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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-13 · Heft 2948 (13.5.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2948 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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mmmmm W W Nr. SS48 Wien, Freitag Wiener Morgenzettung 13. Mal 1927 Sette 7 Osr Lolin des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright 1027 by R. Löwit Verlag, Wien - Leipzig Sein Mundwerk glich einer Schleußt, die nur einmal in der Woche geöffnet wird, rrnd so flutete,ein Strom vvtt Wichtigkeiten imd Nichtigkeiten jeden Sonntag Nachmittag Wer die beiden alten Leute. — Wer sie hörten gern ezü. — Dem Kater verlöschte während der Erzählimg die Pfeife; die Mutter legte den Strümps — es gM noch immer etwas zu stopfen — -aus der Hand Und von Zeit zu Zeit erhob sie sich ein wenig von ihrem Platze, streichelte ihrem beredten Jüngsten die Wangen Und sagte stolz: „Meine letzte Laune!" — Herr Hermann, der sich jeder Zärtlichkeit schämte, ging bloß mit der erloschenen Pfeife im Zimmer umher, blieb dann — wie zufällig — vw Gustav stehen und gab ihn: einen leichten: Schliag auf die Schulter. „E Gllssenjnug' is er! E großer Gassenjung'!" — Nur vier Uhr nachmittags brachte dann Mizzi den Kaffe nebst Topfcnbäckercien, „Delklerch" genannt; dann jausten die beiden alten Leute mit ihrem Jüngsten und —■ so ruhig und zufrieden war bisher 'jeder Sonntag vergangen. — — An diesem Sonntag Nachmittag gab's aber weder Topfenbäckereieu, noch freundliche Gesichter; nur Ernst und Finsternis. — Als Gustav ins Speisezimmer trat, erwider-. len die Eltern kann: seinen Gruß. — Gustav staunte darüber, Und noch mehr über die Anwesenheit seiner beiden älteren Brüder, die wie Nächegeifter, ernst und düster hinter den Ettern standen. — Der Vater ließ ihn nicht lange im Ungewissen — Er begann: „Ich Hab' Heinrich Und Robert herbestellt, weil wir mit dir zn reden haben!" — „Mas denn, Vater?" — „Gusti! Es sind jetzt vier Wochen her, daß du uns 'versprochen hast: du wirst die Mahd lassen! — Und du lgehst noch immer mit ihr! .. Red>' nix? Wir wissen alles. — Man hat dich gesehen mit ihr! Weißt du, was du bist? Du bist ." Gustav Unterbrach: „Vater! Ich wer' schon aufhören! Lass' mir noch Zeit! Ich wer' aufhöreu, nur jetzt, jetzt — kamt ich...!" — „Ein Luinp bist du! Ein Lügner!" rief Herr Hermann wütend. „Hast Uns versprochen und hältst es nicht?!" —> „Vater I Ich wer' mein Wort halten! — Ich wer' sie nicht »heiraten! Nur jetzt kann ich von ihr nicht fort! — Ich..!—> „Das is nitr e Ausred'! Du willst uns foppen!" — „So es es!" bestätigten Heinrich Und Robert. „Foppen.will er!" — — Jetzt begann Frau Sali: „Gusti! .Ich bitt dich: Lass' das Mädel! Hast du djenn das notwendig? Du kannst doch! Mädeln aUs die ersten Häuser haben! .— Brauchst du dich wegwiersen?! Lass' das Mäb>el. Sie ist dein Unglück Und. . sie schloß mit Pathos, „ich bitt' dich! drum mit a'ufgehobene Hand'!" — „Mutter! Erniedrig' dich nicht!" rief Robert. „Und du," wendete er sich zu Gustav, „sollst dich schämen! — DU siehst, lvie nah' cs den Eltern geht Und da kannst du sie nicht lassen? —< Die,Mähd>, die Verkäuferin?! Die is dir wichtiger, als deine Eltern!?!" — „Foppen! will -er Uns; nix anderes!" rief Herr Hermann wieder. ,^Was Heißt: Er tvitt sie nrx heivateu> Und kcmn von ihr nix lchsen?! — Daraus antwort' mir Gusti?!" Gustav stand wie leine Säule. Unbeweglich und stuinm. ~ Dies reizte FraiU Sali. Sid hielt sein Schweigeir für (32. Fortsetzung.) Die besten Neuerscheinungen der modernen Literatur stets vorrätig LOOS / Blondinen bevorzugt / S 1080 JOSEPH ROTH / Juden auf Wanderschaft S 3 20 MARCELL PROUST / Im Schatten der jungen Mädchen / S 2160 JACK LONDON / Jerry / S 8 40 BRYAN / Edison / S 16 20 DOSTOJEWSKI / Beichte eines Juden S 10*80 DEKOBRA / Der Philosoph und die Dirne S 7*50 ALFRED POLGAR / Orchester'^Von oben S 14*40 KISCH / Kriminalistisches Reisebuch / S 3*20 Buchhandlung R. Löwit Wien, I., Rotenturmstr. 