Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2948 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 294f, Stert, Fvettag Wiener Morgenzeitmrg is. M; iss? Gette 8 Sk Spfer des MWMpi. Sine fntmunte StdHRU. Newyork, 11. Mai. Infolge der Ueberschwemmungen im Mississippi-Tale und der letzten Stürme im mittleren Westen sind im ganzen 780 Personen getötet, 3500 verletzt und 365.000 Personen obda-chlöS geivorden. 14.000 QuadratmeilenLandes wurden überschwemmt. Hungersnot in der Herzegowina. Mehrere rote, viele Menschen liegen Im Sterben. Belgrad, 12. Mai. In großen Teilen der tzerzegowim ist infolge der landwirtschaftlichen Krise eine Hungersnot anSgebrochen. Im Dorfe Ruzice sind drei Bauern Hungers gestorben. Auch in vielen anderen Dörfern hat die Hungersnot einen solchen Umfang angenommen, daß viele Leute im Sterben liegen. Ein großer Dell der Bevölkerung hat nicht einmal die Mittel, um Mais zur Ernährung zu kaufen. Der Oberges'pan und der Kreistag haben von der Regierung dringend Hilfe erbaten, da sonst eine Katastrophe bevorstehe. verhinderter Anschlag gegen den Warschauer Schnellzug. Warschau, 12. Mai. (Tsch. P.-B.) In der Nähe der Eisenbahnstation Baranovicze wurde heute früh rechtzeitig ein Eisenbahnunglück verhütet. Unbekannte Täter hatten an einer Biegung der Strecke die Geleise gelockert und auf die Schienen Sprengstoffe gelegt. Der verbrecherische Anschlag wurde kurz vor der Durchfahrt des aus Warschau kommenden Schnellzuges verhindert. Jas Bild de» Mörders Im Auge des Svsers. «Eine phantastische Geschichte aus der kriminalistischen Praxis. Die polnischen Behörden hatten aus der Berliner internationalen Polizeiausstellung ein Bild zur Schau gestellt, bas allgemeines Auffehlen erregte. Es handelte sich um die Photographie eines Mörders, die sich aus der Netzhaut seines Opfers gespiegelt «blatte. In der Nacht vom' 17. zum 18. Juni V. I. wurde in der Kreisstadt Minsk-Mazowiecki ein entsetzliches Verbrechen verübt: die 28jahrige Adela Jankowska war durch 26 Stiche ernrordet worden. Ms Mordgerat diente ein Küchenmesser. das am Tatort gesunden wurde. Schon am inächsten Tage meldete sich bei der Warschauer Unt-orsuchnngspolizei eine Frau, die 30jährige Marianna Nowowiejfka, und erklärte, sie sei die Mörderin der Jan- Rowska. Sie Habe sic ermordet, weil sie die GeMebhe ihres Mannes gewesen sei. Zwölf Stunden nach Verübung des Mordes machte der Polizeiphotograph eine seltsame Entdeckung. Nach der 'Vergrößerung der Photographie des Gesichts' der Ermordeten stellte er fest, daß sich auf dem Auge der Toten die Silhouette einer Frau mit einem Messer in der Hand avzeichne. Anderthalb Stunden später wurde eine scharfe Aufnahme vom Auge dev Toten gemacht, doch wurde bei der Vergrößerung kein Spiegelbild mehr gefunden. Ein Warschauer bekannter Augenarzt fordert in Anknüpfung an diesen Tatbestand die Kriminalpolizei auf, bei der Photographjernng der Ermordeten fortan besonders scharfe Apparate zu verwenden, um die zufällige Entdeckung des Polizeiphotographen von Minsk-Mazowiecli, die mit Hilfe eines gewöhnlichen Apparats geschehen war, weiter auszubauen. Die ganze Sache wird in den Warschauer Gelehrtenkreisen sehr skeptisch aufgenommen. Ile Stadttatswahlen in Wilna- Warschau, 12. Mai. In Wilna ist ebenso wie in Warschau und den anderen größeren Städten Polens der Stadtrat von der Regierung aufgelöst worden. Für die demnächst stattfindenden Neuwahlen hat sich nun, wie Ihr Berichterstatter erfährt, ein Block der nationalen Minderheiten gebildet, in dem jedoch die Juden, welche allein in den Wahlkampf gehen, nicht enthalten sind. Zu dem Mock haben sich die Deutschen, Weißrussen und Russen zusammengeschlossen. Die Wahlaussichten