Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2961 (26.5.1927)
- Date
- 1927-05-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2961 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettung 26. Mai 1927 Seite 8 »-—. - ■ - .. -. .. . er Berjsch« jetzt hsrauskommen und ven tzeg ruhiger ökonomischer Konsolidierung ^treten müsse. Es stünden zwei Grundauffaffungen jnvnder gegenüber. Die einen meinen, man hätte die verschietznen Kolkmisationsversuche Überhaupt nicht machen dürfen, »ndern -die ökonomische Frage in Ere-z Israel genau so behandln müssen, wie ökonomische Fragen etwa in Kanada oder Deutschland. Die anderen hingegen vertreten die Ansicht, daß fefe Versuche eine absolute Notwendigkeit waren. Klar ist, saß für uns die Frage des Palästina-Aufbaues seine rein ökonomische sein kann. Es mußt« ine Chaluzinth geben. Nur durch sie und auch durch die Mer, die sie begangen hat, ist cs möglich geworden, den salästma-Ausban als eine Angelegenheit des idealen Auflebens ts Mischen Volkes zu behandeln. Hätte man den Vorschlag tfolgt, den Brande iS im Jahre 1910 machte, nämlich den salLstina-Aufbau als eine rein ökonomische Sache behandelt, v wäre die Wirkung auf die jüdische Seele le r st 5 r e n d g e w e s e n. Chajes kam dann auf den Pakt mit der M a r s h a II * truppe zu sprechen. Meizmnnn hat unter den allerschwierig-- tzn Verhältnissen in diesem Jahre die Verhandlungen mit der Korshall-Gruppe in Amerika wieder ausgenommen. Es waren!e schwersten Zeiten seines Lebens und Weidmanns Seele ist bller Wunden. Aber er hat seine Ausgabe erfüllt: Die Vertindlungen sind wieder im Zuge, und mehr als das, wie aus km Beschlüsse hervorgeht, eine Expertenkommission lach Palästina zu entsenden. Man müsse feschalten, daß die Entsendung dieser Expertenkommission ein Wunsch Weiztanns und nicht eine Bedingung der Gegeneite war. Und es ist festzuhalten, daß diese Kommission nicht le Aufgabe hat, zu pvü!fen, ob überhaupt zu kolonisieren sei, »ndern bie Maßnahmen zu ermitteln hat, wie die ruhige und tuchtbare ökonomische Entwicklung des Palästina-Aufbaues zu ihern ist. Die Datsche, daß führende Regierungs- Experten Englands, Amerikas und auch Den tschau ds an dieser Expertise teilnehmen, ist Beweis dafür, daß «an in der großen politischen Welt überzeugt ist, Palästina terde ein jüdisches Land sein. Die Forderungen, welche lese Kommission formulieren wird, werde die palästinensische keglerung erfüllen müssen. In seinem Schlußwort bezeichnet Chajes Weizmanns küdanken der Entscndimg einer solchen Expertenkommission sls sehr glücklich. Die durchaus optimistischen Ausführungen des zionistihen Führers wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Schaljaplns Abschied von Wie». Fedvr Schaljapin hat anläßlich seiner Abreise von Kien an die Frerndenverkehrskommisfion der Bundes-- inder Wien und Niederösterroich ein Schreiben gerichtet, tr welchem er für die freundlich« Aufnahme im gastlichen dien dankt, und in dem es heißt: „Es war wahrhaftig ihtc große Freude, in dieser herrlichen alten Kunststadt iVien mchrere Tage weilen zu dürfen und dk:ren Schönseiten zu bewundern. Es tut mir heute doppelt leid, daß ch wir dieses Vergnügen nicht schon früher gegönnt habe, kn den nächsten Tagen sollen in Wien FesÜvochen stattmiden, und ich bedaure lebhaft, gerade um diese Zeit jjcht mehr in Wim sein zu können. Nach dem mir zrv- «eilgewordenen Empfang hoffe ich aber, die Gast.freundhast der Wiener öfter in Anspruch nehmen zu dürfen. Me» Kaffenboten erschoffen »ud beraubt. Mt öv.vvv Marl geflüchtet. Berlin, 25. Mai. Wie aus Osnabrück berichtet -tfb, Überfielen heute vormittags zwei unbekannte §Mn-- ler Ander Nähe der Reichs bank einen Kassenboten, er kurz vorher 