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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-21 · Heft 2956 (21.5.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2956 (21.5.1927)
Date
1927-05-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nk. 295( Wien, Samstag wiener Morgerizeitnng 21. MÄ 1627 -eite 8 Tagesbericht. 3um Kapitel: „More judaico". Sine Intereffnnte neWonfe, betreffend gen gnbenelb. Der «uZgedehnte Handel, den die Juden bereits im frühen Mittelalter betrieben, brachte es naturgemäß mit sich, daß sie viel mit den Gerichten zu tim hatten. Jeder Wirtschaftszweig hat seine Eigentümlichkeiten. Das charakteristischeste Merkmal des Handels ist seine Verkuüpftheit mit dem Recht, mit dem Zivil-, Handels- und Strafrecht. So standen immer w'eder Juden als Gläubiger vor Gericht. Eine Erscheinung, die die Wahl eines $itbeit als -Gläubiger bei Shakespeare, resp. des ursprünglichen Autors, da ja Shakespeare den Stoff für seinen Kaufmann von Venedig einer Novelle entnahnr, abgesehen von allen anderen Motiven, rechtfertigen läßt. Eines der wichtigsten Hilfsmittel der Gerichte ist der Eid. Er gibt in den meisten Prozessen insonderheit der zivile», den entscheidenden Ausschlag und beeinflußt so ihren Ausgang. Was tag da näher, als den Eid der Juden, vulgär: den Judeneid, zu entwerten, als ungültig zu erklären? Alle wetteiferten in diesem e'd'eu Bestreben, das den Juden den letzten Rest von Sicherheit rauben sollte. Aufschlußreiches Material finden wir hierüber in einer Response im „Noda b'Jahnda" (Bekannt in Juda) des Ezechiel Landau aus Prag. Schon der Ansragesteller allein ist geeignet, unser. Interesse wachzurufen. Es ist dies nicht einer, der in dieser Literatur wohlvertraut hervortretenden Wabbinen, der eine Anfrage an seinen großen Kollegen richtet, sondern es handelt sich um eine Frage von Amts wegen, die in Response 71 der Abteittmg Jose Deah dem Noda b'Jahnda — bekanntlich werden in der mittelalterlichen hebräischen Literatur die Verfasser nach ihrem hervorragendster: Werke kurzerhand benannt — vorge^egt wird. Zur Frage steht — man beachte den jesuitischen Trick -— ob ein Jude, der bei der Eides l>"'H-mg eine Thorarolle berührt, einen falschen Eid schwöre:: darf, wenn die Thorarolle a!Us irgendeinem Grunde ihre Heiligkeit eingebüßt hat. Diese Frage loird an Ezechiel Landau von dem kaiserl.-königlicher: Revisor, Translator, auch konsistoralischen Zensor Pater Tizas Titel (?) im Aufträge des hochmütigen Konsistorius Titel gerichtet. Frage Und Fragesteller erregen demnach unser wachsames Interesse. In übersichtlicher Darstellung, die in drei Gruppen geteilt ist, gibt E. Landau an Hand seines überragenden Könnens streng wissenschaftlich, frei von jeder Leidenschaft sein Gutachten ab. .Einleitend betont E. Landau, daß die Juden sich u.nker allen Umständen davor hüten, einen falschen Eid zU leisten. In dem Anfragen des Eides erschöpft sich der Schwurakt. Das Berühren der Th vpqrvll« hiebei ist von Untergeordneter Bedeutung und der jüdischen Literatur fast unbekannt. Er erbringt hiefür in der ersten Abteilung' vierzehn bindende Beweise aus dem Pentateuch den Propheten und Hagiographen. Ein besonders rnteresianter Beweis ans dem Pentateuch sei hier kurz nnedergegeben: Wenn in alter Zeit eine jüdische Frau verdächtigt .wurde, ihre Ehe gebrochen zu habe:: (eine Frau, die