Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2957 (22.5.1927)
- Date
- 1927-05-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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6ete 4 Wim, Sonntag ss. mi im wURw VwfgfP^RRIQ sofort noch New 2)ork abzugeben. Bisher sind auch schon eine ganze Reihe solcher Meldungen eingetroffen. So hat der Dampfer „E m P r e ß o f S c o t l a n d" gedrahtet, daß das FluMiug Lin-dbergs ungefähr nach Zurücklogung des ersten Drittels der Strecke über dein Ozean in raschem Fluge gesichtet worden sei. Nachmittags wurde das Flugzeug 200 Meilen von der irischen Küste entfernt wahrgenommen. Um 14 Uhr 50 Minuten nachmittags wurde der Apparat 100 Meile« vo-n der Sü-dwestspitze Irlands gesehen. Da seit gestern abends ein starker Mnd weht, ist Liudberghs Flug beträchtlich gefördert wovden. Söine Stundengeschwindigkoit wird mit 175 Kilometer? rr g e n o m m e n. Bsrderelllivgen auf dm Landungsplatz ln Paris. P a r i s, 21. Mai. Der amerikanische Botschafter hat einvernehmlich mit - dem amerikanischen Luftschiffattache in Paris alle Vorbereitungen für die Landung Lindberghs getroffen. Ein riesiger Scheinwerfer wird am späten Nachmittag in Funktion treten, um Lindbergh die Richtung zu zeigen. Der französische Kviegsminister hat angeordn'et, daß von Mttag an kein Flugzeug aufsteigen darf, damit Bertvechslungen oder Kollisionen ausgeschlossen seien. Alle Vorbeveitun-gen zur Erleichterung der Landung wurden von der französische «Regierung a n g e o r d n e t. Der amerikanische Botschafter befindet sich a n d a u er n d au f d e m F l ugp la tz, um Lindbergh nach der Landung als erster gratuliere« zu können.' lleber Irland. London, 21. Mai. Heute um 17 Uhr 20 Minuten westeuropäischer Zeit überflog ein Flugzeug die Ortschaft Smerwick-Harbour in der Grafschaft Kerry in südlicher Richtung. Man nimmt an, daß es das Flugzeug Limd b er gh Zwar. London, 21. Mai. (Reuter.) Der amerikanische Flieger Lindbergh soll Goleen und einen Teil im Südwesten der Grafschaft Cork (Irland) um 17 Uhr 50 Minuten überflogen haben. Mer Fränttelch. Paris, 21. Mn. (Tel. ' Cmp.) Um 10 Uhr abends wird a!uis EherboUrg gemeldet,- daß dort ein Flugzeug C-gesichtet Wurde, das man für den Eindecker L i n d b e r g-h s Halt. Der Flieger bewegte sich in südöstlicher Richtirng und wird gegen Mitternacht in Paris erwartet. die Märke des eleganten Herrn VH., Kaiserstraße 123 iX., Aiserstraße 6 «nHiiiiiiiiiiimiiiiniHiiiiiiiiii Sie freuen sich ... Der Wiener Gemeinderat hat vorgestern seine erste Sitzung nach den Wahlen gehalten und den Micheln Eröffnutztgskwwall geliefert. Die Juden Wiens habeni ihren Vertreter verwren, dessen Mandat an einen Sozialdemokraten gegangen ist. Aus dem Platze Dr. Plaschkes sitzt jetzt ein Großdeutscher, der am Freitag zum Eröffnungsfest die Kornblume trug. Die „Arbeite»Zeitung" kann sichs nicht verkneifm, die Würze des Vergnügens ganz auszukosten und, alter Sitte treu, durch Verleumdung noch zu vermehren. Sie schreibt: ,Mtle nehmen die Platze ein und — ist es ein Zufallist es ein boshaftes Arrangement? — der großdeutsche Wagner sitzt dort, wo früher der zionistische Plaschkes saß; der politische Untermieter jüdischer