der Inden werden dadurch nicht günstig beeinflußt, daß es in Wilna ungefähr 10.000 Personen, zumeist Juden, gibt, deren polnische Staatsbürgerschaft durch die Behörden noch nicht klargestellt wurde. An Protest Amerika» gegen die europäischen Duft». Newhork, 12. Mai. „Evening Post" erfährt aus Washington, Handelssekretür Hoover habe die amerikanischen Vertreter auf der Wirtschaftskonferenz angewiesen, besonders gegen die seit Locarno entstandenen europäischen Trustbildungen zu protestieren. Das Kalifhndikat werde zwar mit gewissen Kautelen demnächst zum amerikanischen Geschäft zugelassen werden, grundsätzlich aber werde sirl) Amerika gegen alle europäischen Trustbildungen wenden, welche die amerikanischen Trustgesetze verletzen und die Bch.'rrschung des amerikanischen Marktes anstreven. Siadioprogramm europäischer Stationen vom 16. bis 22. Mai. Vielfachen Wünschen unserer Leser entspre' chenö, bringen wir von nun an das auswärtige Radioprogramm am Freitag, damit eS zeitgerecht in die .Hände unserer auswärtigen Monnenten gelangen kann. BerKn, Welle 483,9: Mo. 17 Schumann-Konzert, 19.30 „Der Jahrmarkt" von Sorontschintzr; Di.: 16.30: Konzert; 21: Militärkonzert; Mi.: 20.30: PeterMltenberg-Abend; 21.15: Kammermusik. Do.: 20.10: Operette „Der alte Dessauer". Fr.: 20.30: Symphoniekonzert. Sa.: 20.30: Lustiges Wochenende. So.: 16: Konzert; 20: Opernübertvagung. Königsberg, Welle 329,7: Mo. 31 Heitere Weisen. Di. 20 Einakterabend Arthur Schnitzlers. Mi.: 20.15: Liederabend. Do.: 20: Volkstänze. Fr.: 20: Operette „Die Frau ohne Kuß". Sa.: 20.15: Slawischer Orchesterabend. So.: 20: Konzert. Bratislava, Welle 309: Mo. 17.46 Konzert," ab 18 Ue. Prag. Di.: 18: Sawnmusik, ab 20: Prag. Mi.: 17.45: Sonateirabend, ab 20: Prag. Do.: 18: Zigeunermusik, ab 19: Prag. Fr.: 17.45: Konzert, ab 18.45: Prag. Sa.: 18: Konzert, ab 20: Prag. So.: 18: Leichte Musik, ab 20: Prag. Prag, Welle 348,9: Mo. 17 Konzert, 20 Ue. Brünn, 21.30 Beethovens Klavierkompositionen. Di.: 17: Nachmittagskonzert; 20: Finnischer Abend. Mi.: 17: Konzert; 20.10: Symphoniekonzert. Do.: 17: Konzert, ab 19.30: Brünn. Fr.: 17: Konzert; 20: Großer slawischer Abend. Sa.: 17: Konzert; 20.10: Gollwells-Abend; 2f.30: Hörspiel. So.: 17: Konzert; 20: Bunter Mend. Brünn, Welle 441,2: Mo. 10 'Opernabend, 20 Buntes Programm. Di.: 19: Liederabend; 19.25: Hörspiel; 20: Mährischer Komponistenabend. Mi.: 19: Konzert; 20: Mnsikabend. Do.: 19: Konzert; 20: Hörspiel, anschl. Militärkonzert. Fr.: 19: Orchesterkonzert. Sa.: 19: Symphoniekonzert. So.: 18: Konzert; 20: Buntes Programm. Warschmr, Welle 1111: Mo. 20.30 Kammerkonzert. Di. 20.30 Norwegische Musik. Mi.: 18 und 20.30: Konzert. 'Do.: 18 und 19: Konzert. Fr.: 17.40: Kammermusik; 20.15: Symphoniekonzert. Sa.: 17.15: Populäres Konzert; 20.30: Leichte Musik. So.: 17: Kammermusik; 20.30: Bunte Musik. Zagreb, Welle 310: Mo. 17 Heitere Musik, 18.45 Vortrag. Di.: 20: Leichte Musik. Mi.: 20.30: Violinkonzert. Do.: 20.30: Lieder- und Arienabend. Fr.: 19.15: Opernübertragung. Sa.: 20.30: Kammermusik. Sv.: 20: Konzert. eXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX» Einbruch in ein Berliner gnweliergeschöst am hellichten Tage. Aus Berlin wird gemeldet: Gestern nachmittags wurden am Wjttenbergplatz die Schaukästen eines Juweliers ausgeraubt, ohne daß die zahlreichen Stwßenpassanten oder die Ladeninhaber etwas davon bemerkten. Es stellte sich heraus, daß einige junge Burschen eine geraume Zeit vor beit beiden Schaukästen, die das Schaufenster Ladens rechts und links flankierten, gestanden hatten. Sie haben smsi ihren Rücken den Kasten verdeckt und hatten, ohne sich umzudrehen, die Scheibe eingedrückt und soviel Ringe und Broschen herausgeholt, als