Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2955 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Mo Lies, FvelBay Wiener Morgenzettrurg 20. Mak 1W7 Seite b IBPISCHE WUT || eine lebende Fremdsprache gelehrt werden, in den Oberlyzeen kommt in der fünften Klasse das Lateinische dazu. In den B ür ge rs ch ule n wird der Lehrplan erweitert und ein viertes SchiHahr eingeführt. Men, 20, Ddch Da- Weiter. Die Bewölkung hat gestern zuaenommen, wenngleich es nicht zu Niederschlagen gekommen ist. Diese sollen nach der Voraussage nahe bevorstehen, wobei eine starke Neigung m lokaler Gewitterbildung besteht. Temperatur wenig verändert, schwache Lnftbewegung. Selbstmord eines Verurteilten in der Zelle. Gestern zwischen H und 1/29 Uhr vormittags hat sich in seiner Zelle im Gebäude des Landesgerichtes der 24jährige Geschäftsdtener Friedrich N., der am Vormittag zu zehn Monaten schweren Kerkers wegen Einbruchsdiebstahles verurteilt worden war, mit seinem Hosenträger am Haken der Ventilation erhängt. Ein Bortrag Dr. Wolsgang Weifl's. Dr. Wolfaaug Weist, der vor kurzem von längerem Aufenthalte ans Palästina und Arabien zurückgekehrt ist, spricht Samstag, den 21. d. M., halb 9 Uhr abends, im Rahmen der Zionistischen! Sektion Innere Stadt in den Olympiasälen, Men, 1. Bez., Rothgafse 4, über „Entscheidende Tage in Palästina". Besuch der Wiener Zionisten in Bratislava. Die zionistischen Organisationen in Bratislava (Pveßburg) haben das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich zu einem Besuche eingeladen. Das Landeskomitee gab dieser Einladungj Folge und begrüßt die Gelegenheit, mit den Zionisten der Nachbarstaaten in persönliche Fühlung zu kommen. Andererseits wird da- Projekt, dre zionistischen LandeSorganisationeir Mitteleuropas zu einer organisatorrschen Arbeitsgemeinschaft zu vereinigen, gefördert. Diese Gesellschaftsreise wird Sonntag, den 26. Juni l. 3fv auf einem Separatdampfer veranstaltet. Die Abfahrt erfolgt um 8 ,Uhv früh ab M«n-Praterkai, die Rückkunft nach Men am gleichen Tage um 11 Uhr abends. In Bratislava werden für den Empfang und das Tagespro» granrm, lin dem auch eine Führung durch das Ghetto, auf den Jüdenfriedhof usw. vorgesehen ist, umfangreiche Vorbereitungen getroffen, wm Paß ist für die Teilnehmer nicht erforderlich, da! ein Sammelvisum seitens der Reiseleitung besorgt wird. Dre Anzahl der Teilnehmer ist durch den FassungSraum des Salondampferq beschränkt und darf über bchordliche Weisung nicht übächhritteN werden Es empfiehlt sich, Anmeldungen ehestens an daS Zionistische Landeskonntee, Wien, 1. Bez., Kärntnerstvaße 28, Tel. 77.485/6, zu richten. Daselbst weitere Auskünfte. Das Detailprogramm wird noch bekanntgegeben. Das Berliner Schachturnier. Aus Berlin wird berichtet: Die Erledigung der Hängepartien konnte nicht vollständig durchgeführt werden, da Elstner Eine Partie mit Niemzowitsch, die in der ersten Runde stolgq da: verspäteten Ankunft Niemzowitsch' nicht gespielt werden nnte, nachtrug. Sie kam nicht zu Ende; bei Abbruch hat Niemzowitsch eine» Mehrbauern. Infolge dieser Partie konnte Elstner some Hängepartie gegen Saemisch nicht erledigen. Die übrigen Partien waren angesichts klarer Stellungen rasch pctebiaL Saeiwisch gewann gegen Mieses und gegen Bogoljubow, Brinkmann siegte über List. Somit ist