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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-15 · Heft 2950 (15.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2950 (15.5.1927)
Date
1927-05-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Men, Sonntag Wiener Morgenzeltmtg 15. Mal 1927 Br. 2980 oegsoeaesgoaooooeaoeaeeoeoeeeeee&aeeoat SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale: IX., Bezirk, Berggatse 19, Telephon 17-3-99 u. 10-9-34 Lieferant ffir Heilanstalten Abteilung für T^^-Flelsch unter Aufsicht des EhrvrOrdigen Rabbinats der Isr. Kultusgemefnde Wien 40 IX., Berggasse 15 XVII!., Währingerstraße 97 Tagesbericht. Feiertage in Palästina. Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. Die letzten Wochen waren reich an Feiertagen aller Art, und es ist erfreulich zu konstatieren, daß keinerleii Störungen der Ruhe vorgelommen sind. Pessach und O si e r n trafen ja diesmal auf einen Tag, und dazu kam das mohammedanische Nebi Musa-Fest, bei dem die Araber auf den am Wege nach Jericho gelegenen Berg Nebi Musa (Prophet Moses) zu wallfahrten pflegen. Der Tag wird als nationaler Feiertag erster Ordnung empfunden und mit fanatischer Begeisterung begangen. Am christlichen Charfreitag trafen die Gruppen ans den anderen Städten, vor allem aus dem stets durch religiösen Fanatismus ausgezeichneten Nablus, in Jerusalem ein. Die Züge führen Fahnen mit sich, besonders solche in der grünen Farbe des Propheten, Paukenschläge ertönen, fanatische Rufe werden laut, die etwa die Syrer hochleben lassen oder den Zionisten und Engländern das Gegenteil wünschen. Der erste Pessachtag, der zugleich Ostersonntag war, war auch der Hauptfesttag von Nebi Musa. Tausende, Jerusalemer und von auswärts eingetroffene Araber, versammelten sich auf dem Tempelplatz, um von dort aus gemeinsam den Wallfahrtszug anzutreten. Diese Feiertage verliefen in vorbillrlicher Ordnung. Das kann im ganzen auch vom Weltseiertag des Proletariats gesagt werden, dem 1. Mai, der in Palästina stets von der Arbeiterschaft gefeiert worden ist. Ueberall ruhte die Arbeit, die Histadruth veranstalt:!' große öffentliche, Kundgebungen, Feierlichkeiten aller Art fanden am Abend statt. Bor allem Tel Awiw stand ganz im Zeichen dieses Tages, und viele Tausends nahmen an der großen Massenversammlung teil, die am Nachmittag im Beth Am stattfand, wo Berl Kaznelson und Arlosoroff im Namen der beiden großen Arbeiterparteien'sprachen, Schalom Asch und Perez Hirschbein als Gäste begrüßt werden konnten, und wo auch Bialik, der sonst im allgemeinen der Arbeiterschaft fernsteht, zu scheu war. Demonstrationsumzüge waren von der Regierung verboten worden - und wirren auch von vornherein von den leitenden Stellen der Histadruth nicht beabsichtigt gewesen. Dennoch ließen es sich die extremen Gruppen, Kommunisten und linke Poale Zion, nicht nehmen, wenigstens in Tel Awiw doch zu demonstrieren und sich von der Polizei, ohne Anwendung der Waffe übrigens, auseinandertreiben zu lassen. Die Mehrzahl der Arbeiter sah sich dieses am 1. Mai übliche Schauspiel, wie jüdische Polizisten jüdische Kommunisten auseinandertrieben, ohne merkbare Anteilnahme an. In der ganzen Stadt fand man an den Häusern gestempelt: „Häbus la mopsim I" (Pfui die Kommunisten!), was sicherlich von Arbeitern herrührte. Die Mopsim aber werden sicher nicht verfehlt haben, ihre Moskauer Zentrale auf ihre Heldentaten aufmerksam zu machen. Die nunmehr ihrem Ende zuneigende Touristensaison hat Palästina eine Fülle interessanter und wichtiger Besucher. gebracht, deren Aufenthalt im Lande von den verschiedensten Geisichtspunkten aus für Palästina wichtig werden kann. Wie alljährlich, weilte auch, jetzt eine große Reihe führender Zionisten in Palästina. Unter den Nichtjuden . ist der Präsident der tschechoslowakischen Republik M a s a r y k zu nennen, der bei seinem Aufenthalt seinen Sympathien für die zionistische. Sache erneut warmen Ausdruck gegeben hat und der vom gesamten Jischuw mit großer Wärme ausgenommen wurde. Masaryk, der während seines ganzen Aufenthalts mit den führenden Kreisen des jüdischen Palästina in ständigem engen Kontakt war, hat einen großen Teil des jüdischen Siedlungswerkes' besichtigt. Er sah einige