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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-09 · Heft 2944 (9.5.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2944 (9.5.1927)
Date
1927-05-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Wien, Montag Wien« Morgeri-eltrmg S. Mat 1937 Nr. 3944 Ae Notstandsarbeiten in gerufnlem Ans Jerusalem berichtet die „Zionistische Korrespondenz" in Ergänzung der von uns bereits gebrachten Meldung über die Aufnahme' von Notstandsarbeiten: Es ist erfreulicherweise gelungen, wenigstens in Jerusalem die Arbeitslosenunterstützung durch die Ausführung konstruktiver Arbeiten zu ersetzen, bei denen die Arbeitslosen, wenn auch nicht voll, so doch teilweise beschäftigt sein werden. Die vorgesehenen und zum Teil bereits in Angriff genommenen Arbeiten umfaffen einen Zeitraum von 5 bis 6 Monaten und betreffen Straßenbauten, in dem neuen, von der PLDC. an der Mammilahstraße gebauten Viertel „Merkas Mischari", wobei die Zionistische Exekutive aus den Mitteln des Keren Hajessod den Jerusalemer Kaufleuten einen 5-jährigen Kredit gewährt, während die restlichen Kosten von den Kaufleuten selbst aufgebracht werden, sodann den Bau des Jerusalemer Gymnasiums. Die weiteren Arbeiten betreffen den Bau der Universitätsbibliothek, der 30.000 Pfund kosten wird, und die Vorbereitungsarbeiten für den Bau des Mathematischen Institutes der Universität, beide aus dem Skopusberg. Die Kosten dieser beiden Bauten werden ausschließlich von der Universität getragen. Des weiteren den Bau von Wohngebäuden in den Kcren-Hajessod- Siedlungen Atharoth und Kirjath Anawim (Dilb) in der Nähe von Jerusalem, die aus Kosten des nächstjährigen Kolonisationsbrrdgets gehen und die vollständig von der Exekutive aus Keren-Hajessod-Mitteln finanziert werden, wie auch die Wasserzufuhr in diesen beiden Siedlungen, die vom Keren Kajemelh gebaut wird, wobei aber die Exekutive dem Keren Kajemeth aus Keren-Hajessod-Mitteln aus die 'Gesamtkosten von 5500 Pfund ein zweijähriges Darlehen in Höhe von 4000 Pfund gewährt. Die weiteren Arbeiten betreffen Straßenbauten in den jüdischen Vierteln Talpioth, Bajith Megan, Mekor Chajim und Merkas Mischark, die zum Teil von diesen Institutionen selbst, zum Teil mit Krediten der Exekutive aus KereN-Hcrjessod-Mitteln durchgeführt werden. .Die Gesamtkosten für di-ose Arbeiten betragen gegen 66.000 Pfund, an denen sich die Zionistische Exekutive mit Krediten aus Mitteln des Keren-Haj-essvd für ungefähr 21.000 Pfund beteiligt, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Arbeitslosenunterstützung für diese Arbeiter, die bei den Bauten beschäftigt werden, im Laufe dieser Zeit über 10.000 Pfund betragen hätte, so daß die MehrkMen an Krediten, die der Exekutive entstehen, ungefähr 11.000 Pfund ausmachen, deren Rückzahlung aber in den kommenden Jahren durch die Natur der Institutionen, denen die Kredite gewährt werden, als gut sichergestellt betrachtet werden kann. Die.Palästina-Exekutive führt derzeit Verhandlungen mit dem Arbeiterrat in Haifa über eine ahnRche Durchführung öffentlicher Arbeiten, die auch. in. Haffa die AusKaMung von Ävbeitslosenunterstützüngen un-' nötig machen sollen. ' . „Las Mische Helm " Eine neue zionistische Monatsschrift. In Zürich wurde eine'neue zionistische Zeitschrift ,,©o5 Jüdische Heim" begründet, deren erste, vortrefflich redigierte Folge uns vorliegt. Das gut ausgestattete, reich illustrierte Heft enthält nebst dem Programmartikel der Redaktion und einer Kundgebung der 'Zionistischen Exekutive folgende Aussätze:' „Die Schweiz und Palästina" von Dr. Julius Becker, Genf, „Die Einweihung der hebräischen Universität" von Prof. William E. Rappard, Genf, „Galut und Erez Israel" von Saly Geis (Tel Arviw)> „France-Palcstine" von Justin Godart, im feuilletünistischen Teil Beiträge von Albert Cohen, S. Tschernotv (tz, Ist Berk d'tb i tz uttd M. S p ekt o r. — Wir beglückwünschen „Das Mische Heim" herzlichst zum Beginn des Erscheinens. 