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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-26 · Heft 2961 (26.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2961 (26.5.1927)
Date
1927-05-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wiener Morgenzeitung 26. Mar 1927 Nr. 2661 Seite 4 M7n, Donnerstag europäiscbci: Gewässern den Anstrag gegeben, Lindbergh auf e i n e rn M r i e g -> schiss in die Heimat zu b e f ö r d c r n. Die-> dürste vermutlich auf dem Kreuzer „M e m p h i s" gescheheir. Ein Qmerifanittfjer Entveckungsflug. '1i e n> t] o r t, 25. Mai. Wie „Associaleo Preß" aus Fairbanks (Alaska) melden, sind George Wilkins und Alger Graham in einem Fokk er Eindecker nach Pointbar row abgewogen. Von d«rt aus werden sie ihren Flug nach Etah in Grönland fortsetzcn. Zweck der Expedition ist die Entdeckung neuen Landes. Gaur Louisiana unter Wasier. Jas ZuSerbeüen iiSerschwemmt. — Hunderttausend Personen zur Räumung gezwungen. Newyork, 25. Mai. Infolge des Tammbrnche des Flusses A t ch a f a l a y a bei Mac C r e a ist der rcst lichc fruchtbare Boden von Louisiana, genannt das Zuckerbecken, bereits überschwemmt oder in Gefahr, es zu werden. 2000 Acker Land sind schon unter Wasser gesetzt norden, und man befürchtet, daß weitere sechs Bezirke von der Ueberschivemmung werden ergriffen werden. Zum Glück für New Orleans ist das neu überschwemmte Gebiet senseits des Mississippi gelegen. Die Behörden haben die Bevölkerung des gefährdeten Gebietes — rund 100.000 Menschen — von der Gefahr verständigt und die Bevölkerung veranlaßt, mit der Räumung ihrer Wohnstätten zu beginnen. Die neue Neberschwemmung bedeutet eine Erhöhung des bereits verursachten Schadens um mehrere Millionen Dollar. Man befürchtet, das; bei dem neuen Dammbruch bei j Macrea 300 bis 400 Bewohner ums Leben gekommen sind. Obwohl die Bevölkerung seit Tagen zum Verlassen des bedrohten Gebiets aufgesordert worden lvar. verblieben die meisten Familien in ihrer Behausung, bis die Gefahr ossew kundrg wurde. Mannschaften der Miliz hatten Tausende von Sandsäcken und Quadersteinen auf den Dainm von Aiacrea ausgeschichtet, um dessen Bruch zu verhindern. Außerdem stand ein zweiter Damm in Vorbereitung. Durch einen plötzlich eiirtretenden heftigen Regenguß wurde das Erdreich aufgeweicht, das Wasser sickerte unter dem Damm durch und der Tiamm stürzte ein. iDie .Arbeiter kmrnten mit knapper Not ihr Leben retten Das Binnenmeer bei Atshafalaya hat nunmehr eine Lange von 150 und eine Breite v out 75 M ei l en. Die Tiefe beträgt stellenweise 15 Meter. Ein Rettungsboot war aus diesem wahren Ozean volle drei Tage unterwegs, ohne eine Spur von Land entdeckt 5u haben. Starkes tzrdbebeu in Neapel. Rio in, 25. Mai. Wie die Blätter berichten, ist heute -morgens gegen 4'Uhr in Neapel und Umgebung e'lit starkes Erdbeben verspürt worden, dem nach einigen Minuten z'ivei weitere Stöße folgten. Da der Bestich keine erhöhte Tätigkeit zeigt, ist seine Eruptivtätig'keit mcht als Grund anzunehmen. Unsere neuen Teletzhon-Nummeru lauten jetzt ab 6 U h r a b e n d s 38-5-80 Serie, ab y29 Uhr abends 38-5-83. Furchtbare SMoston einer SarbehAter». 