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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-21 · Heft 2956 (21.5.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2956 (21.5.1927)
Date
1927-05-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 2856 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung 21. Ma-i 1827 Seite 7 Osr 2otm ctss IVIosss Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright 1927 by B. L3wlt Verlag, Wh« — Laipatg (67* Fortsetzung.) Zun: Feste hatte er viele Leute geladen. Zuuächst seine Eltern. — Gustav war schon lange mit seinen Eltern versöhnt. -Die Welt dreht sich, und> die ewige Betvegung zermürbt auch den stärksten Groll. Herr PaniA war gleichfalls geladen worden und fühlte sich dadurch sehr geehrt. Die Welt dreht sich. Herr Paiügl hatte -von Gustav nichts ntzchr zu fordern. Gustav hatte alles bezahlt, tvas er Herrn Pmigl einmal schuldig gewesen; und dies — wie eine Sordine — hatte Herrn Pairigls Wesen und Ton sehr gedämpft. — Auch andere Lieferanten waren geladen worden und mehrere Kunden und auch — das ganze Personal.- Es waren noch alle da, mit denen er vor fünf Jahren ,begonnen: Florian, der Zuversichtliche! Sein zweites Wort.laUtete noch immer: „Lassen S' dehh nur mir über! 's roird in Ordnung sein!" und ivenn's auch nicht immer in UrdNung war. — Mein Gott! — Bei einen: eingeführten Geschäfte darf man zuweilen auch unordentlich sein! — Herr Schwalm, der kühne Niennfahrer war auch noch da und — Schackl auch; allerdings etwas verändert. Das! Wiener Pflaster hatte seine Vorderbeine ein tvenig ausgebuchtet; aber seinen neu hinzugekonnnenen Kollegen, einHn Schimmel und einem Rappen — gab er noch immer etwas vor! -An Schnelligkeit Und — Intelligenz! — Denn Schackl war ein gescheites Rost. — Gr 'Unterschied genau den Werktag vom Sonntag. Es war zwar mcht übermäßig schwer, denn an Werktagen fuhr Herr Schwalm mit Schackl nachinittags zrnn Frachtenbahnhof und am Sonntag bereits vormittags, vor denr Futter, knapp vor zwölf Uhr; int letzten Augenblick', bevor der Schalter des Frachtenbahnhofes geschlossen wurde, und Schackl, nach des Kutschers Begriffen, .die Dringlichkeit ahnend — denn Herr Schwalm sagte stolz: „Er wahstdaß schon späh is!" In Wirklichkeit wollte Schackl mrc zum Futter! — also Schackl lief an Sonntagen viel rascher, als an Werktagen. „Sua sponte." Ohne Peitsche, ohne Zuruf. — Weit griff er mit seinen gekrümmten Vorderbeinen aus und der Wagen sauste Nur so über die Wiener Straßen. Stolz saß Herr Schwalm oben am Bock und blickte ein wenig verächtlich auf die gefährdeten .Passanten herab. — — Nur eine war nicht mehr hier: Frau Fanny. — Vor zwei Monaten hatte sie geklagt: „Herr Gusti! Mir is nicht gut. Ich' leg' nrich nieder; aber Nur für heut'! Morgen steh' ich schm: auf!" — „Nein, Frau Fanny!" hatte Gustav erwidert, „Sie werden morgen nicht aufstehen! Sie werden sich jetzt ein paar Dag' aUsruhen!" — „Was fallt Ihnen ein, $err Gusti!? Wer soll die Wirtschaft führen? Keine Frau in: Haus! Wollen Sie das den: Extramädel überlassen?" — „No! Wird man d'aweil eine Aushilfsköchin aufnehmen..." — „So! So — Herr Gusti! Sie wollen schon a andere Köchin aufnehmen! — Wollen Sie mich schon weghaben?!" — „Aber, FraU Fanny! Me können Sie .das denken?! Ich mein Um, daß..." — „Nix davon,- Herr Gusti! Dem Extramädel kann Man das nicht überlassen! Morgen steh' ich Uns!"