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Wiener Morgenzeitung · 1927-06-01 · Heft 2967 (1.6.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2967 (1.6.1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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p: ' '»WMF v-m*- ■i. fnfrvy^r Nr. 206'? mn, MttWoH ' Tagesbericht. Maie Sonneufinfternis im Reiche der Mittecuachtssoune Am 29. Juni d. I. findet eine in der Geschichte der Astronomie einzig dastehende Htmmelserscheinung in Schwedisch- Lappland statt — nämlich eine totale Sonnenfinsternis im Reiche der Mitternachtssonne. Zahlreiche ausländische Astronomen hegen die Absicht, diese seltene Erscheinung zu beobachten. Die Sterntvarten von Borgedorf, Kiel, Göttingen, Amsterdam und Upsala senden ihre Vertreter in die schwedische Erzgruüenstadt Gelliwvra, wo die Sonnenfinsternis 38 Sekunden.dauern wird. Während d i e s e r 38 Sekunden wird es stockst nst e r sein, obwohl die Sonne 34 Grad iiber dem Horizont stehen wird. Die totale Sonnenfinsternis beginnt an einer Stelle des Atlantischen Ozeans bei der Irischen Küste um 6.20 Uhr.vormittags und bewegt sich in novdtvcstlicher Richtung mit,einer Schnelligkeit von 1200 Meter in der Sekrmde. Um 6.24 Uhr vormittags dauert die Sonnenfinsternis in Liverpool 18 Sekunden, dann passiert der Schatten des Mowes England im Laufe einer Minute, landet bei Stavangr in Norwegen um 6.30 Uhr vormittags und überschretet die schwedische Grenze um 6.37 Uhr. Die Ortschaft Jokknokk in Lappland wird um 6.48 Uhr vormittags finster;elegt und bald darauf Gellilvara. Um 6.49 Uhr wird die f.nnische Grenze passiert, um 6.66 Uhr verläßt die Sonnenfnsterms die norwegische Küste und eilt weiter übers nördliche Eismeer. Um 7.36 Uhr vormittags läuft der Schctten des Mondes über Kap Tscheljuschkin und beendet stine Weltreise bei den Aleuten-Jnseln um 8.26 Uhr, wo üch die Sonne im selben Moment untergeht. Die Rundfunk st ationen interessieren sich für dese Erscheinung sehr, weil Gelegenheit geboten wird, die Wirkung der Sonnen st rahlen auf die Ratz owellen zu studieren. Soivohl die englische wie auch di schwedische.Rundfunkstation werden am 29. Juni von 6 sthr nachmittags an funktionieren. Lindbergh will »ach Amerika zurück. London, 31. Mai. Lindbergh unternahm heute früh eiten Flug nach dem Aerodrom von Gosport bei Portsmiuth, wo sein Flugzeug abmontiert werden wird, um ttctfj den Vereinigten Staaten transportiert zu Weden. Vormittags empfing der König den amerikanijhen Flieger im Buckingham-Palast und überreizte ihm das britische M il i t ä r l u s tfa h rk r <u z. Lindbergh erklärte heute einem Journalisten, daß er so : as ch w ie rnöglich nach. Amerika zurück-' kehren werde. Er werde sich zunächst, wahrscheinlich Donnerstag, wieder nach Paris begeben, und sich dann in einem franzö-sischen Hafen nach New Dork einsch l ffen. Er meinte, er wäre gern wieder auf dem Luftwege nach Amerika zurückgekehrt, die. Wiederholung seines Ozeanfluges hätte aber nur dann einen Bert, wenn dadurch ein regelmäßiger transatlantischer Flugverkehr ermöglicht werden könnte. Im übrigen habe et k e i n e n der Vorschläge der Filmgesellschaften angenommen und gedenke auch das nicht zr tun. * l. MM 2069 Sin Theaterbrand in Prag. I SHMHAetntlte tttm soifttttun. — ein naüttiSaiMtt I ckniginek P