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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-18 · Heft 2953 (18.5.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2953 (18.5.1927)
Date
1927-05-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seile Wien, Mtttvvch Wiener Morgenzeitung IS. Mai 1927 Jh. 2966 Der Sohn des Moses Mautner £in Wiener Roman von Leopold Hiohler. opjright 1937 by B. Löwit Yerlag, Wien — Leipshr li>0. Fortsetzung.) Ich war dach nicht leichtsinnig! Glückst du vieliricht: Ich Hab' für mich etwas angebracht?!" — „Das tvciß ich, (Krsii; das weiß ich. 2Der doch: Wo ist tfaö Geld hin? Wo sind die achtzehnhundert Gulden?" Eine nrüßige Frage, die immer wieder an den Schiffbrüchigen gerichtet ivrrd! Wenn er's tmißte — höbt' er's nicht verloren! Gustav schien es zu wissen, beim er antwortet«: „Ich glaub', Resi: Ich Hab' zu billig verkauft." Darin Zeichen wieder alle Gestrandeten, daß sie nach einen, Grirmde suchen. Der Mißerfolg aber ist wie ein Mosaik — nur nicht aus bunten Steinen, sondern aus vielen Lässigkeiten — zusammengesetzt.- „No — und was wirst du jetzt machen, Gusti?" fragte iFrdu Resi, — „Die Preise erhöhen. Ja, Resi. Morgen geh' ich nrit den Preisen hinauf und du wirst sehen, Resi: Ich wer' mich schon hinausarbeiten. Es wird lang' dauern, aber ich wer' wieder hinauf kommen! — Und jcjbtai Tag wer' Äh jetzt genau rechnen! Ah! Jetzt lass' ich's nicht mehr so lang anftehen! — Und paß' auf, Resi! — Ich komm' wieder hinauf!"- Fra» Resi blickte etwas skeptisch und sagte bloß: „So, so." Dann plötzlich erinnerte sie sich und fragte: „Aber was hast du denn mit dem Panigl gehabt? Du hast doch von einem Verdruß gesprochen?" — „Ja. Wir haben jetzt abends abgerechnet und ich muß ihm am Sonlltag zwölfhundert Kronen zahlen," — „Hast du sie?" — ,^Nenc. Ich Hab' nur fünfhundert." — „No? Was wirst du tun?" — „{Sag’ einmal, Resi," rief er bescheidend bittend, „möchtest du — willst du so gut sein und nrrr die siebenhundert Kronen borgen?" — Ein naiver Jüngling! Zuerst erzählt er die Geschichte seines Niederbruches und nach diesem eruÄrnternden Bekenntnis verlangt er ein Darlehen! — Es war begreiflich, daß Frau Resi erwiderte: „Schau, Gusti: DU bist mir schon tausend Gulden schuldig! Wohin noch?" — „Resi, du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich will nur dem Pimigl zahlen und fcfantt, glaub' mir: Ich komm' Meder hinauf! Ich spür's. Wenn ich will und ...!" Ein solches Vertrauen, ein solcher Mut glänzte aus seinen Augen, daß Fron Resi wankend wurde, aber doch ablehnend ries: ,Hch g^aub' dir's, Gusti. Wer schau: Ich bin allein, eine Witwe und Hab' Kinder und dann ..." Wer nicht gewähren will, findet Rat. „Ist denn dtas so dringend?" rief sie. „Mußt du dem Panigl am Sonntag zahlen? 'Zahl' ihm eine Woche später, was ...." — „Nein, Resi. Das kann ich nicht." — „Warum?" — „Ich Hab' ihm mein Wort gegeben, daß ich Sonntag zahl' und das muß ich halten." — „Aber wenn du nicht kannst!?" — „Nein, Resi. Mein Wort muß ich halten, sonst — Hab' ich selbst vor mir kerne Achtung mehr!"- Frau Rest überlegte und bald strahlte die Sonne eines neuen Gedankens, eines glücklichen Gedankens — der einen Weg abseits vom Darlehen wies — aus ihrem Gesicht: „Gusti!" rief sie. ,Weh' zu die Eltern! Der Vater wird dir Grid geben. Ich weiß es; und ich werd' mit ihm rÄ>en, daß er dtt verzeiht und dann gibt er — „Kernen 'Schritt, Resi! Nicht einen Schritt! Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben!" — „Gusti! Red' nicht so. Versündig' dich nicht!" — „Nein, Resi. Sie haben die Polizei;geholt!" — „Sie haben sie doch nicht gehoü!" — ,/Sie -haben wollen Und das istgenug! Und bas sind nicht mehr meine Eltern! Lieber geh'/ich zugrund!" — „Gusti! Die Eltern kränken sich um /dich! Zwei Monate haben sie dich schon nicht gesehen! Lass' doch deinen Eigensinn. Geh' h«l zu ihnen. Der Vater fragt nach dir!" „Der Vater fragt V" — „Ja, Gusti. Der Vater fragt; lad) dw Mutter auch. Sie kränken sich beide. — Schau. — Sei doch nicht dumm! — Du brauchst sie heut'! Ist doch eine Dummheit von dir, der Trotz!. — Wenn dn zum Vater gehst — ich weiß bestimmt — er gibt dir und diu bist dann ausn Miaffser und..Und sie sprach sott imb fort, und malte in den schönsten Farben die schönste Zukunft; aber Gustavs Gedanken waren vom Existenzkämpfe weggeflogen. Ein Ton klang jetzt in seinem Gemüte, wie ferne, trauliche Musik: „Der Vater fragt." — „Wirklich wahr, Resi?" unterbrach er ihren Ueberredungsstvom. „Wirklich wahr, Resi? Der Vater fragt?" — ,^Fa, Gusti! Ja. Geh' nur hin zu ihm! — Wirßf du hingehen?" — Er antwortete nicht. Ein mächtiges Sehnen nach dem EltemHause hatte ihn erfaßt. Er war still geworden und Frau Resi auch. Sie blickt« gespannt in das Gesicht ihres Bruders, denn seine Züge spiegelte den Seelenkampf. — Wer wird'siegen? Der Stolz? Die Kindesliebe?- „No, Gusti?" fragte Frau Resi freundlich, „gehst du zu ihnen?" — Er warf den Kopf zurück. „Nein, ich kann nicht." — „Aber Gusti!" — „Nein, das wär' charakterlos!" — „Haßten Sachen! Charakter! Wer brarrcht bei Eltern Charakter?! Wer wird sich schämen voriEltern?!" — „Nein, Resi. Ich — kamt nicht. Gibst mir's nicht — von ihnen brauch' ich's nicht. Ich wer' mir's verschaffen!" — „Verschaffen? Woher.?" — „Ich weri nnr's verschaffen und ivemr ich's aus der Erde kratz'!" — „Woher?" — „Bon Kundschaften. Ja, von Kundschaften! Sie sind mir schuldig und sie werden mir zahlen und müssen mir zahlen! Ja, sie müssen mir zahlen!" schrie er zu Frau Resi, als wäre sie feine Hauptschulduerin und er müßte sofort mit dem Emtreiben beginnen. „Das is alles schön, Gusti!" sagte Frau Rest, ,/atotv glaubst dn: Sie warten auf dich mit dem Geld'? — Schau' — es wär' soi einfach! Der Vater will dir geben und du..." — „Nein, Resi! Das'.tu' ich nicht. Ich brauch' sein Geld nicht!" — — > Frau Resi sah ihren Bruder lange >an. Sie schien ermüdet und preßte vielleicht deshalb alle sihrc Gedanken in den einen Ruf: „Chammer." — i Ehammer? Mag sein. Trotz ist Unklug (urib unfruchtbar, aber mir ist ein so -widerspenstiges Rößlein immer rwch lieber als die trägen, geduldigen Karrenzieher! In so einem störrischen Geschöpf steckt noch Kraft und Leben! Wie eine Biene um'die Blüten, 'so schwirrte Gustav die nächsten Tage um die Kassen-seiner Kunden; aber schämig sch'tcM.'il die meisten ihre Kelche Mid lispelten ohn' sonderlich' Erröten: „Der Zins! Ter Zins!"iEs war nämlich der achtzehnte! Aber in Wien chatten die Leute sechs Wochey» vor und sechs Wochen nach chem Zins kein Geld. (Fortsetzung folgt.) Bühne und Kunst. Weingartners Rachsolger. Die Dirigenten