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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-22 · Heft 2957 (22.5.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2957 (22.5.1927)
Date
1927-05-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wt«M MorMtzeltmrs 22. MS WM Die arobe PrSmk der Klasienlotterie V- Million Schwing (5 500.000) imd auch der «ifc SauvttkeKer Million Schwing (8 250.000) wieder aewonnen von MMcke» Kunden der „SlüMelle Stein" Wirderholt schon wurden beim Barühüus Stein die große Prämie und der große Haupttreffer der Klaffenlotterie gewonnen. I« jedem Familien-Schrein ein Klassenlos der ^GMckstelle Stein". Einladung der „Glückstelle" zur Teilnahme an der neuen XVII. Klassenlotterie Prämie 500.000 8 Haupttreffer 250.000 S 7e Los S 4'— V, Los S 8*— Vx Los S 32 — Ziehung I. Klasse: 21. u. 23. Juni 1927. Umgehende Bestellung per Postkarte an: 30f(f Stein Geschäftstelle Ut Klaffenlotterie Wien, L, Wipplingerstraße 21 an der „Hohen Brücke" Unsere Kre«»wortrStsel-Konkmrenj. An unserer Kreuzworträtsel- Koiuurrcnz hot sieheine überaus große Zahl von Lesern der „Wiener Morgenzeitung" beteiligt. Tie Sichtung und Prüfung der Einsendungen rvird zurzeit durchgesührt, dürste aber erst Mitte des Monates Juni beendet sein. Die Teilnehmer der Konkurrenz mögen uns zugute halten, daß bei jeder Emsendung die Resultate von st' 50 Mtstln durchzusehesn und auf ihre Richtigkeit zu untersuchen sind. Die Redaktion der Kreuzivortrsätsel-Konkurreuz der „Wiener Morgenzeitung" bittet daher die geehrten Einsender um Geduld und um freundliche Rücksichtnahme, wenn Re Kundgebung der Ergebnisse erst, in einige,: Wochen erfolgen kann. Sie KontrollvollrMluug i« kzernowitz. Czernowitz, 21. Mai. Die vor einigen Tage» hier durchgeführte Volkszählung hat ergeben, daß. Czernowitz gegenwärtig 107.000 Einivohuer zählt. Auf Nationen verteilt ergibt sich: Juden 42.000, Rumiänen 27.000, Ruthenen 8000, Ukrainer 1600. Da allgemein angenommen wird, daß dieses Resultat der: Tatsachen nicht entsprechen könne, weil beim Konskriptionsburean alleirr über 120.000 Einwohner polizeilich gemeldet sind, wurde über Auftrag des Ministers des Innern eine Koittrollvolkszählung angcordnet. Diese von dreißig Beamten durchgeführte neuerliche Volkszählung ist noch im Zugje, [XXXXX30QQCOOCOOgXXXXXXXXXXXXXXXX)OOCOOQOOCX)OCXX^30CCQOCÖOSCXXX>aeXXX>QOOOCOQQOOOÖ Der Sing über den Szean. Einzelheiten vom Start. — Meldungen von der Streike. Nr. 2857 Dfcefr,' GvmMg Tagesbericht. 8ia Laraszag in Flamme«. Ser Mm-Neavel-zei. — Keine Berlewe». Rom, 21. Mai. „Giornalc d'Jtal'.a" meldet, daß der Lnxuszug Neapel—Rom, der heute nachmittags um 2 Uhr 30 Minuten rn Rom eintreffen sollte, auf dem Bahnhof C i a m» p:no bei Rom einen Unfall erlitten hat. Einzelheiten fehlen iroch. tzÄsspcrsonal ist dorthin abgegangen. Rom, 21. Mai. Ein heute nachmittags bei Nom auf« gestiegener Flieger sah auf der Neapeler Strecke nächst Rom einen Zug v-rennen, landete und verständigte sofort die Bahnbehvvden. Es handelte sich um den Luxuszug Neapel—Rom, dessen drei ersten Wagen, darunter der Speisewagen, wenige Kilonreter vor Rom in-Brand geraten waren und der auf offener Strecke augehalten worden war. Die drei brennenden Wagen wurden abgekoppe'lt. Von -den Passagieren wurde niemand verletzt, doch ist in den Wagen viel Reisegepäck von großem Werte verbrannt, darunter eilt Koffer mit Juwelen der Prinzessin Ruffo di