Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2950 (15.5.1927)
- Date
- 1927-05-15
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Wien, Senntag Wiener MorgenzeiLrmg 15. Mai I9S7 Ne. 2050 Sie Szmnflieger verlorengegeden. Alle Rachsorschangen ergebnlslor Newyork, 14. Mai. Die Nachforschungen nach dem vermißten Flugzeug Nungefsers sind ergebnislos geblieben. Ter Zeppclinkreuzer „Los Angeles" hat nach vicrzchnstündiger Kreuzfahrt wegen des herrschenden Nebels seine Suche abbrechen müssen, ist aber heute nachmittag neuerlich ausgestiegen, um seine Erkundungen sortzusetzcn. Bon der: Torpedoschiffen ist keinerlei Meldung cingelangt. Ter mnerikanischc Millionär Orteig hat einen Preis von 5000 Dollar für die .Auffindung der vermißten Flieger ausgesetzt. Präsident Coolidge hat heute an den französischen Staatspräsidenten Toumergue ein Telegramm gerichtet, in dem er diesem seine herzlichen Sympathien für die französischen Ozeanflieger ausdrückt und der französischen Regierung sowie der Nation seine tiefe Teilnahme für das Schicksal Nungefsers und Colis ausspricht. Ae Franzosen getrn die Hoffnung aal. Paris, 14. Mai. Das Ausbleiben jeglicher Nachricht über das Schicksal der vermißten Transozeanflieger bringt cs mit sich, daß die Oeffentlichkeit und die Blätter die letzte Hoffnung allmählich aufgeben, die beiden Flieger könnten noch am Leben sein. Man erinnert daran, daß die Flieger nur für drei, höchstens vier Tage Lebensmittel an Bord hatten mü» daß sie, selbst tvenn ihnen irgendwo auf dem Ozean oder ans dem unbowohnten Festland Neufundlands eine Landung geglückt wäre, wohl schon Hungers gestorben wären. BerWedung des amerikanischen Fluges. Newyork, 14. Mai. Die Amerikaflieger Chamberlain und Bertaud mußten ihren Atlantikflng in letzter Minute auffchieben, weil über dem östlichen Ozean heftige Stürme und Gewitter gemeldet wurden. Chamcrlbain führt auf seinem Flugzeug einen Radioapparat mit dem Signal „W. B. I." mit, mit dem er während des ganzen Fluges automatisch in jeder Minute Funkzeichen abgeben wird, so daß dauernd Meldungein von ihm vorliegen werden und die Schiffe des Ozecms das Flugzeug anpeilen können. v Wien, 15. Mal. Das Wetter. Der kühle WettercharaKer hat auch gestern noch angehalten. In der Früh gab es leichten Hagelschlag, dann begann es zu regnen. Nachmittags trat teilweise tzluSheiternng ein. Die Voraussage lautet: Besseres, wahrscheinlich wechselnd wolkiges Wetter, etwas wärmer. .-Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachw-eiS", 'L Dez., Taborstratze 59. Bei der am 10. Mai b. I. abgehaltenen konstituierenden Sitzung wurden nachstehende .Herren ins Kuratorium gewählt: Präsident: Prokurist M. Weiner; Vizepräsident: .Hofrat Ing. Ludwig; Kassier: Direktor O. Pollak; Schriftführer: Ing.' Leo Steiner; ferner die Herren Leopold Sitzmann, Rabbiner Dr. M. Rosenmann, Erwin -Kobn, Redakteur N. Ehrlich, Moritz Apte, Fritz Zausmer, Kommerzialrat Karl Klemperer, Julius Hahn, Direktor Joses Pisek, Ejmard Stern, Oskar Rosner, Bruno Rabinovitz. Eröffnung der städtischen Somme rbäher. Donnerstag, den 19. Mai, werden die städtischen Som- Merbäder einschließlich des Strandbades „Günsehäufel" erlöffnet. M^nckteur Theodor Groß gestorben. Gestern abends ist der 49jährige Redakteur des „Abend" Theodor Groß nach langem schweren Leiden gestorben. Er war seit Gründung dieses Blattes Gericktssaal'üerichterstatter desselben und auch sonst auf literarischem Gebiet mit Erfolg tätig. Toppelsekbstmord. ' Gestern vormittags hat der städtische Arbeiter Robett Dl an er gemeinsam mit seinem Freunde, dem ^jährigen Hilfsarbeiter Alois Schmidt. Selbstmord mit Leuchtgas verübt. In einem Aöschiedsbrlef erklärt Planer, daß er die Tat wegen fortgesetzten Zwistes mit seiner Gattin begehe. Was den