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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-10 · Heft 2945 (10.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2945 (10.5.1927)
Date
1927-05-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 1 Wen, Dienstag SSUtttf Morgsnzettung io. Mai 192? «t. 2945 DIE FÜHRENDE MARKE WIENER STADTBRAU Jas schaffende Amerika. Ein wirtschaftlicher Filmvortrag. Uober Einladung des Wiener Detaillistcnverbandes hielt gestern Obcring. Dietrich W. Dreher im Mittleren Konzerthaussaale einen Filmvortrag über seine vor einigen Monaten unternommene Studienreise nach den Bereinigten Staaten. Bon vorzüglich gearbeiteten Filmaufnahmen unterstützt, gerb der Vortragende in anschaulicher Darstellung das Verkehrswesen, die Bau- und Jndustrietechnik, die Handelsmethoden, die Reklame, das Wohnbauivesen und die Wohnkultur in den Bereinigten Staaten; daneben gewährt diese Vorführung interessante Einblicke in das soziale und gesellschaftliche Leben der westlichen Union. Der Vortrag und die Bilder zeigen die hochentwickelte technische Rationalisierung der Produktion, die in den Bereinigten Staaten herrscht und dem Europäer, der sie nicht gewohnt ist, fast unglaublich erscheint. Die reichen produktiven Möglichkeiten — so führte Ing. Dreher am Schluß seines Vortrages aus — danken die Vereinigten Staaten ihren inneren Expansionsmöglichkeiten und vor allem der wirtschaftlichen Freiheit; an dieser schaffenden und schaffensfördernden Lebensgrundlage kann Europa lernen. Der beifällig aufgenommene, überaus instruktive Filmvortrag wird heute, Mittwoch, Donnerstag und Freitag, jedesmal um 5 llhr und 8 Uhr abends, wiederholt. Wien, 10. Mai. Das Wetter. Das Weiter ist gestern, ziemlich schwül geworden, abends begannen leichte Niederschlage zu fallen. Die Vorhersage lautet: Anhaltend schön, Neigung zu Gewittern. Sechzehnte österreichische Klassenlotterie. Bei der gestern abgehaltenen - Ziehung des IT. Tages der fünften Klasse gewannen: 7000 Schilling das Los Nr. 77.430; ja 3000 Schilling die Lose Nr. 52.652, 73.994, 74.274, 77.445; je 2000 Schilling die Lose Nr. 12.448, 43.464, 48.917; je 1000 Schilling die Lose Nr. 7657, 47.787, 49.773, 62.528, 61.294, '89.593, 96.549. Außerdem wurden 1985 Gewinne zwischen 500 Schilling und 160 Schilling ausgelost. S«bzigtausend Schilling für die Kinderrettungswoche. Die am Samstag und Sonntag anläßlich der Kinderreitungswoche vom Wiener Jugendhilfswerk durchgeführten Straßensammlungen erreichten rund siebzigtausend Schilling. Än der Spitze steht der 9. Bezirk mit >10.500 Schilling. Die Altersnachsicht für die Schuleirrschreibungen. - Dev Wiener Stadtschulrat teilt mit, daß Gesuche um Altersnachsicht für die Kinder, die am 16.. September 1927 das sechste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, spätestens aber am 15. Jänner 1928 sechs Jahre alt werden, bis längstens Samstag, den 21. Mai, in der Kanzlei -des Ortsschulrates einzubringen sind. war, sich anfänglich nicht schminken wollte, wurde sie von anderer Bojaren Frauen ' zur Rede gestellt, warum sie ihres Landes Art verachte und die andern damit beschimpfe; sie haben es auch durch ihre Männer soweiit gebracht, daß diese; von Natur schöne Frau gezwungen wurde, durch Schminken sozusagen bem1 Hellen Sonnenschein ein Licht anzustecken. Da nun das Schminken öffentlich geschieht, pflegt der Bräutigam semer Braut bei der Hochzeit unter anderen Geschenken esne Büchse Schminke zu schicken. Der Knessen, Bojaren und vornehmer Leute Weiber fahren des Sonimers in gedeckten, mit rotem.Tuch überzogenen Wagen, welche Fe im Winter auch als