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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-14 · Heft 2949 (14.5.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2949 (14.5.1927)
Date
1927-05-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seik l. Wi<m, Samstag Wiener Morgeirzeltrmg 14. Mai 1987 Nr. 8949 Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright »W by B. Ldvit Vortag, Wien - Leiprtg (82. Fortsetzung.) FÜR ALLE „Schr grrt! (Smmc§V' nickten beifällig bic Eltern, Suitb Heinrich quittierte mit einem so sicheren Blick, als hatte er bereits Gustavs Zölibat für Lebenszeit — schriftlich Und versiegelt — in der Tasche. — Und mm sprach er mcc noch so — obenhin, sorglos leicht: „Darum mein' ich das ganze is a Dummheit. — Folg' mir, Gusti, und lass' sie. Lass' sie auf der Stell'! — Tu's mir!zn Lieb', mir, deinem ältesten Bruder! — Ich mein's gut mit dir, Gusti! Versprich es mir, ja?!" — — Er streckte Gnstcw seine rechte Hmrd hin. Er streckte Gustav seine rechte Hand hin. — Die anderen standen still, hielten fast den Atem zurück, und blickten erwartungsvoll.-„Nein, Heinrich!" sagte Gustav. „Das kann ich nicht."- Selbst der zahmste Mensch fühlt beim Widerspruch eines anderen ein gewisses Unbehagen. — Wenn aber ein Kreis Gleichgesinnter an dem Willen eines Einzelnen wie an einem Granitfelfcn scheitert, dann wächst das Unbehagen Kur Empönmg; denn in der Masse entzündet einer den arckeren, und diese entflammte Gedankenlosigkeit gilt oft flir heiliges Ferner und Recht. — ■— i.Mas?" schrie Frau Sali, und ihre sonst so gütigen Züge waren wie verzerrt. „Was? Gegen den Willen von uns alle willst du Vorgehen?! — Versucht sollst du sein, du schlechtes Kind!" und mit einer Plötzlichkeit — als wär's Verabredung — stürzten alte vier auf Gustav und schlugen und hieben auf ihn ein- — — Gustav begriff die Empörung nicht. Verblüfft idrud er eine Weile Unter dem Hagel der Hiebe — aber -bä.d te&tf' er sich, und haute nach allen Seiten. —< — „Di weh!" rief Herr Hermann und zog sich mit Uro?: Sali Zurück. „Er hat mich geschlagen! Verdorren soll deine Hand! Du hast sie gegen den Vater aufgehoben!"- — J&u hast cmgesiangen, Vater!" rief Gustav. „Und alle seid's Ihr gegen mich!" — Die Empörung gab ihm -.rngenwhnte Kräfte uttb er hieb — ein neuer Simson — aus den -Nest der Philister, seine beiden Bricher mit solckpr Wucht, daß diese rcfch gegen die Türe des Nebe-rrauntes, des Kabinettes retirierten, vorher aber noch einander etwas, zuflüsterten. »Es schhnr Gustav, als wollten sie in das Kabinett flüchten. — — Er drängte ihnen nach, aber kaum stand er unter dem Türpfosten des Kabinetts, als Heinrich urd Robert sich rasch in das Zimmer znrückwendeten, Gustav einen Stoß gaben, so daß er durch die geöffnete Tür ins Kabinett stürzte und rasch schlugen sie die Türe hinter ihm zn urÄ versperrten sie. — Er war ein Gefangener. — — „Aufsperren!" schrie er, '„Hinauslassen!" und zerrte an der Klinke der Türe. — Niemand antwortete. — Da begann Gustav mit Fäusten und Beinen gegen die Türe Ku stoßen. — Er verletzte sich in diesem wilden Treiben an der Hand. — Er merkte es erst, als Blut floß und glaubte Nun, die Verletzung sei ihm draußen, im Kampf zugefügt worden; darum schrie er noch wütender als bisher: „Blutig geschlagen habt's Ihr