Freund zu der Tat veranlaßt hat, ist bisher nicht sestgestellt. Kindesmord auf dem Semirvering. In einem Hauskanal der Pension Waltner auf dem Semmering wurde gestern die stark verweste Leiche eines neugLeborenen Kindes gesunden. Der Verdacht, das neugeborene Kind getötet zu haben, richtete sich gegen ein Paar, das am 18. und 14. Februar in der Pension gewohnt hat. Die beiden Verdächtigen wurden in dem 20iäbrigen Ladenmädchen Franziska C h o u r a und dem 21jährtgen Fleischhauerqeyilsen Josef Zednik ausgeforscht und verhaftet. Beide haben die Tat gestanden und wurden dem t'crndeSgericht eingeliefett. Verhaftung des Postsparch,ssenbnchfälschers. Wie berichtet, hat vor einiger Zeit ein Betrüger vej verschiedenen Wiener Postämtern sich Einlagebücher mit kleinen Beträgen ausstellen lassen und dann nach Fälschung bese ingetragenen auf einen weit höheren Betrag, bei verschiedenen Postanstalten Wiens und der Provinz AVlki:bunaen vorgenommen. Nun wurde der Täter in Wels verhaftet, als er wieder auf ein solches gefälschtes Buch 100 Schilling abyeben wollte. Der Verhaftete heißt anaeblich Max Lelnwander und stammt aus Wien. Seine l.Jdentität konnte bisher noch nicht endgültig festgesteltt werden. - ■ - Herrliche und billige ERHOLUiMQSREISEN zur See mit den Dampfern des LLOYD TRIESTINO ab Triest:, Jeden Sonntagr, 16 vkr: Mit der Lerante.Eillinie nach Griechenland, Kenstantlnope! Joden a. Mittwooh., 18Uhr: Mit der Aeg. Schwanen Meer-Llnle nach Griechenland, Kenstantlnopel und Schwane Meer-Häfen. Jeden Donnerstag, I Uhr; Mit dem Lloyd-Expreß nach Venedig—Plr&aa —Konstantinopel. jeden Donnerstag, 18 Uhr: Mil der surlschen Unle nach Orlechentand—Aeguplen—Paiflslinn—Dhodus-Cupern. üoberdlei Expreßand PostdampforTorkehr nach Aegypten, Indien, China, Japan. Auskünfte; Passapebureau Lloyd Triestino,Wien, I., KSrntnerring 6. — Telephon 56-0-53. E Bei Bervammgsschwäche, Mutarmut, Abmagerung, Bleichsucht, Drüsenerkranliungeu, Hautausschlägen, Furunkeln regelt das natürliche „Fwn^-Joijef"-Blttevwasser vortrefflich die so wichtige Darmtäkigle'lt. Hervorragende Männer der Heilkunde haben sich überzeugt, daß selbst die zartesten Kinder das Franz- Josef-Masser gut vertragen. E Weihundertsechslausenp Briese ivurden bisher durch die Polnische Luftverkshrs-A.-G., Wien, 1. Bez., Tegetthoffstraße 7 (Telephon 71-0-84) befördert und einige Stunden nach der Ausgabe dem Adressaten ^gestellt. Ein Expretzbrief nach Polen kostet S. 1.1V. Ein Luftpostbrief nur S. 0.60. E Wie alljährlich, beabsichtigt die Ferienkolonie Böslau auch dieses Jahr in ihrem Ferienheime 3 Echolungsturnusse für schulpflichtige Kinder (beginnend am 14. Juni, endend am 14. September d. I.) einzurichten. Es wird angezeigt sein, für Reservierung des Platzes rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Anfragen sind an das Sekretariat des Vereines, Wien, 6. Bez., Gnmpendorferstraße 9ß, Telephon 70-54 zu richten. E Dauernde Arbeitsfähigkeit sichern Sie sich durch Vorbeugung gegen Mtersevscheinungen. Ein ärztlich erprobtes Mittel dazu ist Ra dioft le rin, welches die Blutzirkuiat'.on in den Schlag- und Pulsadern fördert, das Blut verdünnt, die Adern elastisch macht, KalLablagerungen vorbeugt, beziehungsweise die geistige und körperliche Arbeitsfähigkeit dadurch auffrischt und erhält. Die frei verkäuflichen, radiumhaltigen RadiofllerintaLletten sind auch als Linderungsmittel bewährt und erprobt. Der Radiumgehalt wird amtlich geprüft. Haupldepot: Apotheke Bayer, Wien, 1. Bez., Wollzeile 18. Das größte elektrisch« Kraftwerk Europas. Gestern vormittagwurde in Berlin das grötzto elektrische Krastrverk EurovaS eröffnet, danach seinem Erbauer ..Großkraftwerk Klingen'berg" genannt wurde. DaS Kraftwerk verfügt über drei Turbinen, die die größten Europas sind und