Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-05-21 · Heft 2956 (21.5.1927) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2956 (21.5.1927)
Date
1927-05-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982044--30105-3018296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Men, Samdwg Wkener Mvrgenzettung sr. Mar \m ÄT. Lvvtz Sekte 0 Bühne und Kunst. Aschenbrödel. Ballettabend im Konzerthaus. Dem Mutigen gehört die Welt, auch die Welt des jtonzertsaales! Grete Groß, die jugendliche Professorin für Tanzkunst an der Mirsibakademie, und der energische Kapellmeister Gottfried Knssowitz vom neuen Wiener Orchesterverein besaßen den Wagemut, auf einer primitiven Bühne des großen KonAerthaussvaleS das nachgelassene Ballett „Aschenbrödel" von Johann Strauß zur Aufführung zu bringen, und ein voller Saal dankte stürmisch allen Mitwirkenden, unter denen Jlka Zezulak als Prinz, Senta Nowak als Stiefmutter und eine reizende Kindergruppe angenehm aufsielen. Grete Groß tanzte mit dem ihr stets eigenen wienerischen Charme das Aschenbrödel, welches diesmal aus der Straußschen Fassung, die in einem Berliner Warenhaus spielt, in die ursprünglichere Märchenwelt rückübersiedelt ist. Zum Vorteil des Werkes, welches, lvenn es auch von der Staatsoper seit langem arg vernachlässigt wird, durchaus nicht das Aschenputtel unter den Straußschen Werken ist. Seine Partitur — die erst nach Strauß' Tode vom Ballettmeister Josef Bayer volle-nd-et wurde und in ihrem potpourrkvrtigen Gewebe oft genug den Bearbeiter, den Komponisten der Ballette „Wiener Walzer" und „Puppenfee" erkennen läßt — ist von Straußschen Melodien und Rhythmen geadelt, mag auch in dem weichen Schmachten einzelner Walzer der Einfluß des Franzosen Delibes fühlbar werden, mag auch manches aus Johann Strauß' sonstigem Nachlaß gegen seine eigene Idee von dem Bearbeiter in das Werk übernommen sein. Joden falls ist es Musik «des Walzerkönigs, dem seine Vaterstadt Wien auf ewig verpflichtet ist. Einen kleinen Teil dieser Dankesschuld könnte sie mit einer gelegentlichen Wiederaufnahme des so stiefmütterlich behandelten „Aschenbrödel" in den Spielplan des ,^Dperntheaters" abtragen. flb. Las Wische Theater in London eingegangen. Aus London wird uns geschrieben: Nach mehr als dreißigjährigem Bestärke hat das einzige jüdische Theater Londons seine Pforten für immer geschlossen; das Theatergebäude wird in ein Kino umgewcmdelt. Das Ende des jüdischen Theaters in London, welches seinerzeit als die Wiege des mnerikanisch-jüdischen Theaters angesehen werden ko/n'e, ist vorwiegend daraus zu erklären, daß - der Kreis der jckdrsch-sprechenden Bevölkerung in London angesichts der durch die.FvemdengesetzgÄmng immer mehr erschwerten Zuwanderung von Jahr zu Jahr abnahm. So kam es, daß das Londoner Mische Theater, nebenbei bemerkt eines der wenigen ständigen Theater in England, immer weniger Publikum fand. So hat nun jenes Theater zu existieren auf- 'gehvrt, äus dem die bekanntesten jüdischen Schauspieler Amerikas, wie David Keßler, S. Adler, Boris Tomaschewfki, LMvig Satz, Morris Schwartz tt. v. a. Hervorgegangen sind. Als letzte Vorstellung des Theaters Wurde Gordrns „Der Unbekannte" gegeben. Am! Schluß des Abends hielt die erste Schauspielerin des jMschen Ensembles, Fanny Wexler, eine Ansprache, in der sie die Geschichte Und das Ende des Theaters darlegte. Es herrschte Abschiedsrührung, die jedoch nicht darüber