50.000 Mark abgehoben hatte. Sie schosn ihn nieder, rissen das Geld an sich, sprangen in ittert Kraftwagen und fuhren unerkannt davon. ' 1 3500 Kilometer tWllh tgen im regelmäßigen Dienst di« Flugzeuge der Polnischen »uswerkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk, Tegetthossiraße 7, Telephon 71-0-94, zurück. Passagiere, Warm und Briefe werden schnell und sicher Ordert. Wien, 36. Mai. daS Wetter. Die Verschlechterung der Wetterlage hat gestern weitere Fortschritte gemacht. WS hat den ganzen Tag über Niederschläge gegeben, stellenweise spgar Hagel. Die Vorhersage spricht zwar von einer leichten Besserung, doch ist die Wetterlage noch viel zu unsicher. Mn jüdischer Pfadftnbevdund in Wien. Herr Dr. Alfted Löioh schreibt uyS: Er ist die wohltuende Erscheinung zu verzeichnen, daß sich innerhalb derzionistrschen Organisation in aller Stille ind Bescheidenheit eine Vereinigung jüdischer Junmnensthen gebildet hat, welche nach knapp einjähriger Tätigkeit stark »mb gefestigt dasteht. Zirenu (eigentlich Zeirenu ----- unsere Jugend) nennt sich dieser Jugendbund, den man am letzten Sonntag mit blau-weißen Wrmpeln, mit goldenen Sternen, «nit Hellem Trompetenklang, mit lustigen hebräischen Liefern stramm und sonngebräunt durch die Straßen Sievetings marschieren sehen konnte. Die Führer und Füpvefinnen sind durchwegs ernste, idealistische, kluge Menschen? lie sind sich ihrer schweren und verantwortungsreichen Aufgabe bewußt. Die einzelnen Züge setzen einen hohen Eyrjetz ein, in der Erlernung der hebräischen Sprache und iit der Unterstützung der palästinensischen Aufbauarbeit einander zu überflügeln. Die bewußte Zugehörigkeit zur zioni- »ischen Organisation ist bei ihnen um so yvoer zu werten, »ls sich bei verschiedenen Jugendgruppen ein Abbröckelungs- »rozetz gezeigt hatte, der viele au« den Reihen der Organisation trieb. Würden dockdie jüdischen Ettern den Elternabenden des „Zirenu" mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Allen Mischen Eltern kann ich als Arzt, als Vater und als Jude nur vom Herzen empfehlen, sie mögen ihren Kindern die Freude nicht vorenthalten, ihre freie Zeit unter Gleichgesinnten, unter wahren Freunden und Brüdern mit Spiel und Körperwnngcn in Gottes freier Natur zu verbringen und sic in einer Umgebung ohne Haß und Mißgunst, ohne feindselige Anrempelungen ihre jugendliche Seele entfalten lassen. Neue Marken. Zur leichteren Entrichtung der ermäßigten Drucksachengebühr wird eine neue Briefmarke zu vier Groschen ausgegeben. Sie zeigt die Wertziffer als herrschendes Bildmotiv, im übrigen die gleiche Form und Ausstattung wie die geltenden Briefmarken zu 2, 6 und 8 Groschen und ist in lichtblauer Farbe auf weißem Papier gedruckt. — Zur Verrechnung der mindesten Nachgebühr im AuSlandSverkehr wird eine neue Nach marke zu vierzehn Groschen aufgelegt, die in Form, Ausstattung und Farbe den im Gebrauch stehenden Nachmarken der zweistelligen Groschenwerte gleicht. Gin Kind von einem Lastauto getötet. Gestern nachmittags wurde der fünfjährige MarMyelferSfohn Franz Grotisnih, 12. Bez., AlSrechtsvergerzasst Nr. 26 wohnhaft, in der Aßmahergasse von einem Lastauto der Brauerei Liesing, das der Chauffeur Johann Drachsler lenkte, niedergestoßen. Der Junge erlitt einen Schädelbruch und wurde von der Rettungsgesellschaft bereits tot angetroffen. Eine Urgrotznichte Schillers in Wien gestorben. Dienstag ist in Wien Fräulein Klotjlde Kodweiß, eine Urgroßnichte Schillers, dessen Mutter bekanntlich eine geborene Kodweiß war, gestotben. Fräulein Kodweiß, die im 83. Lebensjahre stand, fand bis vor einigen Monaten durch Stundengeben im Klavierspiel ihr Fortkommen, war aber zuletzt auf Gnabengaben angewiesen. Eine Wohnung um