der' Turmerstand: Brinkmann 3.5, Satanisch 2.6 (eine Hängepartie), Ahnes, List je 2Jb, Niemzowitsch 1.5 (1), Bogoljubow, Enoch je 1.5, Mieses, Schweinburg je 1, Elstner 0.5 (1). l Die Einwohnerzahl der Tschechoslowakei 1. Jänner 1927 beträgt nach den provisorischen amtlichen! Daten 14,298.860 Personen. Hievon entfallen aus Böhmen rund 6.91 Millionen, auf Mahren 2.8 Millionen, auf Schlesien 720.000, auf die Slowakei 3.2 Millionen und auf iKarpachoruMnd 675.000. | Ein Mörder, der seine Hinrichtung verlangt. In Luxemburg hat ein zum Tode Verurteilter Dachlfdvcker, der eine Witwe ermordet hatte, die Begnadigung 'abgelehnt und seine Hinrichtung gefordert. Die Behörden 1 befinden sich in großer .Verlegenheit, da die Todesstrafe in Luxemburg schon seit Menschengedenken nicht mehr vollzogen, sondern nur demonstrativ ausgesprochen wird. Das Fallbeil, das zum letztenmal zur Hinrichtung gedient hatte, befindet sich seit viele« Jahren im Luxemburger Nationalmuseum. Mhaplin spielt vor Gericht. Chaplin «ab den Ne-wYorLer Richtern eine Gratislviorstellung. Er mußte sich gegen den Vorwurf verteidigen, den ein amerikanischer Bühnenautor gegen ihn erhoben lhatte, er habe sein Stück „Gewehr über" gestohlen. Ein Richter forderte Chaplin auf, sein eigenes Filnnnaniskrjpt vorzulesen. „Euer Ehren," sagte Chaplin, „ich habe meine Brille vergessen." Und der Richter reichte ihm seine riesjgc Hornbrille. Chaplin aber las das Manuskript, als ob er die Rollen spiele, mit seiner beinahe pathetischen Hilflosigkeit, der kein Mensch widerstehen kann. Ms Chaplin zu einer Stelle kam, wo es hieß: „Ich bin in einem' Zimmer eine» Hauses, und man glaubt, daß ich mich mit tneiner Frau zanke," da brüllten seine Hörer, die sich an seine ScheidunaSaMre erinnerten, vor Lachen. Chaplin hielt mit dem Losen inne und als er plötzlich merktle, daß sein Auditorium ihn sich in sejnem eigentlichen Lebe» Vorstellte und nicht als Träger einer Ralle, da mußte auch er lächeln. Ein amvrikanhfcher Ueber-Stahl. Amerikanische Zeitungen kündigen «irre neue Erfindung auf dem! Gebiete der Stahlherstellung an, durch di« es möglich sein joll, ein Produkt zu erzielen, das man Wohl als Ueber-Stahl bezeichnen muß. DaS Ergebnis des neuen Prozesses soll, je nach den Kosten, die aufgewandt werden, zehn- bis fünfzigmal so Widerstandsfähig wie gewöhnlicher Stahl sein. Während di« Herstellung im Laboratorium schon seit längerer Zeit möglich war, aber geheimgehalten wurde, könnt« erst setzt eine Kostenermäßigung mlett werden, die die technische Herstellung im Großen ermöglicht. Angeblich fott der nette Stahl von den Erzeugern den Namen ,Lyce" erhalten haben. I m000 Kilometer haben die Flugzeuge der Polnischen Dustverkohrs-A.-G. „Aerolot", Wioa, 1. Bez., DegetthoMraße 7, Tel. 71-0-84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Leben gekommen, kein WarentranSport verloren oder beschädigt morden. ß In der Awstrrtrasik auf der Ausstellung „Wien und die Wiener" hat bk Oesterr-elchiiche Tabakregie das Auslagen-Arrangem-en-t für die nächsten 14 Tage dem Reichsverband der Landestrafikantenvevme Oesterreichs überlassen. Bor dem Schwarrbarlh-Prozeb- Nkrainifche Vorbereitungen. Aus Paris w'vd uns berichtet: Bor einigen Togeu hielten die in Frankreich lebenden ukrainischen Emigranten unter dem Vorsitz zweier Zeugen im -bevorstehenden Schwarzbarch-Pvotzeß, Schum i ck: und Käme nto, eine Versammlung ab, in welcher „gegen die Bemühungen von 'bokschewAtischer Seite, zwischen den Ukrainern und Juden Haß zu säen," protestiert wurde. In einer weiteren Resolution wenden sich die Versammelten gegen den Versuch der jüdischen Presse, Petljura für di« Pogrome verantwortlich zu machen. In der Versammlung wurde ein Bericht des Prager Komitees zur Verteidigung des Andenkens an Petljura verlesen, in welchem bekanntgegeben wird, daß eine besondere Progeßkommission e^ne energische Mtion führe und bereits im Besitze wichtigen Materials zur Rehabilitierung Petljuras sei. Diese Dokumente dürften dem Gerichte, vor welchem Schwarzbarth sich gu verantworten haben wird, unterbreitet werden. Das Fi nangk omitee berichtet, daß die erforderlichen GMrmittel für die Pro-Petljuva-Aktion in zufriedenstellender Weise einlaufen. Demnächst soll ein Sammelbuch erscheinen, das ausschließlich der Rehabilitierung Pettzums gewidmet sein wird. Das Pariser ukrainische Komitee beschloß in der Versammlung, für diesen Zweck 7000 tschechische Kronen beizu- 1vagen. 6in Jude kam ans Palästina nicht ansgeviefen werden. Aus Jaffa wird uns geschrieben: Vor dem hiesigen Kreisgericht fand d'.eser Tage eine interessante Gerichtsverhandlung statt. Angeklagt war ein jüdischer Kommunist, der sich gegen einen Wachmamt, der ihn verhaften wollte, renitent benommen hatte. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Dicktor H a r k a w i, ein Jude, plädierte für die Bestrafung und Ausweisung des Angeklagten. Der Leiter der Verhandlung, der arabische Scheich Al-Ra re v, erwiderte jedoch, daß laut dem Gesetze über die jüdische Nation« lheimstätte, wie sie durch die Balfour-Deklaration erklärt wurde, ein Jude aus Palästina nicht ausgewiefen werden könne. Der Richter verurteilte den Angeklagten auch in diesem Sinne zu einer Arreststrase von drei Monaten und sah vott einer Landesverweisung ab. ' Jüdische eb md Auswanderung in Palüftina. Erst jetzt werden die Zahlen der Ein- und Auswanderung in Palästina für den Monat März bekannt. Danach kamen im Verlause des Marz 226 Juden ins Land; gleichzeitig wanderten 536 Juden aus. Im Februar zählte man 220 Einwanderer, gegen 320 Auswanderer, darunter 260 Juden. Im Jänner 1027 wanderten 161 Personen ein und 536 aus. (I. T. A.) ein Führer der Rew Parker Katholiken über Palästina. Der „United Palestine Appeal" veröffentlicht eitlen Bericht des Führers der New Yorker Katholiken, Monsignore Dünn, über seine Eindrücke in Palästina, dem wir folgenden Auszug entnehmen: Monsignore John I. Dünn, Bischof von New Aork, der soeben von einer Reise nach Palästina zurückgekehrt ist, erklärte dem Interviewer u. a., seiner Ansicht nach gebe es keinen Grund für die Furcht, daß die Modernisierung Palästinas die Atmosphäre der Heiligkeit vergiften könnte. Me Bischof Dünn es ausdrückt, ist es ebenso leicht, die Schauer und die Begeisterung zu empfinden, die aus den palästinensischen Tälern und Hügeln aufsteigt, wenn man sie mit dem Auto durchstreift, als wenn man sie vom Rücken des Kamels aus betrachtet. Es wird, das Heilige Land für alle, die aus religiöser Begeisterung dorthin gehen, gewiß nicht weniger heilig machen, daß man das Land durch Austrocknung der Sümpfe m a l a r i a f r e i macht, und