- Eine noch immer fremde Welt Geheimnisvolle Tiefen erschließen uns die Werke der H RUSSISCHEN || BIBLIOTHEK II Ein lückenloses Bild des russischen Menschen, seiner Seele und seiner Kunst T o 1 s t o i || Kosaken. Ein Roman a. d. Kaukasus Dostojewski || Brevier. Eine Auswahl Tschechow || Dreißig komische Erzählungen Turgenjew || Ein Adelsnest. Roman Gogol || Petersburger Erzählungen Remisow || Russische Frauen. Erzählungen Odojewskij || Magische Novellen LermontoflU Ein Held unserer Zeit. Roman Der russische Christ. Erzählungen Fedortschenko || Der Russe redet Jeder Band, in Halbleinen geb., auf bestem holzfreien Papier nur S 2 — Bücherschwemme R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstraße 82 Es blieb nur beim Vorsatz, denn am nächsten Morgen konnte sie vor Schwäche das Bett nicht verlassen. — Man holte einen Arzt. — Er uiUersuchte lange und genau, rief Gustav beiseite und fragte: „Me alt ist sie denn?" — ,>Jch Iveih nicht genau, Herr Doktor. Ich glaub' vierundsechzig." „H:n, hm. — Es steht nicht gut mit ihr." — „Was fehlt ihr, Herr Doktor?" — „Wissen Sie, Herr Mautner: Das ist so eine eigenartige Sache bei alten Leuten. Es ist nämlich in Anbetracht der Konstitution bei habituellen Krankheiten, daß..." und weil er die Krankheit nicht erkannte, griff er tief ins Vokabular der Medizin und überschüttete den tchNuiigZlchen Gustav mit einer langen Reihe lateinischer Termini, bis Gustav fragte: „Also — was fehlt ihr eigentlich, Herr Doktor?" — Dem Arzte erschien diese Frage — weil er sie nicht beantworten konnte — taktlos. — Mag sein. Aber Gustav war neugierig und Takt und Neugierde sind nie zu vereinen. — -Deshalb erwiderte der Arzt sehr gereizt: „Herr Mautner: Jetzt sag' ich Ihnen die ganze Zeit genau, was es I ist Und Sie fragen?" Uever diel Genauigkeit hätte man streiten können Und vielleicht hätten es Wie beiden Herren getan, aber in den: Augenblick kam djas Extramädchen heran Und sagte leise: „Herr Mautner! Sie verlangt nach Jhner! Se möchten Mm Bett kummen!" Gustav ging in den kleinen Raum neben der Küchd, ins' Dienstbotenzimmer und trat zMn Bette Frau Fannys. — Sie hob ihren weißen Kopf und Nickte Gustav lange und rmgemein zärtlich an. — Niemand wußte den Mick zu d'eutelr. Herr Hermann — der einzige, dem Fran Fanny einmal gestanden: „So hätt' er ausstesehen!" — Herr Hermann tvar 'nicht antveseud. — Frau Fanny sah Gustav lange an und dmm. als enrpsäiwe sie die Notwendigkeit einer Erklärung, bewegte sie mit Mühe die Lippen und jedes Wort betonend, sprach sie langsam: „Morgen, .Herr Gusti! Morgen — tver' ich Ihnen alles sagen! — Morgen!" — Mer am nächsten Morgen tvar sie tot. — — Wie eine trübe Wolke Wer diq Sonne, so zvg diese Erinnerung an hem Heutigen 'FrvNen'ag' über 'Gustavs' Geuu'it. — Sic fehlte ihm, die -alte Dienerin. Er dachte zurück an die Zeit, als FraU Fanny «noch gelebt.