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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-12 · Heft 2947 (12.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2947 (12.5.1927)
Date
1927-05-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seit 4 .'len, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng 12. Mai 1927 Nr. 2947 r ▲ mm in vollkommen hygienischer Weife mit eigens dafür erbauten Maschine«« hergestellt und gefüllt. Es kommt bei der Fabrikation keines Menschen Hand mit dem Produkt in Berührung. e Ile Wiener städtischen Gaswerke ans der Ausstellung „Wien und die Wiener". Die Ausstellung der Wiener städtischen Gaswerke gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der Gaserzeugung und Gasverwendung in Wien, vom Beginn der zentralen Gasversorgung bis in, die Gegewvart. Ein Diorania zeigt die Gaserzeugungsanlag? beim ehemaligen Kärntner Tor, die im Jahre 1817 vom Direktor des Polotechnischen Institutes, Prechtl, zur Beleuchtung einiger Straßen in der Inneren Stadt errichtet tvurde. Alte Stiche, Ansichten einiger seinerzeit von der österreichischen GaSbeleuchtungsgefellschaft und von der englischen Gasgesellschaft errichteter Gaswerke sowie Bilder der beiden städtischen Gaswerke Simmering und Leopoldau veranschaulichen die Entwicklung der Gaswerk« von privaten Zwergbetrieben zu gemeinnützigen Großbetrieben. In sehr instruktiven Modellen; werden die hauptsächlichsten Enttvicklungsstufen der Gaserzeugungsösen, die in Wien seit 1830 verwendet wurden, vorgeführt. Auf einem großen Schau bilde ist dargestellt, wie die fortschreitende Entwicklung der Gaserzeugungsöfen die zur Entgasung einer bestimmten Kohlenmenge erforderliche Grüße der Ofenanlage sprunghaft herabdrückte. Weiters zeigen zahlreiche Lichtbilder die Neu- und Erweiterungsbauten, die in der Nachkriegszeit in den beiden Werken ausgesührt wurden. Eine Lichttasel gibt Aufschluß über die Entwicklung der Gasabgabe und der Kundenzahl von 1843 bis heule. Hier ist unter anderem zu entnehmen, daß von 1919 bis 1926 die Zahl der Gasabnehmer von 237.000 auf 383.000 gestiegen ist und die Gasabgabe sich von 153 Millionen Kubikmeter auf 270 Millionen Kubikmeter im Jqhre 1926 erhöht hat. Einige Schautafeln geben noch Ausschluß über die Verbreitung der Gasverwendung in den Haushalten und über die vielgestaltige Verwendung des 'Gases im Gewerbe und in der Industrie. Sehr anschanlich zeigen plastische Darstellungen der Gasabgabe .in den einzelnen Stunden des Jahres die planmäßig herbeigeführto Umwandlung der Wiener städtischen Gaswerke von Lichtzentralen zu Wärmezentralen. Im Jahre 1936 wurals sie von ihr empfingen. Diese Wanderungen aus dem jüdischen Massenreservyir sind ewiger Grund von Mißverständnissen: das „wissenschaftlich" fundierte Mißverständnis West- und Mitteleuropas über den Ostjuden ist hier bereits erörtert worden, das Mißverständnis des Ostjuden über die Vorzüge der Fremde, das aus der menschlichen Eigenart entsteht, erzwungene Tatsachen (hier die Wanderschaft) durch Illusionen irr Wllenstatsachen umzubiegen, schildert Roths Buch mit charakteristischen Stricherl. Dieser menschlichen Eigenart, die H{m Juden durch eipe geradezu elementare Vitahität noch verstärkt wird, verdanken es jene wandernden Teile der Mischen Masse, daß sie, wohin sie gelqrrgen, irgendwann und irgendwie inrmer wieder schöpferische Arbeit verrichten könnten. Von jüdischen Emigranten wurden ganze Industrien geschaffen, neue Wirtschaftsformen geprägt, eigenartige und wertvolle Nuancen des Kulturlebens geformt- Kurz, alles das, tyas den Juden der sogenannte ivissenschaftliche Antisemitisnms abspricht, die