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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-22 · Heft 2957 (22.5.1927) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2957 (22.5.1927)
Date
1927-05-22
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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WM», SMttäg Me«ee Morgenzeittt«g 26. Mfi 1937 Nr. 29S7 Gerichtsfaal. ZostKlei! gegen die Funktionöre der Wiener Fleifchhanervereinkgung. Nach vierttigiger Dauer wurde geüerrr abends die BerhAndlmig gegen die Funktionäre der Wiener Fleischhau ejwer«ftnigMg, die den Zusammenbruch des Unternehmens herbeigcführt haben und sich nun wegen Betruges und fahrlässiger Krida zu verantworten hatten. M Ende geführt. Der Gerichtshof erkannte Johann D ob ritz Hof er . des .Betruges und der fahrlässigen Krida schuldig und verurteilte ihn zu vier Monaten einfachen Kerkers. Die Angeklagten Karl Kol mann,. Mathias Grubitsch und- Karl Heller wurden der slchrWffigrn Krida und der Uebertretung der Veruntreuung schuldig erkannt und Kvlmann zu vier Monaten stronKen .. ^Arrests, G r u b i t s ch z n d r e i M v n a t c»» strengen. Arrests und Heller zu einem Monat einfachen Arrests verurteilt. Karl Mündel .»vurdg wegm Rücktritt des Staatsanwaltes von der Anklage fr.ei g ostp rwche-n.- Gegen- Friedrich Al l i na wardas Bcr-. fahren bereits früher ausgeschieden, »vorden. Lir Freandin des „Tabattösigs" Siarim 8min Der Verivaltungsgcrichtshof hatte sich gestern mit einer Steuerbefchtvcrde zu besasicn, welche mtt einem von der Steuerbehörde gegen den „.Tabakkönig" Krazim E m i n durchgeführten Veranlagungsverfahren zusammenhärigt. Kiazim, der nach dem Kriege für fast alle Tabak regier: Europas das Tababnaterial lieferte, ist in den letzten Tagen von Wien, wo er seit langer Zeit den Tabakmarkt beherrschte,. nach Brüssel abgereist, wohin auch der noch üüriggebliebene Teil seiner Beamten ihm nachfolgte. - Die Steuerbehörde hatte gerade noch Zeit, ihm eine Steuernachzahlung von 2y2 Millionen Schilling auszuerlegen, die er auch erlegte. Kurz vorher war seine F r e rr n d i n A n n a G., eine verheiratete Frau, recht ausgiebig. von der Steuerbehörde' „veranlagt" worden. Sie war im Vorhalte des Vorsitzenden der Schätzungskommrssion aufgefordert worden, alle in Geld oder Geldestvert erhaltenen Zuwendungen nachträglich zu satiereu. Sie antwortete darauf, daß sie aus . den ihr regelmäßig 'gemach- - tcn Zuwendungen ihres Freundes nichts erspart habe. G el-egenili ch e. G es ch enk e aber seien, nach dem. Personalsteuergesetze dem Einkommen nicht beizurechnen. Die Steuerbehörde nahm dies , als eine ausweichende Antwort, als Ungehorsam im Sinne des.Personalsteuergesetzes an und ging, daher mit der selbständigen Steuerbemesiung, im Kontumaztvege vor, wobei ihr Einkommen mit 120.000 Schilling angenommen wurde,. Dagegen.brachte Frau G. die Beschwerde an .den Verjvaltpngsgerichtshöf ein, in welcher' bemängelt^ wurde, daß der Beschwerdeführerin nicht-ein weiterer Vorhalt gemacht wurde, daß die .ihrem .Gatten Pe währten. Unter st si tz u ng.cn . nicht byi der. Schätzung des Einkommens eiübezogen. wurden, und daß es nicht angehe,, die Zuwendungen ihres, Freundes, als so regelmäßige anzunehmen, daß sich daraus,, ein.?Nilliardeneinkommen ergebe. Der Vevwaltungsgerichtshof wies, die Beschwerde a.ls unbegründet ab, weil, die Beschwerdeführerin der Auskunft über die Höhe der empfangenen