-Da war er noch in der alten Wohnung ^gewesen; nebe:mn. Und heute? — Er blickte auf die neuen kostbaren Möbel und suhlte sich ,ein:sam inmitte:: der Pracht. Drüben, in der alten Wohnung hatip er jedes Stück gekannt Md das Neue da!? — — Es war schön Und geschmackvoll, aber kalt und fremd! — Er bezwang sich, Verscheuchte diese Erinnerungen und memorierte tvieder die Rede für den Festabend. — Aber immer wieder und unerwünscht — so wie der Vollmond dlem 'Liebespaar — tauchte das freundliche Bild der alten Rärmre in seine breite Rede. — Es ttmrjfe ihm unbehaglich und... Er ließ Richte und Glanz und Pracht der neuen WiohNuUg und schlich hinüber in die alte Wohnung, in das' Zimmer, wo er früher gewohnt — Und war selig und froh, so wie man Nus der Fremde heimkehrt. Das kleine Zimmer und die, ^.lte Einrichtung war noch mwerändert. Und er begrüßte freiMg die alteir 'Stücke: Den Lederdivan mit seinen durchgewetzten Knie::. — Die schadhaften Jalousien! Einzelne Brettchen lagen wie flügellahm dnfeimttbev Un§> ließen nwhrtb'Urchblicken als sie verbergen sollten! Den wackligen -Holztisch in der Mitte des Zimmers, der noch immer — wie ein müdes Pferd — ein Bein in die Luft hielt. — 'FraU Fanny hatte jeden Mittag einen Papierknäuel unterschoben. .Aber der alte Geselle ließ sich in seinen Eigenheiten nicht stören iiürib bereits nach dem ersten Gang', nach der Steppe, wackelte er wieder. „Fch jverstch' das nicht!" hatte FraU Fanny imm>er gerufen, „grad' shab' ich untergelegt!?" — — ‘ Wenn ntan einem Zweifter den Liebreiz solch' 'alter, baluifälliger Stücke begründen sollte — nmn tväve in Berlegenheit. Wiarhüm lieben wir das' Mte so sehr? — Ich glaube, tveil's im Lcülfe der Zeiten ein Stück von uns geworden ist, weil's mit Uns gelebt, gelitten, gelacht Und geweint hat! Denn das NeUe —< Und fei es Noch so prächtig ist ohne Vergangenheit.- Gustav saß glücklich und zufrieden inmitten der alt«:, schadhaften Bekannten. Er war Mi Hause mch> Ware gerne geblieben, aber er mußte wieder hinüber in die neue WohnUi:g, zurück zur Pracht — MM EMpfängl der Gäste. — Und er ging. — Das ist noch ein Rest der Barbarei — wir nennen es Kultur — wenn! der Mensch mit deM Neuerworbenien prunkt UNd darob treulos das Alte verläßt. — (Fortsetzung folgt.) ITT ■ j ist seit vierzig Jahren eine Marke in Wien . Kinder-, Brautbilder, Familiengruppen in künstlerischer Auffassung und Ausführung Wien, II«, Prater Straße 9,Taborstraße 36 Stella jekel Wien II. Josef Donner Wien VI. empfehlen sich als Verlobte Wien, im Mai 1927 «■■■»■■sMatfBSftRiiiflisffStfaiisniRsssMSBnsiiffi i ■ 9 ■ FÜR ALLE Versicherungs-A bschlüsse bietet g besonders günstige Bedingungen : 5 Gemeinde Wien § Städtische Versicherungsanstalt g , . ■ Direktion .* 5 Wien, I., Tuch tauben 8, Tel. 67-5-40 FILIALEN U. GESCHÄFTSSTELLEN IN AL¬ LEN (GRÖSSEREN ORTEN DER REPUBLIK ■ fl ■ H H H w ■ fl Bortröge unv Versammlungen. Zionistische Sektion Innere Stadt. Heute, AO Uhr abends, Olympiasaal, 1. Bez., Rothgasse 4, Vortrag: Dr. Wolfgang Weisl (Jerusalem): „Götzendäm-merun g :n Palästina". — Zionistische Bezirkssektion für die westlichen Bezirke Wiens. Heute, AO Uhr abends, Lag-Beomer-Feier. Festrede: Rabbiner Dr. M. Bauer. Miilwirkend an der Mademie: Frl. Hanna Schwarz, Frl. Hanna Löwy, Frl. Adlersberg. — Zionistische Jngendgruppe Leopoldstadt, 8. Beiz., Zirkusgasse 33. Heute ab 3 Uhr nachm. SichaH; 3 Uhr nachm.: Kwuzah „Reuth" und ,>Alef"; Aö Uhr nachm.: Kuvuzah „Dror" und „Achwah"; 8 Uhr abends: Kwuzah ,Meth"; AQ Uhr abends: Hebräisch sür Fortgeschrittene. — Morgen, 7 Uhr, Zentrabwandevung. -Treffpunkt: Stadtbahnhaltestellc Schottenr'ng. 3 Uhr nachm. Lag-Beomer-Feier im Kahlenbergerdorf. Erscheinen Pflicht! — Montag, 7 Uhr, Hebräisch für Anfänger. — Jugcndverein „Erez Israel", 2. Bez., Zivkusgasse 33. Morgen, präzise 1 Uhr nachm., gemeinsame