2 Tote, 16 Verletzte. Heringen an der Werra, 25. Mai. Iin Kesselschmiedehaus einer Gewerkschaft waren heute mittags Leute mit dem Ablassen eines großen Gasbehälters beschäftigt, wobei dieser aus bisher nnbekanntcr Ursache explodierte. Ein Arbeiter wurde völlig zerrissen, sein Rebentit a n n gleichfalls getötet. An dein Aufkommen eines Dritten wird gcKveifelt. Fünfzehn in der Nähe beschäftigte Handarbeiter tvurden teils schwer, teils leichter verletzt. Das Gebäude liegt völlig in Trümmer. 8t« türkischer Prinz ranbt seine eigene» Kinder. Budapest, 26. Mai. Int Budapester Ufa-Kino kam heute abends zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall. Der türkische kaiserliche Prinz Abdul Kadir, dessen zahlreiche Skandalaffären seit drei Jahren Budapest beschäftigen, erschien im Kino und entführte aus dem Z u s ch a n e r r a u m unter riesigem Tumult des Publikums seine beiden Söhne, die bisher sich in der Obhut seiner geschiedenen Gattin, der Prinzessin Medschidsche, befanden. Die Entführung gelang, da die Kinder sich gegen ihreit Vater nicht lvehrten und das Budapester Publikum keine Miene machte, sich in die Familienangelegenheiten des türkischen Sultansohncs cinzumengen. Die Prinzessin Medschidsche aber hat gegen ihren geschiedenen Gemahl unverzüglich die Strafanzeige wegen Kindesraubes bei der Oberstadthauptniannschaft erstattet. Jas Kasseler HeldenmSdche« — eine Schwindlerin. Berlin, 25. Mai. Nach einen: Kasseler Telegramm des „Lokalanzeigers" hat sich das angebliche Heldenmäldchen Maria Pape, das bei der 'Straßenba hnkat elfte op he zwei Kindern das Leben gerettet haben will, als Schwindlerin entpuppt. Ms gestern abends die Schiververletzten im Krankenhaus vernommen wurden, zeigte sich zur allgemeinen Ueberraschung, daß die Pape während des Unglücks gar nicht in dem Wagen war.. Nach einem eingehenden Verhör gestand sie unter Tränen, daß sie erst nach der Katastrophe an die Unglücksstelle geeilt sei Und sich an den Rettrmcfsarbeiten beteiligt habe. Bekanntlich hatte die Pape auf Grund ihrer Angaben vom Kasseler -Magistrat eine größere Geldsumme als Ehrengeschenk erhallen. Modenhaus syma Wien, II., TaborstraBe l verkauft infolge vorgerückter Saison nur erstklassige Modelle in Kleidern und Mänteln zu Spottpreisen! © Monate Einführungspreise zu Kassapreisen. in Solds Crepe de Chine, Ia Kleiderware.8 850 Crepe de Chine, imprime.. . 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Mer innerhalb des Weges lasse sie sich alle Möglichkeiten offen und setze nichts mathematisch fest. Heute, zwanzig Jahre nach der Balfour-Dellamtion, sind wir in der Lage, das Verhältnis Englands, und zwar aller seiner politischen Parteien,, zu dem palästinensischen Ausbaulverke Aar zu evkennen. Ziel ist die Förderung der nationalen jüdischen Heimstätte, der Weg ist das Mandat, die Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation. Getreu dem Prinzip«, die Grundsätze der Politik so wenig als möglich in starre Formen zu fasten., damit die Möglichkeit gegeben ist, wenn es nötig erscheint, nicht geradeaus zu gehen, sondern unter Festhaltung des Zieles im Zickzack, hat England gerade so wie die Zionisten bei Abfassung >der Balfour-Deklaration um jedes Wort gekämpft. Dies geschah nicht wegen des Endzieles, sondern wegen der Latitüde. Vom ersten Augenblick mußte England den Judenstaat wollen; denn sonst wäre der Inhalt der Balfour-Deklaration Unsinn. Wir wünschten die Fassung: ,Palästina als Heimstätte." England wählte die Fassung: „Heimstätte in Palästina", nicht, weil man sich um den Jndenstaat „dvücken" wollte, sondern, weil man die Bindung an eine starre Formel für nicht ztveckmäßig