22 Trotz. „En solcher Starrkopf!" rief sie, „is nur noch, nix vorgekonnnen! — So war er schon als Kind! Lchoches tun! Nix anderes!"-Herr Hermann beruhigte seine Frau: „L-.'/ss' Sali! — Ich iver' mit ihm vcken!" — Er wendete sich zu Gustav: „Gusti! Ich will wissen, warum du nicht aufhöreu kannst? — Wärmst? Kriegt sie ü Kind von dir?" — „Nein." — „Warum kannst du danU nicht? Warum!" — — Herr Hermann! Du bist ein alter Mann und es gebührt dir Ehrfurcht. — Warum erweist du sie nicht denn Geheimnis deines Sohnes? — Willst durchaus enthüllen, was er in großer Scham sich selbst verbirgt! — Es tut weh, betrogen sein!mrd noch mehr, vom Betrüger nicht lassen können! — —> Das — soll er dir bekennen? »Forsche nicht weiter. QiUäl' ihn nicht und yab' ein wenig Geduld! — — Aber die alten Leinte haben meist vergessen, wie's. einmal in ihrem eigenen Herzen gewesen ist! — Und manche haben's gar nicht vergessen! Sie haben's nie gefühlt. —i Ja, ja! Es ist so! — Es 'gibt ergraute Väter mnd Mütter, und sie lieben in glücklichen Wen; aber geliebt — haben sie nie; denn nrir dünkt, daß nirr der die wahre Liebe kennt, de reinnval darunter gelitten hat! — Wieder drängte der Alte: „Also Gusti! Warum kannst du jetzt nich von ihr lassen?" — Gustav blieb stumm, —i Da begann es in der Brust des alten Herrn gewaltig »zu garen. — Zunächst lenkte noch Heinrich, Gustavs ältester Brüder, das Gewitter ab; denn mm versuchte er, Gustav gefügig D machen: ,Lichts mich — mit ihm reden!" ries er den Eltern zu, und die Betonung dies mich nahm »bereits dvu Erfolg voraus, irnd der begleitende Mick enthielt ein so vernichtendes Urteil der bisherigen Taktik, daß die zwei alten LeUte wie beschämt in sich zusanrmenschlürsten. — Schein blicktmr sie zu ihrem Aeltesten und horchten vertrauensvoll seiner Ncberredungskunst. — Heinrich begann im gemütlichen PlaUdertone: „Ich wer' dir was sagen, Gusti: Du bist ein gescheiter Mensch!"> — Prmkt. — ' stlnd hernach machte er eine kleine Paüse, um diese Konstatierung tvirken zn lassen. ' „Wer," sprach er weiter, und ein Blickchen flog zu! beit Elterir hinüber, wie ein Trompetensignal: „Paßt's auf! Was jetzt konrmt!" — „Aber — wenn zwah sagen: „Ahnec is Wkker!" nrnß er sich legen gehen! —: Wir sagen Biere: Du bist im Unrecht! Und dn willst doch mit Geroalt deinen Kopf anffttzen?!" (Fortsetzung sÄgt.) lXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX» XXXXXX>OOXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX Bühne und Kunst. »Ser gute Kamerad ** Theater in der Josefstadt. Ausgeschlossen, daß urau der federnden Amnut, der graziösen Leichtigkeit dieses dreiaktigen Amüsements von; Tristan Bernard durch ein „Werturteil" gerecht wechien körrnte. Da kommt keiner nach. Eine angejahrte Lnstspielhandliung, gut bekannte Situationen, die sehr vertraute, viel geübte Technik der „Parallel-Szenen"; und djoch entzückend, und doch erfrischend, als sähe man solch französische Liebeskomödie zum erstenmale. Der Ton macht die Musik. Es ist eben Tristan Bernard, der diesen hauchdünnen Lnstspielstoff mit raschem:, unfehlbarem Wurf vor uns ausbreitet. Duftiges Arrangement, Farbenspiet und