Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2957 (22.5.1927)
- Date
- 1927-05-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2957 Men, Sonntag Wiener Morgenzeitmrg 22. mi 1927 GMe 5 Vas Automobilunglülk der Fra« Professor Hoffman«. SIN Berim non zrnu «nlttn MOtr-Älien. Frau A n i t t a Müller-Cohen, b\c, wie begannt, gegerwärl/; in Tel %m'm lebt, hat der ihren Namen tragenden Sozialen Hilfsgemeinschaft in Wien die folgende Schilderung des AutomobÄungluckes gesendet, von welchem Frau Dr. Martha Hoffmann, Professorin am jüdischen Gymnasium in Wien, ,nm- 3. Mai ereil! winde. Das Schreiben ist vom S. datier/. Fch' sandte Euch heute ein, Telegramm folgenden In-, Haltes: „Hoffmann Alltounsall, rechter Arm amputiert, verständiget Gymnasiurn und Schwestern. Anitta." Frau Dr. Hoffmann war Montag, den 2. Mai, in Haifa. Sie lies; ihr Gepäck bei Frau Dr. Rosenblüth und sagte, das; sie dieses in 2 Stunden abholen werde, um dann nacki Tel Awiw zu fahren. Sie kmn am gleichen Tage nicht zurück und inan lmhm an, daß sic ohne das Gepäck n a ch B c n j a m i n ä gereist sei. Dienstag nachmittags kam Von einem jüdischen P o l i z i st e n aus Akko (Akko ist eine arabische Stadt, mit dem Auto in einer halben Stunde von Haifa aus 'zu erreichen) die Meldung an Frau ' Dr. 'Rosenblüth, daß Frau Dr. Hoffmann infolge eines Antonnfalles verunglückt ist und bitte, einen.Arzt von, der Hadassah nach, Akko zu schicken. Da man annahm, daß Frau Dr. Hoffmann im Regierungsspital in Akko nicht so gut versorgt werden könne wie im 'Hadassahfpital in Haifa, veranlaßte man ' ihre sofortige Ue-erfuhrung nach Haifa und veranlaßte, daß ein, Deutscher,, Arzt sie. begleite. Mittwochvormittags fand-der Transport statt. Gleich nach ihrem Eintreffen wurde ein Konzilium abgehalten, an dem der Direktor der Hadassah, Herr Dr. Nissenbaum, ein Chirurg', und dreiAerzte teilnahmen. Es zeigte sich, daß der rechte Arm verloren sei. Der Arm war mehrfach gebrochen und wies am Oberarm, ungefähr 10 Zentimeter vom Schultergelenk, eine furchtbare Wunde auf. Die Nerven waren gänzlich' durchtrennt, so daß' keinerlei Hoffnung bestand, den -Arm erhalten zu können. Auf dringenden' Wunsch der Frau Dr. Hoffmann sah man von einer sofortigen Amputierung ab. Donnerstag abends stellte sich hohes Fieber ein.' Man telephonierte,-das; ich sofort, nach Haifa komme. / Wir baten auch Herrn Dr. R ob i n so h n aus Wien, welcher ' derzeit Leiter des' Röntgeninstitutes der-Hadassah in'-Jerusalem Ist, 'stach Haifa zu kommen, um ihn auch'iü" diöser schwierigen "Angelegenheit zü Räte zu ziehen. Der' Instand der Patientin wies im -Laufe des Tages keine Besserung auf, sic hatte große Schmerzen und der Allgemeinzustand'- verschlechterte sich. Abends fand noch einmal ein Konzilium statt: und alle Aerzte erklärten, daß absolute Lebensgefahr Vorhänden sei und -' das; der Arm amputiert werden müßte. Ich bä.t Frau Dr. Hoffmann, msr die Adresse, ihres Bruders in Kairo zu geben,-sie aber bat, ihren Bruder nicht zu verständigen. Dessenungeachtet habe ich Samstag um 4 Uhr nachinittags ein Telegramm an da§ O e st er r.e i ch i s ch e K o n.s u l a t nach Kairo gesandt, und Sonntag uni 8 Uhr morgens ries der Bruder von Frau Dr. Hoffmann aus Kairo an imti gab seine Einwilligung zu dieser Operation. Die Aerzte hatten'schon vorher erklärt, daß sie auch ohne Ein-, Ivilligung eines Verwandten und auch der Patientin selbst die,Operation vornehmen müßten, da sie sonst die Verantwortung ablehnen. Ich hielt es dessenungeachtet für notwendig,' Frän Dr. Hoffmann von dieser Operation zu verständigen. Samstag um 8 Uhr morgens gingen Herr