Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-05-15 · Heft 2950 (15.5.1927) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2950 (15.5.1927)
Date
1927-05-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982038--30046-3018231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 29u Wim, Sonntag Wiener Morgenzettung 16. Mai 1927 Seite 5 ä* M°or> «1\ SthukN HANS EUMWW. Fakultät der Universität erläutern, er bekam aber auf sein Angebot strikte Absagen. Dr. Wojnowski behauptet, selbst Leiden wie Krebs, Epilepsie u. a. heilen M können. Seine Ausführungcn blieben nicht ohne Eindruck auf die Richter. Das Gericht beschloß, die Angelegenheit zu vertagen und weitere Erhebungen anzustellen. Re Pythonprinreffi«. Aus der Wvlt der amerikanischen Müßiggänger. Eine der reichsten und abenteuerlichsten Frauen der Welt, die amerilkanische Prinzessin Aimec-Crocker-WHe-Gillig-Gouvand-Miskinow-Gallitzin, in der moitdänen Gesellschaft Amerikas und Europas unter dem Namen „Die Pythonprinzeffin" bekannt, läßt sich von ihrem Gatten, dem 26jähriqeii Prinzen Gallihin scheiden. Das Leben dieser SOMrigen Frau, die nun ihre fünfte Ehe auslöst, war bunt und unwahrscheinlich wie ein Kinodrama in vierzehn Akten. Armee Crocker ist die Tochter eines jener kalifornischen Pioniere von 1649, die es zu Millionen gebracht haben, und hat von ihrem Vater das unruhige Blut und den unwiderstehlichen Trieb zum Umherschiweifen geerbt. Schon mit siebzehn Jahren ließ sie sich von ihrem ersten Gatten, M. W. Ashe, einem sehr respektablen Geschäftsmann, scheiden. Sie brach mit ihrer Familie, schmuggelte sich an Bord eines Missionaridampfers und gelangte so nach Tahiti, von dort auf irgendeine Weise noch Samoa und schließlich nach Bombay, wo sie in den Harem eines Maharadscha hinein- und schon nach wenigen Wochen wieder hinausgelangte. Dann zog sie fünfzehn Jahre lang dahinträumend durch Asien, heiratete einen Mann nach dem andern und tauchte schließlich als B u d d h i st i n in Amerika auf. Bald erzählte man überall: Ein berühmter alter Dogi, der in einer Höhle nahe dem Gipfel eines hohen Berges in Indien hauste, habe sich der Mühe unterzogen, für sie in seine Kristallkugel zu schauen und in ihr entdeckt, daß sie fünf Galten glücklich machen mürbe. In einem Interview, das sie einem Journalisten in ihrem luxuriösen tempelartigen Palais gewährte, den sie mit 25 Buddhas'und 25 Bulldoggen beiwohnt, erklärte sie: „Als Prinz Gallitzin als Fünfter mir seinen Antrag machte, erkannte ich, daß mein Geschick sich erfüllen sollte. Es erwies sich, daß der Prinz ein höchst angenehmer junger Mann ist, obschon seine Mutter und ich nicht sehr gut miteinander auslommen konnten. Der junge Roklameprinz zog also in den Palast der Prinzessin ein und ein tolles Leben begann. Armee war nicht nur in allen Fakirkünsten und Schlangentänzen erfahren, sie hatte sich nicht nur eine riesige Pythonschlange in ihren linken Arm tätowieren lassen, um seither dicpPythonPrrnzessin zu heißen, sie hatte sich auch mit allen Dingen umgeben, die seltsam und teuer waren. Ihr Schlafzimmer gleicht einem Götzentempel: etwa vierzig Buddhabilder in Lebensgröße umringen ihr Bett und starren mit funkelnden Edelsteinangen ins Leere. Elektrische Lampen in den Augenhöhlen lassen die Smaragde und die Rubine gespenstisch erglühen. Außerdem wimmelt es rings von Schlangen und Hunden, mit denen inan sich Verhalten muß. Das a,es machte den jungen Prinzen ebenso nervös wie seinen Vorgänger Miskinow, der eines Tages davongelaufen tvar und die Adoptivtochter seiner Gemahlin mitgenommen hatte. Er faßte sich eines schönen Morgens, nachdem er wieder unter den auf ihn herabglühenden Augen eine