Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2947 (12.5.1927)
- Date
- 1927-05-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng 12. Mai 1027 Nr. 2047 Seit 2 uiOEiiaiGiöiiaiaiaiQismEaQBiDiQiDi DAfllA 41 Sämtliche kr I \gp hum C I « Bestandteile zu Mllstosss - Detektor VUII 0 ■ B Fabrikspreisen oftar RBhren - Apparate wöchantl. aufwärts in der Radio-Zentrale, Wien, NSMMKIÄSSSINSIMMWKIVS Die jüdische Pflicht. y, Wien, 12. Mai. Zionistenkongreß kommt und die zionistische Organisation hat die Wahlen vorzunehmen. Sie hat das jüdische Parlament zu wählen, die einzige Körperschaft, hie das Judentum aus sich -irr# für sich bildet, die einzig« Körperschaft, in der sich Kraft und Willen der Nation sammeln, um die Tat zu bereiten. Was der Kongreß ausspricht, ist Leben und Aufwärtsentwicklung; was er beschließt, setzt sich in sichtbare Form nm. Er verwaltet die Hoffnungen eines gim^ejr Volkes, er führt aber zugleich auch aktive Politik eines bereits seßhaft gewordenen Teiles und es ist' das Ziel seiner Politik, diesen Teil immer mehr zu vergrößern, den Besitz an Land in.fe Siedelnng zu sichern und zu vermehren bis zu dem Zeitpunkt, wo sich das jüdische Element in Palästina selbst wichverwalten kömren. Diesen Zeitpunkt kann nur die jüdische Allgemein-- heit 1ms näher bringen und sie ivird dies nur in penr Maße erreichen, als das jüdische Volk den ganzen großen Inhalt zionistischen Denkens erfaßt, in dem Maße, als die zionistische Organisation ihre Werbekvaft bewährt und immer neu« Schichten, neue Anhänger und neue Massen mit ihrem Ideal erfüllt. Organisieren heißt Kräfte werken, einordnen und leiten. Wer daS unternimmt, muß selbst seines Weges und seines Zieles bewußt sein, muß aber selbst auch seine Aufgabe erfassen. Die zionistische Organisation, die vor dreißig Jahren geschaffen wurde, ist von einer Idee ausgegangen und zum Volk im Vvkk getvorden. Sie ist heute nicht mehr das, rvas sie noch ihrer Gründung war, weil ihre Aufgaben ganz' andere geworden sind. Sic hat sich zuerst ihren Platz im jüdischen Volk erobern müssen, sie hat in die jüdi schen Massen erst Hen Gedanken eines eigenpolitischen Lebens hineingetragen, das politische Bedürfnis wecken müssen. Sie ist, wie in jedem Volk,- die aktive Gruppe in der Minderheit, aber die Minderheit des Bejahens Md des Wollens. Die zionistische Organisation wollte nicht erst zum Repräsentanten der Nation werden, weil sie es schon rvar und weil sie von allem Anfang an das nationale und Po-, litische Streben verkörperte. Sie müßte das, was sie wollte, durch das Volk bestätigen lassen und es war ein natürlicher Lohn dar Anstrengungen, daß die Bedeutung der Kon-' gresse immer mehr sich steigerte, und daß sich die Welt daran gewöhnte, in den Ziomsienkongressen der: reinsten AUSdruck jüdischen Lebenswillens zu sehen, in dessen Auftrag die zionistische Organisation handelte. Es tvar dies das erste Stadium des Aufbaues einer neuen nationalen Form unä* es vergingen zwanzig Jahre, ehe neue Forderungen: den Inhalt der Politik Und das Wesen der Organisation vom Grund aus veränderten. Durch die Balfour-Deklavation, die vcA zehn Jahren erfolgt ist, -ernrrrchsen dem Zionismus völligj neüe Probleme. Zur Volksidee trat die Staatsihtze; die mehr oder minder abstrakte Vorstellung mußte zur politischen Energiequelle werden. Diese Notwendigkeit tritt an eine Nation heran, die jeder politischen Arbeit entwöhnt ist oder sie mir im Rahmen und rm Dienste anderer Nationen und nichtjüdischer Parteien leistete. In diesem Volk ist nur die zionistische Organisation der Träger der Jhee vom freien, sich selbst verwaltenden, sich selbst regierendem ünd für sich verantwortlichen Volk. Die Erfordernisse des neuen Pflichtenkomplexes treffen aus eine Minderheit und sie kamt ihnen nur gewachsen sein, tvenn sie in ihren Reihen das Verantwortungsgefühl stärkt, neue Kräfte aus dem Reservoir des Volkes heranzieht und sie mit der so sehr geänderten Stellung der Frage vertraut macht. .Organisation ist Kampf!mn das Morgen, um die Zukunft. Also ist Organisation auch Ausbau und Erziehung. Der kommende Zionistenkongreß hat die Frage der Erweiterung der im Mandate vorgesehenen jüdischen Vertretung zu beraten und soziale, wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen zur Sicherung des Palästinawerkes zu treffen. Er Muß sehr stark sein und dann wird sein Votum Gewicht besitzen. Er muß sich auf eine sehr starke