judäische Kolonien und Tel Awiw und besuchte im Emek vor allem Beth Alpha, wo er mehrere Stunden bei den tschechoslowakischen Chaluzim verbrachte. In Ratz a l a l fand ein von der Exekutive veranstalteter Abschied für ihn statt, wobei er seinem Glauben an das zionistische Werk Ausdruck gab. Wir nennen endlich als wichtigen Besucher Sir John Shakburh, den Leiter der Abteilung für den nahen Osten im Colonial Office, dessen Besuch neben vielen anderen Fragen wohl vor allem zwei Angelegenheiten galt, der Fortsetzung von Plumers Amtstätigkeit, was in positivem Sinne gelöst wurde, und dem Haifaer Hafenbau, wo Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Nunmehr hat im übrigen bereits die andere Saison eingesetzt, wo nämlich die Palästinenser nach Europa fahren. Louisiana unter Baffer. Neuerliche Lammbrüche des SRifflfltobi. NewyVrk, 14. M>j. Das Regemoetttr der letzt«» Tage hat ei» neuerliches Steigen der Fluten des Mississippi und des Missouri mjt sjch gebracht. Das Hochwasser des Mississippi hat berejts zu neuerlichen Damnibrüchen geführt. Be, Bayon des Glaises sind die Deiche vollständig geboren, so daß 25.000 Personen ohne Obdach sind. Ein weiterer Dammbruch ereignete sich bei Lconville. Da auch der Atschafslayaflnß die Dämm« zu durchbrechen droht, wodurch 160.000 Familien gefährdet werden, ist die Lage neuerlich verschärft. Der größte Teil des Staates Louisiana steht unter Wasser und bildet einen See von IM englischen Meilen Breite und 3M Meilen Lange- Die Bemühungen der unter der Leitung von Piomerofstizieven arbeitenden 10.000 Freiwilligen, die ®5'tnWe zu halben, haben sich als vergeblich herausgestellt. Die Sachverständigen erklären heute nach einer Meldung aus New Orleans, daß sie iwch immer an ihrem Optimismus, die Stadt vor der UeberschweMmtung bewahren zu können, festhatten, obwohl i« dem Deich von Contmwor bedeutende Undichtigkeiten eingetreten stich. Srdbebe» in Manila. Manila, 13. Mai. Ein starkes Erdbeben hat heute nachts die Stadt und die nördlichen Provinzen heimgesucht, dem tagsüber dann leichtere Erdstöße folgte«. In Manila entstand eine ungeheure Panik, Tausende von Menschen stürzten bei den Erdstößen auf die Straßen. Biele Häuser sind zerstört, doch liegen über den Schaden selbst noch keine abschließenden Meldungen vor. Sk» Fest der Mische» Kaltvsgemeinde Si»}. Feier des 50jährigen Bestandes des Linzer Tempels. Die Linzer jüdische Kultusgemeinde begeht Donnerstag, den 26. Mai d. I., die Feier des 60jährigen Bestandes des Linzer Tempels.' ^Es findet ein Festgottosdienst statt, welcher um halb 11 Uhr vormittags abgehalten wird, sowie ein Festbankett um 1 Uhr mittags im Bildersaalo des Kaufmännischen Vereinshauses in Linz. . AuS Anlaß des Tempeljubiläums hat die Linzer jüdische Kultusgemeinde eine Festschrift heransgegebien, die im Verlage der jüdischen Zeitschrift „Menorah" erschienen ist, und eine sehr bemerkenswerte-Studie des Linzer Rabbiners Dr. B. Kurrein über die Juden in Linz sowie eilten Aufsatz des Präsidenten! der Linzer Kultusgemeinde, Herrn Benedikt Schwelge r,. „Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel" enthalt. Die .vortrefflich ausgcstattete, reich illustrierte Festschrift ist sehr lesenswert und beispielgebend dafür, wie jüdische Gemeinden ihre historischen Festtage durch belehrende Schriften undj Publikationen jüdisch-historischer Abhandlungen über die Vergangenheit dieser.Genieinden würdig und zweckmäßig zu begehen haben. .' Me Streiidrohungen ver Krankenanstaltsveautteu. Bekanntlich sind die Verhandlungen über eine Atpzahl von Füri>.'.ingen der-Beamten der FondSkranken-- anstalten in den letzten Tagen insofern« in ein kritisches Stadium getreten, als eine vollständige Einigkeit nicht erzielt werden konnte. Eine Urabstimmung über das einznschlagende Verhalten ergab eine Mehrheit für die Anwendung scharfer g e werks cha f tliche r Mi ttcl; das heißt, cs wurde von den Beamtenorganisationen wegen Nichterfüllung ihrer Forderungen für Dienstag der Streik beginn in Aussicht gestellt. Der Minister für soziale Verwaltung Dr.' R e sch hat gestern den Ministerrat Dr. Foramitti beauftragt, im Beisein eines Vertreters des Finanzministeriums die Verhandlungen mit den Angestellten fort