sie aus der Oeffnung herausfischen konnten. Sie haben dann mit ihrer Beute ungehindert das Weite gesucht. Der Schaden ist sehr groß und im übrigen durch Versicherung gedeckt England gegen deutsche Kolonien ln Attika. London, 12. Mai. Der frühere Generalgouverneur von Südafrika Earl of B u x t o n sagte bei einem Bankett: „Ich. weiß, daß ich nicht streng im Geist von Locarno spreche, aber e§ ist ganz undenkbar, daß wir jemals zulaffen, daß Tanganjika oder Deutfch-Südwestafrika zu ihrer Borkriegsstellung zurückkehren. Diese Teile Afrikas waren Brutstätten von Intrigen, Unruhen und Drohungen gegen ihre Nachbarn. Deutschland hat durch Einwanderung von Deutschen und deutschem Kapital Landbesitz in seinen ehemaligen afrikanischen Kolonien zu erlangen versucht. Ich freue mich, baß Koloniavsekretär Amerh deutlich gesagt hat, daß diese Gebiete unter der Aegide der britischen Krone verbleiben werden." Weltttkeg und Rekruten. Die neue französische Militärvorlage. Die der französischen Kammer zugegangeno Vorlage des Kriegsministermms betreffend die Friedensgliederung und Ergänzung der Armee verlangt die Aufstellung von 20 Divisionen mit achtzehnmonatiger Dienstzeit. Das normale Rekrutenkorltingent bewegt sich' zwischen 200.000 und 260.000 Mann. In dem Bericht heißt eS u. a.: ,Fwitisch wird die Situation vor allem in den Jahren 1935 bis 1940, wo infolge des starken Ge b urtenausfalleS der Kriegsjahre das jährliche Rekrutenkontigent auf die Hälfte der normalen Ziffer sinkm wird. Nach der Etlichen Bevölkerungsstatistik sinkt die Zahl der verfügbaren Rekruten in» Jahre 1934 auf 226.000, 1935 auf 146.000, 1936 auf 112.000, 1937 auf 122.000, 1938 auf 141.000, 1939 auf 163.000, um erst 1940 wieder die normale Ziffer von 360.000 zu erreichen. Um diese Lücke zu stopfen, sicht dev Gesetzentwurf ein sehr kompliziertes' System vor, das es durch allgemeine Zurückschraubung des Dienst- PflichtalterS von 31 auf 20 Jahre ermöglichen soll, im diesen Jahren die Mannschaft von zwei Jahresklassen unter den Fahnen zu vereinigen. Es soll auf diese Weise bewirkt werden, daß die Zahl der aktiven Mannschaften nie unter 200.000 sinkt." Streik der AbnormMen. Der Wanderzirkus Bosworth in Amerika zeichnete sich bisher dadurch aus, daß er die größte Sammlung menschlicher Abnormitäten anftveisen konnte. Das war seine größte Anziehungskraft. Trotz des großen Erfolges, den der Zirkus auf seinen Reffen von Stadt zu Stadt hatte, wurden die menschlichen Mnormitäten von ihm sehr schlecht bezahlt. Als mm die Anziehungskraft des Unternehmens auf das Publikum nachließ und der Direktor die geringen Gehälter noch verkürzte, sah sich die Truppe gezwungen, den Streik zu erklären, um ihre Forderungen durchzusetzen. Der Zirkus befand sich gerade in San Franzis ko, als die eigenartigen Künstler eine Streikvcrsammlung abhiellen, zu der auch einige Journalisten Zutritt hatten. Die Versammlung nahm einen äußerst intereffanten Verlauf. Die Mißgeburten zeigten eine derartige Erregung, wie man sie sonst bei normalen Menschen kaum beobachtet, und die erhitzte Stimmung hatte seltsame Szenen zur Folge. Das große Wort führte die „Dame mit dem V o I l b a r t". Während sic zornig den schönen männlichen Schmuck ihres Gesichtes raufte, scholl ihre sonore Stimme durch den Raum. Ihr sekundierte die „Dame ohne Unterleib", die fortwährend agitierend von einem zum anderen ging. Der „Affenmensch", ein scheußliches Jndividium, suchte in einem Winkel des Saales einen zaghaften und sehr gemütlich veranlagten Kollegen zum Streik zu überreden, nämlich den ,/Mann mit den drei Beinen", der gleichmütig aus seinem Stuhl saß und sein drittes Bein übereinandergeschlagen hatte. Wahre Wutanfälle bekam jedoch