der Philharmonischen Konzerte dev nächsten Saison. Bei der gestrigen Generalversammlung der Wiener Philharmoniker, die unter Vorsitz von Prof. Wunderlich ftattsand, wurden als Nachfolger Felix Weingartners, der bekanntlich nach Basel übersiedelt ist, drei Dirigenten der Konzerte der nächsten Saison bestellt: Wilhelm Furtwängler, Franz Schalk und Bruno Walter. Sie Franksorter Ausstellung „Maftl Im Leben der Böller". Eine Weltausstellung. — Die starke Beteiligung Oesterreichs und Polens. — Ethnographische Gruppen aus Rußland. — Die „Tage für jüdische Musik". (Eigenbericht der „Wiener Movgenzeitung".) Diese internationale Franlsutter Ausstellung, über deren Vorbereitung bereits berichtet wurde, verspricht eine Weltausstellung von ungewöhnlicher Bedeutung zu werden. Die meisten europäischen Staaten zeigen ein starkes Interesse an der Beschickung, da sich hierbei große Propagandamöglichkeiten ergeben. Fast alle europäischen Staaten haben Staatskommissäre ernannt. Auch von Oesterreich aus werden wertvollste Originalmanuskripte von Tonkünstlern in Frankfurt a. M. gezeigt werden. Di« Wiener Philharmoniker werden an zwei Abenden in Frankfurt a. M. unter Leitung von Professor Clemens Kraus Gastspielabende geben. Man plant einen Beethoven- und einen Johann-Strauß-Abend. Von Wien werden auch die S ä n g e r k n a b e n zu Chorkonzerten nach Frankfurt kommen, ferner die Kapelle der Wiener Bundespolizei. Ern ganz besonderes Interesse zeigt Polen für diese Weltausstellung. Die der Regierung unterstellte Gesellschaft für Propaganda im Auslande hat ihre Bereitwilligkeit zur Ueberlassung wettvollster Dokumente erllärt. Man wird Manuskripte polnischer Tonkünstler aus dem 11. Jahrhundert zu sehen bekommen, auch der Originalabguß der Hand Chopins wird gezeigt. Das Ballett der Warschauer Staatsoper unter Professor Mlinarski hat fein Erscheinen zugesagt. Die polnische Regierung sendet Ms ihre Jnittattve drei Solisten, und zwar den bekannten Geiger Bromslaw Hubermann, den Kladiervirtuosm Joseph Hofmann und Jan Kiepura. Aus der Tschechoslowakei kommen die Prager Philharmoniker und zum internationalen Musikfest der Chor der Typogvaphia und der Aholl-Chor aus Prag. Ganz einzigartig dürfte die Beschickung aus Rußland sein. Bon dott wird das Erscheinen einer ethnographischen Gruppe gemeldet, die alle Nationalitäten und Stämme der Sowjetunion umfassen wirb. Man wird also Tschettessen- und Kirgisen-Musik von den ureigensten Trägern hören können. Ueber das Programm dev vom 26. vis zum 28. Juni stattfindenden Tage für jüdische Musik läßt sich noch nichts Endgültiges sagen. Die Vorbereitungen gerade hierfür stoßen auf ziemlich« Schwierigkeiten. Es bestand ursprünglich der Plan, einen Lodzer Synagogenchor für die Veranstaltung zu gewinnen. Man hat die Absicht, mit der jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem wegen Ueberlassung von Ottginalmanuskripten in Verbindung zu treten. — Aus Palästina selbst zeigt sich bisher kein Interesse für di« Ausstellung. Dr. P. A. Die Staatsoper bei den Wiener Festwochen. Für die vom b. bis 19. Juni ftaUfiiuOenben Festwochen wurde das Programm dev Staatsoper wie folgt festgelegt. Sonntag, den 5. Juni „Fidelip", Montag „Tristan und Isolde", Dienstag Ballettabend, Mittwoch „Der Nosenkavalier", Donnerstag „Die Frau ohne