Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2947 (12.5.1927)
- Date
- 1927-05-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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St.  Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng IS. Mai 1927 Seite 7 VOIKSWIRTSCHAn Berliner Teldmartt und BSrfenlage. Ae Frage einer Tiskonterhöhung. Die Reichsmark erfichr gestern auf den internationalen Plätzen /me Abschtvächung um zirka 1% Promille. Dollar gegen Mark erhöhte sich zeitweilig auf 4.22.60 bis 4.22.80 gegen 4.22 tags vorher und gegen die Parität von 4.20. Auf dem Berliner Devisenmarkt ist die Tendenz zur Steigerung der fremden Zahlungsmittel schon seit einigen Wochen zu beobachten, eine Folge einerseits der Verknappung des Geldmarktes, andererseits der großen an der Berliner Börse bestehenden Effcktenengagements. Seit der Zinsfußermäßigung nahmen die Ansprüche an die Reichsbank sukzessive immer mehr zu, so daß diese von Woche zu Woche eine Minderung ihres Devisenschatzes zu verzeichnen hatte. Diese Situation des Devisenmarktes war mit ein Grund dafür, daß der Reichsbankprästdent D r. Schacht vor kurzem neuerlich seine wavnande Stimme gegen die Ueberspekulation an den deutschen Börsen erhob und Lei dieser Gelegenheit die deutsche Hausse als Trugbild bezeichnete. Zuletzt haben auch maßgebende Führer der deutschen Bankwelt sich über die künftige Entwicklung der deutschen Effektenmärkte in weniger optimistischem Sinne geäußert. Da jedoch igr großen uno ganzen trotz der sich häufenden Rückschläge die Grundtendenz an den deutschen Börsen fest geblieben war, wurde von offiziöser Seite angekündigt, daß die Reichsbank die Frage einer Diskonterhöhung erwäge. Tatsächlich hat gestern mittags, wie die „Vossische Zeitung" erfährt. in der Reichsbank unter dem Vorsitz des Reichsbankprüsidenten D r. S ch a ch t eine Sitzung der Berliner Banken stattgefunden, die einer Erörterung der gegenwärtigen Lage des Gelbibnd Devisenmarktes gegolten habe. Eine Entscheidung über die Diskonterhöhung ist bisher noch nicht gefallen, wohl mit Rücksicht darauf, daß in England die Frage einer neuerlichen Zinssußherabsetzung wieder aktuell geworden ist und Berlin vorerst die Entscheidung des heute zu einer Sitzung zusammentretenden Direktoriums der Bank von England abwarten wollte. ' Es unterliegt keinem Zweifel, daß die gegenwärtige Lage des Geld- und Devisenmarktes in Berlin eine Diskonterhöhung einigermaßen rechtfertigen würde. Dienstag nachmittag hat wieder eine Besprechung der Großbanken über die augenblickliche Börsen- und Geldmarktlage stattgefunden. Es war dies eine <5cr seit einiger Zeit in regelmäßigen Zwischenräumen üblichen Besprechungen, um ein möglichst einheitliches Vorgehen der Großbanken, besonders in der Frage der Bereitstellung von Reportgeldern, herbeizuführen. An sich ist freilich das Anziehen des Dollar- und Pfundkurfes in Berlin kein Grund zu besonderer Beunruhigung. Die starre Dollarnatierung ist ja schon seit längerer Zeit aufgegeben und seither ist auch niemals die Parität der Reichsmarkdevise strikte eingehalten worden. Die Reichsbank ist trotz der Schmälerung ihres Devisenschatzes sehr wohl in der Lage, jeden Devisenbedarf zu befriedigen. Allerdings muß zugegeben werden, daß die starke Devisennachfrage zum Teile