rag, A. Mrri. Heute abends «brach im Theaier „ComSdia" am Wenzelsplah ei« großer Brand aus. Glücklicherweise fand keine Vorstellung statt. MlS die Feuerwehr auf dem Brandplahe eintraf, brannte bereits die g a uze B ü h u e, der Plafond, ein Teil der Zufchauerraumes und die Galerien. Der Brand wurde von der Feuerwehr in 35 Minuten lokalisiert. Drei Feuerwehrleute und zwei Frauen, die zur kritischen Zeit im Theater zu tuy hatten, erlitten Brandwunden und Rauchvergiftungen. Der Schaden ist sehr groß.' Es scheint, daß ein verbrecherischer Anschlag vorliegt. Dem heutigen Brande gingen drei kleinere Brände voraus. Auch im großen Lnzerna-Saal wurde Feuer helegt, das aber rechtzeitig entdeckt werden konnte. Srkankataftrophe in Amerika. Bristol (Virginien), 30. Mai. Ein Orkan, der gestern im südwestlichen Teil B i r g i n i c n § und in O st-Tennessee wütete, hat große Berwüstungen verursacht. Fünf Personen find getötet worden. In der letzten Nacht wurden -die Stadt Prestonburg und die umliegenden Ortschaften von einem Wirbelsturm heimgesucht, dem etwa 20 Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Auch kn Amerika gibt es ProflrWonsNften. Aus Chicago meldet I. T. A.: Die amerikanische chauvinistische Organisation „National Society of Scaibbard and Blade" hat eine Liste von 56 für Amerika gefährliche Personen ausgestellt und in ihren Organen veröffentlicht. Auf dieser Liste befinden sich von jüdischen Führern Dr. Stephan S. W i s e, I. Schloßberg und Dr. Silver. Sie werden als „rot" bezeichnet, deren Tätigkeit die Bereinigten Staaten schädigt und ihre Grundfesten unterminiert. Unter den übrigen Amerikanern, die auf dieser Liste stehen, find Miß Jane A d d a m s, Senator William E. B o r a h, Senator Robert M. La Follette, Mrs. Carrie Chapman Catt, Prof. John Dewey und der Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten Woodrow Wilson, Pros. Francis B. S a y r e. Ser .Numerus clausus" im Alpentierein. Berlin, 31. Mai. Bor dem Landgericht Berlin II begann heute ein Prozeß von sieben Mitgliedern der Alpenvereinssektion Berlin gegen den S e k t i o n's v o r st a n d. Durch den Prozeß wollen die Kläger erreichen, daß ihr Ausschluß aus der Sektion für ungültig erklärt wird. Es handelt sich, dabei um die seinerzeit beschlossene Einführung des Numerus clausus für jüdische Mitglieder der Sektion Berlin. Der Vertreter der Kläger macht in der Klage geltend, daß der Vorstand der Sektion im Jahre 1925 nicht ordnungsgemäß zusammengesetzt worden sei und daher den Ausschluß nicht mit Rechtswirksamkeit habe aussprechen Größte and modernste ThermalDäder- Anlage Cnropos! Fassungsraum 15.000 Personen. 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Hook arbeitete allein in den 'Gewässern des PuWt Sund etwa 50 Meter unter der Meeresoberfläche, als er auf dem Grunde der Bucht einen riesigen Polypen bemerkte, der einen menschlichen Körpier über den Meeresboden schleppte. Hook ergriff eine lange Pike und stürzte sich gegen den Oktopus, um ihm den Leichnam zu entreißen. Das Seeungcheuer setzte sich verztveifelt zur Wchre und suchte den Taucher mit seinen Fangarmen zu umklammern. Fast zehn Minuten dauerte der erbitterte Kampf, in dem der Taucher rm!t seiner Pike und einem großen Messer dem Untier nach und nach alle Fangarme abhackte. Trotzdem ließ der Polyp sein