mich! Blutig geschlagen! — Aber wart's nur! Ich komm' schon hinaus — und dann..." Wieder mnnte er gegen die Türe. — Vergeben?! Das Haus war solide gebaut. „Laßt's mich hinaus! Aufsperren! Ich sag' Euch's noch im Guten!" — Draußen im Speisezimmer blickte das Häuflein der Sieger ratlos einander an und schwieg. Die besten Neuerscheinungen der modernen Literatur stets vorrätig LOOS / Blondinen bevorzugt / S 10'80 JOSEPH ROTH / Juden auf Wanderschaft S 3 20 MARCELL PROUST / Im Schatten der jungen Mädchen / S 2160 JACK LONDON - Jerry / S 840 BRYAN / Edison / S 16 20 DOSTOJEWSKI / Beichte eines Jaden S 1080 DEKOBRA / Der Philosoph und die Dime S 7*50 ALFRED POLGAR / Orchester von oben S 1440 KISCH / Kriminalistisches Reisebach / S 3 20 Buchhandlung R. Löwit Wien, 1., Rotenturmstr. 22 * Da faßte Gustav den Schreibtisch, der im Kabinett stand und schob ihn zur Türe. „Was will er von mir?" dachte das alte Möbel und knarrte ängstlich. — Liber Gustav hatte jetzt für Sentiments nichts übrig, und fuhr mit dem alten Schreibtisch, wie mit einem Mauerbrecher gegen die Türe. — — Die Pfosten krachten, Holzsplitter flogen und Gustav rief: „Wollt's Ihr jetzt auffperren? Ich säg' Euch's noch im Guten? — Ich zünd' das Haus an, wenn Ihr mich nicht himrus'aßt's!" — — Da rief Herr Hermann: „Robert! Hol' einen Wachmann."— Robert gehorchte und ging; aber auf dem halben Wege, auf der Stiege begegnete er seiner Schwester, Frau Rest — — Es war kein Zufall. Frau Resi wohnte, seit sie ihr Geschäft verkauft, in der Nähe ihrer Eltern, und jetzt war sie von. Mizzi, dem alten treuen Dienstmädchen, geholt worden. — Als der Streit begonnen, hatte Mizzi in der Küche zunächst gehorcht. Es dann Gustav ins Kabinett gedrängt wuickre nnb> darin zu toben begann, lief Mizzi, rasch entschlossen, zu Frau Rest hinüber.- Frau Resi, die in dem ersehnten Privatleben ihren pröerschuß an Kraft dem Reinemachen ihrer Wohnung widmrtr — befand sich eben unter dem Klavier, unterhalb des Resonanzbodens und entfernte dort die Staubteilchen — — „Was is denn, Mizzi!" rief sie aus der dlunklen Höhle hinaus. — „Bitt' schön, gnä Frau! Kummen S' 'rüber- — Sie vafstn alle!" — „Mas? — SCuf!" rief Frau Rest — Sie hatte den harten Resonanzboden vergessen, Uäd war mit ihrem Kopfe daran gestoßen. „Was sagen Sie, 'Mizzi? Mas?" rief sie entsetzt und kroch langsam und vorsichtig aus dem Schacht'. — „Ja, gnä Frau!" wiederholte Mizzi. „Sie raffen! Kommen S' nur g'fchwiiid hinübw! — Der Herr Gusti brüllt wihr a Stier!- Aber bitt' schön, gnä Fvau, neht sagen, daß ih Jhner g'holt Hab', sunst Hab' ih ahn Verdruß!" — „Aber warum Mizzi?" sagte Frau Resi fassungslos. „Warum schreit er denn?" — „Weils'n eingspirrt Ham!" — „Schrecklich!" rief Frau Resi. — ' Ihrer Hand entglitt das Staubtuch. Sie lief rasch zu ihren Eltern hinüber. — — Da traf sie auf der Stiege des Elternhauses ihren Bruder Robert.