spekulativer Natur ist, da es gilt, die großen Effektenpositionen aufrechtzuerhalten, andererseits aber hat man es mit einem regulären Bedarf für kommerzielle und industrielle Zwecke zu tun. Die gestrige Abschwächung der Reichsmark war nur auf den Auslandsplätzen zu verzeichnen, in Berlin selbst ist sie an diesem Tage nicht zum Ausdruck gekommen, da dort ein vorläufiger Stillstand der Devisennachfrage eingetreten war. Der gestrige Börsentag. An der gestrigen Börse konnte, wie aus Berlin gemeldet wird, eime etwas freundlichere Auffassung der allgemeinen Lage Boden gewinnen. Anfangs führte Deckungsbegehr der Baisse-Spekulation vorwiegend zu Besserungen, namentlich auf dem Montanmarkte und in einzelnen Spezialwerten, von denen Bemberg um 13 Prozent, Zellstoff Waldhof um UH Prozent und Stöhr Kammgarn um 11 Prozent höher rdnsetzten. Auch Deutsche Erdöl, ferner Berlin-Karlsruher Industrie, Hösch Stahl, Klöcknevwerke, Mannsfelder Bergbau, Essener Steinkohlen und Rheinstahl setzten erheblich gebessert ein. Vorübergehend kam es dann zu einer leick •* Abschwächung, der aber eine Befestigung folgte, weil die Stimmung von verschiedenen Tatsachen günstig beeinflußt wurde. Dahin wirkte in erster Linie das Nachlassen der Nachfrage nach Devisen, ferner die Nachricht von Hem befriedigenden Fortgang der Anbahnung einer Interessengemeinschaft zwischen der I. G. Farben und der englischen chemische Industrie. Das Geschäft war aber beschränkt, weil man die weitere Entwicklung aus dem Geldmärkte abwarten wollte. Für Tagesgeld blieb der Satz unverändert 6A bis 7 Prozent, Monats- und Reportgeld bedang noch immer 7 bis 8 Prozent beziehmin- 8 Prozent bei stärkerer Nachfrage. Der PrioatdiSkont wurde heute für beide Sichten auf 5 Prozent erhöht. Hösch Stahlwerke konnten ihre Aufwärtsbewegung kräftig fortsetzen. Börnberg stiegen noch nach vorübergehender Mschwächung über den Anfangskurs hinaus. Zellstoff Waldhof holten einen Teil der Abschwächung wieder ein. Auch Ostwerke und Schultheiß gingen um 5 Prozent beziehungsweise 6 Prozent im Verlaufe in die Höhe. Eine scharfe Aufwärtsbewegung entwickelte sich, auf denr Markte für Elettrowerte, wo A. E. G. und vor allem Schlickert und Siemens u. Halske sehr bedeutende Kursgewinne erzielten, aber auch Lahmayer, Elektr. Licht und Kraft und Bergmann stellten sich beträchtlich höher. Die Devise New Pork blieb unverändert, während London um A Prozent schwächer lag. Die Erhöhung des Privatdiskontes infolge großen Angebotes von Wechseln veranlaßte schließlich eine allgemeine Abschwächung. Bevorstehende Siskontherabsetznng kn Polen. Aus Warschau wird gemeldet: Der Verwaltungsrat der B a u k P o l f k i hält am 12. Mai setine Sitzung ab, in der die Herabsetzung des Diskontzinssatzes von 8A auf 8 Prozent zur Beratung steht. In derselben Sitzung soll serner ein Beschluß betreffend die eventuelle Zulassung eines amerikanischen Beobachters wegen Gewährung einer amerikanischen Anleihe gefaßt werden. Gründung einer zionistischen Bank in Bukarest. Aus Bukarest meldet I. T. A.: Auf Initiative der demokratischen zionistischen Fraktion „Renastcrea" wurde in Bukarest eine Kooperativbank unter dem Namen „Unser Kredit" begründet, die das Ziel verfolgt, jüdischen Handwerkern, Kleinhändlern und Angehörigen freier Berufe billige Kredite