Calabria. Die drei Wagen wurden fast vollständig vom Feuer vernichtet. Ein Erdstoß dei Neapel. R o m, 21. Mai. Die Blätter berichten, daß heute morgens um 5 Uhr 8 Minuten in Avellino bei Neapel ein Erdstoß" verspürt wurde, dem nach längerer Zeit ein schwächeres Beben folgte. Katastrophaler Wotteabruch in Belgrad. Die tleserliegenden Stadtteile überflutet. - Enormer Schaden. Belgrad, 21. Mai. Gestern abends ging über die Stabt ein Wolkenbruch von ungewöhnlicher Heftigkeit meider. Die tiefergeliegenbon Stadtteile wurden überflutet, das Wasser drang in die Häuser ein, so daß viele Wohnräume evakuiert werben mußten. Ein Mann wnrde auf der Straße von den Wassermassen ergriffen und ttt einen offenen Kanal gefch'leudert, von wo er nur als Leiche geborgen werden konnte. Der Tele pH on- und Telegraphenverkehr war während der ganzen Nacht unterbräche n. Der S ch a d e n ist sehr groß. Die Budapefter Geldsälscher. Budapest, 22. Mai. Wie die Blätter melden, ist bei der Durchsuchung der Wohnungen der gestern nachts verhafteten zwei Angestellten der Banknotendruckevei e!ine große Menge a u s g e m u st e r t e r B a n k n o t e n gesunden worden. In der Banknotendruckerei werden nämlich die Banknoten nach ihrer Herstellung sorgfältig überprüft und fehlerhafte Exemplare ausgemustert, um vernichtet zu werden. Nach einer anderen Version stehen die gestrigen Verhaftungen mit der Entdeckung einer neuerlichen kommunistischen Verschwörung in Verbindung. New York, 21. Mai. Der gestern früh um 6 Uhr i 52 Min. amerikanischer Zeit auf dem Flugplatz Curtisf ield ausgestiegene Flieger Li ndbe r gh dürfte aus dem Pariser Flugplatz Le Bourget a b e n d s u m 8 U h r oder 9 U h r ankommen. Ueber den Start Lindberghs werden folgende Einzelheiten 'bekannt: Der Flieger hatte abends einer Kinovorstellung beigewohnt, ging bann nach Hause und ließ sich schon um Uhr morgens wieder wecken. Nachdem er alles in Ordnung gefunden hatte, ließ er den 2lpparat auf Laufschienen aus dem Hangar bringen, da der Boden von den Regengüssen der letzten Tage vollständig durchwleicht war. Ms die Vorbereitungen zum Ozeanslng bekannt wurden, sammelte sich trotz 'der frühen Morgenstunde eine riesige Menschenmenge auf 'dem Flugplätze an. Lmdbevgh stieg 'in den Apparat und erklärte, daß er in die Zelle des Todes klettere; sein Aussteigen in Paris werde ihm wie eine Begnadigung Vorkommen. Lindbevgh -hat Nahrung in T a b l e t t e n f o r m, heiße Schokolade und Kaffee in Thermosflaschen, alles für drei Tage I berechnet, mitgenommen. Außer einem kleinen Kautschukboot führt Lmdbergh keinerlei Schutzvorrichtungen mit sich. Ursprünglich wollte er auch erwe Dl ei me \ schwarze Katze, die ihn auf feinen früheren Flügen | als Glücksbringerin begleitet hatte, mitnehwem Als er! jedoch schon im Flugzeuge saß, übergab er das Tier! einem Freund, da er fürchtete, die Katze könnte in iden beträchtlichen Höhen, in denen er fliegen wolle, Schaden? erleiden. Statt der Katze ließ er sich bann -; als Glücksamulett eine« HühneEnochen geben. Der erst/25jährige Flieger war bis vor kurzer Wtnoch ziemlich unbekannt, hat aber dam: wegen mehLMw rasch errungener Rekorde den Beinamen ,/der fliegende Narr" erhalten. Das Mackneministevinm hat sämtliche Dampfer, die auf dem Atlantischen Ozean unterwegs -sind, von dem j Fluge Lindberghs telegraphisch verstänbjgt nnd sie -gebeten, alle Sichtungsmelbmrgen Peter Attenbergs Nachlaß. Ile Ausstellung ln »er „Reuen Valerie" lvrilnansergaffe l.) Jnr oBrranm, als erstes Stück dar^coo-en, .