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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-12 · Heft 2947 (12.5.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2947 (12.5.1927)
Date
1927-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Alle Meldungen, daß das Flugzeug an der amerikanischen Küste gesichtet worden sei, habeil sich als unrichtig herausgestellt. Es handelte sich stets um amerikanische Apparate. Der Bruder N u n g e s s e r s nimmt an Bord eines Torpedobootes an den Nachforschungen im Aermelkanal teil. Drei amerikanische Passagierdampfer, die von Newyork abgereist sind, haben sich bereit erklärt, auf der Reise nach Europa einen möglichst nördlichen Kurs zu nehmen, um an den Nachforschungen nach dem Verbleiben der französischen Flieger teilnehmen zu können. Handelsminister Nokanowski hat die Sicherheitsbehörde mit der Einleitung einer Untersuchung über den Ursprung der am Montag in Paris verbreiteten Falschmeldung beauftragt. . Born Man verWungenr New York, 11. Mai. Die..Befürchtung, daß die französischen Flieger N u n g e s f e r und Coli ihren kühnen Versuch, den atlantischen Ozean von Paris bis New York ohne Zwischenlandung zu überflogen, mit ihremLeben b e za hl t haben, scheint ihre .traurige Bestätigung , zu finden. Der Kapitän des französischen Ozeandampfers „Paris", der heute im New Yorker Hafen eingelaüfen ist, erklärte, daß sein Schiff am Montag vor Mitternacht, also eben zu jener Zeit, in der das Flugzeug Nungessers in New York erwartet wurde, eine Sturmzone durchquert habe. Die „Paris" befand sich allerdings 500 Kilometer südlich von der Flugroute Nun, gessekrs, doch deuteten alle Anzeichen darauf hin, daß da! Wetter weiter im Norden noch bedeutend u n g ü n sti ger fei. Die See ging so hoch, daß die Wellen wieder holt über das Deck des Riesendampfers schlugen. Er so überzeugt, schloß der Kapitän der „Paris", daß das Flug zeug Nungessers, wenn es gezwungen war, auf das Meei niederzugehen, sofort vom Ozean verschlungei worden sei. Er hege nur noch verschwindende Hoffnung daß jemals eine Spur von dem Flugzeug und seinen ltn glücklichen Insassen gefuiden werde: könnte. Auch St. Roman vermißt. Paris, 11. Mai. Nach einer Meldung aus Per nambuco sind die Nachforschungen nach dem auf dey Fluge Afrika—Südamerika seit mehereren Tagen vcr schollenen Fliegerhauptmann St. Romain vollstänbi> ergebnislos geblieben. Alle TransozeanMe verschoben. N e w y o r k, 11. Mai. Der Flieger Chamber, lain als auch der, Flieger Byrd haben beschlossen, dej FlugNewyovk—Paris so lange zu unterlassen, bis di Nachforschungen nach dem Verbleiben NrMgesters und Collrj etwas Positives ergeben haben. Auch der amerikanische Flieger L i nd e rb o r o u g> - hat erklärt, mit der Ueberfliegung des Ozeans noch zu> warten zu wollen. Je Mao «nterbrlkt seinen Mltflm. Newyork, 11. Mai. Wegen des dichten Nebels ha de Pinedo die Fortsetzung seines Fluges nach Phila delphia unterbrochen. ■KtM Seipel sucht eine Majorität. Sie Antibolschewikenanleihe. — Schumy will Bizetauzler werde«. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich. Heute Donnerstag, präzise 8 Uhr abends, findet im Olympia-Saal, Wien, I., Rothgasse, zur Eröffnung der Schekel-Aktion, für das Kongreßjahr ein statt, bei dem Herr Dr. Nahum Goldmann über zionistisch-politische Fragen spricht. Juden, erscheinet zahlreich! Sie syrischen Frieöensverhandlungen gescheitert. Sultan MM setzt ven Besrelungskamps sott. Haifa, 10. Mai. Wie die arabischen Blätter aus Beirut berichten, sind die Friedensverhandlungen zwischen dem Führer der aufständischen Drusen, Sultan El Atrasch, und den französischen Behörden Syriens gescheitert. El Atrasch hat eine Erklärung erlassen, daß er den Kampf g e g e n F r a n k r e i ch bis zur Befreiung Syriens fortzuführen gedenkt. 2>em Vernehmen nach hat der Sultan in letzter Zeit g r o ß e U n t e r ft ü tz u n g e n aus Aegypten, dem Irak, den Vereinigten Staaten und auch aus Europa erhalten. Kein polnischer Schritt in Berit«. Berlin, 11. Mai. Die „Tägliche Nwrdschau" beberichbet: Außenminister Zaleski gab nach einer Warschauer Meldung der polnischen Presse eine Erklärung ab, tvonach alle Meldungen über eine bevorstehende polnische Note an Deutschland wegen der Hergt-Rebe sowie der in einigen polnischen Blättern bereits abgedruckte Text der Note falsch sind. Er werde keinen Diplomat ischeu Schritt in dieser Hinsicht unternehmen, sondern sich d'arvauf beschränken, bei einer Zusammenkunft mit dem Berliner Gesandten Olszewski sich über die Ansicht dies deutschen Außenministers in dieser Frage zu informieren. Las Republikschutzgesetz in Leutschland. Berlin, 11. Mai. Heute vormittags begannen im Reichstag die interfraktionellen Besprechungen über die Verlängerung des Republikschutzgesetzes. Gleich darauf trat die deutschnationale Reichtagsfraktion zu einer Beratung zusammen. Ueber die Verhandlungen des interfraktionellen Ausschusses und der Deutschnationalen ist nichts bekannt worden, da vereinbart wurde, strengstes Stills chweigen zu bewahren. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß sich die.Deutschnationalen zu einer Verlange-, rung des Republikschutzgesetzes bestimmenlassen werden. Die Verhandlungen gestalten sich sehr schwierig, da sowohl, eine Verlängerung als auch eine eventuelle Abänderung des Republikschutzgesetzes vom Reichstag nur mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden kann. Es sind also auch noch die Stimmen der Demokraten und der Sozial de ino traten notlvendig, was wei- :erc Verhandlungen erfordert. Nachmit ags ist das R.'ichskabinett zusammengetreten, mir über das Ergebnis der interfraktionellen Besprechungen zu beraten und auch zu dem gestrigen Beschlußdier Z e n t r n ln S f r a k t i o n, der eine V e r l ä n g e r n n g d e s Gesetzes um weitere zwei Jahre fordert, Stellung zu nehmen. Bildung eines latekn-amerilanische« Block». New York, 11. Mai. Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Vuenos-Aires haben Delegierte yon Honduras, G u a tem al a, P etu, Uruguay und A r g e n t i n i e n einen K o n t i n e «n t a l b u n d gegründet, der sich die Bildung einer Liga der unabh ä n g i g e n l a t e i n - a m e r i k am i s ch e n N a t i o n e n einschließlich der gegenwärtig unter nordnmerikanischem otoktorat sichenden Nationen zur Aufgabe stellt. Am 13. April, also geraume Zeit vor den Wahlen, legte die „Wiener Morgenzeitung" als einziges Wiener Blatt die Beweggründe dar, die Dr. Seipel veranlaßten, unter Aufopferung von Interessen seiner eigenen Parte: eine Einheitsfront aller Nichtsozialisten zustande zu bringen. Wir sagten damals voraus, das; schon in naher Zeit für den Geldbedarf Oe st erreich 8 wird Vorsorge getroffen werden müssen, da die BölkeröundireSrte zur Neige gehen. Dr. S-ipel will, wie man jetzt hört, nachdem er eine tragfähige Regierungsmajorität durch Heranziehung des Landbundes zustande gebracht haben wird, nach einer kurzen Frühjabrstagung den neugewählten Nationalrat in die Ferien schicken. Cr selbst will die Karlsbader Kur gebrauchen, um sich dann im Herbst gestärkt auf die Reise ins Ausland begeben zu können und dort über eine neue Anleihe für Oesterreich. gu verhandeln. Im Reisegepäck gedenkt er Atteste darüber mitzuführen, daß seine Regierungsmehrheit im Kampfe gegen die Bolschewiken zustande gekommen sei, was . ihm als trefflichste Empfehlung bei den Bankiers und. Negierungsleuten der. Mächte des Westens erscheint. Nun sind die Wahlerfolge der Einheitsliste nicht gerade Mer-' zeugend. Um den Trustees, den Garantiestaaten und der Reparationskommission, deren Zustimmung zu einer neuen Anleihe nicht zu umgehen ist, als Antibolschewik zu imponieren, muß der Kanzler seine Regierungsmehrheit größer machen und den Landbund in sie einbeziehen. Unter diesem. Gesichtswinkel betrachtet, habe:: die gesterir begonnenen. Beratungen der Parteien der Einheitsliste mit' den Vertretern des Landbundes doch eine. etivas größere Bedeutung als der Streit darum, ob etwa der Großdeutsche Dr. D i n g h o f e r Vizekanzler bleibt oder.' ob ihn der Landbüirdler Schumy in diesem Amte ablosen soll. Bis zum späten Abend saßen die: Christlichsozialen und großdeutschen Minister, einige Landeshauptleute und sonstige Parteigrößen mit den Landbundvertretern Bei» sammen. Das Angebot Dr. Seipels, die Landbündlq sollen in der Regierungsmajorität mittun, wurde voi diesen mit der Forderung beantwortet, man müsse ihnq einen Ministersitz überlasten, der einen wirklichen Einfluj auf die Regierung gewährt. Das Iväre der Posten des Vizekanzlers in Verbindung mit dem Restort des Innern. Ueberdies unterbreiteten sie ihren aus der Wahlbewegusi bekannten agrarischen Wunschzettel. Das Ben langen nach der Vizekanzlerschaft ging den Großdeutschei begreiflicherweise sehr nahe, weshalb man es zunächst bei feite legte und sich über die anderen Landbündlerforderun gen unterhielt. Darüber ließ sich eher reden, und die Ein! heitslistler zeigten sich bereit, dem Landbund hier in vieles Stücken zu Willen zu sein. In dem über die Verhandlungen verlautbarten offi, ziellen Kommunique heißt es zum Schluß: Landes Hauptmann Schumy überreichte eine Zusammenstellunj der wirtschaftlichen, staatspolitrschen und parlamentarisches Forderungen des Landbundes an die beiden Parteien dg bisherigen Parlamentsmehrheit. Diese Forderungen wurde, in eingehender Beratung durchbesprochen. Der Bundes kanzler konnte am Schlüsse dieses Teiles der Berhandlungei feststellen, daß die Forderungen und Vorschläge des Land, bundes nunmehr vollständig geklärt .erscheinen und daß feil Hindernis besteht, das ArbertSprogramm der Mehrheit-, pqrteien durch Uebernahme jener Punkte, die nicht ohnehi: schon in diesem.enthalten sind, zu ergänzen. Es wurde auch, in die Besprechung der Z u s a m in e :v setzung der künftigen Negierung eingegaw gen. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand wurde« um 8 Uhr abends abgebrochen und werden heute un 10 Uhr vormittags fortgesetzt werden.

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