Zuwendungen geflietzentlich aus dem Wege gegangen sei, weshalb die Steuerbehörde mit Recht Ungehorsam annehmen konnte. Auf Grund von Auszeichnungen des Kiazim wurde die Höhe der Geschenke festgestellt, .so daß die Bemessungsgrundlage^nicht als zu hoch anzunehmen sei. Die Telephonkeitrmg als Radioanienne. Bor dem Bezivksrichier! Dr. Jellinek war gestern der pensionierte Bundesbahnbeamtci Karl Hel l nach tz 24 des Telephongesetzes angeklagt, weil e^-eigenmächtig seine Rapioanlage-an die Telephonleitun^ angeschlossen: hatte. %ip Telephonverwaltung war im April vorigen Jahres verständigt »vorder:, daß beim Gesellschaftstelephon 42-5-29 wiederholt, besonders in den. Abendstunden, Störungen kommen. Twrch ein Kontrollorgan wurde erhoben,. daß Hell einer, der Teilnehmer dieses Gesellschaftstelephons war and daß er. fein Radio an die Telephonleitung «»geschlossen - hatte. Bor Gericht war der Beschuldigte fä c§ Tatsächlichen geständig. Er gab an, daß er selbst das Radio »rur »venig benützt habe, daß aber - seine inzwischen verstorbene Frau.eine große. Radiosreundin tyar. Umi em besseres Hören zu erzielen, fei er schließlich auf die Idee verfallen» dr eTelephonleitu»g als Radroantenne zu berrützeu. Tatsächlich Hab cer nun ausgezeichnet gehört nird dann vergessen, die Berbnduing wieder janszuschalten. Der Richter verurteilte de»^ Beschuldigt«: zu einer Geldstrafe von 50 Schilling, eventueUzn' 48' Stunden Arrest ' sowie zun:' Ersatz von 48 Schilling an die Tclephonvcrloaitung und sprach schließlich dm Verfall der in seinem Besitze befindliche R a d i oa n l a g «samt Zubehör aus. Hell erklärte' das Urteil anznnehnren. Der Arrest als letzte Zufluchtsstätte. Der seit zlvei Jahren arbeitslose Rudolf Wanicek wurde vor zwei Tagen vor der Polizeidircktiost am Schottenring angehalten, weil er ein Bündel, »velches Wäschestücke enthielt, gegen ein Fenster des Polizeidircktionsgcbäuöes geschleudert hatte. Das Wäschebündel traf zwar daa Fettster, ohne es jedoch zu zertrümmern.- Bei seiner Anhaltung gab Wanicek a»:, daß er seit zwei Jahren arbeitslos sei und seit kurze»»: auch keine Arbeitslosenunterstützung mehr beziehe nr:d er 'zuletzt auch seiiw Schlaf statte im' Obdachlosenheim verloren habe. Er habe nun ans diesem Wegze die Ocffentlichlcit auf sich und seine Notlage aufmerksam machen »volle»: und habe sich dazu die Polzeiidirektion ausgesuckn, tveil er der Ansicht war, daß er hiedurch leichtesten in den Arrest kommen, würde. Waiücek »vurde dei« Strafbezirksgericht 1 überstellt ni:d gestern den: Bezirksrichter - Dr. Narz »mter der Anklage der versuchtm boshaften Sach dcschädigung vorgeführt. Wanicek gab ohneweiters zu, daß er die 'Absicht hatte, ein Fenster zu zertrümmern, da er den Arrest als die letzte Zufluchtsstätte ausah. Der Richter verurteilte' den Beschuldigten zu fünf Tagen A rre ft. Nach Be» büßung der Straft: tvird Wanicek dem Polizeikommissariat Innere Stadt überstellt werden. Vereine, Bortröge und Bersammlnngen. Verband Mischer Kaufleute und Gewerbetreibender. Dienstag, 8 Uhr abends, Sitzung der Krcditiettion im Wiener Bürger-Cafe, 2. Bez., Praterstraße li. — Zionistische Bezirkssektiön Alsergrund. Am Dienstag, den 24. Mai/ um %9 Uhr abends, Cafe Arkaden, 9. Bez., Älserstraße 41, Vortrag Doktor Jakob Weiner: „Neuorientierung in der Zionistischen Landes» organisa.wn Oesterreichs." — Verband der Zioniften-Revistonisten und JugewbHrnü» „Btith Hazofim". Dienstag, 7 Uhr abends, Cafe Metropol, 9. Bez., Beragasse 33, Versammlung der Zofim. — Jugendverein „Erez Israel", 2. Bez., Zirkusgasse 33. Heule, 1 Uhr, gemeinsame Abfahrt zur Lag-b'Onrer- Feier in lkahlen-bergerdorf. Treffpunkt: Stadtbahnhaltestelle Schwede »:brücke. — Zionistische Jugendgnippc Leopoldstadt, 2. Bez., Zivkusgassc 33. Heute, 7 Uhr, Zentraiwanderung Treffpunkt: Schottenring. 