schöpferische Originalität, ist tausendfach und unter tausenderlei Schwierigkeiten von jenen abgesprengten, durch den Erdenrund irrenden Teile,: derJudenheit immer wieder der übrigen Welt vor Augen geführt worden: die schöpferische Nrast. Daraus erklärt es sich auch, dah der Antisemitismus im Gegensatz zu sein«? Theorie vom unschöpferischen Judentum, im gleichen Atem Pom zerstörende» Judentum spricht; wäre dev Blick der Welt nicht durch die atavistische «Äppenfurcht getrübt, der Antisemitislnus könnte nicht übersehen, daß nnschöpferische Elemente rilcht zerstören können. Roth setzt am Schlüsse seines ehrlichen, klaren Buches die Annahme, daß im neuen Rußland die Judensrage durch Auflösung liquidiert werden könnte. Sie könnte es, wären die Juden — nicht so schöpfepisch wie sie sind. Bon außen her kann bei einem von so schöpferischer Lebenskraft durchdrungenen Volk, wie es die Inden sind, sein Volksproblem nicht liquidiert iverden, es sei dennn man tötet es Mann für Mann. Das jüdische Pl»o blem wird nur von den Juden selbst liquidiert werden. Der Urinstinkt der SiPPenfurcht, der in der Menschheit sich am stärksten gegen die Juden austobt, beweist es am beste». Sieg.sried Schwitz. Ae Telephonnummeru der Redaktion lauten jetzt ab6 Uhrabends 38-5-8Ü Serie, ab V20 Uhr abends 38-5-8A. den von der gesamten abgegebenen Gasmeng« nur ungefähr zwölf Prozent zu Beleuchtungszwecken und achtundachtzig Prozent als Brennstoff vertvendet. Die Bedeutung der Wiener städtischen Gaswerke für die heimische Volkswirtschaft und für die österreichische Handelsbilanz zeigen einige Zahlentafeln. Infolge der Verdrängung der festen Brennstoffe durch GaS ist der Bezug ausländischer Brennstoffe um nahezu 600.000 Tonnen herabgedrückt tvorden. Durch die Verarbeitung der Kohle in den Gaswerken auf Gas, Koks und andere, insbesondere für die chemische Industrie wichtige Stoffe wurde ein der österreichischen Volkswirtschaft zugute kommender Ueberschuß von 46 Millionen Schilling erzielt und durch die Verminderung der Einfuhr ausländischer Kohle für die Handelsbilanz etwa über 35 Millionen Schilling gewonnen Sie gegenwärtige Lage in Palästina. All Bottrag des Schrlftstellers Dr. Nahllm Goldmanu über seine letzte Palästinareise. Ueber Einladung der Oesterre:chisch«n Kereu- Hajessod-Kommission sprach gestern abends im „Bayrischen Hof" der bekannte jüdische Schriftsteller Dr. Nrrhum Goldman», der vor einigen Tagen nach einem längeren Aufenthalt in Palästina von dort zurückgekehrt ist. über die gegenwärtige Lage des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina. „Seit meinem letzten Besuch in Erez Israel", führte Dr. Goldman n aus, „hat sich im Lande viel geändert. Bon dem idealen Zustand des ersten Freudentaumels wurde der Schritt in die reale Wirklichkeit getan. Die Juden Palästinas haben schwere Sorgen zu ertragen, aber das Wunder hat sich vollzogen, daß die zionistische Judenschaft der ganzen Welt diese Sorgen Mit ihnen trägt. Es ist völlig falsch, von einer Krise des Zionismus zu sprechen. Die jüdische Landwirtschaft ist weit davon entfernt, sich in einem krisenhaften Zustande zu befinden; ganz im Gegenteil, die Landwirtschaft kann heute bestehen, auch wenn es keine zionistische Organisation gäbe. Es ist ein gefährlicher Nonsens, von einem Zusammenbruch unseres Kolonisationswerkes zu sprechen. Richtig ist es einzig und allein, von einer Krise des städtischen Jischmv, von einer Krise hauptsächlich.Tel Awiws, von einer Krise der vierten Alijqh zu sprechen. Und dennoch muß man die Schaffung einer Stadt wie Tel Awiw — mag man auch mit der Stilart ihrer Häuser nicht einverstanden sein — als Großtat des