hinweg hilft, daß eine der wenigen jüdischer KultUrinstituÄonen in England nunmehr verschwindet. Die Magdeburger Theaterausstelluug und die dramatischen Sichter. Em grobes Versäumnis der Ausstellungsleitung. — Eine bemerkenswerte Rede Herbert Eulenbergs. Die große Magdeburger Dheatevausftellung, über die wir bereits berichtet haben, ließ sich ein Versäumnis zuschulden kommen. Sie hat zu der großen Festlichkeit, die anläßlich der Eröffnung stattfand, die dramatischen Dichter umd Opernkomponisten nicht eingeladen. Das Bankett der 500 Ehrengäste fand — in Abwesenheit der Dichter und Tonkünstler statt. In seiner Bankettrede wies Herbert Eulenberg auf diese merkwürdige, ja groteske Lücke im Programm hin. Er führte u. a. aus: „Alle Welt war zu Gaste geladen,, alle Kreise, mochten sie auch nur entfernt mit dem Theater Zusammenhängen, nur die Hauptperson, diejenige, die dem Theater Substanz und Dauer gibt, war vergessen worden: der Dichter! Das ist um so erstaunlicher, als Ludwig Fulda als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bühnenautoren zum Ehrenpräsidium gehört." Eulenberg zitierte Schillers „Teilung der Erde", rief dadurch das Gelächter der Zuhörer und das Staunen des Komitees hervor. Eulenberg schloß mit einem Hoch auf die deutschen Dichter und Tondichter von Lessing und Gluck bis auf Gerhart Hauptmann und Richard Strauß. Aus de« Theatern. Äurgtheater. Morgen, 7 Uhr „Die Komödie der Verführung" von Artur Schnitzler. Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr ,Komtess e Mitzi" von Artur Schnitzler, hierauf Franz Molnars Spiel „Das Beilchen". Operntheater. Morgen. 6 Uhr „Die Meistersinger von Nürnbergs. Deutsches Bolkstheater. Morgen, 'nachmittags halb 1 Uhr „Die Komödie des Glücks". Merck, 8 Uhr „Der Graf von Charolais". Theater in der Josefstadt. Morgen, nachmittags halb 4 Uhr „Frau Warrens Gewerbe, abends, halb 8 Uhr „Der gute Kamerad. Johann-Strauß-Theater« Ab heute (Samstag) bis einschließlich Mittwoch „Di« CsardLsfürsttu". Professor Ludwig Czaezkes. Der Unterrichtsminister hat dem Konzertpianisten und Leiter einer Ausvilvungsklasse an der Akademie für Musik, Herrn Ludwig Czaczkes, den Titel eines Pröfessors verliehen. Eine jüdische KuristauSfieMriH in London. In der Whitechapel-Kunstgalerie in London nmrde am 17. Mai eine große Ausstellung jüdsicher Kunst und jüdischer Antiquitäten durch Sir Herbert Samuel feierlich eröffnet. Die Ausstellung zeigt in imponierender Zahl repräsentative Arbeiten berühmter jüdischer Künstler wie Henry Glicenft e i n, Alfred W o lm a rk, Leopold Pilichowsky u. a. m. (J.T.A.) Abschluß des „Habinmh"-Gastspiels in Amerika. Ms Newyork wird uns berichtet: Das Moskauer hebräische Theater „Havimah", das durch einige Monate in Newyork gastierte nnd zuletzt eine Tournee in den größeren Städten der Vereinigten' Staaten absolvierte, hat sein amerikanisches Gastspiel beendet und am 18. Mai im St. Jury-Theater in Newyork einen Abschiedsabend gegeben. Dieser Aocnd wurde von einen: Komitee angesehener jüdischer Persönlichkeiten NowyorkS veranstaltet, dem u. a. "Richter Julius Mack, Dr. Stephen Mise, Mrs. Sei Rosenblnm, .Henry L e s s e r unter den: Ehrenpräsidium von Nathan Strauß angehörten. Der Abend brachte drei Akte aus den erfolgreichsten Repertoirestücken der „Havimah" („Dybuk", „Golem" und „Der ewige Jude") sowie ein Konzert und hatte großen Erfolg. Das „Habimah"-Ensemble kehrt in den nächsten Tagen nach Europa zurück. Gerichtssaal. 