Dr. Nyblnsyhn und ich zu ihr und teilten ihr mit, daß der Arm amputiert werden müsse. Sie, hat mit bewunderuilgswürdiger Ruhe und, Selbstbeherrschung eingewilligt, sich den Arm amputieren zll lassen. Der Arm war inzwischen schon gänzlich abgestorben, lveder bei Stechen noch bei den sonstigen Versuchen zeigte sich die geringste Reflexbewegung. Der Arm tvar schon ganz leblos, hatte schwarze und blaue Flecke. Die Nägel'nnd die Finger' waren schon 'gauzschioarz. Zur Operation hatten wir beigezogen: 2 Chirurgen, Doktor W u n d e r l i ch und Dr. K a g a n, 2 Nöntgenologen, Doktor -R o b i n s o h n und Dr.' I z k o tv i t s ch, ferner -den Direktor des Hädässahspitnls und '2 Assistenzärzte. - Die/Operation dauerte zwei Minuten, da der Arm nur noch au Häutfehen hing. Nach der Operation ivnrde der Arm seziert'und ei» Protokoll darüber ausgenommen. Der Arm ist bis auf einen Stumpf amputiert. Man hat sich bemüht,' diesen Stumpf zu erhalten, um die Anbringung einer Prothese zu ermöglichen. Da die Operation eine so einfache-war, tvurde Frau Dr. Hossmann i: i ch t n a r f o U s i.e r t, sondern bekam nur eine'! Aetherrausch. Nach der Operation bitfi&e ÜFreisc und etimmm.. JluswaM bei Aevvorva^endev tXunfitiit sind , die Jffennxeidfken ,i>ovs fflvupnifcs großem Sa»m«tnni4ea’lcleil«l4ea* aus Wasch-de laine 8 3.20, 2.50, 1.80 Sommerkleider aus Prima Bordüren-, Rips-Leinen-, neuartige Karo- oder, Streifdessins . . S 5.50, 4.50, 3.90 Bordüre,n*Dirndl,. entzückende Fasson . „ 8 4.50, 3 90 Sommerkleider aus schönem Modeschottenstoff S 12.50, 9.50, 7 90 Sommerkleider aus herrlich gemustertem Etamine 8 36.-. 18 90, 15.90. 11.99 Sommerkleider aus echter Rohseide, 8 28 —, 25.—, 19.99 Sommerkleider aus ganz neuartig dessiniertem franz, Seidenfoulard, aparte Fasson, S 35 —, 29.—, 25.— Das neueste Westenkleid aus Schafwollrips-Popeline mit roter oder blauer Käshätuchweste, reich gestickt und plissiert . . . . . ...... S 35 — Kostümkleid,mit Crepe de chine-Weste, sehr apart, 8 35 — Dirndl aus 'schön bedrücktem Seidenfoulard oder Schotteh-K.-Seide- . .. . ... 8 29.—, 22.- . 19.80 Dirndl mit Bluse und plissierter Schürze . ... 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(fe&tx ettfköfkten &ev:s&nnfstein<des istdev Jindvnn& xn imsevem ^vo/)en foninieiverßaiijf in den yfncfkmittndsstMnden ein devmvtUb wn&etkenvev, dnjß rviv nnseve sdhiitxten Jfiunden in:£ itnvenu eigenen Jfnteves&e uwid öefluemfidk&eitsfteiffrev fveundtidbst ev~ sudfken . audl die 'Vovwniitagssiünden xum £infiuufe xu - Geniitxen . Menpaials JILIUSHRUPNIK Vll. Kalserslr. IN, I», I» OtlBies Spcilalliaus niileleuropas smmammumammmm fant das Fieber sofort von 39,6 auf 36,6, das Bewußtsein wurde viel klarer und Frau Dr. Hoffmann lvar trotz des Unglückes sehr froh darüber, daß sie endlich von ihren qualvollen Schmerzen befreit war. Ich blieb bis heute, Sonntag morgens, in Haifa, nachdem ich alles für sie Notwendige' (Beistellung einer separaten Schwester ustv.) veranlaßt hatte. Die Damen des Franenvereines, welche sich ansnehmend nett benehmen, werden abwechselnd je einen halben Tag lang bei Frau Dr. Hoffmann bleiben, damit sie nicht zu viel allein ist und keine Zeit hat, über ihr ttauriges Schicksal nachzudenken. Für morgen mittags wird ihr Bruder erwartet, mit dem ich dann alle weiteren Maßnahmen besprechen werde. Frau Dr. Hoffmann bittet, ihre Schwestern zu verständigen, sowie auch das Gymnasium. Es muß gesagt werden, daß Frau Dr. Hoffmann ihr Schicksal mit einer solchen Würde und S e l b st b e herrsch u n g-trägt, die jeden einzelnen mit großer Bewunderung erMen muß. Wir hoffen alle, das ihr Zustand sich jetzt