Be-- lichtung spiegeln seinen Geist. Also, Thierry ist Vertranenspecson des guten, einfältiger, stets verliebten, stets heiß vorbeiliebenden Thibauit und hat diesen bei der jeweils Angebeteten zu protegieren. „Sag' .ihr's doch, daß nrrr ihr allein mein Herz gehört-, du triffst das so gut." Ms solcher Liebesbotschast Thibauts tötvd aber stets eine Liebesnacht... Thierrys. Er mochte so gerne das Vertrauen rechtfertigen, der güte Kamerad. Aber jede fliegt auf ihn. Buchstäblich. Güstav Waldau spielt diesen Don Juan nnjbter Willen. Er dichtet mit. Keiner von den üblichen Fränen? bezwingern, weder Kraftkerl, noch Dandy, der das Ärseiral der Finten Und Finessen des Boudoirhelden beherrscht. Hingegen der liebenswürdigste,, kulivierte, gütigste, verständnisinnigste Mann. MenralS hat einer herrlicher durch Passivität , i ru,en zur Strecke gebracht. Das beglückte Opfer des ersten Aktes ist ihm in der Darstellung durch die von Aufgabe zu Aufgabe wachsende Frau Darvas kongenial an Kultur und Delikatesse des Dialogs, die des zweiten Aktes, dargestellt von einer neuen Dame, dein sehr willkommenen Fräulein Dordy, ist durch aügenehm'e Äußerlichkeit Und ein entzückend begehrliches, unbekümmert forderndes Wesen »unwiderstehlich für den Frauenliebling, selbst nach der eben überstandenen, sehr anstrengenden Nacht. Das Glück in Warans Antlitz, wenn sich nach seinen unsteilwilligen Eroberungen ^ergibt, daß er seiuenr Frennda Thiba'ut gar nicht toeh getan hat, ist der Helle Sonnenschein dieser Lustspiel-Aufführung. Und ein grundanständiger, grundehrlicher Mann führt Thierry ibtcm Freude schließlich die wahrhaft Geliebte zn, der güte Kamerad!. Sie wird von Helene Dhinrig gespielt, die diesmal fohl am Platz ist Und den Abend drückt. Den trolligen Thibaut gibt Hermann Thimig überaus drollig. Im kalten Feuer des oberflächlichen Einfaltspinsels wirbelt er über die Bühne, eine ergötzliche Karikatur, mit tiefer Menschenkenntnis ge--, zeichnet. Und -Moser spielt einen Kellner: Leporello, Kuppler, Dienerseele, Genießer der „unteren" Menschen-* kategorie, aber bei aller Dienstfertigkeit anfbegehrend gegen die faulenzende, genießende, noble Gesellschaft, wie auch diesem federleichten Unterhaltungsstück Tristan Bernards das gesellschaftskritische Rmsouement nicht fremd ist. Moser ist außerordentlich ünd Äisi m jtzsm dritten Akt, wo er des Guten züviel tut, zwerchfellerschütternd. Ein köstlicher Abend der Reinhardtbühne. Otto Adel es. Schallapins Honorar. Feod'or S ch a l j a p i n, der am,18. und 21. d. M. in der Wiener Oper singt, erhalt dem Vernehmen nach pro Auftreten 3000 Dollar, das sind 21.000 Schilling (210 Millione n). Zuerst wurden von seinem Vertreter 4000 Dollar pro Abend verlangt, ei-ne Forderung, auf die nicht eingegangen werden konnte. Das vollständig ausverkaufte Haus der Wiener Staatsoper wird bei den besonders erhöhten Preisen mit Zuschlag 67.000 Schilling (670 M i l- Honen) tragen, welche Niesen stimme für den ersten Abend des S ch a l j a p i n-G a st spiele s schon gesichert ist. Das höchste seit dem Weltkriege für das Gastspiel prr Abend an der Wiener Staatsaper bisher bezahlte Honorar betrug 1000 »Dollar (7000 Schilling oder 70 Millionen). Jüdischer Rezitationsabend. Jehuda Ehrenkranz im Kleinen Konzerthansfaal. Die Wiedergabe jüdischer Dichtungen, durch die viele: „Gelegenheiten" und den damit verbundenen Mißbrauct in Verruf gebracht, ist heute ebenso schwere wie undanL bare Aufgabe. Ein junges Mitglied der Wilnaer Truppe Jehuda E h r e n k r a n z, hat diese Ausgabe aus sich genom men und in so sympathisch