hielt. Aber das Ziel stand 1017 fest und steht und er rückt heute fest, trotz des Zickzacks, in dem sich die englische Palästina-Pol-tik in der Zwischenzeit bewegt hat. Gerade jetzt, in der Zeit der Palästina-Krise, haben wir die Empfindung, daß England uns als seinen Partner betrachtet, denn die Mandatsregierung befaßt sich gerade jetzt mit der ökonomischen Se-te des Palästina-Aufbaues. Freilich tut sie in dieser Hinsicht noch nicht ihre volle Pflicht; die englischen Mühlen mahlen langsam. Oberrabbiner Chajes führte dann eine Reihe von Beweisen dafür an, daß England seine Zukunft mit dem jüdischen Palästina verknüpfe, und verwe*st insbesondere daraus, daß die UÜbergabe der Konzession betreffend die Ausbeutung des.Toten Meeres,, eine Angelegenheit, die nicht bloß eine ökonomische, sondern eine eminent p o I t i s ch e ist, an eine jüdische Gruppe bevor st ehe. Politisch sei seit 1617 unsere Situation niemals so günstig gewesen wie jetzt, was zum Teil auch eine Folge der Wirtschaftskrise in Palästina ist. -Oberwbbiner Ch-ajes führte ins Treffen, daß jeder Nichtjude, der nach Palästina kommt, auch jetzt, während der Krise, das Land in der festen Ueberzeugung verläßt, daß Palästina die jüdische nat-oirale Heimstätte werden wird, nicht mir' werden kann. Er verweist insbesondere auf die Aeußerungen des italienischen Abgeordneten Pedrozzi, der einst ein Gegner des Z-onismus war und während des Besuches von Palästina ein ausgesprochener Anhänger wurde. Was die innere Situation des Zionismus anlangt, sei bei der Tagung des Aktionskomitees säst durchaus die Ansicht geäußert worden, daß man au8 dem Stadium kiosk zu gelangen, von dein aus wir mit dem Regiment Nr. 34, das auf dein' Militärhaftm, der sich nebenan befindet, seinen Dienst versieht, in direkter telephonischer Verbindung waren. So erfuhren wir immer die letzten und, was wichtiger, die sichersten Nachrichten. Um 8 Uhr 30 Minuten war Lindbergh über Cherbourg, dem bekannten französischen Hafen für Amerika, gesehen worden. Nun begannen die Nachrichten sich zu überstürzen. W 9 Uhr wurden Raketen ausgelassen. Diese neue Zer- .streoung wurde vom Publikum, das die Gitter einzureißcn drohte, mit einem lauten „Ah! ah!" der Befriedigung aüfgc.nommen. Da die Ankunst erst für 11 Uhr frühestens zu erwarten war, dachte man, daß es sich nur um eine Kontrolle der Signale handelte, um so mehr, als die Scheinwerfer und großen Lichtsignale noch nicht in Funktion getreten waren. Die Nachrichten wurden genauer. Immer näher, mit gewaltiger Geschwindigkeit, kam der silberne Vogel. Gegen 16 Uhr nachts wurde die Spannung unerträglich: wir erfuhren, daß der Monoplan sich seinem Ziele näherte. Wir traten ins Freie. Die Menschenmenge ahnte nichts von den letzten Nachrichten. Doch hatten bereits einige Journalisten ihren persönlichen Bekannten die letzten Meldungen mitgeteilt. Niemald wollte an das unmittelbare Eintreffen Lind- LcrghS glnuben; die Neuigkeit war zu plötzlich gekommen. Auf rnimal vernimmt mgn ein ganz leises Brummen eines Flugzeuges. 16 Uhr 26 Minuten. Alles horcht gespannt. Wer? Wo? Das A«ge getoöhnt sich an die Dunkelheit, die plötzlich muh von dem grellen Licht der Scheinwerfer zerrissen loird. Ein Flugzeug umkreist dreimal in geringer Höhe den Hafen. Immer langsamer, immer niedriger wird der Flug. Und gemächlich, als wenn es sich um die Beendigung einer kleinen Uebungsfahrt handeln würde, seht sich die Maschine in der Entfernung von 366 Metern vom Hauptlandungsplatz auf den Boden. 