jüdischen Volkes bezeichnen, dennoch muß man «s als heroische Tat preisen, wenn bärtige Familienväter zur Scholle zurückfinden. Ist der CHalnz das offensive, den Boden gewinnende Element, dessen wir nicht entraten können, so sind die mittelständischen Juden das konservierende, seßhafte Element, das mit dem gewonnenen Boden verwächst. Aus der vierten Al'.jah haben wir gelernt, daß' urvsere Organisation unbedingt erhalten werden muß, daß wir unsere Fonds unter allen Umständen stärken müssen. Man kann nicht mahl- und kontrollos Juden mach Palästina schicken, auch nicht, wenn sie über genügend Geld verfügen. Palästina soll allen Juden offen stehen, aber der geeignete Zeitpunkt muß evst abgekartet werden- Der Höhepunkt dieser städtischen Krise ist bereits überschritten. Durch größere Notstandsarbesten wird der größere Teil der Arbeitslosigkeit behoben werden. Es ergibt sich aus dieser Krise die Lehre, daß im gegenwärtigen Stadium das Land nur eine organisierte Einwanderung und eine systematische Kolonisation, die einen größeren Teil der Emigranten von vornherein in der Landwirtschaft ansiedolt, verträgt. Für lange Jahre hinaus wird der Keren Hajessod (Palästina-TlnfbaufondD) als der zentrale Kolonisationsfonds die entscheidende Rolle im Aufbau des jüdischen Palästina spielen müssen. Nur durch eine große Steigerung dieses Fonds ist auch eine organische Steigerung des Kolonisationstempos möglich." Redner übte sodann Kritik an der Haltung der englische» Administration ijn Lande, die sich allzusehr einer neutralen Passivität gegenüber dem jüdischen Aufbauwerke befleißigt. Mr müssen fordern, daß die Sldmimstrqtion i» ihrer politische» und wirtschaftspolitischeu Haltung zu einer aktiven Förderung der jüdischen KoloEation übergeht, wie es auch dem S'.vn und Wortlaut des Palästina- Mandates entspricht. So müßte auch die englische Verwaltung wirksame Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit finden. Die Araber frage habe, wie die letzten Wahlen in, Palästina beweisen, eine für die Juden bedeutend günstigere Wendung erfahren. Zusammenfassend erklärte Dr. Gold mann, daß nicht der geringste Grund dafür besteht, pessimistisch in die Zukunst zu blicke». Bon einzelne» Fehlern, di« bei einem Werke dieser Art unvermeidlich sind, abgesehen, hat die Zionistische Organisation bewiesen, daß sie imstande ist, das Land aufzubauen. Obwohl die Juden heute erst eine Minorität im Laiche da Hellen, bestimmen sie doch zum größten Teile schon die , Physiognomie des Laiches, Alles Neue, was dort geschieht, trägt den Stempel jüdischer Initiative. Die noch vorhandene partielle Krise sm Lande wird in diesem Jahre ganz überwunden fein, und das nächste Jahr bereits wird eine weitere neue Ausdehnung der jüdischen Kolonisation bringen. Die übertriebene Depression Ist angesichts der unleugbaren jiddischen Erfolge gänzlich deplaciert. Das jüdische Element ist im Gegensatz zum arabischen die motorische Kraft, die das Morgen und üobermorgen des Landes bestimmen wird. (Lebhafter Beifall.) Dr. Rvthblum dankte dem Redner für (eilte interessanten AusfüHrnttgen und forderte die Versammelten auf, ihre Pflicht der Zionistischen Orgairisation und ihren Fonds gegenüber restlos zu erfüllen- * Für die Vereinheitlichung der -andeisvertrüge. Sie «eiten der Weltwlttschaftskonfereoz. Genf, 11. Mai. Die Arbeiten der Ausschüsse und Unterausschüsse der W-eltwirtschaftskonferenz wurden heuw fortgesetzt. Im Jndustrieausschuß wurde mit der Sonderaussprache über das Programm der Rationalisierung begonnen. Der Italiener M a u r o bezeichnete den von Deutschland zur Standardisierung und Rationalisierung der Produktion eingeschlagenen