-„Was is ■ ■ ■ ■ ■ » ■ ■ Jj Versicherungs-Abschlüsse bietet & 8 besonders günstige Bedingungen: | g Gemeinde Wien § g Städtische Versicherungsanstalt g ■ ■ 8 Direktion: 8 8 Wien, /., Tuchlauben 8, 8 S Tel. 67-5-40 . B ■ » 8 FILIALEN U. GESCHÄFTSSTELLEN IN AL- 8 g LEN GRÖSSEREN ORTEN DER REPUBLIK | dem: los, Robert, um Gottes willen?!" rief sie. „Wohin? gehst du?" — „Ich hol' einen Wachmann." — „Was«? Bist du verrückt geivorden?" — „Ich?" rief Robert unht dehnte das Wort. „I ch? — Gusti is verrückt geworben! Hör' zu, was er treibt! — Ich hol' einen Wachmann!" — „Einen Wachmann! Was fallt dir ein?" — „Der Vater hat mir geschasst. — Ich hol' einen Wachmann. Ich geh'!" wiederholte er mit solchem Gleichmut, als hätte ihn Herr Hermann um einen Wagen zu einer Lustfahrt in den Prater geschickt. — Mer Frau Resi war eine energische und auch eine besonnene Frau. „Du bleibst da!" rief sie. „Nichts. — Komm' nur zurück mit mir!" — „Der Vater hat min..." — „Ich wer' das schon machen! Komm' nur zurück!" — — Robert, ein lenksamer Mann, machte „Kehrt Euch"' — Und ging nrit Frau Resi in die Wohnung der Eltern zurück. — Frau Resi trat ins Speisezimmer Und schlug die Hände zusammen: „Um Gottes Willen! Was ist denn?!" — Stumm wiesen Vater, Mutter und Bruder Heinrich zur Türe des Kabinetts.-Es war ein unheimlicher Anblick. — Man sah weder Holzfäller noch Specht, aber die Splitter der Türe flogen nur so im Speisezimmer herum. (Fortsetzung folgt.) «XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX2 xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx» Gerichtssaal. Durch die Freundin ins Verderben gebracht. Die Abenteuer eines Rechtsanwaltes. Aus Oedenburg wird uns berichtet: Der: gewesene ■ 33jährige Rechtsanwalt Dr.Aladar Köpfte in, hatte sich -vor dem Ocdenburger Gerichtshöfe uMer der An- . klage des Betruges, der Dokumentenfälschung und der Veruntreuung zu verantworten. Dr. Kopstein hat dem ungarischen Gesandtschaftssekretär in Paris, Anton Ullein, 2000 Pengö heraus gelockt und ihm eitrige Kleidungsstücke unterschlagen, ferner hat er mst einem gefälschten Wechsel bei der hiesigen Filiale der Anglo-ungarischen Bank auf den Namen seines Landsmannes Stefan Hamar eine Summe von fünf Millionen Kronen behoben. Auch von dem hiesigen Juwelier Franz Schwerak nahm er auf einen gefälschten Wechsel, auf welchen er den Namen dcs> Kohlnhofer Einwohners Michael Brand fälschte, eine Summe von zwei Millionen Kronen auf. Zuletzt soll er dem hiesigen Kaufmann« Zoltan Petö um 231 Millionen betrogen haben. Kopstein führte bis zum Jahre 1924 eine gutgehende Advokaturskanzlei. Um diese Zeit lcrntc .er ein Wiener Mädchen namens Mizzi Juhn kennen, m!it .welchem er «ine Reise nach Venedig unternahm-. Später verlangte das Mädchen von ihm eine Summe von 10 Millionen Kronen. Da er kein Geld besaß, konnte er die Bitte nicht erfüllen. Mizzi Juhn drohte ihm darauf, das zwischen ihm und ihr bestehende Liebesverhältnis seiner Frau bekanntzugeben. Um einer solchen Unannehmlichkeit auszuweichen, beschloß Dr. Kopstein, nach Frankreich zu reisen und dort eine neue Existenz zu gründen. Er reiste nach Nizza und dann nach Paris. Unterwegs wurde er von einem Unbekannten all seines Hab und Gut beraubt. Mst kaum einigen Franken traf er in Paris ein, wo er dem ungarischen Gesandtschaftssekretär Uttein, den er von Oedenburg kannte, seine Lage schilderte- Er borgte sich von dem Sekretär unter falschen Vorspiegelungen 2000 Franken und einen Koffer mit Kleidern aus. Als er das Geld aufgebraucht hatte, verließ er Paris und kam unter großen Entbehrungen endlich nach Wien, wo er eine Verwandte aufsuchte und um Unterstützung bat. Die Verwandte wies das Verlangen ab. Als Dr- Kopstein darauf meinte, was nun