8in ßisersuchlsvrama. Vor einem Schwurgerichte unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrates Dr. Korn hatte sich gestern der 32jährige Schleifergehrlfe Franz Hol ab wegen Mordes und Mordversuches zu verantworten. Dem Motiv der Tat liegt Eifersucht zugrunde, zu der ihm sein Freund Otto Bauer Anlaß gab, der mit der Gattin Holubs ein Liebesverhältnis einging. Es kam zu erregten Auseinandersetzungen und Holub ließ sich schließlich dazu herbei, seine Frau freizugeben. Frau Holub zol hieraus mit Otto Bauer zusammen. Am 21. September sollte Holub seiner Gattin, mit der er bereits in Scheidung stand, Kleider und Wasche in die neue Wohnung bringen. Auf dem Wege ^versetzte er jedoch die Kleider um 24 Schilling und kaufte für das Geld einen Trommelrevolver mit einer Schachtel scharfer Munition. Auf dem Wege besuchte er noch seine frühere Freundin, trank dann in einem Gaschause zwei Liter Wein, besuchte mit einem Freudenmädchen ein Hotel und ging dann in die Wohnung des Otto Bauer. I:: zwei nebeneinanderstehenden Betten lagen bereits Otto Bauer, dessen 19jährige Schwester Grete und Leopoldine Holub. Otto Bauer sprang sofort aus dem Bette, und Holub feuerte, ohne ein Wort zu sagen einen Schuß gegen feinen Kopf ab. Grete Bauer rief um Hilfe und konnte aus dem Zimmer flüchten. Holub sperrte das Zimmer von innen ab und feuerte nun auf seine Frau und auf Bauer noch einige Schüsse ab. Dann richtete er die Waffe gegen seinen eigenen Kopf, perletzte sich aber nur leicht. Bei Eintreffen der Polizei war Bauer bereits tot. Leopoldine Holub erlitt einen Steckschuß in die Lunge, konnte aber gerettet werden. Zu seiner Verantwortung gab der Angeklagte vor den Geschworenen an, daß er sich Wohl schuldig fühle, daß er aber nicht gewußt habe, was er tue. Der Angeklagte erzählte nun die Geschichte seiner Ehe. Anfangs gestaltete sich das Zusammenleben sehr glücklich,' doch als Bauer aus den Platz trat, wurde er von maßloser Eifersucht erfaßt. Als seine Frau den Entschluß gefaßt hatte, zu Bauer zu ziehen, habe er sie vergeblich angefleht, be: ihm zu bleiben. Er war so verzweifelt, daß er Selbstmord begehen wollte. Er sei mtt der Absicht in die Wohnung des Bauer gegangen, sich vor den Augen seiner Frau zu erschießen. Diq erste Zeugin, die Schwiegermutter des Angeklagten, Frau Exl^ sagte über den Charakter ihres Schwiegersohnes nur Günstiges aus. Die Streitigkeiten seien erst eingetretcn, als Bauer mit dem Ehepaare iu Verbindung trat. Der Primarius des Wilhelminenspitals, Dr. Kirchmeier, der Frau Holub behandelt hat, gab an, daß diese vollständig geheilt sei, obwohl sich noch zwei Kugeln in ihrem Leibe befinden. Die Verletzungen, die sich Holub zugefügt habe, lasse« auf ernste Selbstmordabsichten schließen. Grete Bauer, die Schwester des Getöteten, zählte den Hergang der Bluttat, wie er in der Anklageschrift geschildert wird. Bei der Einvernahme seiner Gattin weinte der Angeklagte heftig und mußte sogar zeitweise den Saal verlassen. Frau Holub gab an, sie habe mit ihrem Mann bis zum Auftauchen des Bcnwr, zu denr sie eine ZuneiguiH gefaßt habe, sehr gut gelebt. Sie wollte im Gute:: von ihrem Manne schaden. Zu Bauer sei sie nur deshalb gezogen, weil sie sich vor ihrem Gatten gefürchtet habe. Den Hergang der Tat schilderte sie ebenso, wie der Angeklagte. Frelgclvrochen. Nach längerer Beratung v e r u e i.n t e n die Geschworenen die