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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-18 · Heft 2953 (18.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2953 (18.5.1927)
Date
1927-05-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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S^ktt 4 Men, Mttwvch Wiener Morgenzettnng m. Mai 1927 Nr. 2958 keh r ruhi iu ganz BuLmpest. In den Zeitun g s - druckercion mußte die Arbeit eingestell: werden, da di« dcftrBfd) betriebenen Druck» und Setzmaschinen keinen Strom erhalten. Va« Panama an de« SudapeKer Kliniken.?!ach dem Fleisch — die Kohle, Budapest, 17. Mai. Die schon seit längerer Zeit geführte polizeiliche Untersuchung in Angelegenheit der Mißbräuche bei den Lieferungen für die Dudapcster Kliniken, die sich zuerst bloß auf die Fleisch liefe rungcn beschränkte, nimmt einen iunuer größeren Untfang an. Wie die Blatter melden, hat sk.b im Laufe der Untersuchung heraus gestellt, daß airch bei den Lieferungen anderer Waren für die Klmilcu, insbesondere bei den K o h l c rl l i c f e r u n g e n. Bestechungen und andere Mißbrauche vorgekommcn sind. Die Polizei hat in dieser Angelegenheit gestern und heute auch den Direktor der Salgo-Tarjancr K o h l e n b c r g v a n A. G. R e im fl n lt und den Universitätsprosessor SicaeScn einvernommen. UntcrrichtSminifter Graf Klebelsverg erklärte ZcitungSbenchterstattern gegenüber, das; er den Ministerialrat Fl a n b o r f e r als N e g i e r u n g s k o m m i s s ä r zur Prüfung der verübten Mißbräuche delegiert habe und daß fedcr Schuldige rücksichtslos der Strafe werde zu geführt r:vor Ler Flug Rew York—Paris. Newyork, 17. Mar. Die Uneinigkeit zwischen den /amerikanischen Transozeanfüegern Chamberl aiu und Bert Hand einerseits und ihrem Manager andererseits, die beinahe den Ozeanflug in Frage gestellt hätte, ist nunmehr behoben worden, indem der Manager sich; bereit erklärte, den Gattinnen der beiden Flieger je 50.000 Dollar ficherzu stellen, falls den Fliegern irgendein Un- - glück zustoßen sollte. Auch hat er auf feinen Anspruch /aus die Prämien verzichtet. Sobald günstige Westermcildungen einlaufen, wollen die beiden Amerikaner zu ihrem Flug nach Paris aufsteigen. m mlßglMer Flug Paris-Moskau. Paris, 17. Mai. Der französische Megcrleutncmt VH o r c t ist heute auf dem Flugfeld Le Bourget ausgestiegen, um mit einem 40 PS Kleinflugzeug über Berliu und Königsberg die Strecke Paris—Moskau ohne Zwischenlandung zurückzulegen. Nach kurzer Zeit mußte er wegen Mangelhafter Oelzufnhr nm-kchren und am AuUtiegsort wieder landen. gend Amerikas hingebungsvoll tätig ist. Er sicht das Land seiner Liebe znm ersten Malch und er will ihm 'so;uche kommen, als tzs in ernigM Ferienwochen nur irgend möglich ist. So schultert ejr Rucksack und Kamera und wandert zu Fuß oder, wenn es gut geht, auf Kolonistenwagen von einer Siedlung zur andern, erprvbt am eigenen Magen die karge, oft Mochte Kost, die die schwer arbeitenden Ehaluzim ihren Körpern znsichren, schläft, wo ihm palästinensische Gastsreundschast ein Lager einrämnt, plaudert, wo immer man Zeit und Lust hat, sich in ein Gespräch /mit ihm einzulassen, mit alt und jung, mit Frauen und Kindern, mit Arabern, die hebräisch oder jüdisch sprechen, und natürlich besonders gern mit Siedlern, die aus Amerika find oder dort eine Zeitlang zugebracht haben, und dercin, mchr find, als man gewöhnlich glaubt. Me Arbeit und die Sorgen, die Muße und Feste der Chawerim lebt er wie ein treuer Kamerad mit, und die ganze unvergleichliche Romantik des Landes und seiner wundervollen Menschen, die Augen von Leuten haben, welche an andere zu denken gewohnt find, bevor sie an sich selbst denken/', trinkt er in sich ein. Es fällt «ihm nicht bei, kritische Untersuchungen anzuftellen, sich über die schwierigen Probleme "des Ausbaues verbreiten, 'sich über irgerL etwas ein Urteil anzrmraßen. "Er ist wie!