Schlitten gebrauchen. Prächtig sitzen sie darin und haben zu ihren Füßen eine Leibeigen«. Nebenher laufen Knechte und Diener, bisweilen 30 bis 40 Stück. Da di« müßigen jungen Weiber selten unter dste Leute kommen, auch im Hause keine Arbeit angchifett und also wenig Zeitvertreib haben, machen sie sich biswejlen mit Schaukeln, woran sie ein sonderliches Vergnügen haben, eine Erlustigung. Sie legen über einen Block ein Brett, treten auf beide Enden, wiegen und werfen einander hoch in die Lust. Das gemeine Volk in den Vorstädten und Dör- - fern übt solches Spiel in allen Gassen. Daß ein russisches Weib durch vieles Schlagen und Peitschen liebreich werde, und in Ermangelung der Hiebe ein liebloses und mißgünstiges Herz ihres Mannes nvutmäßen sollte, wie etliche Historienschreiber berichten, habe ich nicht erfahre« und ich kann nür nicht einbitden, daß sie lieben, was jegliche Kreatur scheut, oder daß sie das Werk des Zorns für ein Liebeszeichen halten sollten. Man erzählt aber, daß ein törichtes Weib ihrem Mann, Mit dem sie geraume Zeit in Frieden gelebt, zugercdct haben'soll, Fe hätte twch nie spüren können, daß er sie recht liebe, west sie niemals Schläge von ihm empfangen. Darauf habe der Mann Fch erbitten lassen und die Peitsche auf Fe gebracht, dieses auch zuweilen, da sie daran großen Gefaste« fand, wiederholt und sie gar zum dritten Male, um seine ganz große Liebe zu erweisen, tötgeschlagcn. Daß solches mst dieser Frau vorgegangen, kann aber meines Erachtens nicht A Exompel gezogen werden Keine Erhöhung des Jnftandhaltungszinses in Salzburg. Die Salzburger L.mbrsnnetenkommission hat einen Beschlußantrog c-.'<,cnommen, worin erklärt wird, daß eine Veranlassung zu einer l50fachen Erhöhung des Jnftandhaltungszinses nrchr gegeben erscheine. Für den Antrag stimmten die Vertreter dev Mieter und der Arbeiterkammer sowie der Vorsitzende, während die Vertreter der Hausbesitzer und der Handels- und Gewerbekammer sich der Abstimmung enthielten. Todesfall. Gestern ist hier im 35. Lebensjahr« Herr Max Schwarz, ein Bruder des Sejmabgeordneten Dr. Kopel Schwarz und Schwager des Sejmabgeordneten Dr. Ignaz Schipper, gestorben. In ihm verliert die zionistische Organisation einen treuen Mitarbeiter. Vor kurzem starb ihm seine geliebte Mutter, nun folgt ec ihr im Tode nach. Das Leichenbegängnis findet morgen um 11 Uhr vormittags auf dem Zentralfriedhofe (drittes Tor) statt. Einbruch in einem Bethaufe. In der Nacht zum Samstag wurde in dem jüdischen Bethause in der Erdbergstraße, das im ersten Stockwerke gelegen ist, ein Einbruch verübt und -üvei silberne Thoraaufsätze mit versilberten! Glöckchen in Leuchterform entwendet. Die Erhebungen sind im Zuge. > „Mehr Licht im Schaufenster." In den Festräumen des Hauses der Kaufmannschaft fand gestern die Eröffnung der Aktion „Mehr Licht im Schaufenster" statt, die vom Handelsministerium gemeinsam mit den in Betracht kommenden Wirtschaftsfaktoren geführt wird. Der Vorsitzende, Gremialpräsident Ing. Rudolf Brtimanu, hob in seiner Begründungsrede den Wert einer richtigen Beleuchtungspropaganda für di« Intensivierung des geschäftlichen Lebens hervor. Eine amerikanische Statistik weise nach, daß durch die Reform der Schaufensterbeleuchtungj die Beschauerzahl von 14 auf 41 Prozent der Passanten gesteigert wurde. Aus der um nahezu 200 Prozent gesteigerten Zahl der Interessenten müsse» sich naturgemäß auch eine bedeutend höhere Käuferzahl ergeben. Hierauf begrüßte BuNdesministcr Dr. Schürff die Aktton. Für die Gemeinde Wien sprach Direktor Beron. Generaldirektor Kreme netzky bedauerte, daß die verbesserte Schaufensterbeleuchtung