zu gewähren. Vorsitzender ist Ing. M. Wechsler. Dem Komitee gehören der Präsident der Zionistischen. Organisation Altrumaniens, Adolf Bernard, der Vorsitzende der ,Menasterea", Dr. Stern, u. a. m. an. Erholung der Lira. Die Devise Mailand hat sich gestern erholt und bewegte sich bei ruhigem Geschäft zwischen 28.25 bis 28.30. In den übrigen Devisen waren die Kursverschiebungen gering. Ueber die Reichsmark berichten wir an anderer Stelle. Neuerungen bei den Bundesbahnen. Die Generaldirektion der Oesterreichischen Bundesbahnen teilt mit: In letzter Zeit sind auf den Oesterrck.chischeu Bundesbahnen besonders gebaute Güterwagen, und zwar zwei Tiefgangwagen mit der Reihenbezeichnung Jat und drei Niederbordwagen mit der Neihenbezeichnung Jnat, für die Beförderung von Gütern großer Abmessungen in Dienst gestellt worden. Die Twfgangwagen der Reihenbezeichnung Jat haben ein Ladegewicht und eine Tragfähigkeit von 36 Tonnen, jene der Reihenbazeichnung Jnat ein Ladegewicht von 30 Tonnen und eine Tragfähigkeit von 35 Tonnen. Bei letzteren ist der mittlere Teil der Plattform aushebbar. Mr die Ueberlassung diefer Wagen an Parteien werden Benützungsgcbührcn eingehoben. Die genauen Maße, Angaben über die veischiedcncu' Möglichkeiten der Verwendung und die näheren Bedingungen für die Beistellung sind bei den Bunde?- bahuNrektionen (Gruppe für Wagenleitung) zu erfragen. Dividende«. Die Dividende der Neusiedler pro 1036 betrügt 8 Schilling wie im Vorjahre. — Die Dividende der P o r t la n d - Z e m c n t beträgt Zloty 1.25 (gegen 1.75 im Vorjahre). Die Reichsbank Hai mit der Federal Reserve Bank of New Nork ein Abkommen getroffen, auf Grund dessen die Girokunden der Reichsbank auch Ueberweisungen in U. S. A.-Dollar durch Einreichung von Auslandsgiroschoks vornehmen können. Zusammenarbeit zwischen der deutschen und englischen chemischen Industrie. Aus London, 11. Mai, wird telegraphiert: Bis zur Ratifizierung des Abkommen-Entwurfes, der bei dem jüngsten Besuch Sir' Alfred Monds und Sir Harry Mac Gowaus von den Imperial Chemical Industries mit Dr. Karl Dulsberg, Präsidenten des Deutschen Jndustrieverbandes, Wecks Zusammenarbeit Wischen den chemischen Industrien Großbritanniens und Deutschlands erzielt worden fft, ist es, wie ,,Daily Mail" schreibt, unwahrscheinlich, daß eine offizielle Verlautbarung betreffs des Wortlautes dieses Abkommens erfolgen wird. Nach Informationen an gutunterr'ichteter Stelle indessen ist es klar, daß das Abkommen darauf stchzielt, eine internationale Prei sd rücke re i tzu verhindern, indem die Erzeugung durch gemeinsame Verwertung technischer 'Errungenschaften verbessert und die Konkurrenz ausgeschaltet wird. D.e hauptsächlichsten Erzeugnisse, die unter dieses Abkommen fallen sollen, sind Farben, chemische Düngemittel, auch andere Erzeugnisse, falls sich e'in Erfolg zeigt. Die in Londoner Geschäftskreisen oiesem Plane beigemessene Wichtigkeit ergibt sich aus der Preissteigerung, die am Dienstag ln den Aktien der Imperial Chemical Industries stattfand. Dieselben gingen von 23 sh 6 d auf 24 sh. Viele lausend Aktien wechselten die Besitzer und es fanden starke Käufe auf deutsche Rechnung statt. Einschränkung der Vichaussuhr ans Polen. Aus W ekpschau wird berichtet: Aus Anordnung des Acker bau mm)-- steriums sind