schlaflose Nacht verbracht hatte, ein Herz , und sagte: „Ich wünsche, du würdest diese verdammten Dinger ans dem Schlafzimmer werfen. Sie üben einen unheimlichen Zauber auf mich aus." — „Ich würde eher dich hinauswerfen", antwortete die Prinzessin liebenswürdig. Schließlich kam es zu einem Zank, und als sich dann auch noch seine Mutter hineinmischte, tvar das Unglück fertig, sie wies ihm „sanft" die Tür und reichte einen Scheidungsantrag ein. . Am meisten Aufsehen ab.er erregte eine Soiree, die Prinzessin Aimee in New No^k gab. Zu dieser Soiree lud sie die obersten Vierhundert ein; auf der Empsangseinladung hieß es: „Kommen Sie, um K o r a zu sehn." Wer war Kora? Niemand wußte es, alle kamen. Als jedoch Kora, innig an die Prinzessin geschmiegt, den Gästen vorgestellt wurde, fielen einige Damen in Ohnmacht, die andern ergriffen schleunigst die Flucht. Kora war eine riesige Pythonschlange * Renaissance der Samaritaner. AuS Jerusalem wird uns geschrieben: Unter der Samaritaner n, die in den letzten Jahren eineir sichtlichen Verfalle entgegengingen, machen sich seit einiger Zeit interessante Renaissancesymptome bemerkbar. Vernicht langer Zeit tuurjben in Palästina im ganzen 168 Samaritaner gezählt, ihre Zahl beträgt heute wieder 23b Seelen. Vor einem Jahre etwa waren in der von der zionistischen Organisation gegründeten Schule für dir Samaritaner im ganzen 22 Schüler eingeschrieben, iv. diesem Jahre sind es bereits 85 Kinder, welche dies. Schule besuchen. Jur Kreise der samaritanischen Jugent ist jetzt eine ernste Aktion im Zuge, eine junge Genera tiön famaritarlischer Landwirte heranzuziehen, die selbst ihren Boden bearbeiten soll. Zu diesem Zwecke unterhgndelu sie mit der zionistischen Organisatioi wegen Ankaufes von zunächst '160 Dunam Bodens behufs Gründung einer samarilanischen laudnnrtschastlichen Siedlung. Diese Verhandlungen dürften schon in der nächsten Zeit erfolgreich abgeschlossen werden. DIE MODE DES SO MM E R S ZEIGEN UNSERE FASZINIERENDEN SCHÖPFUNGEN DER NEUESTEN DERBY- UND STRAND¬ TOILETTEN. VORNEHMSTEN GESCHMACK, GLANZENDE ROUTINE U. WEISE; RÜCK- SICHTNAHME AUF DIE EIGENART DER WIENERIN KENNZEICHNEN: .USrSNRE MO¬ DELLE UND BILDEN TATSÄCHLICH DAS ENTZÜCKEN JEDES EINZELNER Ylli KAI S E R STR 111 ”115; GRÖ’SSreSSPEZ/AtHAUS OESJERREICHS Us Schwimm-Meeting der Hakoah. Fritzt Löwy stellt zwei neue Rekord« auf. — Liechtenstein schwimmt 100 Meter in 1.06,4. — Hakoah gewinnt Las Wasserballmatch. Das gestern im Dianabad abgehaltene Schlwimmfest der Hakoah ging bei guter Abwicklung vor a u S v e rkaufkem Haufe vor sich. Es wurden teilweise gute Leistungen geboten. So gelang eS der Hakoahnerin Fvitzi Löwy abermals, zwei neue österreichische Rekorde aufznstellen. Sie unterbot ihre bisherigen Bestleistungen im Freistil über 300 und 400 Meter. Vor Beginn der Veranstaltung hielt der VizepräsDent des Schwimmverbandes, Ing. Eichberg, eine Werberede für den olympischen Fonds. Der wiederyenesene Präsident der Hakoah, Dr. Körner, war gleichfalls erschienen und wurde herzlich begrüßt. Die Ergebnisse waren: 100-Mrtor-Bmstschwimmen für Mätzchen; 1. Leopold G. (Danubra), 1.44,3; 2. Rosenfeld (H<ckoah), 1^0; 3. Leup o l >d H. (Danubia). 200-Meter-Rückenschwimmen für Herren: 1. Nassau (Hakoa h), 2.56; 2. Sontfchek (Donau), disqualifiziert. 100-Meter-Brustschwimmen für Damen: 1. Hedy Bienenfeld (Hakoah), 1.36; 2. Puchberger (Danubia), 1.36,1; 3. Graf (Vienna). Harter Kampf. Der österreichische Rekord der Bienenfeüd stcht auf 1.34,6. 4 X 33^-Meter-Staffel, bel. für Nichtschwimmsportverbände: 1. Wiener Regattaverein, 1.27,5; 2. Eishockeyverband, 1.26,7; 3. LeichtathleMverband 1.30,8. 