daß man die Fruchtbarkeit des Bodens durch Bewässerung zu vermehren sucht. Was die Juden in Palästina erreicht haben — erklärte Monsignore Dünn weiter — besonders in der landwirtschaftlichen Kolonisation, grenzt ans Wunderbare. Ich habe die Siedlungen im Tale Esdvaelon und an anderen Orten gesehen. Ich habe die Begeisterung der Männer und Frauen, von alt und jung gesehen, die das Land ihrer Väter bearbeiten und es zu seinem alten Glanz zurückführen. Ich habe natürlich auch die Städte des Landes besucht. Auch hier finden sich bedeutende Merkmale des Fortschrittes, aber, wie mir scheint, noch größer ist der Fortschritt in den landwirtschaftlichen Kolonien. Natürlich gibt es zahlreiche Schwierigkeiten, wie z. Bdie Araber frage. Doch habe ich von verschiedenen Seiten gehört, baß sich in der Stellung der arabischen Bevölkerung ein Wandel vollzogen hat. Es herrscht bei ihnen jetzt der gute Wille und der.Wunsch, mit den Juden zusammenzuarbeiten. Die arabischen Eingeborenen haben ekngesehen, daß ihre eigene Wohlfahrt mit dem Erfolg des jüdischen Ausbauwerkes verbunden ist. Bon einer höheren Warte aus —schloß der Bischof — ist die Arbeit der Juden in Palästina ein Werk, das zur Wabvung und Förderung des Friedens geeignet ist. Tie Gottheit-Medaille für Verdienste um das Misch«- Volk. Seit mehreren Jahren schon wirb eine von Professor Gottheil in Newhork gestiftete Medaille alljährlich an einen amerikanischen Juden verliehen, der nach denr Urteil einer aus den Chefredakteuren der bedeutendsten jüdischen Blätter in Amerika bestehenden Jury itn abgelaufenen Jahr sich unter den amerikanischen Juden die größten Verdienste um das jüdische Volk erworben haben. Bor einigen Tagen nun wurde das Gutachten diese Jury verlaukbart, auf Grund dessen die Gottheil-Medaille für daS Jahr 1926 dem auf dem Gebiete der großzügigen jüdischen Wohltätigkeit sich schon seit Jahrzehnten in hervorragender Weise betätigenden David A. Brown verliehen wird. In den letzten Jahren seit KriegsWuß steht David A. Brown an der Spitze des großen amerikanißch-jMschen Hilfswerkes in Osteuropa und war der oberste Leiter des letzten Joint-Drives. Seit dem Abschluß des Uev'ereinkomMens zwischen Dr. Wetzmann und Marsyall ist Mr. Brown auch für das Palästina-Aufbauwerk in erhöhtem Maße tätig. Abschluß der Mttn-Hajessod-Kampagne in Jugosla-rviett, Aus Belgrad wird uns gemeldet: Bor einigen Wochen ist die diesjährige Keren-Hajeffod-Kampagne in Jugoslaiwien mit einem glänzenden Erfolg beendet worden. Jugoslawien hat sich mit seinen 60.000 Juden in der vor kurzen^ veröffentlichten K.-H.-Tabelle einen Ehrenplatz errungen. Aus diesem Anlaß hat Präsident Wetz mann an de« Leiter des jugoslawischen K.-tz.-Kuratoriums, Herrn Laza Avramovie in Belgrad, einen Brief gerichtet, in dem er ihn zu dem schönen Erfolg beglückwünscht. In denr Brief hebt der Präsident die großen Verdienste Avramovie' sch oh. darum besonders hervor, weil Herr Avramovie kein Zionist sei. Präsident Weizmann erklärt, daß wenn auch in anderen Ländern eine größere Zahl jüdischer Männer dem Beispiel Avramovie' folgen würde, die Palästinaarbeit in rascherem Tempo gefüytt werden könnte. Bühne und Knust. Fedor Schaiiapin in der Stnntsoper. Der weltberühmts Künstler, der seit Jahrzehnten in Paris und London, in Monte Carlo und New Aork