Schatten", Freitag „Turandot", Samstag „Der Maskenball", Sonntag „Die Meistersinger von Nürnberg", Montag „Der Corregidor",. Dien-tag „Der Freischütz", Mittwoch „Lohengrin", Donnerstag „Die Königin von Saba", Freitag „Die Zauberflöte", Sanistag, den 18. Juni, und Sonntag, den 19. Juni „Parsifal". Anläßlich der Festwochen werden auch die Nedoutens ä l c eröffnet. Es werden ztvei Vorstellungen gegeben. Dienstag, den 7. Juni „Die Hochzeit des Figaro" und am Samstag, den 11. Juni „Dido um» Aem-as", ,I)ie Magd als Herrin", „Die Freier der Tänzerin". Frau Werbezikk darf nicht nach Prag. Die Prager Theatergästc kommen mir einige WeweziÄ-Avende. Die geschätzte Komikerin hätte in der Operette „Glück in der Liebe" und in der Posse „Hulda Peßl in Venedig" in Prag gastieren sollen. Das Gastspiel der beliebten Künstlerin war in den Prager Blättern bereits angekündigt. Nun hat ihr die tschechoslowakische Regierung die Einreise verböte n. Sie ist das erste Opfer einer Vergeltungsmaßnahme, die vorauszusehen war. Der Oestcrvelchifche Bühnenverein hat uäurlich das GaftspieldesOlmützer tschechischen Theaters am Carl-Theater vereitelt. Dieses Einschreiten des Bühnenvereins war allerdings weder klug noch billigenswert. Das Ensemblegastspiel der Tschechen hätte den notleidenden Wiener Bühnen und Bühnenkünstlern nicht geschadet, weil es ausschließlich für das t s ch e ch i s ch e Wiener Theaterpublikum bestimmt war, welches anläßlich des jüngsten Gastspiels dieser übrigens auch künstlerisch bedeutenden Bühne an allen Abenden das Carl- Theater dicht füllte. Die „Maßnahme" des Oesterreichischen Biihnenvereins hat aber auch einen fatalen national-chauvinistischen Beigeschmack. Sie bewirkt cjne Einschränkung der Kulturvedürfnisse der in Wien wohnenden Tschechen, verletzt also die Rechte einer nationalen Minderheit. Und sie macht, wie das Beispiel zeigt, Einzel- und Ensemlblvgastspiele österreichischer Bühnenkünstler in der Tschechoslowakei unmöglich. Ein Wer? über die mährischen Judengemeiniben in Vorbereitung. Aus Anlaß des Wjährkaen Bestandes des Jüdischen Buch- und Kunstverlages Max Hickl, Brünn, wird von diesem Verlag unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter ein Werk „Die Juden und die Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart" vorbereitet. Der Verlag ersucht, ihn, alles Material, das sich auf Juden und Judengemeinden Mährens bezieht, leihweise gegen Rückvergütung aller Bavauslagen in rekommandiertem Brief einzusenden, sowie um jede andere Art von Unterstützung und Anregung, wie Namhaftmachung dienlicher Adressen, geeigneter photogra- Klscher Objekte. Tagebücher, Briefe und Dokumente. Das Werk soll anfangs 1928 erscheinen. Aus de« Theatern. Burgiheater. Morgen 7 Uhr „Don Carlvs" (Abonnemcnt erste Gruppe). Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr „Sp.ibl im Schloß" (Abonnement zweite Gruppe). Operntheater. Morgen, halb 8 Uhr „Der Troubadour (Theatergemeinde Serie F). Deutsches Volkstheater. Für nächsten Sonntag wird das Trauerspiel „Der Graf von Charolais" von Richard Beer-Hofmann mit Alexander Moissi in der Titelrolle neu einstudiert; den Präsidenten Rochfort spielt Ferdinand Gregori. Samstag nachmittags halb 4 Uhr spielt Moissi in „Fies Jo". Sonntag nachmittags Komödie des Glücks". Kammerspiele. Von Freitag, den 