Opfer nicht los, und der Taucher hatte Ser Sicherhettrruftaird in Palästina. Von Dr. E. M. Zweig. Im Laufe der letzten Jahre hat es unter den Zionisten m Auseinandersetzungen nicht gefehlt, inwiefern die Mandatsmacht ihre Pflichten gegen -Palästina und zumal gegen das jüdische Aufbauwerk erfüllt. Die anklagenden Uebertreibungen der Revisionisten haben Erwiderungen provoziert, die bisweilen — auL dem Geist des Widerspruches heraus — ins entgegengesetzte Extrem verfielen und alles schön fanden, oder doch sich wie eine Verteidigung für England anließen. Bei diesen Polemiken verwiesen die »Gemäßigten", wie wir sie nennen wollen, immer wieder darauf, wie gut England es verstanden habe, durch seine zielbewutzte, planmäßige Politik Ruhe und Sicherheit im Land zuyverbürgen und die Pax Britannica fest zu begründen. Dieser Ruhm Englands besteht auch heute noch, was den politischen Aspekt anlangl, ungeschmälert aufrecht. Man muß nur, wie vor kurzem ich, einen vergleichenden Blick in das benachbarte, französischem Mandat anvertraute Syrien getan haben, um den Friedenszustand Palästinas voll zu würdigen. Schon auf der Fahrt vom Hafen Beirut nach der Hauptstadt Damaskus zu wurde unser Auto während der letzten Wegstunde im Aniilibanon oft und oft von Bewaffneten, die aus kriegsmäßigen Blockhäusern hervortraten, im Namen der Mandatsmacht angehalten und strengstens kontrolliert. Damaskus selbst gleicht einem Heerlager. Cs wimmelt dort — weil die zahlreiche Polizei offenbar nicht ausreicht — von Soldaten aller Truppengattungen und Hautfarben: echten Franzosen und Fremdenlegionären, Turcos und Senegalesen, Spahis und Annamiten.. . Man spricht von 17.000 Mann. In der Südvorstadt Meidan und den anstoßenden Quartieren sind ganze Häuserreihen weggefegt, ja neben dem Hauptbazar und im Palais des Hochkommissars klaffen breite Wunden; all das über ein Jahr nach dem großen Bombardement, das die Franzosen aus der Zitadelle und den Lüften her gegen die eindringenden Drusen' und die mit ihnen verbündeten Städter haben richten müssen. Alle Gassenccken sind durch' Sandsä.-.' mit Drahtverhau davor zu kleinen Festungen ausgevaut, und Maschinengewehre gucken kokett aus den Schießscharten. In Meidan steht überdies ausi jede 20 Schritte ein Wachtposten. Und zwei Autostunden vor' Damaskus sitzt der Drusenfürst, Sultan Atrasch, als Wardein der nationalen Fveihettssehnsucht in seiner Residenz Bosra und lauert, wann sich der nächste Sprung gegen die verhaßten Fremden lohnt. Wie anders in Palästina! Das Militär ist aus dem Innern des Landes und vor allem aus der Hauptstadt Jerusalem verschwunden. Cs findet sich nurmehr an den Grenzen und zumal in den Camps gegen den Suezkanal vor, wo es —- Front nach außen — weniger Palästina dient als den weitgesteckten Zielen des brittschen Imperiums. Dabei herrscht in Palästina Ruhe. Auch die Tage um Ostern, die seit je viel Zündstoff lieferten und diesmal bei allen drei KoUfessionen zeitlich nahe zusammenfielen, sind "anstandslos' verlaufen. All das borausgeschickt, kann dennoch die Klage nicht unterdrückt toerden, daß neuerdings eine erhöhte Unsicherheit im Lande herrscht. Die Ueberfälle bewaffneter Räuber auf den Landstraßen, und zwar gerade auf der Haupt- Verbindungslinie von Jerusalem über den Emek nach Haifa, die Diebstähle von Bich und sonstigem