unter diesem Verdachte stand, wurde Sotah genannt), wurde sie in «den Tempel gebracht, vor dem Tore Nika nor (Sotah 7 a) «gebracht Und hier Mußte sic, nach Vollzug umständlicher,-einschüchternder Zeremonien, die genau beschrieben sind, schwören, daß sie ihrem Manne nicht imtreu gewesen. Nun Dar Künstlerzimmer Von Leo Slezak. «In Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin, erscheint Ende Mai Leo SlezaLS neues Buch. Kamnrevsanger Slezak nennt sein Opus ^,Der Wortbruch" weil, er am Schluß des eisten Buches Meine sämtlichen Werke", welches in 60.000 Exemplaren verbreitet ist, feierlichst erklärt hatte, nie wieder die Feder anzurüyren. Der Verlag stellt uns ein Kapitel M>: Vorabdruck zur Verfügung. (Preis des reich illustrierten Buckes geheftet 4 Reichsmark, gebunden 7 Reichsmark.) «Als konzertierender Sänger ist man Ms Reisen unglaublichen, ans Wunderbare grenzenden Ueberrasrhungen aus gesetzt. Da sind vor allem die Säle, die einem Künstler so manche Ungelegenheiten bringen. Säle, zum Beispiel, die nach der Straße hin wenig abgedichtet sind unb jedes Geräusch von außen hereinlassen. Wenn man jn -einem solchen Raum ein stimmungsvoll>es Lied singt, die Augen wonnig zum Himmel verdreht, sein Publikum mit einem verklärten Piano «anhaucht, ist man wenig begeistert, wenn plötzlich, an der poetischsten Stelle, von draußen her der gellende Pfiff einer Lokomotive ertönt, man den Schaffner die letzten Anordnungen znr Mfahrt gehen hört und dm aßdampfenden Zug, nach seinem Schnauben und Pusten, noch längere Zeit verfolgen kann. Ferner sind im Winter kalte Säle oder «in kalter Verbindungsgang zwischen Künstlerzimmer und Saal äußerst unbeliebt. Wenn man nach einer Liedergruppe echauffiert heraustritt, läuft man Gefahr, gleich vier Krankbeiten auf einmal zu bekommen, ivenn man -es nicht Vorsicht, mit Pelz und Pelzkappe auf dem Podium zu erscheinen und sich beim Abgang vor seinem Auditorium wieder wie für eine Nordpolreise anzuzichen. Außerdem gibt es in manchen Provinzstädten Säl«, »liwundervollen Speisvg-erüchm: Düft-e von Gulaschbemerkt der Noda b'Jahnda scharfsinnig: Wäre eine Thorarolle zum Schwur nötig, so müßte dieses Erfordernis hier, wo alle Einzelheiten, die bei der Eidablegung zu beobachten, genau angeführt sind, unbedingt verzeichnet sein. Dies ist aber nicht der Fall. Wir lernen nur aus der Angelegen heit des Sotah, daß es genügt, wenu der Eidesleister ans die Schwurformel, die ihm vorgesagt wird, Amen oder irgendähnliches sagt. Es sei sogar egal, wer den Eid Vvrsagt. Es ist kein Uuterschicid, ob dies nun ein Jude, Christ oder gar ein Kind tut. Interessant,ist es, daß die Gaonim die Frage disku^ tiereu, ob ein im Traume geleisteter Eid rechtsv-erbürldlich sei. Es ist nun erwiesen, daß es unnötig, bei der Eidesleistung irgendwelchen Gegenstand oder gar eine Thorarolle, fti berühren. Der Grund, warum man dem Eidesleifter eine THoravolle in die Hand drückt, ist bloß der: einen Anzug s 65aus orig. engl. Schafwollstoff HerrenkleiderhansHeinrichWelnberger I», Singerstraße 6. nachhaltigere:: Eindruck hervorzurufen und sich so zu vergewissern, daß er keinen Meineid leiste. Unb da sei nun gleich, was er in Händen halte und ob die Thorarolle ihre Heiligkeit besitzt. Im übrigen bemerkt Ezechiel Landau, daß sie diese nie verlieren kann, außer wenn keine 88 Buchstaben verbleiben. (Sabbat 115—116.) Zum Schlüsse bezeugt der Noda b'Jahnda, baß 'nach dieser Response rechtskräftige Entscheidungen in bezug auf Eide getroffen werden können. ' * Salo Perkstvi». -..