3 Uhr nachmittags: Lag-b'Omer-Feier des Verbandes Zionistisch-rr Jugendorganisatiomn Oesterreichs Montag, 7 Uhr, Hebräisch für Anfänger. Dienstag: Sicho.th. F) Uhr, Kwuzah „Dror"; 8 Uhr, Avuzah „Reuth"'; lA% Uhr. 5l!wuzah „Beth". Mittwoch entfällt die Plenarversammlung »vcgen des Vortrages des Herrn Oberrabbiners P. Chojes. — „Haboneh", Bund zionistischer Absolventen. technischer Lehr-, anstalten. Montag, 8 Uhr abends, Zu-sarnnrenkunft im Hotel „Habsb-nrg". Ao Uhr: Lichlhihdervdrtrng Dr. Isidor K lab er über „Bernfskraittheiten". Montag, den 30. Mai, Gencralversam'inlung. — Die Fachsektion der protokollierten Handelsvertreter und Kom,Missionäre int Gremium der Wiener Kaufmannschaft, hall in o v ge n,; KO Uhr nachmittags, in: Großen Saal des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, '4.-Bez. Schwarzenberg platz 10, 1. Stock, die a u ß e r'ö r de»: t l: ch^ V o l I u e rsam ml :t lt g ab. Ans der Tagesordnung stehen äußerst »vichtige Standess ragen. — Maimonides-Jnstitüt, Hetz- .gasse 40. Morgen Montag, 0 Uhr, Dr, A. Kä m i nka: „Der Prophet Haba'kük." 7 Üh'r: „Der Satan :>: der'Dichtung Hiob." — Wiener Vcth-Haniidrasch, 2. Bcz., Tempelgasse 3. Heute, 5 Uhr, LMor Dr. S. Gelbhaus: „Geschichte der Juden." 0 Uhr, Le'ktor Dr. S. Rubin: „Sprüchedar Väter." -Morgen, Dr. Rubin: „Talmtld." Jüdisches Realgymnafinm (mit Oefsentlichkeitsrecht), 2. Be» zirk, Castellezgasse 35. 'Aufnahme in die erste bis achte Klasse täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der Diroktionskanzlei. Verein für unentgeltlichen Arbcitsnachnreis, 2. Bezirk, Taborstraße 59. In der am 15. Mai erschienene»:' Notiz über die Wahl des- Kuratoriums soll es richtig heißen: Als Dizepräsident »vurde Herr-Hofrat Ing. Leopold H e r'z-ka' gewählt. TOlKSWlRTSCHAri Kreditwesen und Selbsthilfe. Von A. M. Ehrlich, Präsident des Gremiums österwichischer Handelsvertreter'. An alle jüdlschen Berussgruppen. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß in der heuti>ge>n Phase der Volkswivtschaft' ein Mter Kreditapparat d-ie Säule der W \ x t \ ch a s t bedeutet. Die meisten Kvisen der neueren 'Zett sind Folgen der Kapidalsknappheit, und lassen sich daher.auch zumeist aus 'Kr>c>dltkvisen reduzieren,'Daher das Bestreben der' maßgebenden Faktoren, den ibedrohten Wirtschaftskreisen Kapital im Wege von Krediten zuzusühven. Wenn'auch gegenwärtig'eine allgemeine Entspannu.ng 'auf dem österreichischen, Geldmärkte unverkennbar ist, so 'kommt diese doch nur den kaMa'lskräfttgeven Kreisen, d>as ist den Großkauflouten, -wie überhaupt den größeren Betrieben zugute. ' ■ ' . Der „kleine Mann", der jüdische . Kleinkaufmann, Handwerker und Kleinhändler, ist. nach wie vor, infolge der rigorosen Selektion der Kreditnehmer, vom direkten Kreditmärkte ausgeschloßen. Er ist daher, wenn er sein Geschäft ausrechterhalten will, noch mehr aber, wenn es sich um oine Existenzgründung handelt, gezlvungen, Kveditstellen aufzusuchenderen Bedingungen' linter Umständen jede Verdienftmöglichkeit illusorisch, machen. Da bekanntlich dcr größte Teil