sämtliche Bezirke der Wojwodschaften Kielcdp Nowoarodek und Poznan für die Ausfuhr von Klauenvieh nach dem Auslande gesperrt worden. In den übrigen Wojwodschaften ist ebenfalls die Viehaussuhr aus einzelnen Bezirken gesperrt worden. Die kürzlich über Pomcrellen verhängte Totalsperre erstreckt sich nunmehr lediglich aus die Bezirke Chojnice, Swiecie und Thorn. Mt Rücksicht aus die grassierende Lungenseuche ist die Ausfuhr von Hornvieh aus sämtlichen Bezirken der Wojwodschäften Malystok, Kielce, Lublin und Warschau gesperrt worden. Gründung eines Textilbetriebes mit englischem Kapital in Ungarn. Aus Szeged' wird uns berichtet: Zwischen der Stadtverwaltung, einenr englischen Konsortium sowie einer ungarischen Bank werden Verhandlungen betreffend die Gründung eines großen Textilbetriebes gepflogen. Es sollen eine Schafwollwäscherei und Spinnerei, .ferner eine Färberei und Appretur geschaffen werden. Die' Verhandlungen sind bereits weit fortgeschritten und nehmen einen günstigen Verlauf. Größere Amelioriernngsarbeiten in Norv-Palästina. Aus Jerusalem wirb uns berichtet: Der Jüdische N!a!-- tionalfonds (Keren Kajemeth Lejisrael) hat, wie noch erinnerlich, einen Teil seines Bodenbesitzes an den Usern des Kischon-Flusses bereits amelioriert und dadurch für«, die Besiedlung geeignet gemacht. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Böden südlich von Nahtalal. Nun soll, wie das Hauptbureau des' Keren Kajemeth mitteilt, ein weiteres Gebiet an den Ufern des Kischon, das 40.000 Dunant umfaßt, durch den Jüdischen Nationalfonds amelioriert werden, und zwar der Böden in der Nahe von Haifa. Nach deM neuen Programm soll nicht nur die Drainierung des ganzen Bezirkes durchgeführt werden, sondern auch die Wasfevbelieferung der innerhalb des Gebietes liegenden Sicdlungspunkte. Die Kosten werden sich auf zirka 13.000 .ägyptische Pfund belaufen, deren Aufbringung durch ein günstiges finanzielles MkomMen erleichtert wird. Wiener Börse. Unter Schwankungen erholt. Nach dem vorgestrigen stärkeren Rückschlag erössnete die Börse zwar zum größten Teile noch mit gedrückten Kursen, doch war d:e Besserung der Stimmung unverkennbar. Die AnsangÄurse der Skoda, Salgo, Ung. Hosherr und Daimler waren etwas höher als die voraugegangenen Schlußkurse und auch im fließenden Schrankenverkehr zeigte sich für einzelne ungarische und tschechische Werte zum letzten Schlußstande Nachftage. Im weiteren Verlause des Verkehres waren ungarische Papiere im Einklang mit der Tendenz der Budapester Börse stärker rückgängig. Rima fielen auf 152.50, Salgo aus 93.75, Urikany auf 250, Ungar. Kohle behaupteten Schneider-Atelier Heilig & C&-, l., Kärntnerstraße Nr. 9 Telephon 78-1-86 Telephon 78-1-86 EnflllsdMS Hbonnementsysfem. A monatlich 8 50* 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Modehose 1 Frühjahrs-Rock 1 Herbst-Rock B monatlich 8 60*— G monatlich 8 80* 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-A^zug 1 Frühjahrs-Rock 1 Wiuter-Paletot 1 Modeliose 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Smoking-Anzug 1 Sport-Anzug 2 Hosen 1 Winter-Paletot 1 Modehose 1 Überrock Garantiert basta anal. Stoffe und arstklasslae Maßarbeit. Kleider bleiben Elaentum das Abonnenten. Abonnementsdauer 2 Jahre. 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