Konfession wurde gegen den politischen Untermieter arischer Abkunft ausgewechselt. Was tut es? Es wird der eine wie der ander« die Hausherren gegen die Mieter, dtze Banken gegen das Volk vortr-etefn." Bei wem Dr. Plaschkes Untermieter war, wann und wie er Haushwren und Banken vertreten hat, wird freilich nicht gesagt. Aber leider sind die Juden wirklich Unter- Mieter geworden. Und die „Arbeiter-Zeitung" freut sich. Mit ihr im trauten Vereine der „Tag", der sich über die Jiw-rschnationalen als die „drittstärkste" Partei lustig macht und ihr Fehlen als kaum merkbaren Umstand empfindet. Alles lacht, alles freut sich. Aber die Juden sind doch mundtot gemacht... IM e r alte mV gliche« ■ dmchgemacht hat und trotz großer diättscher Entbehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, ■ versuche Dr. Hoffbaners GntfettnnaStabletteu, die vor alle« keine Aenderuug der gewohnte« Lebensweise verlangen und in kürzester Zeit GewichtSverminoeruubewirke«, — Depot» Apotheke Bayer, Wollzeile Nr. IS Re -Mag der Fnmdeuverkehrs i« Sesterreich. Di« mMsemItqch« Pest. . Unserer gestern veröffentlichten Liste können wir heut« schon eine Ergänzung ansügen. Sie betrifft die Sommerfrffchen am Weißensee in Kärnten. Die Fremdenverkehrs verbände dieser Orte haben offenbar zur Unterstützung der auf Heranziehung von Fremden gerichteter Bestrebungen der Regierung beschlossen, die SeesommErfrrschen „von Juden zu reinigen" und Bemerkungen dieser Art auf den DirUcksorten aNKubringeri. Der Beschluß erfolgte auf Antrag einer Lehrerin najnens Maria Oberlercher in Techendorf. Man kam: .sich darnach leicht vorstellen, wie die Schüler dieser Lehrerin erzogen wett»en. Ae Bleuer zestMAen. Begünstigungen für die Teilnehmer. Den Teilnehmern an den vom 5. bis 19. Juni in Wien und Niederösterreich stattfindenden Festwochen tvurde eine Reihe von Begünstigungen ein-geräumt, welche an Gutscheinhefte, die in den in- und ausländischenReisebureaUs erhältlich sind, gebunden wurden. Zur Inanspruchnahme der.Begünstigungen ist in e7nem a>:'s^ändi'chen Rei'e bureau ein Gutscheiilheft zum Preise von 50 Schilling zu lösen. Diese Gutscheinhefte berechtigen: Zur Einreise nach Oesterreich ohne Visum. Es genügt ein gültiger Reisepaß in Verbindung mit dem Gutscheinheft; zur Inanspruchnahme einer 50prozentigen Fahrpreisermäßigung auf den österreichischen Bahnen von der Grenze nach Wien und zurück; für die Rückfahrt nach.einem MindestaUfenthalt von fünf Tagen und auf den Schiffen der DonaUstrecke von Passau oder Ruse (Bulgarien) nach Wien und zurück. Die Fahrbegünstigung g-ilt für die Hinfahrt nach Wien vorn 1. bis 15. Juni, für die Rückfahrt vonr 10. bis 25. Juni, bei Nachweis eines mindestens fünftägigeil Aufenthaltes in Wien und Niederösterreich; zur Inanspruchnahme der 25prozentigen Fahrpreisermäßigung bei einer Reihe von Ausflügen. Weiters enthalten die Gntscheinhefte Gutscheine für: Eine Runhfalhrt durch das alte oder das neue Wien; einen Ausflug in die Umgebung Wiens (Wax, Semmering, Hochschneeberg oder Wachau), eine acht T a g e. g ü l t i g e Straßenbahnrmd Stadtbahn-Dauerkarte in Wien. Begünstigungen bei Besuchen der Hauptschenswürdigkeiten Wiens. Auch den Teilnehmern an den