des jüdischen Volkes sich aus den obertvähaten Kleinbürgern rekrutiert, ergibt es sich, daß die jüdische Bevölkerung unter dem notorischen Kvoditmangel am meisten zu leiden hat; aus diesem Grunde ist sie äm Bestände von/gemeinnützigen Kr-editinstitute-n am meister: interessiert. Soll einersciis die Kreditgebarung'eine solide, andererseits die zu gewährende Hilfe eine nachhaltige sein,, so muß eine K r e d i t k a s s e ihr Hauptaugenmerk auf P roduktivkr'edite lenken, das ist auf . Kredite, hie für, G e s ch ä f.t s z w e ck e (Erhaltung bestehender, bezw. Neugründung von Geschäften) verwendet weichen. Kredite dieser Art bedeuten eine produktive Fürsorge und wirtschaftliche Stärkung der betreffenden Kreise.. Bei allem gemeinnützigen Eharakter >der Kreditmstitution, muß darauf Rücksicht genommen werden, daß das Stammkapital keiner wie immer gearteten Gefahr der Verminderung rmterli-egt, soll das Werk ein dauerndes sein und nicht EinMnen, sondern der A l l g eme i n h e i t dienen. Die Möglichkeit hiefür ist gegeben, durch die gvnofsenschastliche Organisation des'Kredites, die aus dem Prinzipe der SeVsthilfe beruht, sich dabei, aber im Rahmen einer soliden kaufmännischen Geschästsleitung bewegt. Die Kasse wird, ztvecks Ersparung von ,'unnütigen Kosten, im Rahrnen der K r e d i t k a s s e (die bereits von Joint, New Dork, in Wien, 2. Praterstraße 9o, etabliert ist), durgesührt. Die Le-itung soll derart zusammengesetzt sein, daß der Geldgeber sich "die Jnlgerenz -in der 'Verwaltung, wie auch in der Kre-dittrieitung sichert. Der gemeinnützige Charakter der Kasse wird dadurch gewahrt, daß sie nur mäßige Regiespesen einhebt und der Vorstand seine Funktion ehrenamtlich aüsübt. Die Lieitung müßte an. die gesamte jüdische Oefserttlichksit des In- und Auslandes einen Aufruf richten, dieses" bedeutsame soziale Werk zu fördern. Im Anbetracht der Genwinmützigkeit des Unternehmens werden auch die öffentlichen Institutionen um periodische Zuwendungen angesprochen. Die KreditetteÄung geht auf diese Art vor sich, daß die Kreditwerber jeweils ihr Ansuchen schriftlich einbringen und .ihre Mitakzeptanten, beziehungsweise Giranten namhaft machen. Ueber die Bonität des Kreditnehmers, beziehungsweise der Bürgen, »verden Recherchen erhoben und im Falle eines günstigen Ergebnisses derselben, »verden die Krodi tan suchen, mit einem Votum -beS Sekretariats versehen, der. Leitung zur Entscheidung vor,gelegt. Um den Kreditnehmern die Rückzahlung so bequem als möglich zu machen, »verden die Kredite ge>gm monatliche ratentveise Rückerstattung (bei einer Kveditlaufzeit von 6 bis 12 Monaten) erteilt. Dadurch erschöint die Rückzahlung für die Kreditnehmer besonders günstig und die Umlaufsgeschwindigkeit des Stammkapitals erhöht. Die Höhe der zu erteilenden Kredite soll sich zunächst von 500 b i s 2000 Schilling be»ve>ge»l. Bei Erteilung der Kredite genügt aber die momentane Bonität der Geldnehmer nicht, sondern im Sinne des Grundsatzes ,der 'Kasse: „produktive Fürsorge", tvird, auch aus die Bcrwendungsart der Kredite Bedacht zu nehmen sein; die Kasse' soll daher auch den Kreditverbern weitgehend mit Rat und Dat zur Seite stehen, damit sie'evsn- UM DIE ZARTE SÄUGLINÜSHAUT ZU SCHONEN LUX WIRD NIE OFFEN VERKAUFT. I 'Für >- ftlntVJanl ohi^Ausnoj mm) VERWENDE'MAN FÜR ALLE BABYWÄSCHE NUR HERGESTELLT IN DEN SUNLIGHT-FABRIKEN. S Ä ♦> BOBIMIm mm

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