Än Träumeicher, da er ins Land der Vevherßung kommt, dankbar nimmt er auf, ioäs es zu bieten hat, demütig schaut er, was Idealismus und Entsagung "sedier Pioniere schassen, und schmerzlich empfindet er es, daß Pionier sein im 20. Jahrhundert, im Zeitalter der Maschirrsn und der Wissenschaft, ebensoviel Armut, Hunger, Kälte und Gefährdung bedeutet, wie nur je in früheren Jahrhunderten. Diese Einstellung, die auch Lipskys Vorwort als liebenswert hervochebt, macht es reizvoll, Milton Goell auf seiner Wanderschaft durch Israel-Land zu begleiten, und sicherlich werden viele seiner Kollege,; sich dafür begeistern, es ihm nachzutun und fich gleich ihm neuen Sckvnmg für ■ zionistische Galutharbett zu holen. 'Drr. . ßrplofio» eines Hochofens. Friedcnshütt e. Gesten: nachmittags flog auf der Friedenhüttc aus noch unbekannter Ursache em Hochofen in d:c Luft. Einzelheiten fehlen; doch steht fest, daß mehrere Personen dabei getötet und crne große Anzahl schwc r bzw. leichter verletzt wurden. Die Explosion aus der Friede,ishütte hat entgegen den ersten Meldungen keine Opfer an Menschenleben gefordert, wenn auch erniige Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Das Unglück ist daraus zumckzusühren, daß durch irgendwelche Umstände 'Dass e r in den Ofen ei nd ra n g. Durch die sich entnckelnden Dämpfe wurde >dann die Explosion verursacht. KUU8 lr^vlK^ULK ZIONISTEN. Haute Mittwooh, den 18. Mai, um halb 9 Uhr abends, im Cafe Ailaahof, Aspernplatz (Klttbtokal) Versammlung TAOESORDNUNO: 1. Unsere nächsten Aufgaben. Referent Dr. Leopold Plasohkes. 2. Portsetzung der Diskussion aber den Vortrag des Herrn Leon Wechsler: „Ursachen und Lehren des Wahlergebnisses*. Eintritt frei. — Gäste willkommen! Verband jüdischer Kaufleute und Gewerbetreibender. Morgen Donnerstag, den 19. Mai, 8 Uhr abends, ln der Kaufmannshalle des Wiener Blirger- Cafgs, II., Praterstraße 11 Massenversammlung TAGESORDNUNG: 1. Vortrag der deutschen Wirtschaftskammer in Wien. 2. Vortrag des Herrn Gremialrates Leopold Lichtenstein über „Kreditwesen-Ausbau“. Gäste willkommen! ■MaMwaiwiiwBMaiawBfaBMiiia Sin Maharadscha als tzmigrant. Aus New York wsrd uns berichtet: Die Umwälzungen und völlig veränderten Lebensverhältnisse der letzten zehn Jahre haben ju allen sozialen Kreisen die Emigration gezeitigt, uitb unter den aus ihrem Vaterland Ausgewanderten, bczw. Ausgewiesenen befindet sich so manches gekrönte Haupt. Es geschieht aber zun: erstenmal, daß ein indischer Herrscher Asien anders als zum Ztveck einer, wenn auch mehrmonatigen Vergnügungsreise verlassen und tatsächlich emigrieren will. Der Maharadscha von N a b h, der vor einiger Zeit gezwungen wurde, abzudianken, hat die Behörde,: der Vereinigten Staaten um ein Visum für sich und seine ganze Familie ersucht, da er für immer nach dem neuen Kontinent auszutvaickern beabsichtigt. Der Fürst behauptet, daß seinem und seiner Angehöriger: Leben in Indien Gefahr drohe. Der Maharadscha hatte über eilten Staat, dev 250.000 Einwohner zählte, regiert, Und wurde von der englischen! Regierung abgesetzt, angeblich, weil es sich herausgestellt hatte, daß er als Herrscher vollkommen unfähig sei. In den indischen nationalen Kreisen ist inan aber der Ueberzengnng, daß dieser Grund lediglich ein Vorwand gewesen sei, und der wahre Grund der Ungnade, in die der Hindufürst bei dm Engländern gefallen ist, Wattn zu suchen sei, daß der Maharadscha von Nabh zu dm extremen Nationalisten gehörte und die politischen Bestrebungen der Widersacher der Oberherrschaft Großbritanniens jede^eit tatkräftig nnterstützt hatte. Jas Rätsel der Wünschelrute gelöst. Ans London wird uns geschrieben: Die Zeitschrift „Nature" veröffentlicht einen au ssehen erregenden Artikel aus