8k« RaMiel r« den Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei. Drr Senat »er SrWdsm an Her Mchrn Partei. — M Bestechung IM len snnnernenr «IM« aaa< getolesen. — Sr. Sulttig Singet steigrlvra-ea. Oie Set* lanllung gegen Sr. MargM» lettagt. Prag, 9. Mai. Bor dem Kmetengericht fand jetzt die Verhandlung über die Klage der agudisiischen Oberrabbiner Dr. Weber und Hirschler gegen den Präsidenten' des jüdischen Nationalrates Dr. Ludwig Sin- , ger und den Rechtsanwalt Dr. Emil Marguläes in Leitmeritz statt. Dr. Singer und Dr. Margulies hatten in öffentlichen Kundgebungen das Verhalten der agudiftifchen Führer bei den Wahlen in der Slowakei stigmatisiert, die sich dort plötzlich als jüdische Wirtschafts- Partei etablierten und den endgillttgen Sieg der jüdischen Partei verhinderten. Die beiden Angeklagten lehnten den vom Vorsitzenden O^GR. Knvbloch vvrgeschlagenen Ausgleich grundsätzlich und mit der Begründung ab, daß es sich in diesem Prozesse um die Feststellung derjenigen Mittel handelt, welche die Niederlage der Jüdischen Partei im Wahlkampf verschuldeten, also um eine Frage der Bei-nheit des politischen Lebens, bezüglich welcher es kein Kompromiß gebe. In der Verhandlung erklärte Dr. Margulies, daß der Bevollmächtigte der jüdischen Wirtschastspartei in Karpathorußland zum Zweck d?r Vereitlung des jüdischen Wahlsieges von dem Bizegouverneur Rofzypal 100.000 Kronen erhalten habe. Dieser Bevollmächtigte sei Herr Markus Ungar gewesen, der von der Summe 20.000 Kronen der Wirtschastspartei, und zwar dem Dr. Reißm a n n in Beregszasz übergeben habe. Den Restbetrag stellte er später dem Bizegouverneur zurück und erhielt darüber eine Bestätigung, die Dr. Margulies in Photographie vorlegte. Dr. Singer führte aus, daß im Zuge der Wahlagitation eine Deputation orthodoxer Rabbiner beim Innenminister M aly p e tr erschienen sei mit der Frage, „ob die hohe Regierung nicht eine Gegenkandidatur gegen die jüdische Partei wüns ch e". Mit Rücksicht auf dieses von dem M i n i st e r selb st mi'tg'öt eilt e Detail und auf die in Abbildung vorliegende Bestätigung über die 100.000 Kronen müsse er. (Dr, Singer) aste seine Anwürfe au fr echt - e rhä lten. ■/ f •. ' ' . Nach dieser Aussage z0 g der Rechtstiertreter der Kläger Weber und H ir schl e r di« Klage gegen Doktor Singer zurück, der sodann fr e rg esp r ochen wurde. Gegen Dr. Margulies, der.den boIIen Wahrheitsbeweis angeboten hatte, wurde die Verhandlung trotz des Widerstrebens der Kläger .fortgesetzt. Der Zeuge Dr. Salomvn, Advokat, in- Worod,, bestätigte die Arrgelegenheit der 100.000 Kronen, ja er erklärte auch, daß von derselben Stell«, (also von Rofzypal) der zum Schein gegründeten Wirtschastspartei ein weiterer Betrag von 150.000 .Kronen gespendet worden ivar. Das Gericht beschloßt den Herrn Markus Ungar vorzuladen und das Original der Bestätigung zu requirieren. Die Verhandlung wurde vertagt. Der Borwurf, daß die Rabbiner Weber und Hirschler im Dienste nichtjüdischer Faktoren das jüdische Volk um sein Rocht auf Vertretung betrogen hatten, ist aber durch den Freispruch Dr. Singers bereits gerichtsordnungsmäßig bewiesen. Sem Stander' Testament. Am 18. Dezember 1911 schrieb Georg Brandes an den Schriftsteller Otto B e n z o n folgenden Brief, der am 6. November 1912 erneuert und in Gegenwart des Notarius publicus bestätigt wurde. Dieser Brief, der Georg Brandes' Testament darstellt, lautet: , : Kopenhagen, 18, Dezember 11. Lieber Otto Benzon! Ich bestätige hiemit das mündliche Versprechen, das ich Dir neulich gab, als Du Dich als Sprecher eines kleinen Kreises mir freundlich gesinnter Männer an