(n»it Recht), in weitem Rahmen unter Glas, auf weißem, jetzt schon vergilbter: Briefpapier, geschrieben mit Alter Wergs kräftiger, steiler Handschrift — die Brrchstaber: torkelrr ein rvenig aber bewahren Haltung, wie Alkoholiker nach tüchtigen: Genuß von P. A.s vielgeliebtem Trebern —.folgendes Pvosagcdicht: „Abends ging das junge Mädchen die einsanre Dorfstraße auf und ab, ans und ab. — Da sagte der Dichter zu ihr: „Woran denkst diu dem», Mädcherr? h?" — „An nichts," sagte das Mädchen. — „Ans diesem,Nicht 3' machen rvir Unsere tiefster: Lieder," erwiderte der Dichter. — In: nüirrlichej ii.Slamn Die Photographie der 18jähriger: Kaiserin Elisabeth. Altenberig schrieb auf das BiH!: „Dr: wußtest nichts stmd hofftest alles.- Später rvrrßtest du alles und hofftest nichts." — Und auf der, Wmrd gegenüber das Titelbild der Zeitschrift „Die Darrre" vom 1. Järmer 1916 rrrit der Anschrift „Wiener Schörtheit", vorr Attenberg also glossiert: „Thrm's Jhrrer: nnr nix an, zimperlich-es, stolzes Fräulein, irr 25 Jahr'lrr nrachen rrrer eh Alle gr: groß'u Umweg, daß mer net eppa an Ihnen anftreisen!" — Diese drei Reliquien im Borraum der Gedächtnis-Ansstellung sind der ganze Peter Mteuberg: Der Dichter, der Weist, der H'»r- Morvolle. Auch ein wenig der kindlich Zornige, der wienerisch „äufdraht", lwenu stein Schönheitsideal verletzt ist. * Was letzteres anlangt, sein Schönheitsideal, vorzüglich aas vom Weibe, ist in den drei Ansstettungssälen viel des interessanten und bemerkenswerte:: zu sehen. Daß sich etliche seiner Lieblingsgeschöpfe sernmim geueris, Kinder, halblvüchsijge »Mädchen, ebe»: erst erblühte, aber auch reifere und reise Frauen so ziemlich, oder — meistens — völlig nackenid« imf 'Lichtbild zeige»:, also, altenbergisch gesagt, „in: Hochzeitskleid der Natu^, dürfte in: Zeila'ter der „großen Modc?^' gewordenen Nacktphotographie kau»»: Anstoß erregen. Freilich Hänger: diese Reliquie:: nicht wegen des abgekrr'Gstien Körpers, sondern »vegen der bewundernden, verhimmelnden und häufig hinnrüisch schönen handschriftliche,: Beifügungen von P. A. hier. Ans einigen Bilderverglasungm sind die Nanlen der Schönert mit einem Papierstreifen überklebt. Ich ertappte einen Schnüffler, der den Papierstreisetn abzulösei: gar sehr bcmi'cht war. Altenberg hätte ihn :mt einem dreifach unterstrichenen „Schwein!!!" mvgezischt. Neben diesen Huldinnen seines Dichterlebens, dis seiner Maxime „zeige nnr, wie du gebaut bist und ich sage dir> wer du bist" stansdhielten u:w standhalten durften — die Bilder entspreche:: fast durchaus de»»: Heutigen Schönheitsbegriff von: knabenhaft, gertenhaft schlanken Frauenleiü, insbesondere seine „idealen Beine" haben sich durchgesetzt, — ist seine Galerie verehrter (um Mißverständnissen-vorzubeugen: durchaus bekleijdeter) Frauen aus der Mnstlerwelt exponiert. Von der Bnrgschauspielerin Maria Mayen gleich mehrere Photographien. Wiederholt nennt er sie: „Du, du, o du mein lebendes Schubertlied!" Ein andersmal wieder ist sie ihm „Werthers Lotte." .Das Bild der Bühnenkünstlerin Evelyr: Landing, der leider so früh Verstorbeinn:, versieht er mit der Ueberschrift „Modernes Griechentum^^ und fügt fveinrütig jdlen Wunsch Lei? „Dich nackt bewmchern, anbeten zu dürfen!!" Ern Fmnenbildnis hat er sich aus den „Meggerlsdorfern" angeschnitten ::nd schreibt auf das Blatt: „Unbedingt eine