Weg als e m p f e h l e n tzwert. Im zweiten Unterausschuß des Handelsausschu sses, der die Frage der Zollsätze und Handelsverträge zu prüfen hat, empfahlen der Engländer Runciman und der Franzose de Lavergne eine möglichst weitgehende Berücksichtigung der von der internationalen Handelskammer ausgearbeitelen Vorschläge'zur Erleichterung des internationalen Handelsverkehrs. Dem Ausschüsse wurde außerdem heute von dem französischen Delegierten S e r r u y s ein wichtiger Zusatzantrag fürdieVerernheitlichungderHandels- Verträge vorgelegt. Die Weltwirtschaftskonferenz soll den Völkevbundrat ersuchen, im Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes zu beantragen, die zweckmäßigsten Maßnahmen in Vorschlag zu bringen, durch die entweder eine Vereinheitlichung des Hcrndelsvertragssystems oder Garantien zum Ausgleich der in den heute bestehenden Handelsvertragssystemen gegebenen Ungleichheiten ermöglicht würden. Amerika in Nikaragua. New Dork, 11. Mar. „Associated Preß" meldet aus Managua: Konteradmiral Laximer verbreitet durch Flugzeuge eine Proklamation, in der beide Parteien Nicaraguas zur Waffenübergabe aufgsfovdert werden. Falls eine gütliche Uebergabe nicht erfolge, würde eine gewaltsame Entwaffnung durchgeführt werdon. Die Bethien-Wahle«. Budapest, 11, Mai. Die Wahl des Abgeordneten Baron Stephan Kray (Einheitspartei) in Za l.ae g e r sz e g, gegen welche sein Gegenkandidat Tihor Farkas (parteiloser Oppositioneller) beim Verwaltungsgerichtshof eine Klage eingebracht hatte, ist heute vom B e rwaltungsgerichtshof mit der Begründung annulliert worden, daß in 17 Gemeinden des Wahlbezirkes die Bestimmungen des Wahl^echtsgesetzes nicht eingehakten worden sind und der Wahlakt vorzeitig geschlossen wuror. so das; 959 Wähler ihr Stimmrecht nicht ausüben konnten. Das Verlang,» des Gegenkandidaten Farkas, als gewählt erklärt zu werden, hat der Ge.-. richlLlef abgelehnt, so daß in dem Bezirk eine Neuwahl ausgeschrieben werden muß. Baron Kray wurde zu Bezahlung der Kosten im Betrage von 21.000 Pengö verurteilt. Erweiterung der Dammsprengungen. N ewy orf, 11. Mai. Wie aus New Orleans gemeldet wird, hofft man immer noch, die Stadt vor der Ueberfchwernmung zu bewahren. Die Bresche im Deich von P o y d r a s wurde gestern noch erweitert, um größeren Wassermengen Abzug zu verschaffen und dadurch ein weiteres Steigen des Wasserspiegels in New Orleans zu verhindern. Die Morgenblätter beziffern die Zahl der Opfer des Unwetters in den Staaten Texas, Arkansas, Missouri und Kansas auf 260 Tote und Wer 1600 Verletzte. Der Sachschaden wird auf 3 bis 4 Millionen Dollar beziffert. ein katastrophaler Bergsturz. Aus TifliS wird gemeldet: Durch einen Bergsturz der Davidberges wurde» zwei Häuser zerstört/Bisher wurden 14 Tote aus den Trümmern geborgen. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt. Für die Begnadigung Sarroo und Banzetti». New?)ork, 11. Mai. 61 Professoren der juristischen Fakultäten von s ü «n f am«rl konischen Universitäten haben nach einer Meldung aus Boston eine Petition zugunsten der Revision des Prozesses gegen Saeeo und Vauzetti unterzeichnet und dem Gouverneur des Staates Massachusetts, Fülle», überreicht. . Ungarische Spionage in Jugoslawien. Belgrad, 11. Mai. Wie die Blätter aus Neusatz melden, hat die dortige Polizei drei Personen verhaftet, die beschuldigt loschen, Spionage zugunsten Ungarns getrieben zu haben. Sie sollen mit dem ungarischen Spionageburau in Szeged ln in Verbindung gestanden sein. Die Verhafteten wuvden naß Abschluß der polizeilichen Untersuchung dem Neusatzer Gericht übergeben.

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