bessern wird und daß sie in kurzer Zeit das Spital verlassen kann. Immerhin muß man damit rechnen, daß die Heilung noch, einige Wochen dauern wird. Bittenden Angehörigen zu sagen, daß nichts versäumt wurde und daß, soweit menschliche Kraft reicht, alles aufgeboten wurde, um Frau DMor Hoffmann helfen zu können. Aschöpfea sich die Petroleumvorkommen? Die Sorge, daß die Petroleumlager der. Welt sich einmal erschöpfen könnten, beschäftigt sei-t langem. Techniker. und Volkswirte. Sie ist auch von Bedeutung für die Erörterung der Möglichkeiten einer Herstellung künstlichen Petroleums, beispielsweise durch Kohlenverflüssigung. Wieviel Erdöl überhaupt im Boden des. Erdballes «vorhanden ist, 'kann natürlich auch nicht annähernd mit einiger Zuverlässigkeit bestimmt werden. Es sind hierWer lediglich- Schätzungen vorhanden. Nach einer solchen Schätzung -es „American Petroleum Institute" betragen die Petroleumreserven der Bereinigten Staaten nach den bisher angewendeten G-ewinnungsmethoden rund 5,3 Milliarden Faß. Dabei bleiben aber noch, mehr als 26,3 Mlliarden Faß im Erdboden, weil sie-mit den bishevigen Gewinnungsmethoden nicht gefördert werden können./ Der Fedeval Oil Conservation Board schätzt die Menge des mit den-heutigen Methoden in den Vereinigten Staaten zu gewinnenden Erdöls sogar nur auf rund 4*5 Milliarden Faß. Verbesserte Bohrmedhoden haben es gestattet,- immer größere Tiefen bei der Erbohrnng -von Petroleum zu erreichen. Rund 3000 Meter tief vermag heute die Bohrsonde ins Innere der Erde vorgudringen. Aber den Bohrungen sind natürlich Grenzen gesetzt durch die höheren (Kosten,^ die..bei .tiefen. Bohrungen entstehen.-. -Die Ergiebigkeit der Oelquellen hängt-u. a. auch-v'on-dem Gasdruck ab, unter dem sie' sich befinden. Der oben gekennzeichnete Vergleich.der 'gewinttbären und der mit den heutigen Methoden noch nicht'gewinnbaren Erdölmengen (erstere 5,3,- letztere - 26,-3 Milliarden Faß) zoigt.idag derUm Boden ungenützt verbleibende^Oclrest heute -mehr als fünfmal so groß ist wie die 'gewonnene Oelmenge. Aber dieser -Oelrest ist zweifellos nicht für immer verloren. Man hat bereits Verfahren erdacht, auch dieses Del allmählich zu fördern. Aber die Verfahren sind noch ziemlich kostspielig. Letzten Endes ist es daher heuteschon nur noch eine Frage der Preiskalkülätion, in welchem Maße die vorhandenen Erdöllager der Erde äusgebeütet werden können. Auf der anderen Seite ist auch das fortgesetzte Anwachsen des Petrol'eumverbrauches keine' Tatsache, mit der für die Zukunft unter allen Umständen gerechnet werden muß. Je mehr vielmehr die Petröleu'mstreise steigen, desto größer wird das Interesse an einem stp a 'r f a m e r e n Verbrauch des Erdöls werden. Bisher ist das Petroleum vielfach an Stelle der Kohle verwendet worden. Wenn die modernen Kohlonverflüssigungs- , Verfahren sich als erfolgreich erweisen^ so wird in Zukunft teilweise die Kohle wieder an die Stelle des Erdöls treten. Das wird vor allem in denjenigen Ländern der Fall sein, in Venen neben großer Erdölarmut ein erheblicher K oh le n re i ch t u m vorhanden ist. Technisch scheint das Problem der Erdölausbeute aus Kohle nach dem vielbesprochenen Bergin-Berfahren bereits gelöst zu sein. Wird es auch, wie man hoffen darf, wirtschaftlich b e f r i e d ig e n d' gelöst, wird also die Gewinnung künstlichen Petroleums wirtschaftlich rentabel gemacht, so darf man annehmen, daß aüs den nahezu unerschöpflichen ' Kohlenlagern reiche Oelvorräte gewonnen werden können, und daß infolgedessen der Bedarf an nr<ürlichem Ech-t. ' ine entsprechende Verminderung erfährL « M-eA-'A.-.jHN**'*i --i.! .XUto » . N* i