Seele, entrückt durch irgend ettvas dem Feigde ,Mann'. Der Zeigefinger ist ideal!!" Auch jene entzückende dreizehnjährige Berta mit den üppigen blorcken Zöpfen Mt man hier, der er in Altenbevg a. Zdi. Dorrcku! begegnete. Die Ortsleiute nannten das Kin.d -Nur „Peter" und Richard E::gländer hat sich nach ihr «Peter Altenberg bernmnt, zu Lebzeiten' und für »vahrscheinlich sehr lange währende Zeit nach seinem Tope.! » Auch fetrte Götter sind versannnelt. Die Geliebtesten unter ihnen, »mchan einarrdec ’tit Altenbevgs Wertschätzung wiederholt pen Rang streitig, wie sich hier ans enthusiasti- Anschriften auf Mlder:: von Schubert, Richards Wagner -und anderen feststellen läßt.. ’ Auf einem Schubert-Bild sieht ein köstlicher lAltenberg- Bers: „Mein Gott geht spazieren..." Von tiefster Erkermtnis zeugt ein Wort, das er »unter ein Goethebildms schrieb: „Er hielt so klar Und'still, sich die ganz« Welt darin spiegeln konnte." Kerr'ichs diese jgenialischk knappe, nmfassmde Würdigung von Goethes Schaffen. — »Kernsätze aus de:: Briefen Friedrich des Großen hat er sich äuchelvahrt. Typisch die Stellen, ivelche P. A. angestrichen hat: „Kenuzeichen des Genies ist die tlnbelehrsamkeit-^ „Voltaire ist ein Elender. Ich schäme mich für die Menschheit, daß ein Marm, der so viel Geist hat, so vvÄ Bosheit sein kann." Unter das Blatt, Ms welchem er noch jo nranches andere angestrichen hat, ' schrieb P. A. am 5. Novenwer 1915 mit mächtigen -GchriftzüMu fstm> marisch Nur diesssi-^eine^ WWWr „Amm." - ssV'l''-- V;. r^- Nicht aüMzÄhleN, chmMtzchAsiHmMN \ skripte, Notizen, Reliquien.; Nnr, um zum Besuch und ziün Studi Ut °dessen anzn-! regen, was hier in Ätltenbergs Originalschrist zu lese:: ist,! führe ich das Blatt an, das die Ueberschrift „Propagandä"- trägt: „Wem: man die Gutinütigkeit von Dienstboten vergleicht nrit der Unstutnmtigkeit der Nichtdienstboten, so versteht mar: es wirklich nicht, warum Man nicht nur Dienstbote:: heiratet?! Mer sie werden diann halt leicht aUch Damerr!" — O, es gibt -auch Denkmäler seiner Melancholie, Erinmvungszeichen banger Stunden, es gibt bitter Trauriges aus Attenbergs Leben hier zur Kenntnis' zu nehrneir. Handschriften, teils nrit Bleistift, teils mit! Tinte Nus Papierfetzen . recht kunterbunt in tiefdunkler Scnmtoriumszeit von dem lächelnden totgeweihten Dichter hingeworfe::. Und hier, in der Vitrine, liegt Me AlntsaUsfortigung vom 13.-Oktober 1913, nrit welcher die Knratelverhängimg über! Peter Ult«:« berg wegen Geisteskrankheit abgelehnt wirb. Die Nerven konnte»: 'ihn nicht Unterkriegen, fltntcv den ' zahlreiche:: Karikat:u:en, Porträts, Zeichnungen, Lichtbildern des Dichters hängt eines Uns seinem 59. Lebensjahr^ also nicht weit von: Tode crrtsernt. Er schrieb darrmtev-: „Jmrgbrurmer:: Verlerruw, Undlernen, zulernen!" ' ' ' ' Zroischen Blumenstöcken der Entimirf Akexarider Java y s für ein Attenberg-Denkmal. Das Modell scheint'mir sehr geglückt zU sein. Es' kö::::te nur in de»: herrlichen Wie- »»er Anlage»: fernen Platz finden, die doppelt schön, beglwdet schön geworde»: sind!, seitde»»: sie Peter Attenberg beftrngen Heck: Im W:e::er Mrthcknspark. Ms iJnschrkft empfehlen sich die Worte, jbüe er unter die Photographie sei»Mi.heißgeliebte»: »See-Wiese schrieb: r- ■ ' \; 1 „Konmlt hier zu träume::, foinmt hier zu luchictt;Ibttimt hier zu lächeln über Eure Tränen und Trän»:w!" O.tto-'A'bte'be'j!.'

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