ansprechender Weise, gelöst, das der Erfolg vor einem zahlreichen Publikum im Kleinei Konzerthaussaal, in dem der Schreiber dieser Zeilen mi> großer Freude viele junge Menschen sah, nicht ausbleibe: konnte. Jehuda Ehrenkranz liest, was für das jiddisch Idiom wichtig ist, nnpathetisch, mit geschickter, stets .gü schmackvoller stimmlicher und Gestenuntermalung, nid wird besonders tragischen Stimmungen gerecht, wobei er was ihm als Lob anzurechnen ist, die einfachsten Mittei verwendet. Bei der Wiedergabe humoristischer Szenen triff die ein wenig weibliche Art des jungen Rezitators zu stau in Erscheinung, was insbesondere satirische Stellen ei: wenig verniedlicht. Der größte Teil des Programms brachte Perez, LH heute den wirksamsten unter den jüdischen Dichtern, d-, seine Technik-der SkiM, ihr Ausbau und ihre Pointierunj noch immer unerreicht dasteht. Ehrenkranz brachte insbe sondere die Skizze „Schmaje, der Gibor" zu stärkster Wiv kung. Schalom A s ch' ,Mrncval in Rom" (leider aus de» Romansassung genommen, die an Stimmung der uv sprünglichen kleinen Novelle nachsteht) machte tiefen Ein» druck, ebenso A n - s k i s Gesangenenlied „Sluschaj". Dp Scholem->Alejchem-Parodie „Heiraten oder nicht heiraten?^ aus ^der Feder des bekannten Humoristen Der Tunke le r erweckte Sehnsucht nach dem Original („An Ejze" vor Scholem Alejchem). Der starke Beifall, der dem Borke sei nach jeder Geschichte dankte und am Schluß schier nich enden tvollte, zwang ihnr als Draufgabe die Nezitatior eines Reisengedichtes ab. S. S. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhx „Z u <c bene v jVrdt und erster Stvck". Akad e m i c thea t c r. Morgen, halb 8 Uhr „Liebe". Deutsches >Bolks theater. Samstag abends Sonntag nachmittags „Komödic des Glücks" mit Alexander Moissi. Sonntag abends „Der Garten Edewp Kamm erspiele. Leopoldine Konstantin spielt SamS tag, den 14. Mai, ausnähmsiveise um 10 Uhr nachts^ ir „Dnell der Liebe". Maria Orska verabschiedet, sich Samstag um halb 8 Uhr abends in „Amvurense**. Die Opernwoche. In der Staatsvper finden nälchste Woche folgende Aufführungen statt: Sonntag, den 15. Mai, neu einstudiert: „Samson und Delila"; Montag: „Turandnt" (mit Frau Jeriha): Dienstag: „Samson und D>«q lila": Mittwoch: „Boris Godunow" (mit Schaljapin); Donnerstag (Tkeatergemeindc Serie F): „Troubadour": Frei-' tag (Dbeatergemeinde Serie C): „Der fliegende Holländer"; Samstag: „Margarethe" (mit Schaljapin). Dtzeater an der Wien. Gestern feierte die O. Stmus'fche Operette „Die Königin" ihr 100. Jubiläum. Das Haus war voll besetzt, in bester Sttmmung und feierte durch, jubelnden Beifall und die üblichen Blumenspendelt nach dem! zweiten Akt seine Lieblinge, insbesondere Hubert Ma- 'rischka, der glänzend disponiert war. Auch die Librettisten und der Kapellureister Mußten sich auf der Bühne zeigen. Das Gastspiel des tschechischen Schauspieles im Carl- Dheater wurde verboten. Die gelüsten Karten werden heute und morgen' Samstag von 9 bis 1 Uhr und vvn 3 Vis 5 Ustr znrückgenom'men. Gnsemblegnstfpiel des Berliner LHeaters an» Kurfürsten» dämm im Apollo-Dtzeater. Am 1. Juni findet im Apollo- TVeater die Premiere der Operette „Uschi" von Leo Kästner und Alfred Möller, Musik vvn Jean Gilbert, unter persönlicher Leitung des Konrponisten, mit den Kräften des Db-eaters ttm Kursürstendamm statt. In den beide» Hauptrollen find Harald Pa ulsen smd.Renate Müller irri" ir— -.. n n r~ TirTTn iin iiTTir iir~rin itni ilT lf»llllTr'nillinuiMlinifllill’irilMriTli“lia*B**>*'*k’,l<,****"‘1'»***a'^-a^.

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