100-MeterBrustschurimmen für Knaben: 1. L u st i g (Austria), 1.37,6; 2. Stoll (1. W. A. S. K.), 1.36,1; 3. Oscharofs (Hakoah), 1.39,1. 400-Meter-Freistilschwimmen für Damen: 1. Fritz: Löwy (Hakoah), 6.36,4, österreichischer Rekord, alte Bestleistung Fritzis: 6.27,4 (Weltrekord: Ederle, Amerika, 5.53.2); 2. Fleischer (Danubia), 6.44^; Z. JA Kohn (Hakoah), Glänzendes Schwimmen der Löwy, die schon nach 300 Meter ihren Rekord über diese Strecke um eine Sekunde unterbietet. 6 X 33 Va -Meter-Freistilstaffel für Wasserballer: 1. 1. W.A.S.K., 2.54,4; 2. Austria 2.56; 3. Hakoah 3.0,0. Springen für Herren: 1. Staudinger hl. W. A. S. K.); 2. Billig (Hakoah); 3. Fiala (Austria). 200-Mctcr-Bruftsckflvimmrn für Herren: Schäfer im Alleingang, 2.55. 100-Meter-Freistilschwimmen für Herren: 1. Liechtenstein (Hakoah), 1.06,41; 2. Goldberger (Hakoah), 1.06,1; 3. Zenk, 1-09A 4 X 100-Meter-Frerstilstafsel für Junioren: 1. Vienna, 4.55,6; 2. 1. W. A. S. K.; 3. Hakoah. 3 X 100-Meter-Lagenstaffel für Jünglinge: 1. Austria, 4.24; 2. 1. W. A. S. K., 4.24,2; 3. Hakoah, 4M. Das Wafferballmatch gewann Hakoah gegen W. A. C. 4:2 (2:1). Aufregender Kampf. Bedienter Sieg. Tore für Hakoah: Flesch (2), GuH und Rosenblatt, für W. Ä. C. skorten Koll und Grünseld. Schiedsrichter Kubai mäßig. Bei de« weide« Berber«. Ein kulturgeschichtlicher Urania-Film. In der Wiener Urania wird gegenwärtig ein Film vorgeführt, der Aufschluß über einen kulturhistorisch hochinteressanten Berberstamm gibt. Im Gebiete von Algerien, südöstlich von der Eisenbahnstation Ba tna, wohnt im Gebirgsstock des Aures der Stamm der Sch a w i j a — oder A u r e s b e r b e r. Dieser Stamm ist anthropologisch schon dadurch interessant, daß seine Angehörigen im Gegensatz zu den übrigen nordafrikanischen Stämmen hellhäutig sind und eine verhältnismäßig große Zahl von blonden Individuen zu verzeichnen haben. Es scheint sich um eine noch aus weit vorgeschichtlicher Zeit stammende Mischraffe aus mediterranen, negroiden und lvahrscheinlich pelasgischen Elementen zu handeln. Diese Bewohner des Auresgebietes leben in.. Verhältnissen, welche geradezu an die Urzeit der Menschheit gemahnen. Die Flußläufe haben in den Gebirgsfelsen des erwähnten Gebietes canonartige Täler gegraben. Die Schawijaberber haben das Felsengebiet besiedelt, in welchem sie zum Teile noch als Höhlenbewohner hausen, und in primittvsten Formen der Bewässerung und Bodenkultur ziehen sie aus dem Talboden kärgliche Fruchtnahrung, halten Ziegen und Schafe, deren Wolle sie mit Spinn- und Webvorrichtungen verarbeiten, die an die primitivsten der ägyptischen vorgegeschichtlichen Zeit erinnern, verwenden urtümliche Holz- und Eisengeräte, formen ihre Töpfe ohne Drehscheibe mit dev bloßen Hand und haben eine Architektur, welche teils an di« mittelafrikanischen Holzbauten, teils an die Felsen - archit-ektur der ägyptischen Urzeit erinnern^ Der in der Urania borgeführte Film bringt aus dem Leben dieses Stammes, welcher nur vierzig Meilen von der einst in voller Pracht hingestreckten und heute zur Ruine gewordenen Römerstadt Tim gab zwischen Felsen> und Wüste ein von allen Mer Nordafrika hingebrausten Kulturen unberührtes, abgeschlossenes Dasein führt,, vorzüglich erfaßte Bilder, deren Lebendigkeit und packende Details ebensosehr das Wissen bereichern wie ästhetischen Genuß bereiten. Der Film, der von John H. H ae f e le x in Nawyork hergestellt ist und von Andreas N e i s ch e k mit einem kurzen instruktiven Vortrag begleitet wurde, fand lebhaftes Interesse und reichen Beifall des Publikums. 90278645259^137773658093 535323484823532323234823534801010001020102010201020223232348000000482353010153

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.