm wurden. Me Tater nchrp^MM.,!einMMstel. mjt 1M0 SMeiMiftingen mit. , ^. - ,, - Mordversuch Md Selbstmord ia einem Leopoldftödter Hotel. Tragödie eines unbekmnüen Paares. In einem Leopoldstädter Hotel -wurden gestern, früh ein Mann und eine Frau erfchosfou aufg<fumdem. Das Paar war am 27. Mai im Hotel abgestiegen und hatte die Meldezettel folgendermaßen ausgefüllt: Alois Barad-i, Beamter, 18, Februar 1887, zu Lemen, Tschechofwwaksigeboren. Und Gattin Ilo n a, wbhtnhaft in Z-iline, Tschechoswtvakei.!MP, den vorgefundermr Reisepässen sind die beschrüchenen-Stziten samt den Lichtbildern herausgerisfen, so daß keine Bestätigung der Meldezetteldaten vorhanden ist. Das Paar Machte den Eindruck von BergnügungsrelsendM. Am letzten Tage waren sie von einer Theatervorstellungj nm halb 12 Uhr in das Hotel zurückgekchrt, eine haWe Stunde später geschah die Tat. Bei dem Paar wurde tschechisches Mid österreichisches Geld im Betrage Vchr 100 Schilling vorgefunden. Me Frau, die lebenslK«- f ähr lich verletzt ist, wurde auf die Unfallstation! gebrachtwar s-oforck tot.