dreieinhalb Schilling. Der Zahnarzt Dr. Adolf S., der seit Jahren 'in der Porzellangasse feine Tätigkeit ausübt, schloß im Jahre 1919 mit dem Zahntechniker Steiner einen GesellschastSvertrag, wonach er dem Zahntechniker den größten Teil seiner Wohnung zur Benützung überließ. Am 1. Jänner 1925 sollte Steiner das alleinige Verfügungsrecht über die bis dahin benützten Räume erhalten, Dr. S., dem nur ein ganz kleiner Teil der Wohnung verbleiben sollte, als Entschädigung 35.000 Kronen bekommen. In der Zwischenzeit trat der Währungsverfall ein und Dr. S. sollte nun gegen ein Entgelt von 3.50 Schilling seine Wohnung an Steiner abtreten. Der Prozeß zog sich über zwei Jahre hin. Kürzlich fällte das Landesgericht das Urteil, daß Dr. S. die Wohnung zu übergeben habe. Der OOsÄgaige Mann nahm sich diese Entscheidung so zu Herzen, daß er gestern durch Vergiftung einen Selbstmordversuch beging. Sein Zustand ist sehr ernst. AilIIlINIIIIIIIIWWIMlMMMÄiMMINMMMMMWwMNIMIIIWMMMIIMM» vorm.Malowan & Franz Malowan 23 bringt für die heurige Sommersaison Covercoal-nanld in herrlichen Farben, ganz mit Seide gefüttert, in allen Größen zum Preise von S 185 gewehr. Ein Wachmann brachte den Mann zum Kommissariat Leopoldstadt, wo er wegen Störung der Ordnung ' polizeilich bestraft und nach Ausnüchterung entlassen wurde. Die Ausrüstung, die aus Kriegsbeute und Geschenken bestehen soll, wurde ihm abgenommen. Der Mann ist der 64jäh>ngc Reitknecht namens Eduard K. Dorotheum. Die Schalter des DorotheumS und seiner Zweiganstalten sind heute für das Pfändergeschäft und den Sp«v einlagenverkehr von 9 vis 12 Uhr geöffnet. Jinternationale Artistenrevue. Unter den vielen Veranstaltungen wahrend den Wiener Festwochen dürste als eine besonders eigenartige Vorstellung die am 11. Junr d. I., um 3 Uhr nachmittags im Johann Strauß-Theater stattfindende internationale Artistenrovue, verbunden mit der nächstmonatlichen Artistenprüfung Interesse erwecken. Besuchsvormierkungen bei der Internationalen Artistenorganisation 2. Bez., Praterstraßc CO*. AO roerttue» W>Mrcyrurmer. Aus Berlrn wir^ gemeldet: In den beiden letzten Runden erlitten die bisher unbesiegten Meister Saemisch und Brinkmann ihre ersten Niederlagen, wodurch Ahnes an die Spitze rückte. Der Stand ist derzeit folgender: Ahnes 5, Saemisch 41/a (1 Hängepartie), List, Niemzowitsch je A%, Brinkmann 4 (1), Bogoljubmo 4, Enoch 3, Miefes 2, Schweinbuitz lVa, Elstner 1. E Vor Abreise aufs Land räumen Sie Ihre Wohnung und übergeben Teppiche und Kostbavkeiten .n Aufbewahrung und Pflege an Lüftschitz A. G., Wien, 21Jb, Magdeburgstraße 71, wÄche auch günstige Kredite auf eingelagerte Objekte beschafft. Del. 40-5-61. Heitere Kriegserinnerung. Großes Aufsehen erregte Dienstag nachmittags ein älterer Mann, der in einem sonderbaren Aufzug durch dre Praterstraße torkette. Angetan war er mit einem alten französischen Stahlhelm und einer alten Gasmaske, umgehängt hatte er ein unbrauchbares Jnfanterie- E Anzeige! Unsere Schuh- und Strumpf-Propaganda wird bis Pfingsten fortgesetzt. Jede Dame, jeder Herr, jedes Kind erhält ein hübsches Goschen! beim Einkauf von zwei Paar Strümpfen oder Socken und gileichzeiKgom Schuheirckauf. Schuhindustrie- und Handels-Aktiengesellschaft JÜDISCHE WEIT Eine Tagung der jüdischen Studenten Ftalieus. Am 7. nnd 8. Mai d. I. hat im Lokal des Rabbinischen Kollegiums in Florenz eine Sitzung der Leiter der einzelnen Lokalverbande jüdischer Studenten Italiens stattgefundm. Der Konferenz wohnten mehrere Universitatsprofessoveir sowie Führer des italienischen Judentums und Vertreter der Presse bei. Es svurden Maßnahmen zwecks Reorganisation des Landesverbandes beschlossen^ Der neugewählten Exekutive gehören an die Herren: Szalom