der Fck>er eines bekannten Physikers. Nach dem Bericht dieses Forschers soll das Rätsel der Wünschelrute, das Jahrhunderte hindurch die gesamte kuttivierte Wett beschäftigt hat, gelöst sein. Und zwar gelangte man zur Lösung nicht durch Versuche mit der Wünschelrute selbst, sondern durch die Antvestdmrg eines Apparates, der, seiner Wirkungsweise nach, eine komplizierte Wünschelrute darsteltt. Die Versuche wurden in Indien auf Veranlassung der Regierung unternommen. Dia Vevsuchsanordnung bestand aus einer freihängenden Magnetnadel, die durch ein System von körperlosen Spulen, ähnlich denen, die in der Radiotechnik verwendet werden, umgebm waren. Versuchsfeld war eine Gegend, in der schon seit längerer Zeit, vielfache vergebens, nach Wasser gebohrt wurde. Die Magnetnadel zeigte nun an bestimmten Stellen äußerst kräftige Ansschläge, und beim Bohren fanden sich au allm so bezeichneten Stellen tatsächlich' unten* irdisch fließende Gewässer. .Die Vorrichtung zeigt das Wasser so mtt 100prozentiger Sicherheit an, während vordem von 100 Bohrungen nur 40 positive Ergebnisse gezeigt hatten. Die, Entdeckung hat also einen außerordentlich hohen Wert und gleicht in ihrer Wirkung vollkommen der Wünschelrute. Ihre Wirkungsweise ist leicht erklärt. Es ist seit längerer Zeit bekannt, daß an bestimmten Stellen der Erdkruste, vornehmlich an solchen,' an denen sich unterirdische Gewässer oder Metallagerstätten befinden, elektrische Ströme entstehen, die man kurz „Erdströme" nennt. Diesje Erdströme erzeugen innerhalb der Spulen Induktion s ströme, und diese bewirken ein Ausschlagerr der Magnetnadel. Die Magnetnadel könnte ebensogut durch ein äußerst fernes Meßinstrument ersetzt werden. . Durch diese Erfindung und die Entdeckung ihrer Wirkungsweise scheint im großen Wnt> "ganzen auch das Rätsel der Wünschelrute gelöst. Zu Ruten gangen tvaren nur ganz peftinrmtze Person«: geeignet, Und es scheint sich dabei um solche gehandelt zu Haber:, deren Nervensystem besonders empfindlich aus die Erdströme reagierte, so daß tzie mit Heu F>n:gerspitzen gehaltene Rute fin Zuckungen geriet. Es bleibt mm noch Aüfgccko der Wissenschaft, die Einfkußfähigkeit elektrischer Ströme «uf das Nervensystem wissiMMich. zu ergründen. Selvfabr»«« für Lote. Im allgenreinen herrscht ivM die Ansicht, daß mit dem Tod alle Sorgen für rrnS auMren. Nicht so in China. Dort ist die Grenze zwischen Tod und Leven in manchen Dingen so verwischt, daß man sie kaum noch erkennen kann. Nach chinesischer Auffassung benötigt auch der Tote noch materieller Dinge und allgcnrein bekannt ist die Sitte, ihrr dauernd mit Lebensmitteln zu versorgen. Wenige aber wissen, daß man in China dem Toten auch Geld senden kann und muß. In der Provinz TscheNang beschäftigen fich die Einwohner einer ganzen Stadt mit nichts anderem als mit der Herstellung dieses TotengeldeS. Nun muß man sich unter Totengcld aber nicht echte-, schweres Metallgeld oder mit Wasserzeichen versehenes Papiergld vvr-> stellen. Der Geist des Verstorbenen ist, obwohl sonst ftpr anspruchsvoll, mtt Surrogaten rmd Symbolen zufrieden. Die Rolle des „GcldbricsträgerS" spielt der Ra:uh und und das „Geld" ist aus — Papier oder meist aus Stanniol verfertigt. Pferde, Wagen, Diener und Dienerinnen, selbst Altäre aus Papier können verbrannt und dem Toten als Geldwert gesandt werden. Am häufigsten wohl mevden kleine, reizende, aus Stanniol bestehende „SiGer"schuhchen per „Rauchanweis'lng" ins Totenland geschickt. Da diese Sitte über ganz China verbreitet ist:md der Tote stets neue „Geldsendungen benötigt, bedeutet seine Herstellung einen lohnenden Broterwerb für Tausende von Menschen. Shaoch ing in der Provinz Tsch ekiang ist eine solche Stadt, deren männliche Eimoohnev samt und sonders in diesem Industriezweig beschäftigt find. In anderen Gegenden der