mich wandtest, «m mein Einverständnis und meinen Beistand zur Verwirklichung eines Gedankens zu erlangen, den Du mir mitteiltest, die Grundlegung eines Georg BrandeS-Archivs iu der kgl. Bibliothek. > Ich weiß die ehrende Aufmerksamkeit, die diese Männer und die leitenden Männer der kgl. Bibliothek wir bei dieser Gelegenheit erwiesen haben, so ungewöhnlich sie auch ist, jim höchsten Grad zu schätzen. | Sio entspricht nicht meiner eigenen Auffassung von meiner Bedeutung als Verfasser. Ich bin der Ansicht, daß die Nachwelt mit einiger Verwunderung auf ein solches Archiv blicken würde. Was in dieser Welt nur einigermaßen Wert hat, nimmt ja in der Regel nur einen sehr kleinen Platz ein. Ich will jedoch diesem projektierten Archiv.gern die Ausgaben meiner Werke in fremden Sprachen schenken, soweit äch sie selbst besitze — viele Uebersetzungen sind mir niemals zugeschickt worden — sowie den sehr großen Teil meiner (zurzeit etwas verstreuten) Sammlung von Büchern, die mir persönlich von den Schriftstellern der verschiedensteil Ländern zugeeignet wurden. , j Meine Manuskripte habe ich vernichtet, soweit ich dies vermochte, aber.einige von.ihnen sind vielleicht doch ein wenig von Interesse und ich werde sie der Sammlung überlassen. Aus der Menge von Briefen, die ich.erhielt — soweit sie nicht schon längst. verschwunden. sind — will ich gerne jene heraussuchen, die von. hervorragenden Per-, sönlichkciten stammen und möglicherweise literarischen, und kultuvhistorischen Wert haben können. Das. meiste davon werde ich, solange ich lebe, wohl nicht.abgeben können, aber dis Sammlung kann; fie ja nach meinem Tod erhalten. . Schließlich überlasse ich. dem, Archiv ..über ausgesprochenen Wunsch meine von, Max. Klinger auHgefsthrte;• B A tz« zu« Aufstellung dortselbst Dein c.rgebvnpr' , Geo^f Brandes. * In Gegenwart des Notarius publicus wiederhole und bestätige ich hiemit alle in meinem obensiehendett Brief zugunsten des BrandcS-ArchivS gegebenen Zusagen, die demzufolge nach meinem Tod zu erfüllen sind, soweit .ich sie, nicht schon zu Lebenszeiten erfüllt habe. 1 '> Kopenhagen, den 6. November 1912.! .. Gevrtz Brandes. Ser Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Ueber dicke Beine. Immer waren Mädchenund Frauen auf ihre schlanken, schön geformten Beine stolz, auch wenn diese früher durch He Königin Mode nicht so frei den Blicken der Männer ausgesetzt waren. Aber auch Frauen erfreuen sich gerne an dem Anblicke schöner, kleiner Füße und wohlgestalteter Unterschenkel ihrer Meschlechtsgerwssinnen und bekennen dies oft neidlos. Jetzt, da He Mode der kurzen Röcke herrscht, ist so manches Mädchen über seine dicken Beine tief unglücklich Und sucht bei verschiedenen geeigneten und ungeeigneten Stellen Rat und Abhilfe der peinlichen Entstellung. Wenn irtan diesem weitverbreiteten Zustand der dicken Beine «ine entsprechende wissenschaftliche Erklärung geben wollte, so gerät man in eine gewisse Verlegenheit. Denn es ist nicht inüner so ohneweitiers klar, woraus die Verdickung der Beine zurückzuführen ist. Jedenfalls handelt es sich nicht bei allen uw die gleiche Ursache. Chronische Verdickungen oder Schwellungen der Beine entstehen häufig als Folgezustand nachlangdauernden Hqutent-üüdmrgen, wie Ekzeme oder nach wiederholt auftretendeM Rotlauf, wobei es zu einer wirklichen Verdickung der Haut und der darunter liegenden Zellschichten kom'mt. Bet Frauen, die sehr viel stehen Müssen, Hausbesorgerinneu, Wärterinnen, bilden sich als Folge der Krampfadern Unterschenkelgeschwüre, die schwer ausheilen und zu dauernder Verdickung der Bern« führe«. Schwellungen der Beine finde«! sich bei Frauen, die wiederholt geboren und Entzündungen der Lymphwege, die sogenannten gefürchtetes Venenentzündungen, mitgemacht haben und die an den bekannten Krampfadern