zwei Hauptfragen auf Mord an Otto Bauer und aus Mordversuch an Leopoldine Holub mit je sechs Stimmen, bejahten dagegen die Mei Eventualfragsn auf Totschlag an Otto Bauer und auf schwere Körperverletzung Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich. S 5 — Tschechoslowakische Republik Kö 22'— Jugoslawien. Dinar 60'-— Polen.... . . . Zloty 6'— Deutschland.Goldmark 4'- Frankrelch, Belgien ............. Frcs. 35 — Italien ..Lire 20 — Rumänien ..Lei 170 — Bulgarien . Lewa 100 - Amerika ..Dollar 1'— Schweiz und das übrige Ausland ..... Pranken 5— Oesterr. Postsparkassenkonto 150.693. an Leopoldine Holub mit je elf Stimmen Gleichzeitig :nurven aber auch die Zusatzfragen auf Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat mit 9 Ja und 10 Ja beantwortet. Der Uebertretung des Waffenpatentes wurde der Angeklagte einstimmig schuldig erkannt. Auf Grund dieses Verdikts verkündete der Vorsitzende den Freispruch des Angeklagten. Holub wurde nur ivegen Uebertretung des Waffenpatentcs zu drei Tagen A r r e st s, verbüßt durch die Untersuchungshaft, verurteilt. Das Urteil löste im Auditorium lebhafte:: Beifall aus. Holub und seine Frau umarmten nnd küßten einander uick dankten den Geschworenem Der Tod de» Rechtsanwalt» Dr. Hermann Sieber. Das Zivillandeägcricht beschäftigte sich gestern mit den Schadenersatzansprüchen der Witwe und des unmün-- digen Sohnes des durch einen Autounfall im Vorjahr unter tragischen Umständen getöteten Wiener Rechtsanwaltes Dr. Hernrann Sieber. Unter Annahme eines geteilten Verschuldens an denr tödlichen Unfall war der Witwe schon in einer früheren Verhandlung ein Schmerzengsgeld Anerkannt worden. In der gestrigen Klage wurden 20.000 Schilling Heil'ungskosten, 4000 Schilling Verdienstentgang für zwei Monate und schließlich eine Rente von 800 Schilling für die Witwe wird 200 Schilling für den Sohn gefordert, welcher Betrag jedoch mit Rücksicht auf das vom Gericht angenommene geteilte Verschulden nur znr Hälfte begehrt wird. Zur Artberaumung einer VergleickMagfahrt tvurde die Verhandlung abgcbr-"^" Drei Monate Gefängnis für den krvaftor Münchmeyer. Vor dem Landesschölsengericyc in Oldeilbnrg hatte sich der frühere Pfarrer von Borkum, Mü nchm eher,wegen Vergehens gegen das Rcpnblikschutzgesetz zn verantworte::. Er hat bei einer öffentlichen Versammlung Iben ermordeten Reichs au ße »minister Walter Rathenau in unflätiger Welsg beschimpft. Der Staatsanwalt beantragte sechs Monate Gefängnis. Das Gericht etlccmüc auf die Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis, daneben auf eine Geldstrafe von 150 Mark und legte dem Angeklagten außerdem eine Geldbuße von 1000 Mark auf. Für die Gefängnisstrafe wird dem Angeklagten Strafauffschiub bis zum 1. Mai 1930 gewährt. Beleidigte Rechtsanwälte. Vor dem StrasbvzirEs-gerichl I traten gestern die MechtSantvatte Dr. Leopoio P l a s ch r e s und 3>c. Leo Kann als Privatklager gegen den Kaufnrann Salomon Rauch wergev auf. Der Anklagte soll dem Dr. Plaschkes, der in einem Zivilprozeß als Zeuge vernonnnen worden war, zugernfen haben: „Sie sind ein unehrenhafter Anwalt!" Ein cmderesmal soll der Angeklagte zu zahlreichen Parteien sich laut geäußert haben: „Das ist der Dr. Plaschkes, er ist ein unan- .ständiger Mensch, ein unanständiger Anwalt. Er hat als Zeuge die Unwahrheit gesagt, er. hat falsch geerdet.Dr. Kann fühlt sich durch den Zuruf: „Sie haben sich an meinem Blute