Festwochen aus ben Bundes ländern werden Begünstigungen gewährt, die ebenfalls an Gutscheinheste gebunden sind, die in den Reisebureaus in den Bundesländern zum Preise von 20 Schil- . lmig erhältlich sind. Sie berechtigen Kur Inanspruchnahme eirm:. i2Sprozentitzen Fahrpreisermäßigung auf den Bundesbahnen und den Donauschiffen zur Fahrt nach (Wßfen und zurück. Die Hinfahrt imuß vom 1. bis 15. Juni, die Rückfahrt vom 10. Ibis 25. JUm stattfiiihen. Die Gutscheinhefte für Inländer enthalten eine Reihe von' Gutscheinen zum Besuche der wichtigsten SehenSwüMgkeöten Wiens Und zu einem Äusfllug in die Umgebung. Die Ausflüge und Rundfahrten.finden an bestimmten Tagen mit festgesetzten Abfahrtszeiten statt. Die näheren Auskünfte hierüber erteilt das' O österreichische Verkehrsbiurean, Wien, 1. Bez., Friedvichstvahe l;.r Ueber die Bedeutung der Wiener Festwochen! werden dmch den Wiener und durch ausländische Sender Radiovorträge verbreitet werden. Interessant ist, haß auch zwei große Newyorker Sender ausführliche Verlautbarungen über die Festwochen gesendet haben.- Weiftrs ist die Herstellung eines Propaganda film s vorgesehen. Herrn Florian allein. ' ( zvelwdettseWMeiid Briefe nmrden bisher durch die Polnische Luftvevkchrs-A.-G., Wien, 1. Bez., Tegetthosfstraße 7 (Telephon 71-0-H4) befördert und einige Stunden nach der Aufgabe dem Adressaten zugestellt.. ... Sin Srpreßkrief nach MenkostetS. 1.10. . Sin Luftpostbrief nur S. 0.60. Ser zweite Schaljavin-Aberrd. Wieder Nacht Polonaise etlicher Dutzend Enthusiasten, vr»8e OpernfoyerS, in der letzten Stunde vor Beginn der Vorstelkrmg lebhaft Bewegung vort dem Operngebäube, da und dort irgendein junger Mann oder eine junge Düme auf einen in der Nähe Stehenden zu (nachdem dessen Zahlungsfähigkeit durch prüfenden Blick laxiert worden ist), flüstert ihm etwas zu und dann entwickelt) sich gewöhnlich ein längeres Gespräch. Also scheint cS, daß die Agiotage diesmal etwas mehr „Reste" hat als beim ersten Schahapin-Abend. Doch daS scheint nur so —- denn wieder ist das Haus dicht gefüllt, wieder entfaltet sich der Glanz und Prunk eines „Galatages des für solche ReprSfentationsgelegen« Helten geradezu geschaffenen Wiener Opernhauses. ES tvird dunkel, die Gounodsche „Faus^-Oper beginnt. Eins ausgespieltes, abgespieltes Musikwerk, dessen „Schlager" schon lngsi verwelkt sind. Nach Faustens Beschwäörungsnronolog, der den gespannten Zuhörer viel länger dauert als in Wirklichkeit, endlich, endlich der Akkord des Mephistopheles. Und hervortritt aus der» dämmerigen Dunkel, rot beleuchtet, ein riesiger Dämon. Die Augen blichen unirdisch, und eine ungeheure Gestalt wirst, sich selbst verlängernd, einen beinahe inS Unendliche reichenden Schatten. Schaljapin« Mephisto bleibt das ganze Spiel hindurch der Dämon, als der er im ersten Austritt erschienen ist, und ist immer Wieda das Wesen einer anderen Welt; sein Rondo vom goldenen Kalb ist wie der Mnchtgesang einer uns unbekannten Dämonenwelz sein Geschäker mit Marthe hat weit weniger den verbindlichen Kavalierston, als vielmehr die Ironie irgendeines Asnwdai- Wesens, das mit Menschen spielt. Vielleicht mag die Wochen«, tägliche Umgebung dieses Mephisto den Eindruck noch verstärkt