Gut in den Dörfern und Kolonien haben wieder stark zugenommen. Nicht einmal, als Präsident Masartst uns besuchte, tvurde da pausiert. Dabei verstanden es die Uebeltäter, fast immer in inkognito zu bleiben. Nach dem Krieg waren solche Erscheinungen etwas Alltägliches; sie liehen sich als Ueberbleibsel einer gesetzlosen Zeit begreifen. Jedenfalls legten die Engländer als neue Herren des Larrdes Wert darauf zu zeigen, daß sie durch energischen Zugriff Ordnung zu machen wissen. <Me bauten die Straßen so cms, daß man mit Pferd oder Auto rasch in die entlegensten Schlupfwinkel Vordringen konnte. Die Polizei wurde von englischen Offizieren reformiert und tüchttg gedrillt. Waffenbesitz wurde verboten und rücksichtslos bestraft, schließlich am.) nach türkischem Rezept mit Prügel an Ort und Stelle. Den Waffenschmuggel aus Transjordanien und von wo sonst her unterdrückte man systematisch. Wiederholten sich Räubereien in einer Gegend, so erfolgte prompt die Maßregelung der verdächtigen Dörfer: durch Eintreibung von Geldkautionen, durch Einguartierung, ja durch Konfinierung ganzer Dorffchasten. Und erwischte wem einen Räuber, so gab es kurzen Prozeß. Auch Todesurteile, von der Oberinstanz rasch überprüft und bestätigt, wurden stracks vollzogen. Die erziehliche Wirkung blieb denn auch zunächst nicht aus. Warum jetzt plötzlich ein solcher Rückfall erntrat, ist nicht ohneweiters verständlich. Die Landesgrenzen sind gut bewacht, so'daß die Herren Räuber sich nur aus Palästina selbst rekrutieren könnem Dabei spielen bei ihnen ein nationales Sentiment keine Rolle. Sie plündern ganz unparteilich, ohne Unterschied der Konfession und Nationalität, joden aus, der Hnen unterckommt und nach Geld oder Geldeswert aussioht. Auch von einer Verelendung der Bevölkerung, die zu solchen. Verbrechen triebe, kann keine Rede sein. Der ökonomische Auffchwung des Landes mrd besmrders der Bauern, die von der ttirkischen Mißwirtschaft und vor allem vom Kriegsdienst befteit, ganz ihrer Arbeit leben, können, ist unverkennbar. Hat vielleicht doch das Llbziehen des MMärs, dieses sichtbaren Ausdruckes brittscher Macht und Tlutorität, dahin gewirtt, bei labilen Elementen alte Liaubinstinkte mrd -tradittonen wiederzuöeleberr, die man nur aus Furcht eine Zeitlaug rmterdrückte? Vielleicht hat auch die eben abgelaufene Touristensaison, welche manchen reichen Ausländer nach Palästina brachte, die Phantasie der Raublustigen beschwingt. Doch — wie gesagt — nicht nur die Landstraße,' auch die Dörfer haben rmier diesen Anfällen zu leiden. Unsere jungerr Kolonien im Emek können ein Lied davon singen: Das Vieh ist tags nicht auf der Weide und nachts nicht in den Ställen sicher... Bei solchen Zuständen fehlt es nicht au Stimmen scharfer Kritik in allen Lagern. Sie ärrhert sich zivar schüchtern in der Landespresie, denn keiner möchie riskieren, als Englandfeind auf die schwarze Liste zu kommen. Doch von Mund zu Mund ist man um so ungenierter. Durchaus rratürlich, daß gerade wir Juden die Unsicherheit nicht oesigniert hinnehmen. Denn auch in diesem Prn'.tt sind wir an europäische Mahstäbe geivöhnt und verglichen torhv. >i» — gelinde gesagt — ResclHeit, mit der die höchst s-kbstl'?wutzte. Polizei schon wiederholt auch gegen harnL-oss iübLsche Men-

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