gemästet!" beleidigt. Der Angeklagte gibt zu, die inkriminierten Aeußerungen iu bezug aus Dr. Plaschkes mit einer Ausnahme getan zu haben, doch bestreitet er, gesagt zu habe::, daß Doktor Plaschkes falsch geschworen hat. Rauchwerger erklärte, daß er den Nortonrf, daß Dr. Plaschkes, der ihn vor Jahren in einer Angelegenheit einmal vertreten hatte, dann in einem Prozeß aber sein Gegner wurde, als Zeuge die Unwahrheit gesagt habe, ferner, daß er in mehreren Fällen eine Doppelvertretung geführt habe, ausrcchterhalte und den Wahrheitsbeweis anbiete. Die mit Bezug auf Dr. Kann inkriminierte Äeußerung habe sich nicht auf diesen Rechtsanwalt, sondern auf eine von ihm vertretene Atöbrlfirma bezogen. Nach Einvernahme mehrerer Zeugen znr Feststellung des objektiven Tatbestandes nnd nach Ablehnung der zum Wahrheitsbeweis gestellte:: Anträge verurteilte der Richter den Beschuldigte:: in vollem Umfang der erhobenen Privatklagen zu einer Woche Arrest. Der Verurteilte meldete die Berufung an. Aberkannte Staatsbürgerschaft. Dr. Karvaly evivarh am 20. Jänner 1921 die Heimatzuständigkelt in Krottendorf un Burgenland. Im Sommer vorigen Jahres strebte er seine Eintragung in die Wiener Rechtsanwaltsliste an und ersuchte die burgenländische Landesregierung um eine Bestätigung über seine Landesbürgerschast. Er wurde verständigt, daß er diese nicht besitze, weit für die Erlangung der Staatsbürgerschaft dev Zeitpunkt des Inkrafttretens des Friedensvertrages von St. Germain, sohin der 16. Juli 1920, maßgebend sei. Dr. Karvaly habe, seine burgenländische Landesbürgerschaft jedoch erst nach diesem Zeitpunkt erworben. Gegen diese Entscheidung brachte Dr. Karvaly, welchem auf diese Weise seine österreichische Staatsbürgerschaft avgesprochen worden war, eine Beschwerde wegen Verletzung des verfassungsmäßig gewährlcileisteten Heimatrechtos ein, die der Verfassungsgerichtshof zurück,vies, da der 16. Juli 1920 als Stichtag anzuschen sei. Wenn auch zu diesem Zeitpunkt das Burgenland tatsächlich noch nicht dem österreichischen Staatsgebiet einverleibt war, so sah der Staatsvertrag dessen Einverleibung bereits vor. so daß das Burgenland an: Stiche tag bereits einen Teil des österreichischen Staatsv>erbandes bildete. Dies ist änch seitens der ungarischen Regierung anerkannt und in den Verträgen hinsichtlich der Zuerkennung der Staatsbürgerschaft zum Ausdruck gebracht worden. ^Hammer" veröffentlicht Theodor Fritsch folgenden ' rlchtsbeschluß, der. ihm aus Hamburg nach seiner $ urteilimn ju vier Monaten Gefängnis wegen gröblic antisemitischer Beleidigung des .Herrn Max M. W< bürg zuging: „Dem Schriststeller Theodor Fritsch in L« zig, der durch Urteil der Strafkammer! vom 33. Oktv 1926 wegen Beleidigung zu 4 Monaten Gefängnis verurt K wird die Möglühkeit eröffnet, durch gute Führung Vollstreckung der Strafe avzuwendeu. Dem Verurteil 01Luv gewM bis zum 1. Mai 1k bis zum Oktober 1927 eine Geldbuße von 1i Jerttlc zum angegebenen Zl gut führt, hat er den g n a d e n w e i s e n E r l der Strafe zu erwarten. Im Falle schlechter Führung, i besondere b e i ertt e u t e v Begehung einer Stri tat, wird der Strafaufschub widerrufen. StrafLnnme ^iihrsen, gez: Helmers, gez.: Schmidt." -*• Ans Tatsache, das: Fritsttz diesen Gerichtsbeschluß ohne Ko m«L»r veröffmtlicht schließen republikanische Zeitungen l er den „Maulkorb brav zu tragen gewillt ist". " *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.