der „Mann mit der Gummihaut", der nervös herumgestlkuUerend, in seiner Aufregung sich selbst vergessend, sich die Haut seiner Wangen ellenweit abzerrie. Der Mann mit dem Hundekopf", ein« sehr sentimentale Natur, klagte dem , Klein st e n Manne der Welt" seine Not und erzählte unter Tränen, daß er und seine Familie infolge der schlechten Gagen schon seit Monaten Not leiden müssen. Die präsidierende Barldame wurde nach einiger Zeit von dem „Fräulein mit dem Pantherfell" abgelöst, das ein schlank gewachsenes, hübsches junges Mädchen ist und sehr begehrenswert wäre, wenn ihr Teint nicht allzuviele Flecken hätte, die dem Mädchen zu seiner Spezialität verholsen haben. In sanften, aber beredten Worten legte diese Dame bfo, Uebelstände dar, unter denen die Mißgeburten zu leiden hättM Es wurde unter allgemeinem Beifall eine Protests Resolution gefaßt, die der „2.50 Meter hohe Ries es* Mr. Hughes, dem Direktor überreichen mutzte. Der Inhalt dieses sonderbaren Schriftstückes lautete: „Alle hier versammelten Mnormitäten sind zur Erkenntnis gekommen, daß Direktor Bosworth sie in vollkommen unzulänglicher Weife bezahle. Da die bisherigen Klagen und Fovdemngen auf erhöhte Gage ohne Erfolg geblieben sind, so beschließt die Versammlung, in den allgemeinen Streik einzutreten und sich nicht m e h r d e r öffentlichen Schaulust zu widmen, Rs Direktor Bosworch die Forderungen bewilligt." Ob das Auftreten des Riesen dem Direktor imponiert hat, ist ungewiß. Sicher ist dagegen, daß er die Forderungen der streikenden Abnormitäten bew illig te. Me nnd wann snmmt die Fliege? Sie sind wieder da, die summenden und brummenden Stubenfliegen, dje Feinde jedes Mittagsschläfchens. Man schlägt nach ihnen und erreicht nur, daß sie sunÄntend auffliegen, um sich gleich wieder festzusetzen. Schließlich resigri/iert ftnrnt und beginnt über den Zweck dieses lästigen Hausinsekts nachzudenken. Dje Fliege nrag für die VogeÜvelt nützlich sein, für den Menschen ist sie bestenfalls ein Gegenstand zur Schulung seiner Geduld. Ursprünglich war man der Annahme, daß das Summen durch tne Flügelbewegungen beim Fluge hervorgebracht wird. Die Fliege vermag aber auch noch zu snmimen, wenn mani ihr die Flügel entfernte. Als „Tonquellen" des Fliegensunrmms nimmt man Schwingkölbchen an, jene kleinen gestielten Gebilde, die zu beiden Seiten des Hinterleibes sitzen und der Fliege als Steuervorrichtung dienen. Diese Schwingkölbchen erzeugen den Ton, der bei älteren Flßegen, die mit einer kleineren! sZahl von Schwingungsschlägen irr der Sekunde fliegen als b# jungen, dumpfer klingt als bei den jüngeren. Der Bundeskanzler über die Ausgabe der Preffe. Gestern vormittags wurden die Delegierten der Federation Internationale des Journalistes und die von ihr eingesetzte Soziale KomuMion von Bundeskanzler Dr. Seipel im Parlament empfangen. Er begrüßte die Journalisten mit einer Rede, in der er m a. sagte: „Die Presse kann viel tun, um Kriege unter den Völkern hervorzurufen, sie kann viel tun, um einen FriÄxm zil schaffen, der erst den Namen eines Friedens verdient, mehr als die Diplomaten. Sie haben dieMacht dazu, verwenden Sie diese Macht zum Guten. Verwenden Sie Ihren Einfluß auch dazu, daß unser Volk nnd unser Land vor der Welt in einem guten! Licht erscheint." Eine Borlesnng über die Sfterreichische Preffe ln Berlin. Minister Ludwig als Vortragender. Das deutsche Institut für Zeitugskurrde an der Berliner Universität hat den Chef des österreichischen Bundespressedienstes Minister und außerordentlicher Gesandter Ed. Ludw:g eingeladen, im Sommevsemester im Rahmen einer Vortragsreihe über das Zeitnngswesen des In- und Auslandes eine Vorlesung über die ,Österreichische Presse" zu halten. Me