Mfahrt zur Lag-Beamer?Feier im Kahlenbergerdorf. Treffpunkt Schwedenbvücke (Stadtbahnha-l-testelle). Um zuverlässiges und pünktliches Erscheinen wird ersucht. — Jüdische VoÜsbibliothck „Zion", 2. Bez., Glockengüsse 30. Heute, A8 Uhr abends, Ausschutzsitzung. — Zionistische Sektion Zwischenbrücken. Heute, AlO Uhr abends, Ausführung des Filmes „Kinderland in Palast'na". Vorher Vortrag Dr. David Rothblum. Gäste wMommen. — Verband der Zionisten-Remsionisten und Jüdischer Jugendbund „Brich ha Zosim". Dienstag, 7 M)r abends, Cafe Metropol, 9. Bez., Berggasse 33, Versammlung der Zosim. — Verband jüdischer Kanfleute und Gewerbctreibender in Men Sonntag, 9 Uhr vorm., Vorstandssitzung vm Wiener Burger-Cafe, 2. Bez., Praterstraße 11. Die gesamte provisorische Verbandsleitung ift dringend eingeladen. Tagesordnung: Statuten-Aenderungen. — Maßmonldes- Jnstitut, 3. Bez., Hetzgasse 40. Heute, 4 Uhr,Dr.A. Kaminka: ,-Ethische Lehren aus dem zweiterr Jahrhundert". — Wiener Beth-Hamidrasch, 2. Bez., Tempelgasie 3. Heute, 3 Uhr, Lektor Dr. S. Rubin: „Die biblische Ethik und ihre Begründung". — Volkshochschule Leopoldstadt (Volksheim), 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Dr. Fritz G e ß n e r: „Vererbnngsrcgeln beim Menschen". Eintrvtt frei. — Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemeinschaft Arritta Müller. Morgen, Sonntag, pünk-tl. um 2 Uhr, findet im Rahmen des Hebräischen Jugendklubs eine gemeinsame Wanderung statt. Drestpunkt: Ring, Endhaltestelle 36er«Waaen. Führer: Prof. I. Gelernter, Dr. Menazeach, Lehrer Herzberg. Hebräischs-prechende Gäste herzlichst willkommen. * Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Bei dem morgen stxrttifinbendem Konvente hält A. H. Dr. Abraham Groß ein Referat über: ,Kolonisationsprobleme Palästinas". Sternabende ans dem So,mmerheidenweg. Her:re, AQ Uhr, Versammlung in Pötzleinsdorf, Ende -der 41er-L'me. Schluß AiO Uhr. Führung Professor Thomas. Das Lag-Beomer-Troffen der zionistischen Jugendgruppen, veranstaltet vom Verbände zionistischer Jugendorganisationen, findet morgen um 3 Uhr nachm, auf den Wiesen des ehemaligen Beth-Chal-uz im Kahlenberg« rdarf (Franz-Josefs-Bahn) statt. — Außer den Ansprachen über die Bedeutung des Tages, werden verschiedene Veranstaltungen (iWettlausen, Gruppen-Gtafettenlaufen nfm.) für die Evtvachfenen und Kleinen abgehalten werden. An die Sieger werden wertvolle Prämien zur Verteilung gelangen. — Die zionistischen Jugendbunde, Vereine, die hebräischen Lehrer samt ihren Zöglingen werden ausgesordert, an diesem Treffen zahlreich teihzunehmen. — Die Zeire-Hechaluz-Zeiroth und Hanoar- Hamisrachi, Men, 2. Bez., Praterstraße 43. Alle Mitglieder werden zur Teilnahe an dem Treffen aufgefordert. 1. Treffpunkt: Sonntag, den 22. d. M., 7 Uhr früh, Schottenring, und 2. Twffpunkt: 2 Uhr nachm. Schwedenbvücke. — Die Lag- Beomer-Wandevung des Bundes jüdischer Jungwandercr findet heute und morgen nach der Gießh-übler Ha-ide statt. M:narschzeiten von Mamr ('Endstation 60er-Wagen), heute um Al Uhr abends und un: 9 Uhr abends von der Station Brunnergasse (Perchtoldsd-orf). Morgen, Endstation Mauer um 8 Uhr und A9 Uhr früh. Der Sammelplatz ist durch eine blau-weiß-gelbe Fahne gekenn-zeichnet. Rückkunft Sormtag um 10 Uh-r abends. Marschzei-t irrsgescmvt 3 Stunden.

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