haben. Die Hörer, welche StimmauSbrüche erwartet hatten, kamen Wohl nicht ganz auf ihre Rechnung; dieser Elemcntargeist, der nebenher! auch Noten zu singen hatte, gab diese mit einer Leichtig. keit und unbeschwert von Materie, die technisch bewundernswert war. Im „Ständchen" überraschte der Wohllaut dieser Stimme, die scheinbar alle Register mühelos zu beherrschen scheint, am stärksten. Das Publikum war im Banne einer elementaren. Leistung, aus dem es sich mit Beifallsstürmen Luft machte. M. O. Re Pelzdiebe von der Leopoldftadt verhaftet. Wie gemeldet, wurde in der Nacht zum 16. d. M. in. dem Pelzwarengeschäft der Brüder Brainin in der Rotensterngasse ein großer Einbrujch 'ttöcübt, bei desm nicht weniger als 22 Pelzmäntel, 47 Persianerfette und eirie Reihe anderer Felle im Gesamtwerte von nahezu 40.000 Schilling entwendet wurden. ES wurde nun festgestellt, daß eine Frau in der Rueppgasse von einer ihr nur flüchtig bekannten anderen Frau, von der nur der Vorname Marie bekannt war, einen Persianermantel zur Aufbewahrung bekommen hat. Diese Frau Marie wurde nun in der Person der Hilfsarbeiterin Marie Be t n a r i g, Hedwiggasse 2, ausgefvrscht. Der Mann dieser BÄnarig ist ein wegen Diebstahls wiederhvlt vorbestrafter stellenloser Hllfsarbeiter. Beide lvustdein ver;!hifaft cjt, lefug^ neten aber, mit dem Diebstahl etwas zu' tun zu haben. Trotzdem konnten einige verdächtig« Bekannte des Paares ausfindig gemacht und verhaftet werden, so ein gewisser Spenglergehilfe Franz Heiß, der sich durch seine ganz neue Kleidung verdächtig gemacht hatte. Dieser gestand auch den Einbruch ein unb sagte aus, ihn gemeinschaftllch mit dem aus Oesterreich abgeschafften Hilfsarbeiter Max Kaiser aus Teplrtz begangen zu haben. Bei Heiß wurde ein Notizbuch gefunden, in dem sämtliche bei Brainin gestohlene Pelze mit dem wirklichen Wert und den hiefür in den Bersatzjämtvvn erzieltm Pfandsnmmen verzeichnet waren. Als weitere Täter wurde noch der 21jährige Schlofsergchilfe Leopold Wawra verhaftet, bei dem mehrere Pfandscheine Über Pelzmäntel gefu>nden wurden. Zw?ui Psttndfcheinrs iMteitglr auf Pelze, die in dev Nacht znm 19. v. -M. im iPelzgvschKst Ruprich in der Hetzgasse gestohlen worden waren. Als Betwerter der Beute konntöni noch der 36jÄhrige Maursrgehilfe Johann Gaida und der 46jährige Köhlenarbett-sr Martin Holly ausgeforscht und verhaftet werden. Ser Tod der Generals ötesaulk. Prag, 21. Mai. (Tsch. P.-B.) Zur Flugzeugkatastvophe des Generals Stefanik tellt das Nattonatverteidigungsministerimn bezüglich der Enthüllungen des Michael Lechta über die Ursachen des Absturzes (daß das Flugzeug angeblich durch Schüsse zum Absturz g-ebracht wurde) mü, daß Lechta seine Schilderung der Katastrophe seinerzeit der Kanzlei des Präsidenten der Republik mttgeteilt und das Ministerium sodann Ermittlungen über die Glaubtoürdigkeit seiner Angaben eröffnet habe. Dir Ermittlungen seien dadurch erschwert worden, daß dir Zeugen bei der Katastrophe, die etwas Wesentliches aussagen könnten, über das ganz« Gebiet der Republik verstreut sind, so daß ihr Aufenthalt vielfach erst ermittel! werden muß; aus diesem Grunde find die Ermittlungen bis heute noch nicht ganz abgeschlossen.