Szakin, Anwld Rojzin, Mareo Babad (Padna),' Feivel Dgani (Rom), Kurt Reik (Triest), Siegmund Leßner (Florenz), Benzion Kvongliakoff (Turin). Zum Generalsekretär wurde Herr Marco Babad getvählt. Zum Sitz der Exekutive und des Generalsekretariats wurde Padova, Via dellg Piazzo 14, bestimmt. Ae Berwaudteuhilse. > Aus Berlin meldet I. T. A.: Die Gesellschaft „Hvas-Jca-Emigdir-ekt" („HJCEM") hat eine Aktion der Verwandtenhilfe eingeloftet. Die Landesromitees der Gesellschaft in Europa haben bereits mit der Registrierung jener Personen begonnen, die Verwandte in Uebersee besitzen. Sollte für eine Einzelperson oder Familie die Möglichkeit zur Auswanderung bestchen, wird die Gesellschaft mit Unterstützung der Angehörigen m Uebersee dem Emigranten zur Auswanderung und zur Seßhaftmachung in der neuen Heimat verhelfen. Me Gesellschaft wird sich dieserhalb mit den jüdischen Organisationen in «den EmwandevungÄändern (Kanada, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Australien usw.) in Verbindung setzen. Betreffs der Emigranten, die nach Palästina wollen, wird die Verbindung mit dem Einwanderungsdepartement der Zionistischen Organisation in Palästina geschaffen werden. Sollte aber der registrierte Emigvationswillige keine Möglichkeit zur Auswanderung haben, so wird die Unterstützungssumme der Angehörigen in Amerika dazu verwendet werden, um ihm an Ort und Stelle zu einer dauernden Beschäftigung zu verhelfen. Gin« Folge der Ginfteünna der Fointhilse in Kardothornßland. Aus Marmaros-Sziget ivivd uns geschrieben: Im Jahve 1833 wurde m Kavpachorutzland mit Unterstützung des American Joim,t DfftMutton Committee eine Gesellschaft zur Förderung beS jüdischen Handwerkes in Karpathornßland gegründet, die auf dom Gebiete >der Berussumschlchtung unter den Juden bereits große Erfolge aufzuweisen hatte. Im Sinne des neuen Arbeits- Pro grammes des Joint in Europa wurde die Subvention der Gesellschaft vor kurzem eingestellt. Die Folge davon war, daß nunmehr auch die Gesellschaft zur Unterstützung der Wischen Handwerker in, KarpaHorutzland ihre Tätigkeit unterbrechen mußte. Las Schicksal der Sinai-Halbinsel. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Zu be« aus Kairo stammenden Meldungen, daß die arabischen NatioMlisten heftig gegen die angeblich geplante Abtretung dar Sinais- Halbinsel an England opponieren, bemerkt „Palestiuc Weekly", daß der Sinai sowohl vom histprischen, wie vom gej» graMschen Standpunkte nur als ein Teil Von Palästina betrachtet werben könne, und nur die Juderr seien es auch, die die Kolonisierungsarbeiten in diesem Gebiete durchführen können. Palästina bevölkere sich von Tag zu Tag immer mehr, und es brauche den südlichen Ausläufer, um dorthin seinen Bevölkerungsüberfluß ablenken zu können. Die durch den Sultan und den Khedivo einst eigenmächtig festgestellten Grenzen seien überhaupt nicht unantastbar und endgültig. Aegypten habe lange genug bewiesen, daß es sich nm die Halbinsel nicht kümmere; Palästina hingegen sei auf die Halbinsel wie auf dam Bissen Brot angewiesen. Außerdem biete aber die Besitzergreifung der Halbinsel durch Palästina auch für England unermeßliche strategische Vorteile, da hierdurch erst der feste Besitz 1«ner Eisenbahnstrecke den Engländern gesichert werden kann, die den Suezkanal, mit der Kopfstation in Porto Fuad, über Emman und Basvah mit dem jüdischem ELsenb.achnnetz verbinden wird. Ladtz Bearfteds Testament. Dm vor kurzen, in London verstorbene Bisconnteß Beav» fbify Gattin des einstigen Lordmayors von London, hat in ihrem dieser Tage veröffentlichten Testament den innigen Wunsch ausgesprochen, daß alle ihre Kircker im jüdische« Glaubsn erzogen werde«' und keim Mischehen eingehen sollen., .TT