aus ihm werden solle, erwiderte die Verwandte: „N im m e ine nRevolverund erschieß dich." Dr. Kopstein stellte.sich der Wiener Polizei, die ihn auf eigenes Ansuchen in Haft nahm und dann der ungarischen Strafbehörde auslieferte. Er wurde nur wegen | .Betruges schuldig erkannt und zu vier Monaten Gefängnis und Verlust sämtlicher bürgerlichen Rechte auf die Dauer von iftrei Jahren verurteilt. Von den übrigen Anklagen wmrde er freigesprochen. Seine Strafe wurde durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. Ter ehemalige Landesgerichtsrat Hamm von der Der» untreuung freigefprachen. Nach zweitägiger Verhandlung wurde der ehemalige Landesgerichtsrat Karl Hamm, der beschuldigt war, seinen Geschäftskompagnons Beträge von insgesamt 21.600 Schilling veruntreut zu haben, frei gesprochen, dagegen wegen Uebertretung der Verfälschung öffentlicher Urkunden zu 14 Tagen Arrest verurteilt, die durch die Untersuchungsyrft verbüßt sind. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Heute Samstag, -den 14. Mai, H9 Uhr abends, erster Konvent nach den Osterferien. Referat des Ab. Osias Kohlberg üf&cr: „Unsere nationale Frage." Anschließend Diskussion. Alle A. H. A. H. werden hierzu eingela-den. — Zionistische Organisation, Bezirkssektion Brigittenau. Montag, 8 -Uhr abends, im Sektionsheime, 20. Bez., Jägerstraße 30 (Mezzanin), wichtige Besprechung. Referenten: Dr. Israel Wald mann, Dr. Z. F. Finkelstein. — Jugendverein „Erez Israel", 2. Bez.. Z:vkusg-asse 33. Morgen um Uhr früh Tagesausflng. Tressipun-kt: Stadtbahn-Haltestelle Schweb enbrüäe. 2 Uhr nachmittags Holbtagsaussiug. Treffpunkt: Schwedenbrücke (Sraidtbahn). — „Akademische Sektion" des Verbandes der Zwnisten-Revisionisten. Montag, 8 Uhr. .m Cafe Metropal. Berggajse 33, Generalversammlung. — Zionistische Kulturgruppe, 20. Dez., Karl-Ateißl-Straße 5/1. Heute, %8 Uhr, abends, gemütt-.che Zusammenkunft. Sonntag. 0 Uhr früh, letzte Büchsen-leerung. Uhr: Ausflug nach Neuwaldegg. — Histadruth Noar HamäSruchl, Wien, 2. Bez., Praterstraße 43. Sonntag, den 1b. Ma., Zeritralwairderung. Treffpunkt: Stadtbahn- Haltestelle Schottenring um A8 Uhr früh. — Zionistische Jugendgruppe Leopoldstadt, 2. Bez., Zirdusgasse 33. Heute, 3 Uhr nachmittags, Sicha-h; 1A0 Uhr: Heebräisch für FortgeschrUtene Morgen, 7 Uhr früh, Ausflug der Kwuzoth Ales Beth und Ginwl. Treffpunkt: Stadtbahn-Haltestelle Schottenring. Die Kwu-zoch Achwa und Reuth treffen sich um X8 Uhr Franz-Josess^Bahn. — Volkshochschule Leopoldsladt (Bolksheim), 2. Bez., Z.rduSgasse 46. 7 Uhr im Festlaal: Englisch-sranzöstscher Dheateraben-d. Karten bis 1 Schilling. Jüdisches Zentnm, der Sozialen Hilfsgemeinschast Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstraße 35. Sonntag, den 15. d-, Yt\ Uhr mittags, findet im Nahmen des Hebräischen Jugendklubs e.n Ausflug zur Jägenviese unter Führung von Professor Gelvmter, Dr. Menazeach und Lehrer Herzberg statt. Treffpunkt: Schottentor, 38er-Wagen. Hebräisch sprechende Gäste herzlich willkommen! Vereine, deren Mitglieder über 21 J-ahre alt sind, werden ersucht, einen Vertreter zu einer w:chligen Aussprache zu entsenden. Ori und Zeit: Dienstag, den 17. Mai. um 8 Uhr abends .m Beeeinsheim der Hakoah, 1. Bezirk, Wipplingerstr-aße 24—26,

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