und ihrer Aufgabe, ihrer nationalen Verpflichtungen bewußte Wählerschaft stützen können, die da genau erkennt, daß sie durch Kräftigung der zionistischen Organisation das Wische Selbstbewußtem vertieft, die politische Geltung der jüdischen Gemeinschaft hebt und den in Palästina um unsere nationale Zukunft ringenden jüdischen Siedlern und Arbeitern ihren '»arnpf erteich Der Schekel. Sreißig Fahre Kongreß-zionlsmur Die Zionistische Exekutive in London erläßt den folgenden Aufruf: zionifteni Am 1. Elul 5687 werden dreißig Jahre verflossen sein, seitdem von der Tribüne des ersten Kongresses der Weckruf des politischen Zionismus in die Weite drang. Drei Jahrzehnte werden binnen kurzem vollendet sein, seitdem TheotzorHerzl in seiner ersten Kongreßrede Ziel und Sinn des Zionismus in die Worte faßte: „Wir wollen den Grundstein legen zu dem Haus, daS dereinst die jüdische Nation beherbergen wird." '■ * „Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann cs das nicht, so ist ihm eben nicht zu Helsen. Wir Zionisten wollen aber das Volk zur Selbsthilfe anregen." » „Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland." * Zionisten! Wenn wir uns zum nächsten Kongreß versammeln, werden wir uns Rechenschaft darüber abzulegen haben, was in den letzten Jahren geschehen ist, um i>cit Gedanken des Zionismus, wie er in Herzls Worten und im Baseler Programm vor dreißig Jahren formuliert wurde, der Verwirklichung näher zu bringen. Der Kongreß wird Berichte hören über unser politisches, kolonisatorisches, kulturelles und propagandistisch-organisatorisches Werk. Die Berichte werden, wie immer man die relative Bedeutung unserer Bemühungen einschätzen mag, den Beweis erbringen, daß wir reichlich bestrebt gewesen sind, den Bau höher zu führen, dessen Fundamente im Jahre 1897 gelegt wurden. Wir sind es aber dem Andenken des ersten Kongresses schuldig, daß der nächste Kongreß — ein Jubiläums-Kongreß — auch in seiner äußeren Wirkung von der vollen Kraftentsaltung der zionistischen Bewegung getreues Zeugnis ablegt. Der Kongreß ist das Willenslnstrument des organisierten Zionismus, er spiegelt in seinem Ausmaß die Dimensionen unserer organisatorischen Energien wider. Er repräsentiert nach -dem Gesetz, das wir selber uns gegeben haben, die Zweitausendschaften. aller, Juden, die sich zum Baseler Programmbekennen.; Es ist höchstes politisches und moralisches zionistisches Interesse, "daß der 15. Kongreß befugt ist, im Namen vieler Hunberttausender von Juden zu reden und zu handeln. Zionisten! Der Kongreß ist d i e legi t t m e V e rtretung der Schekelzahl er. Es ist höchste Zeit, daß die Schekelarbeit, die aus mancherlei Gründen in den letzten beiden Jahren an Bedeutung hinter den '.Aktionen unserer Fonds zurücktrat, mit aller Energie und mit dem Einsatz aller Krastel in Angriff gemomrnen und in den, nächsten Wochen auf ihren Höhepunkt geführt wird. Die Exekutive hat daher HHchlossen, die Monate Nissan und Jjar zu Schekelmowaton zu erklären. In diesen Monaten soll in allen Ländern, überall wo Zionisten leben, die Verbreitung dcS Schekels im Mittelpunkt der zionistischen Arbeit stehen. Jeder Zionist soll einen Schekel entrichten, aber er soll unserer Bewegung auch neue Anhänger Zufuhren, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zur zionistischen Idee nblegen. Die Verbände und die Schekelkomrnissionen, in deren Händen die Leitung der Schekelarbeit liegt, sollen Anstalten treffen, um in allen zionistischen Kreisen und Gruppen, besonders auch in den Reihen der Jugend, freiwillige Mitarbeiter für die Verbreitung des Schekels zu werben. In großen Schekel-Volksversammlungen soll über Sinn und Wesen des organisierten Zionismus gesprochen werden, es soll aber auch im Anschluß an andere, besonderen zionistischen Zwecken gewidmete Versammlungen Gelegenheit gegeben werden, den Schekel zu entrichten. Wir wenden uns an die Mitglieder des Aktions-Komitees und an die Führer der Landes- und Souderverbände, an die Leiter der Lokalgruppen und alle aktiven Zionisten mit der dringenden Mahnung, sich in den Dienst der. Schekelaktion zu stellen, sie anzufeuern und zum Erfolg zu führen. Jeder zionistische Führer, gleichviel welchen Grades, ist mit dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der Schekelaktion des Jahres 5687 von der organisatorischen Größe und Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Zionisten! Die Schekelaktion