zusetzen. Diese Beratungen habengestern begonnen und werden Montag fortgesetzt. Me Werrrichische Tabakregie aus der Aus« stellun» „Men und die Wiener". In der Ausstellung „Wien und die Wiener" durfte die Oesterreichische Tabakregie nicht fehlen, denn der gerade in allen sirmlichen Genüssen als heikel bekannten Geschmackskultur des Wieners verdankt sie hauptsächlich ihre hohe Qualitatsstufe, der^ sich auch die vielen von Wien begeisterten Fremden gerne erfreuen. Fm Miitelramne des' von der Tabakregie belegten Ovals,' rechts vom Haupieingange (Hofseite), sind zjöer Arbeitstische und eine Maschine aufgestellt, bei denen Arbeiter der beiden Wiener Tabakfabriken ihre große Kunstfertt'gkeit in der Erzeugung der beliebtesten österreichischen Zigarren- und Zigarettenmarken vorführen. Links davon eine Ausstellung der zu dieser Erzeugung benötigten Tabake in Buschen und Balleu, rechls davon eine Wieners Tabaktrafik (kein Verkauf, Besichtigung frei), von kundiger Hand als Muster eines solchen Verschleißgeschästes mit feinem Geschmacke zweckmäßig, sauber und verführerisch eingerichtet. Rechts daneben ein Verkanfsstand der Oesterrcichischen Tabakregie, in dem die Zigarren und Zigaretten, so frisch wie sie von der Arbeitstafel und Maschine Weggehen, käuflich zu den normalen Tarifpreisen zu haben sind. Gegenüber die schöne Exposition der Entnikotinisierungsanstalt August Falk mit instruktiven Modellen und Schaustücken. Gelehrter oder Kurpfafcher? . Vor wenigen Tagen fand vor dem KreiSgerichte in Warschau ein aufsehenerregender Prozeß gegen einen der bekanntesten und populärsten polnischen Gelehrten, Dr. Oskar Wvjnowski, statt. Die Anklage beschuldigt ihn der unerlaubten Ausübung der ärztlichen Praxis. .Seit langer Zeit gilt der Forscher als eine Art Naturarzt und Wundertäter. An Gerichtsstelle behauptet Dr. Wojnowski,. niemals ärztliche Praxis ausgeübt zu haben. Seine Tätigkeit habe lediglich im Erteilen von Rat bestanden. Er gab zu, in Indien gewisse Geheimnisse von dortigen Heilkünstlern erlernt und auch dort sich Kenntnisse angeeignet zu haben, die der zünftigen europäischen Aerztewelt bisher nicht bekannt sind. Seine Spezialität Waren Kränterkuren. Diagnosen stellte er lediglich durch Auflegen der Hand an den Körper der Leidenden. Dr. Mojnowski behauptet, die meisten Krankheiten des Organismus nach dieser Methode erkennen zu können. In seinem Sprechzimmer war ein Plakat folgenden Inhalts angeheftet: „Ich Lin kein Arzt; wer medizinischer Behandlung bedarf, soll sich an einen approbierten Spezialisten wenden." Seit Jahren verkauft er Kräuter, wozu er einen Erlaubnisschein besitzt, und versteuert sein« Eiunahmen! aus diesem Handel mit 14.000 Zloty. ,; Die Verteidigung beantragte Einstellung deS Verfahrens. Dr. Wojnowski hat in Heidelberg als Dr. Phil, promvviert und sich besonders eine umfassende Kenntnis der KrLuterkun.de erworben. Vor dem Kriege erhielt er, wie an Gerichtsstelle hervorgchobe,« würde, von der deutschen Regierung 150.000 Mark in Preisen für drei Erfindungen. Diese Summen verwandte er für weitere Spezialstudien in Indien. Der Vorsitzende des Gerichtshofes legte ihm die Frage vor, iyarum er bei seinem Bildungsgrade sich nicht den ärztlichen Staätsprü fungett unterworfen habe. Der Angeklagte antwortete, daß er dann Methoden hätte erlernen und auwenden müssen, die für die Diagnose und die Therapie absolut unnötig seien. - Der Gelehrt« wollte sein System ärztlichen Verbände« und der medizinischen Schneider-Atelier Heilig & LL, l.v Kärnfnersiraße Nr. 9 Telephon 78-1-86 Telephon 78-1-86 Enallsthes Hbonnementsystem. A monatlich S 50— 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Modehose 1 Frühjahrs-Roek 1 Herbst-Rock B monatlich 8 60*— 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-Anzug 1 Frühjahrs-Rock 1 Winter-Paletot 1 Modehose 0 monatlich 8 80*— 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Smoking-Anzug 1 Sport-Anzug 2 Hosen 1 Winter-Paletot 1 Modehose 1 Überrock Garantiert haste anal. Stoffe und erstklassige Näharbeit. Kleider bleiben Eigentum des Abonnenten. Abonnementsdauer 2 Jahre. Bügeln» Reparaturen kostenlos inklusive Abholung und Zustellung. wiiifrrrnir m

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