Caruso-Erfolge emheimst und von den Schaljapin-Grammophonpilatten her jedem Opernliebhaber wohl bekannt ist, hat für sein erstes Auftreten in Wien den Boris G o - öuitoto gewählt. Ein nicht ungefährliches Wagnis, da in dieser Mussorgsky-Oper nicht der russische Zar, sondern das ganze leidende und geknechtete russische Volk die tragende Gestalt ist. Indes bietet diese Rolle Schaljapin Gelegenheit, vor allem sein Russentum und damit sein innerstes menschliches Empfinden mit allen Mitteln seiner großen Darstellungskraft zu enthüllen, mag sie auch nicht die Entfaltung großen gesanglichen Prunkes begünstigen. Und Schaljapin, der voll ansgeroifte Künstler, -der den Fünfziger bereits überschritten hat, ist ja nicht nur Sänger, sondern vor allem ein gewaltiger Gesamtkünstler der Opernbühne, die er dem Schauspieler dienstbar macht, auf welcher er alle theatralischen Möglichkeiten — Szene und Kostüm, Maske, Gesang und Bewegung — einem einheitlichen Ganzen unterordnet. Seine Stimme ist noch immer gewaltig, dazu weich und schmiegsam; wunderschön die Verbindung von italienischem Legato mit russischer Deklamation, sein musterhaftes Parlando, seine Darstellung ohne jede Outriertheit durch die Hilfsmittel des Gesanges. Ein Battisttni an Gesangskultur mischt sich hier mit einem Baklanoff an ursprünglichem Temperament, welches freilich restlos beherrscht wirdP So spielt ein Mensch, dem ein Gott gab, zu singen, was er leidet. Schon in den wenigen Takten, die er in der Krönungsszene singt, erobert er sich die Herzen. Man muß ihn sehen, hochaufgerichtet, in seiner flimmernden, halb orientalischen Gewandung, langsam vorwärts schreitend, jeder Zoll Gottesgnad-entum und zugleich in russischer Demut sich fromm bekreuzigend. Und trenn in der Szene im Kreml seine schönen Augen wild rollen und der Wahnsinn auszubrechen droht, mag man an Sonnenthal und dessen König Lear denken. Und erst recht 'Itel seinem dritten und letzten Auftritt im Sterbegemach. Wie er da zmn Throne wankt — die Szene wurde ihn: zuliebe von: Regisseur vereinfacht — das Taschentuch zerdrückt, mit den Fingern ein beredtes Spiel treibt und sein schmelzendes Piano singen und klingen läßt, das ist schlichtes, russisches Dostojewsvisches Menschentum eines leidenden Heros -bcr Opevnbühnc. Schaljapin sang den Boris, der -dem Gesangsvirtuosentum keinerle-i Konzessionen macht, mit außerordentlicher stimmttcher Beherrschtheit, vielleicht unter dem Einflüsse einer kleinen Indisposition. Nur sparsanr und vorsichtig erklangen stärkere, schärfere Akzente, nur selten blttzt-on hellere Lichter auf, die sogleich wieder abgeblendet wurden. Sein russischer Zar ist eine dunkle Moll-Gestalt, ein Held aus ldc-r Fülle seines Leidens, ein von Dämonen verfolgter Mensch, der dem Schicksal unterliegen muß mrd sich doch immer wieder emporreckt. Wie Schaljapin dies in Ausdruck und Bewegung umzusetzen vermag, darin — nicht im rein Gesanglichen — liegt seine großartige künstlerische Leistung. Sie führte auch in Wien zu einem frenetischen Erfolge und' zu Beifallsstü'rmen des ausverkauften Hauses, für tvelche der liebenswürdige Künstler sichtlich gerührt dankt. Die Staatsoper durste mit ihm zufriedener sein, als er mit der konventionellen Inszenierung und mit den teAveise nur mittelmäßigen Solisten, ' flb. i« 1. ..jr’-jj» TTnuCjfgU