zu leiden hasten. Es kommt zu Erweiterungen und Dehnungen der abschließenden Gefäße, welche Stauung in der Blutzirkuation zu starker Beinanschwellung führen kann. In ganz seltenen Fällen konnnt es zu elephantiastischcr Verdickung, wobei die Bbine zwei- bis dreimal so stark als normal werden. Diese Schwellungen, die sogar die Bewegungsfähigkeit der betreffenden Patienten .stark , beeinflussen, müssen als Mißbildung aufgefaßt tverdeu, die bisweilen bei operativer Behandlung Besserungen aufweisen. Bekannt sind auch dem Laien Schwellungen an den Beinen, die bei Herz-» und Nierenkrankheit aufzutreten pflegen. Sie sind ein Zeichen der gestörten Zirkulation im Blutkreisläufe. Wenn aber junge Mädchen von dicken Beinen sprechen, dann meinen sie alle diese angeführten Kränkheits'zustände nicht, die. eine Verdickung 8er Beine herbeizuführen geeignet sind. Es handelt sich meist mir scheinbar gesunde Mädchen, deren Unterschenkel ein pülmpes Aussehen zeigen, es fehlt dem Unterschenkel dje normale schöne Konsignation. Die Verdickung betrifft meist auch die Knöchel, die bei Halbschuhen stark hervortreten uttd häUjch wirken. Werden hohe geschnürte Schuhe getragen, so hängt über dein Schuhende gewissermaßen ein Jettklumpen heraus. Betastet man solche Füße und Unterschenkel) so hat man'den Eindruck einer derben, dicken Laut, Dellen bleiben bej Druck nicht zurück, wie es etwa bei Schwellungen auf entzündlicher Grundlage, bei sogenannten. Oedemen der He^krauke« vorkommt. Solche Beine fühlen sich meist kalt «m, sind blaurot verfärbt und neigen leicht zu Er- Wrmrgen. Sieht Mn sich näher solche Individuen <m, d-r das Unglück Wen, dicke Beine zu besitzen, so stößt man fast immer cküf irine Gruppe von Mädchen und Frauen, die blaß und blutarm, auch sonst scheinbar dabei dick sind. Die Verdickung der Haut mrd des Untierhautzellgewebes beruht nicht etW auf kräftiger MuskulaturentwicklNng, soirdern es liegt hier Mifellos eine mangelhafte Lynchtzirkulatwn auf konstitutiomsier Grundlage vor. Die Mädchen und Frauen, die nnt solchen dicken Behren belastet sind, und ob der herrschenden Mode der kurzen Röcke unter diesem Zustande leisten, fordern Abhilfe. Nach den obigen Darlegungen ist es begpeiflich, daß die kowstitutionelle Anlage schtver vekampst werden kann. Man hat es mft symbolischer Kompressionsbehandlung der Beine mittels GiummiÄnden versucht, doch ohne besondere Evsolge erzielt zu haben. Es wurde eine Behandlung mit Senfumschlägen ernpfohlen. Dicker Sensbrei lvird auf die verdickten Stellen ausgetragen und allmählich von fünf Minuten bis zwei Stunden liegen gelassen. Diese nicht schmerzlose Behandlung' dürfte nicht jeder Frau Sache sein. Die vorr den Laien empfohlene Massage nnd Heißluftbehandlung ist sicher wertlos imb kann! eher die Schwellung verstärken. ■ Man tut aber am besten, den Zustand auf sich beruhen zu lassen, falls keine krankhafte Störung vorliegt. Man tröste sich, daß es auch Schätzer krästlgev und starker Beine gebe. Aerzlllcher Fragekafte«. Atter Abonnent. Ueber Mittel gegen Haarausfall haben wir schon oft geschrieben. Es gibt vielerlei Ursachen, wie Blutarmut, Nevvösität, HaarkmnGeiten. Nur eine genaue allgemeine Untersuchung kann Aufklärung bringen. Wenden Sie sich an einen Ar-t Ihres Vertrauens. — k. R. Die Drüsen längs der Halsseiten müssen nicht Ausdruck einer tuberkulösen Erkrankung sein. Auch chronische Mandelentzündungen können zu solchen Drüsen führen. Lassen Sie eine Tuberkulinprobe durch einen Arzt machen. — ftttfott 89. Der Nabelbruch des Kindes soll im 2. Lebensjahr operiert werden, falls kein Zwischenfall zu fkühzeitsgerem Eingriff zwingt. — Alpen. Für solche blaße Kinder beschriebener Art dürste ein Aufenthalt im Mittelgebirge besser sein als di« See.

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