- - n——— Ltndbergh zum Szeanslug aufgeftiegen Schwenk Start. — Lebensmittel für drei Sage. - Byrd fliegt erst am «yMag, New D ox I, 20. Mar. Der Flieger Lindbergh ist heute vormittags um 7 Uhr 50 Minuten amerikanischer Zeit mit seinem Flugzeug „City of St. Louis" zur Uebe rquerung des Atlantischen Ozeans aufgestiegen. Das Flugzeug konnte sich mir sehr schwer und erst nach e i n l g e n M«i nuten vom regendurchweicht eu Boden erheben. Die Zuschauer befürchteten bereits eine K a t a st r o p h e, da der Apparat dicht über den Bäumen, die den Flugplatz umgeben, hintvegslog und sogar einige Telephondrähte zerriß. Fünf Flugzeuge gaben Lindbergh das Geleit. Er führt Lebensmittel für dre«i Tage sowie ein Gummifaltbot mit sich Der zweite Ozeanflioger Byrd drückte L-indbevgh vor seinem Aufstieg die Hand und wünschte ihm gute Reise. Byrd dürste nichtvorSonntag aussteigen. Ueder Neu-Schottland. N e w y o r k, 20. Mai. Wie aus H a lifax gemeldet wird, wurde heute nachmittags, 1 Uhr 25 Minuten amerikanischer Zeit, bei Meteghan in Neu-Schottland ein Flugzeug gesichtet, das in östlicher Richtung flog. Da sich derzeit kein kanadisches Flugzeug in den Lüften befindet, nimmt man an, daß es sich um den Aeroplan L-indberghs handelt. Auch Je Pinedo zum Sreanflug gestartet. St. Johns (Neufundland), 20. Mai. De Pinedo hat heute um 11 Uhr 5 Mm. vorm. Port au Basque aus seinem Flug nach den Azoren überflogen, nachdem er plötzlich zur Ueberquerung des Ozeans aufgeftiegen ist. De Pinedos Flugzeus beinahe wieder verbrannt. Mailand, 20. Mai. Nach einem Kabeltelsgramm des „Corviere della Sera" ist während des Aufenthaltes de säst, gerösteten Zwiebeln und gedünstetem Kohl umgauketn dem begnadeten Sänger die Sinne und lenken ihn von all der Poesie ab, Ne er zu Zelebrieren hat, weil er außerstande ist, an etwas anderes als an das Nachtessen zu denken. Er wird vom Tantalus gequält. Gar nicht zu reden von Sälen, in denen man vor dm Augen des Publikums ein ganzes Stockwerk hoch über Stiegen aufs Podium klettern muß. Wenn man oben ankommt, hat man keinen Atem und es hängt om«m die Zunge heraus. Das krasseste «in dieser Hinsicht passiert« mir in Goeteborg in Schweden. Ich sang in dem herrlichen Palladium-Saal, der nur als Kinothoater eingerichtet ist und wedeo Bühn« noch Podium, sondern nur eine Leiwmck für die Flimmerbilder hat. Unterhalb des Pvjektionsrcchmens saß das Orchester, über dieses wurden Brette« gelegt, und ich »mußte auf einer effektiven Maurerleiter empovklirnmen uiü> durch eine Oeffnung, wie aus einer Versenkung, austauchen. Unter kreischender Heiterkeit der Anwesenden, balancierte ich in die Höhe. -Erschöpft oben angelangt, mußte ich erst längere, Zeit nach Lust ringen, ehe ich singen konnte. Hinauf ging es noch ganzjguit, aber hinunter . . .! Das war erheblich blamabler! Ich mußte nach rückwärts hinulntersteigen, wie das eben bei einer Maurerjleite« nicht anders möglich ist. Und dies wiederholte sich an jedem Mond dreimal. Ich schämte mich noch längere Zeit, daß ich mich als ein so schlechter Steiger bewiesen hatte. Mit großer Sorge betrete ich jeden Saal, den ich noch nicht kenne, nicht vorher angesehen habe. Auch die Klaviere, die einem