von denen jede imstande ist, bei voller Belastung 80.000 Kilowatt Strom, also insgesamt über eine viertel Million Kilowatt, zu erzeugen. Die Dankosten beliefen sich auf rund 60 Millionen Mark. Pola Regri heiratet einen Prinzen. In Barifand gestern die Hochzeit der Fikmsckmufpielerin Pola Negrk mit dem georgischen Prinzen SergiuS M e d i v a n i statt. Pola Negri kehrt, wie sie nach der Trauung den Pressevertretern erklärte, in den nächsten Tagen nach Amerika zurück, wo sie verschiedene JilmengagementS hat. Ein Universitäts-instttut für Zeitungstzprsen. In Heidelberg wurde das Institut für ZeitunaSwese an der Universität Heidelberg feierlich eröffnet. Untk den Ansprachen Wb eS auch eine des amerikanlschen Bo! Masters Shurm an. der die Hoffnung aussprach, da die deutschen Journalisten in möglichst großer Zahl na, Amerika kommen werden, um die dortigen Verhältnisse z studieren. Das Institut hat vorläufig einen einzigen Lek rer, Professor Dr. Eckhardt. E ,Osten und die Wiener — Krupnik und die Wienerin!" Zwei Begriffe, d'.e jedem ans Herz gervachien sind. Den Steffel, den Kahlen'berg, Schönbrunn und andere Wahrzeichen seiner Stadt liebt der Wiener. Die Wienerin fügt noch ein besonderes hinzu, daß sie nie missen möchte: dos Wahrzeichen der Mode, vaS Moden-Palais Julius KrupnU, 7. Bez., Kaiserstvaße 111, US, US. E ilebergangsrökke-Reftbeftände-Berkaus bei Malowan, Opernring 23. Infolge der Weit vorgeschrittenen Frühjahrs- Saison, hat sich vorheraenannte Firma entschlossen, vom 1b. bis 16. d. M. die Restlbestände der bisher verlausten Uebergangsröcke, die in den herrlichsten Farben, neuesten Dessins, modernsten Schnitten, durchwegs auf Seide gearbeitet in den meisten Größen noch lagernd sind, statt um S. 160.— um S. 105.— abzugehen. Nach Möglichkeit wird ersucht, den Einkauf vormittag vorzunehmen. Gleichzeitig geben lvir bekannt, daß ab 10. d. M. bis 4. Juni Covercoat-Röcke in den herrlichsten Farbe», durchwegs auf Seide gearbeitet, zum Preis von S. 105.— zum Verkauf gelangen. Aste unser Herrgott fertig war, am letzten Schöpfungstag, Da setzt er nieder sich und sagtr „Mein Gott, war bas a Plas Jetzt hab' ich afles fertig bracht, es fehlt nur Eisig mehr; Doch den macht ja der Huber so, wie wenn von mir er wär'." Üeberall erhältlich. 1 Magen« und Darmtelden werden durch eme ein-. fache Venecin-Trinkkur erfolgreich bekämpft. JB» ***** “ Bühne und Kunst. Kukuli. Gastspiel Charlotte Ander an der Renoissancebüh»!'. Charlotte Ander kommt sanft branngebakert mit schivarzem Negerkrauskopf geradewegs aus Tamoha in Ozeanien, springt mit strmnpflosen sehnigschmalen Beinen mitten in eine französsisch« Provinzgesellschaft ihrer Tante (Lotte E r o l), die über ihre zwei Männer machtvoll herrscht, sagt mst halbwilder Nonchalance allerhand Anstößigkeiten und bereichert den Wortschatz der Erotik um das Wort „paron-paron", das alle Aussicht hat, Flügel zu bekontmen (etwa statt wie bisher „Fräulein, gehen wir vorher in ein Kaffeehausdeutlicher: „Fräulein, geben wir nachher paron-parou?"). Besagtes zwanzig Jahre ältcs Ozeaniermädel also, wo statt Marie Claire von Germoise lieber 5kukuli heißt, bringt in die Zivilisation, in die sie hjneingeraten ist, ein Stück Natur, einschließlich von Krastwvtten, die das Wort Dreck noch potenzieren, stiftet allevhand sLiebeswirrwarr und etliche Chen (auch ihre eigene), &o# ihre Cousine nieder, tanzt einen (mehr spreehaften als ozeanischen) Liebestanz und erzählt nebenher csinc wirklich schöne Orchideenliebesgeschichte. W das und noch viel mehr tut Charlotte Ander mit so vieü liebenswürdiges Anmut und graziöser Frechheit, daß nkan alle abgebrauchten Lustspielsituationen, die da zur Verwendung kommen, erst viel spater feststellen kaum Dabei ist das Spiel der Ander stets delikat, nichts