mit Rücksicht auf die frühe Ladensperre der Wirtschaft reinen vollen Ertrag bringen könne. Sekretär Dr. Paneih gab sodann einen Üeberblick über die Mittel zur Ausgestaltung der Lichtreklame. Schwerer Motorradunsall. Wir aus Innsbruck berichtet wird, hat sich Samstag aus der Bundesstraße in der Nähe von Hall ern schwerer; Motorradunsall ereignet. Ein mit zwei Personen aus Hall beisetztes Motorrad wollte mit großer Geschwindigkeit einem Last. automobil Vorfahren, stieß jedoch im selben Augenblicke mit einem aus' der Gegenrichtung kommenden, mit drei Personen besetzten Motorrad zusammen. Alle fünf Personen wurden zur Seite geschleudert und blieben bewußtlos liegen. Ein Radfahrer, der sich Vom Lastenauto ziehen, ließ, wurde gleichfalls weggeschleudert und leicht verletzt. Von den fünf Motorradfahrern, die schwer verletzt wurden, sind zwei ihren Verletzungen erlegen. Aus der Schachmelt. Wie wir erfahren, wird gegenwärtig über ein Kabelmatch zwischen Wien, Paris und Newyork verhandelt. Für Wien sollen daran Spielmann und G r ü n f e l d, für Paris A ljechin, Dr. Tartakower und Bernstein, für Newyork Märshall und Kuptschik keilnehmen. Eine Seilbahn auf die Cheopspyramide? Wie uns aus Kairo gemeldet wird, hat ein Konsortium der ägyptischen Regierung den Vorschlag zugehen lassen, eins Seilbahn auf die Cheopspyramide zu bauen und die Regierung an dem zu erzielenden Gewinn zu beteiligen. Wie verlautet, wird die Regierung diesen etwas phantastischen Plan als Entwürdigung der historischen Statten ablehnen. Mutterliebe. Auf dem Zentralfriedhofe Mivogoj zu Agram fand man Spuren, daß ein Grab geöffnet worden war. Der Sarg eine-Z etwa 14 Tage vorher bestatteten. Kindes wurde ausgehoben und man stellte mst, daß die Kindesleiche mit ganz frischer Waschbekleidet worden war. Am Samstag meldete sich nach vergeblichem Forschen seitens der Behörden die 29jährige Taglöh-nerin Milizza Trbowitsch: „Ich bin die Mutter des Kindes. Als das Knäblein starb, war ich schon von dem Vater des Kindes verlassen, ohne Posten, ohne Geld. Ich war so nicht in der Lage, die Totengewänder für mein Kind zu beschaffen und mußte es in armseligen Lumpen begraben lasse,:. Das tat meinem Herzen unendlich Weh. Als ich nun zu etwas Geldmitteln gelangt war, ließ ich ein Hemdchen nähen, kaufte Strümpfe und trug die Sachen zum Mirogoj. Dort grub ich den Sarg heraus und bekleidete mein armes Kind mit den neuen Gewändern. Jetzt hat mein Herz wieder Ruhe." Da der Frau nicht bekannt schien, daß :hr Borgehen unerlaubt tvar, ließ man sie straflos abziehen. Den Sohn mit Rattengift getötet. In einem Dorfe bei Neutra hat ein 85jähriger Landwirt seinen Sohn mit Rattengift getötet, weil er eine größere Summe für ein Grundstück nicht bezahlen konnte. Der Alte, dessen Tochter und deren Mann'wurden verhaftet. E Me alljährlich, beabsichtigt die Ferienkolonie Böslau auch dieses Jahr in ihrem Ferienheim 3 Erholungsturnusse für schulpflichtige Kinder (beginnend am 14. Juni, endend am 14. September d. I.) einzurichten. Es wird angez-'gt sein, für Reservierung des Platzes rechtzeitig Vorsorge zu treffen. Anfragen sind an das Sekretariat des Vereines, Wien, 6. Boz.. Gumpendorserstraße 92, Telephon 70-54 zu richten. l 3800 Kilometer 18« legen im regelmäßigen Dienst die Flugzeuge der Polnischen Lustverkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bezirk, Tegetthoffstraße 7, Telephon 71-0-8^, zurück. Passagiere, Waren und Briese werden schnell und sicher befördert. JÜDISCHE WEIT 6in römischer Geschoß ans der Velngernngrzeit Jerusalems. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Im Zuge der von der hebräischen Universität in Jerusalem geleiteten Ausgrabungen wurden verschiedene Spuren der Belagerung Jerusalems durch die Römer ausgedeckt. In einer der blvßgelegten Mauern fand man eines der schweren Steingeschoffe, die von den römischen Ballisten gegen die Tore geworfen worden waren. Die Mauer selbst wurde nach Ansicht der Forscher in verschiedenen Zeitabschnitten ausgeführt. Der untere Teil dürfte' von König Ägrippa erbaut, während' der obere Teil zur Zeit des Krieges mit den Römern unter Tikrs errichtet wurde. Schoko« «sch in PalSstinn. Aus Jerusalem-wird uns geschrieben: Der Dichter Schalom Asch ist in Begleitung Perez Hirsch b eins in Palästina eingetroffen, wo sie Gäste Bialiks in Tel Awiw sind. Zu Ehren von Asch veranstaltete die Zionistische Palästina- Exekutive und das Hauptbureau d«S Keren Hajessod einen Empfang, auf dem. Asch unter anderem erklärte, er sei zum drittenmal in Palästina, das einen ständig wachsenden Eindruck auf ihn mache. Zum erstenmal gewinne er die Ueber-. zeugung, daß aus Palästina ein Erez Israel wird. Tiefen Eindruck habe auf ihn auch die innere Disziplin der Bewegung und der Arbeiterschaft, besonders in Tel Awiw, gemacht. Hier im Lande fühle man erst die Bedeutung der Zionistischen Organisation und ihren weltumspannenden Institutionen. Die Arbeit in Palästna ist aufgebaut auf freiem Mllen und moralischer Kraft, nicht auf Zwangsgewalt der Regierung. Deshalb sei sie um so mehr verpflichtend für alle Juden, auch für die Nichtzionisten. Er selbst unterstelle sich als Nichtzionist hier der Kraft der zionistischen Organisation. Schalom Asch hat in Begleitung des Direktors'des Keren Hajessod, Leib Fasse, eine für 6 Tage berechnete Fahrt durch die Siedlungen des Keren Hajessod unternommen. Sie Inden in den nfriknnischen Protektorats' gebieten Frankreichs. Die tunesische Regierung veröffentlichte vor kurzem das Ergebnis der im April 1926 in Tunis durchgeführten Volkszählung. Sie weist eine jüdische Einwohnerzahl von 54.243 Personen ans, wobei jedoch die in Tunis wohnhaften europäischen Juden nach ihrer Staatszrlgehörigkeit als Frauzosen oder Italiener geführt werden. Ihre Zahl dürfte etwa 10.000 betragen. Die Gescvmtbevötterung von Tunis beträgt 2,159.000 Seelen. Die Zahl der Juden in Algier ist nicht genau festgestellt, wird jedoch auf etwa 100.000 Personen geschätzt, wovon drei Prozent europäische Juden sind. Größere jüdische Zentren sind Oran (80.000 Juden), Algier (20.000) unb Constantine (15.000 Juden). Im französischen Gebiete von Marokko leben 107.000 eingeborene Juden, während im spanischen Gebiete 21.300 jüdische Seelen gezählt wurden. Außerdenr wohnen in beiden Gebieten zum überwiegenden Teile in den größeren. Städten zusammen etwa 10.000 europäische Juden. ein Schächtverbot in Schweden? Aus Stockholm meldet I. T. A.: Die Zweite schwedische Kammer hat sich nach längerer Debatte mit großer Mehrheit für ein gefe tz lii ches V e r b o t des Schächtens ausgesprochen, bei gleichzeitiger Ablehnung des von der Ersten Kammer bereits angenommenen Entwurfes, der der Regierung in der Schächtfrage freie Hand gewährt. Es ist sehr zu befürchten, daß bei den bevorstehervden Verhandlungen zwischen den beiden Kammern die Schächtgeguer überwiegen, so daß ein gesetzliches Schächtverbot erfolgen würde. Für ein Schächtverbot tritt besonders die sozialdemokratische Partei ein, und zwar unter dem Eindruck der Stellungnahme der Schlachthausarbeiter, die mit einer Niederlegung der Arbeit in denjenigen Schächtbetrieben drohen, in denen nach jüdischem Ritus geschachtet wird.

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