der Monate Nisian und Jjar hat begonnen. Wir vertrauen darauf, daß jeder Zionist seine Pflicht erfüllt. London, Jerusalem, 1. Nissan 5667. Die Exekutive der Zionistischen Organisation: Chaim W e i z m a n n, Nahum S o k o l o w, M. Dizengofs, M. D. Eder, F. H. Kisch, L. Lipsky, H. Pick, F. Rosenblüth. I. Sprinzak. ' --— - i Sloniften Sefterreichs! Der eindringliche Mahnruf unserer Exekutkoo darf nicht ohne Widerhall bleiben. Durch die Wahlkampagne waren wir genötigt, die Schekelaktion für den Monat Jjar anzusetzen. Die Wahlarboit, welche den größten Teil des Monates Nissan ausfüllte, brachte Klarheit über die Stärke der zionistischen Idee. Trotz wirtschaftlicher Not, trotz des ungünstigen Wahlrechtes, trotz einer hemmungslosen Gegenpropaganda haben wir ohne jede Berbmdung mit anderen jüdischen Gruppen, wie dies in früheren Wahlgängen geschehen war, rund 10.000 jüdische Stimmen auf unsere Listen vereinigt. Es waren zionistische Stimmen! Zehntausend wahlberechtigte Zionisten entsprechen ungefähr 25.000 Kongreßwählern, da das Wahlrecht für das zionistische Parlament weitherziger und demokratischer ist als das österreichische. Unsere Parole für den bevorstehenden Juviläumskongreß in Basel muß also lauten: 25.000 Schekalim aus Oesterreich! Zionisten Oesterreichs, Ihr seid gewohnt der Losung, dve ausgegeben wird, zu folgen. Ihr habt es jetzt bewiesen, beweiset es wieder bei der Wahl für Euer Parlament, den Zionistenkongreß! Das Zionist ischeLandeskomitve für Oesterreich. Weizmanns politischer Bericht. Ae Londoner Atzung des AlonWchen Mionskomttees. L o n id o n, 9. Mai. (I. T. A.) In 'der gestrigen Sitzung erstattete Präsident W e i z m a n n sein Referat. Er erklärte, daß die gegenwärtige politische Lage des Zionismus günstig fei. Bezüglich der Erweiterung der Jewifh Agency teilte er mit, daß die Spezialkommission unter der Führung von Sir Alfred Mond stehen werde. Es werden ihr ferner die Herren Felix Marburg und Direktor Oskar Wassermann (Deutsche Bank), sowie ein bekannter französischer Zionist und Fachleute der Industrie und Landwirtschaft angehören. Die Kommission wird etwa sechs bis acht Monate in Palästina bleiben und sodamn ihren Bericht erstatten. Die Beziehungen zur Brandeis-Gruppe sind reundschaftlicher Natur. In den Vereinigten Staate beteht die Tendenz, alle jüdischen „Drives" zu vereinigen und jeder Institution einen bestimmten Prozentsatz zuzuiveisen. Für die Exekutive berichtete Herr Dr. M. D. Ede r. Er verwies auf das parlamentarische Komitee sür Palätina, vor rvelchem demnächst Dr. Weizmanu einen Vortrag halten werde. Er kam sodann aus den von Lord Rothermere in seiner Zeitung „Daily Mail" gemachten Vorschlag, daß die Mandate über Palästina und Syrien an Italien abgetreten werden, zu sprechen. Niemand, der den verantwortlichen politischen Kreisen Englands angchbrt, jagte Dr. Eder, mißt diesem Vorschlag irgendwelche Bedeutung bei. Dr. Victor I a c o b f o m, der Vertreter der Zlomstischey Organisation in Gens, berichtete über die politische Arbeit des Genfer Bureaus und über die Pro-Palästina-Komitees in den verschiedenen Ländern. Man hofft, ähnliche Komitees auch inItalien und in anderen Ländern begründen zu können. Die Zionistische Organisation ist jetzt auch im Internationalen A r b e i t s b u r e a u vertreten. Das Aktionskomitee wählte eine politische Kommission, die sich aus den folgenden Herren zusammensetzt: Oberrabbiner D r. C h a j e s, Kurt Blumenfeld, Dr. Hugo H e r r m a n n, Dr. M. H i n d e s, Deputierter Dr. Tho n, Deputierter Dr. Leon Reich, Dr. Schmarjah Levin, diese aus den allgemeinen zionistischen Gruppen; Rabbiner Senator Rubinstein und Deputierter F a r bst e i m vom Misrachi; Dr. Katznelson und Deputierter L e v i n s o n von Hitachduth; Deputierter Grün bäum von den radikalen Zionisten und Ben G u r i o n von der Poale-Zion. Regelmäßige Luftlinie Kairo—Kavftadt. Kairo, 10. Mai. Den Blättern zufolge, steht die Eröffnung einer regelmäßigen Luftlinie Kairo — Kapstadt unmittelbar bevor. Die Linie wird vom britischen Reichsluftdienst gemeinsam mit ägyptischen Luftverkehrsgesellschaften finanziert und betrieben werdmi. Ler Belagerungszustand über Schanghai ausgehoben. London, 11. Mai. Der Belagerungszustand Über Schanghai ist aufgehoben worden, da die Lage w i e d e r n o r m a l ist. Es wird gemeldet, daß di« Truppen Tsch an grätsche ks An tilg wieder eingenommen und besetzt habe«.