16 Uhr 22 Minuten: Spirit of Saint Louis, Pilot Lindbergh, landet in Bourget. Eine Sekunde lang ein großes Schweigen: ist es wirklich Lindbergh? Die Neugier wird zu groß. Man sieht die Zuschauer, die sich innerhalb des Gitters, das den Hafen umgibt, befanden, gegen das Flugzeug laufen. Die nervöse Menge kennt keine Zurückhaltung mehr: Mit einem wüsten Hurra-Geschrei wirft sie die Gitter, die sich ihr entgegenstellenden Polizisten zu Boden. Und nun beginnt ein Wettrennen im Dunkeln. Ziel ist der nun ruhig auf dem Boden sitzende Aeroplan. Siebenhundert Meter. Ich befinde mich unter den ersten Angekommenen. Doch plötzlich sehe ich vor dem Flugzeug zirka 46 Soldaten auftauchen, die einen ihnen bekannten, kürzeren Weg genommen hatten. Die Menge kommt nun auch heran. Mau sieht einen herkulisch gebauten Unteroffizier auf den Aeroplan steigen. Die Situation wird gefährlich. Die in ihrem Enthusiasmus blinde Menge droht den Aeroplan zerreißen zu wollen. Da sieht man den Unteroffizier jemanden ans der Kabine, die den Sitz des Piloten umgab, herausziehen. Ein junger, großer, totenblaßer, aber leicht lächelnder Mann erscheint. Er beugt sich in die Kabine zurück. Mit einer Hand zieht er die Fliegerhaube ab, mit der anderen legt er einen ... Ströhhut auf de» Kopf. „Wo bin ich?" fragt er. „In Paris", lautet die Antwort. „That's right." Die Menge ist nicht zu halten. Einige Männer haben Lindbergh auf die Schultern genommen. Doch jedermann toill den Flieger in der Nähe sehen. Dieser gutgemeinte Empfang droht aber tragisch zu enden. Lindbergh steigt zu Boden und fällt plötzlich um. Da sieht man eine Hand die Fliegerhaube schwingen. Ein Mann wird von der Menge zum Hafen getragen. Unterdessen bricht ein Trupp von ungefähr 10 Personen nach der entgegengesetzten Richtung auf. Offiziere stützen einen blonden jungen Mann, der sich aufrecht zu halten trachtet. Er weint. Dieser Mann ist Lindbergh. Die Menge trägt nun den anderen vermeintlichen Lindbergh zum Pavillon der amerikanischen Gesandtschaft, wo der Ankömmling große Mühe hat, zu erklären, daß er nicht Lindbergh sei. Der Aeroplan wird nun auf eine harte Probe gestellt. Jeder will eine Erinnerung von diesem denkwürdigen Ereignis mitsichnehmen. In einigen Minuten ist die Leinwandfläche de§ Apparates von Messerstichen gespickt. Doch die Wache kommt, und nach unendlichen Mühen gelingt es ihr, den Apparat zu retten. Lindbergh hatte die erste Pflege in der entlegenen Hütte eines Offiziers erhalten. Von dort wird er in Verkleidung in den Pavillon der amerikanischen Gesandtschaft gebracht, vor dem sich die Menge sammelt. Lindbergh, Lindbergh/ Lind—bcrgh. L—a—via—teur, L—a—via—ieut erklingt es von allen Seiten. Da erscheint der amerikanische Gesandte vor dem Fenster. Vivats ertönen, die amerikanische Hymne mengt sich in die Melodie der Marseillaise. Doch die Menge verlangt Lindbergh. Der Gesandte erscheint mit der Flughaube des jungen Heros. Eine neue Welle de» Begeisterung. Doch die Vivats werden stärker. Lindbergh wird verlangt. Man pfeift. Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Die Menge verlangt Lindbergh. Keiner will verstehen, daß nach dreiunddreißigstündigem Fluge der Pilor rphebedürftig war. Der Name „Lindbergh" ist null historisch geworden«

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