20. Mai, bis Souwtag, den 22. Mai, finden drei Nachtvorstellungen (10 Uhr) statt. Gegeben wird „Die Schule der Kokotten" mit LeaMdine Konstantin. Lu st spielt he ater. Der Schwank „Die KeuschheitSkonkurrenz" von Richard Manz gelangt am 24. d. M mit Hans! Jarno in der Hauptrolle zur Erstaufführung. Modernes! Theater. Montag, den 23. Mai fiirdet ein Opernfragment-Abend der Schule Broffenlent statt. Die dramatische Einstudierung leitet Frau Kammersängerin Gutheil-Schoder. Gerichtsaal. Ist der Staat für seine Beamten haftbar? Rur nach der Verfassung aber die Durchführungsverordnung fehlt! Dev Versassungsgerichtsho; verkündete gestern zwei Erkenntnisfe über Beschwerden, die beide abgewiesen wurden, tveil die Durchführungsverordnung zum Artikel 23 der Bundes verfassiurg, dis eine Haftung des Bundes, der Länder und Gemeinden für regel- oder pflichtwidriges Berhalten ihrer Organe statuiert, noch nicht erlassen wurde. Seit dem Zustandekommen der Bundesverfassung im Jahre 1920 ist bereits genügend Zeit verstrichen, um diese Bestimmungen fertigzustellen. Für die richterlichen Beamteir besteh: seit langem das Syndikatshaftungsgefetz, das wie ein drohendes Damoklesschwert jeden Richter daran gemahnt, mit peiirlichster Genauigkeit seines Amtes zu walten. Nur den VerwalMngsbeamten ist die Partei. heute noch bedingurrgslos ansgeliefert und> gerade diese Beamtenkategorien körmen der Bevölkerung durch Fehlentscheidungen «rrgeheuren Schaden zufttgen. Bedenkt man noch, daß der Richter das .Verfahren auf Grund der Gesetze mit peinlichster Akribie in voller Oeffentlichkeit drrrchführerr muß, während der Verwaltungsbeamte das Verfahren meist nur mit Parteienöffentlichkeit' durchführt, so muß man das Fehlen einer derartigen Haftungspflicht der öffentlichen Körperschaften für ihre Organe um so schnwrzlicher empfinden. Heute wählt der Nationalrat die neue Regierung; es würde sich für sie wahrlich verlohnen, daß sie endlich Zeit findet, nebst einer grundlegende,, Neuordnung unseres Strafgesetzbuches auch dem Artikel 23 der Bundesverfassung erhöhtes Augenmerk zuzuwendeir. Me bereits berichtet, hat die Privatlehrerin Domiuiquette G. gegen den Bund und die Gemeinde Wien beim Verfassung^- gerichtshof eine Klage auf Rückzahlung von Prozeßkosten in der Höhe von 680 Schilling angestrengt, die ihr dadurch erwachsen waren, daß eine von ihr mit Dispcns von dem Ehehindernis des Chebandes geschlossene neue E h e von den Gerichten für ungültig erklärt tourde. Die Klage tm,rde mit der Begründung abgewiesen, daß Schadenersatzansprüche tvegeu rechtswidrigen Verhaltens von Vundesorganen nicht geltend gemacht werden können, weil die diesbezügliche Ausführurrgsvor> ordnung noch nicht erlassen tvurde. Unter diesen Verhältnissen war aus den Rechtsgrund des Anspruches nicht einzugehen. Ebenso wurde eine Beschwerde, tvelche die Privat^ Marie W. gegen den Bund wegen ungerechtfertigtoo Internierung in der Heilanstalt Am Steinhvf eingebracht hatte, mit ihren Schadenersatzansprüchen von 200.000 Schilling abgewiesen. Hinsichtlich eines etwaigen Verschuldens dev Verwaltungsorgane wurde der gleich« Grund geltend gemacht, während für eine etwaige Verfehlung der richterlichen Organe die «KÜM auk d» ordentlicka:» iliecdtÄvea vermi-ltm umrd»

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