Provinz und in Kiangfu dagegen, wird die Herstellung der Schuhchen ausschließlich den Frauen überlassen. Zu Hunderten sitzen diese Tag für Tag in diesen mervwürdigsten „Geld^fabriken der Welt und falten mit geschickten, flinken Händen Schuhchen aus Stanniol. Andere Provinzen wieder, das a'bliegende Juman und der malaiische Älrchipel, stellen nur das bcnöttgte Starmiok her und verdanken so ihrerseits den Toten einen lebhaften, vielen Menschen ständig Arbeit gebenden Industriezweig. Pola Regrir „gehn Gebote-. Die berühmte Filmkünstlerin, vir soeben den georgischen Fürsten Mdivani geheiratet hat, verfaßte die nachstehenden, recht bemerkenswerten „Zehn Gebote", deren Beachtung sie ihren Geschlechtsgenossinnen empfiehlt.! 1. Dr: sollst dein Gesicht, bevor du es puderst, lsierNals mit Crenre einfetten. Pudre es ruhig trocken, dainit sich djq Poren verstopfen und du in kurzer Zeit einen recht schlechten Teint bekommst. 2. Du sollst alles daran setzen, um dich von. der (Sonne verbrennen und!'bräunen zu lassen, damit deine zarte Gesichtshaut aufspringt. Am besten erreichst du das, wem: du dich in die pralle Sonne legst, ohne vorher dein Andsitz eingefettet oder eingepudert zu haben; schr bald wirst du eine rauhe Haut bekommen und aussehen wie ein alter Seebär. 3. Du sollst so vsel wie nur möglich Zigaretten rauchen, damsi deine Hände und deine ganze Konstitution recht schnell verderben und deine Zähne eine schlechte Farbe erhalten. Nur eine oder zwei Schachteln!Z>:garetteu prv Tag — und der gewünschte Erfolg wird nicht lange .auf sich warten lassen. 4. Du sollst dich nur mit sehr scharfer Seife und abends und morgens mit kochendheißem Wasser waschen, dabei stets Gesicht und Häilde kräftig scheuern, 'danrit du bald eine harte, trockene Hmlt bekommst. Und dann keine Creme vettvendcn! 5. Du sollst möglichst jede Nacht durchtanzen und alles daransetzen, um deine Nerven recht aufzureiben. 6. Du sollst niemals eine Sonnertbrille tragen, auch dam: nicht, wenn du dich direkt in die Sonne oder an den grellm Strand legst, auf daß du bald schielen lernst und ein finsteres Gesicht bekommest, wodurch Krähenfüße an den Augen ur:d Gesichtsfatten recht scharf hqrvortretien. 7. Du sollst stets eine recht böse Miene zur Schau tragen, zu Hause stets Mechter Samte sein und alles benörgeln. Schimpfe beharrlich. Das miacht eitlen liebenswürdigen Zug um den Mund. 8. Du sollst möglichst tlttregelMßig lebet:, zu jeder Tageszeit essen, vornehmlich Kuchet: und fette Speisen, auf daß dein Aussehen, deine Gesundheit und deine Laune möglichst untergraben werden. Vermeide es auch nicht, gelegentlich einen Tropfen starken Alkohols, sei er auch noch so finsterer Herkunft, zu dir zu nehmen; das wlird dich twch schneller herunterbringen. 9. Du sollst dein Haar bleichen oder wenigstens mit nwglichst alkalihaltiger Seife waschen, damit es staubig bleibt. Besonders reizvoll ist gebleichtes Haar, das am Ansatz dunkel geblieben ist. Versuche das Haar sofort nach dem Bleichen zu brennen, damit es schön versengt wird vM den: heißen Eisen, und lege es in schöne, regelmäßige Wellen; denn künstlich hergerichtete Köpfe erfreuen sich großer Beliebtheit. 10. Du sollst dich stets recht unsorgfältig und geschmacklos kleiden — das wird deiner oht:ehin schon reizvollen Persönlichkeit heu letzten Schliff verleihen. k M IM Problem: ein teueres Telegramm «brr ein OIKiget ausftlQrlfdüer LultpoltbrleN Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3„70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftposthvies, der ini einigen Stundet: nach Aufgabe in Wien den: polnischen Adressaten zugestellt wird, uur —.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern; am AbflngstWe bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim

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