manchmal aufs Podium gestellt werden, sirü> katastrophal, und es kommt nicht fette:: vor, daß mcn: ein Pianino vorsindet, das wie eine alte, Pinedos in Quebec sein zweites Flugzeug beinahe wieder ein Raub der Flammen geworden. ES wurde nahe der Küste verankert und ein Schleppschiff für die Benzin und Oelversovgnng -befand sich in seiner Nähe. An Bord dieses Schiffes hatte ein Matrose in seiner Kabine einen Petroleumofen angezündet und diesen aus Unachtsamkeit umgestoßen, so daß das Deck in Bvaick geriet. Der Matrose konnte -aber den Brand löschen, bevor er auf das Flugzeug Pin-edods Übergriff. De Pi n e d o, der um 14 Uhr 3 Minuten kanadischer Zeit Rimouski verlassen hat, ist um 16 Uhr 4b in Sh i ppigan eingetroffen. Jn fachmännischen Kreisen wird angenommen, «das Lindbergh um Mitternacht die amerikanische Küste überfliegen und Samstag um,19 Uhr westeuropäische Zeit in Valentia^(Jrland) eintreffen werde. Man ist der Meinung, daß -das Wetter für die Unternehmung günstig ist. ein fngranD—8nWen>glng ohne svlschenlmdnng. London, 20. Mai. Die britischen Militärflieger Carr und Gillmann sind zum Fluge nach Indien, den sie oh ne Zwischenlan dung absoMersn wollen, aufgeftiegen. BermteUnag der Petroleummagaaten Simlair. Washington, 20: Mai. Der Petrolemmn-agnat Sinclair, der vor dem Senatsausschuß sich gew et» gert hatte, auf vier ihm vorgelegte Fragenzm antworten, -ist wegen ungebührlichen Verhaltens zu drei Monaten Gefängnis verurteitt worden. Denecln kräftig! den Organismus — fchW ett J frwuiMla Erkrankungen. «■■■* 35HSBH5SSH5HHBHHH5HHHHH9SHHBHS55BBH5HHS8SBS3H8Hr ungeftimmte Harfe klingt und bei dem Einige — gewöhnlich die wichtigsten Töne — nicht aufchlagen. - Daß bei dem Gewimmer eines solchen Drahtgestelles nicht die rechte Stimmung aufkommen kann, ist nicht zu verwundern. Mer was dem Künstler manchmal für Künstlerzimmer zugemutet werden, streift ans Unwahrschein liche. Jeder Sänger hat das Verlangen, sich in der Zeit, in der er nicht vor dem Publikum steht, zurückzuziehsn. — Dieses Verlangen ist bei mir besonders intensiv ausgeprägt, ja, artet in ein Lechzen nach Einsamkeit und der Gedanke, dieses nicht befriedigen zu können, wirkt lähmend auf mich. Ich bin schon zufrieden, wenn mir eine größere Kvhlenkiste zur Verfügung gestellt wird, ein Stuhl und ein kleiner Tisch, so daß ich jdie Noten nicht krampshast in der Faust halten muß. Aber es kommt manchmal vor, daß man den Künstler ganz frei, unvechüllt, in eine Pudiumecks setzt und ihn der rücksichtslosesten Neugier der Menge ausliefert. Jn einigen Fällen verlangte ich eine spanische Wand. Man versuchte, mich von diesem Wunsche abzubringen mit der Motivierung, daß das Beobachten des Künstlers außerhalb seiner Tätigkeit weitaus größeres Interesse auslöse als das Singen selbst. Erst auf meine entschiedene Versicherung, daß, wenn ich mich schon anstarre:: lassen nrüsse, dies nur in einen: Käfig und gegen ein separates Entree zu geschehen habe, erhielt ich eine Schutzwand. Jn den ersten Jahren meines Künstlerwallens, als es noch kein Städtchen gab, das ich nicht eines Konzertes gewürdigt hätte, wurden von einem kühnen Unternchmfjk Tourneen für mich zusammengestellt, di« immer in Wt' ersten Tage der Opernferion fielen und mich in' gar:z unbeleckte Gegenden führten. . , i.v -- 'iaJ/. bi1*#»**«.

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