wird unterstrichen, nichts bezwinkett, alles hat eine ffeine, nwndäne Linie (die die Künstlerin ihrer reizvollen Schauspielerei, sehr zu deren Votteil, in der letzten Zeit eingefügt hat). Das Europa, in das Kukuli in der Renaissancebühne hineinplatzt, ist sehr provisnziell. Doch es kommt wahrhaftig nicht auf die Staffage und Statisterie an. Diese Kukuli, die stürmisch bejubelt wurde, ist an sich sehens- und hörenswert. Und die Renaissancebühne hat einen „Garten Eden", ProvenieD Südfjee. .Musik im Mai." Raimundtheater. Es gibt ivieder eine Hausse in Stubentenstücken. Wo sich Filmsenttnrentalität nnd Alt-Heidelbergffche Nachtlokalpoesie findeir, entsteht ein „Spiel nEt Musik". Die Autoren Heinz Merley itnb Kurt Breuer packen alte BurschtzNherrlichkeit und Singsang wieder ans: Ein blühender Garten ftn Wiener Vormärz, den: die Eismänner des Mai nichts anhaben können. EiU russischer Fürst hat sein Herz, diesmal in St. Beit, verloren, was des Feinsliebchens Vetter zu einer Studenbenrevoltc im tiefen Keller nach dein Kantus „Bier her" veranlaßt. Der Russe muß schließlich zum Städtle hinaus, zurück nach Petersburg und ei» heimlich seufzender Junggeselle, den Tauten Hahn mit elegischem Verzicht großartig gibt — übrigens die beste Figur des Singspiels — wird endlich lachender Dritter. Dje Musik des Herrn Emil Berte wandelt das ganze Studentenpotpourri ab, was nran schließlich immer wieder gerne hört. Sonst gibt es cinch noch einige ganz nette Liedetn im „bodenständigen" Kolorit. Glawalsch, Egger, die für Humor sorgte», Herrn FleMmings angenehmer Tenor und Monturzauber, Fritz Neumann als Student, Magda Garden als pfauchende Verführerin und das bewährte Ensemble machten sich um die Aufführung sehr verdient. Die Herzallerliebste in wienerischer Ausgabe Mlrdc von Anny C o t y dargestellt. Sie ist hübsch, singt brav und macht alles schon sehr nett. Sie wird es mit der Zeit noch besser machen, Die Ueberraschung des Abends war wieder einmal Herr Tanten Hayn, der diesnml den Komiker zu Hanse lassen mußte und eine glänzende Charakterfigur schuf. Die kleine Fischer holle sich einen Separatapplaus. Es gab viel Beifall und es herrschte eftel Freude. Also, Gaudeamus igitur! Ali. Konzert Btla Bariük. Im Anfang war der Rhythnius! Das spürt man so recht, wenn man einen Abend lang Bela Bartok, den beredtesten An- Nmlt in eigener Sache, am Klavier belauscht. Er spielt so wie ev komponiert, virtuos und doch anspruchslos, ruhig und eruptiv zugleich In seiner Kunst mischen sich die Eleinentv einer zeitgemäßen Kultur mit schlichtem Volkstum. Nicht mit den: sentimentalen Schlager, sondern mit dem unverfälschten ungarischen Bauerntum, dessen Tänze und Weisen er auf die kürzeste Formel bringt; ganz auf Ausdruck stellt, in einfachster Harmmiik, ja in harteir Sekunden und Quinten begattet. Bartok ist heute nicht nur der bedeutendste Tondichter Ungarns, desfeil Volkskunst er erst entdeckt und auch als Folklorist wissenschaftlich gesammelt hat, er ist auch einer der Führer der Musikmodernq, dev — im Gegensatz zu Schönberg und Stratvinsky — in Men noch immer nicht Fuß gefaßt hat. Vor Jahren bekam ma» hiev sein Ballett „Der holzgeschnitzte Prinz" bei den Hellerauern zu sehen, sein „Wunderbarer Mandarin", der kürzlich mit Leoutjety in der Titelrolle in Prag einen Senfationserfolg hatte, harrt hiev noch imnler der Aufführung. > Sein Wiener Kompositionskonzert brachte zmn Teil ältere Klavierpiecen, die in ihrer Ueberkürze aphoristisch gehalten {frth. Es sind Skizzen, die Romantisches mit Nachimpressionistischß« r-erbinden, in der Klanghärte mitunter ungeschlacht anmuten, aber iit ihrer natürlichen Einfachheit, in deni gefühlSmäßigM Subjektivismus ihrer geistigen Idee, im Freisein von Selkjatioilelleu und Aertstettichen ihresgleichert