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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-09 · Heft 2944 (9.5.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2944 (9.5.1927)
Date
1927-05-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2944 Wien, Montag Wiener Morgen^ettnng 9. Mai 1937 Sstte-B - - " — r-—..-— ——— ,,v ,, , ,, ... .-- .- . . - --."9 Grobe krfolge der Hakoah in Wraao. 8:1 (0:1) gegen All Stars, 2:2 (0:1) gegen Svarta. Schwarz, HSurler «uü Suttmaun habe« mttaespielt. Chicago, 7. Mai. Das heutige Debüt der Fabian; Scheuer, Gold; Fried (Stroß), Heß, Barbak; Dlsziplinaruntsksuchung gegen Sr. Wntter Riehl Segen mtlsemIMe« AiiMe« lwr Gericht. Au-f Antrag des Wieu-er Rechtsanwaltes Dr. Artur Vrill tvurde von der Oesterreichischen RechtsanwaltÄammer eine Disziplinaruntersuchung gegen den Rechtsanwalt und Hakcnkreuzlersührec Dr. Walter Riehl eingeleitet, die folgende Vorgeschichte hat: Der Kapellmeister des Johann-Strauß-Lcheaters, K i e n a st, hatte gegen den bekannten Schauspieler Max B r o d ^ine EhrenbeletdigungMage angestrengt, weil er im Verlaufe einer Kontroverse beim Bi'chncntürl des Theaters durch Brod beleidigt worden sei.' An einem Abend, nach der Vorstellung von »Adieu, Mimi" stand Kienast vor dem Bühn entürl, als Brod das Theater verließ. Der Schauspieler soll nun den Musiker mit den Worten: »Warum grüßen Sie mich nicht?" zur Rede gestellt haben, lvorauf Kienast antwortete : „Sie gehen ja weg, dann müssen Sie zuerst grüßen." Darauf Brod: »Sie grüßen mich nicht, weil ich ein Jude bin!" Es entstand schließlich ein Wortwechsel, in dessen Verlaufe Max Brod dem Kapellmeister Ohrfeigen angetragen haben soll. Dieser klagte nun wegen Ehrenbcleidigung vor dem Bezirksgericht Margareten, doch wurde die. Sache durch gegenseitige Erklärungen bcigelcgt und die Klage zurückgezogen. Für Kienast intervenierte Dr. N i.c h l, der in der Klageschrift, an das Gericht unter anderem folgendes schrieb: „Der Beklagte (Brod) handelte offenbar aus einem gewissen, in Wien schon unerträglich gesteigerten Ueberheblichkeitsgefühl, das die Angehörigen der jüdischen Nasse gegenüber uns, bodenständigen Christen und. deutschen Ariern, zum Ausdruck bringen ... Die Juden glauben schon längst gegenüber der angestammten Bevölkerung geradezu höherwertig zu sein." Wegen dieser und ähnlichen Stellen hat Dr. Brill, der Vertreter Max Brods, bei. der Rechtsanwaltskammer den Antrag auf Einleitung ein-er Disziplinaruntersuchung gegen Dr. Niehl gestellt, welchem Antrag Folge gegeben wurde. Kn Lotschlag ln Favoriten. Gestern nachts wurde wurde in Favoriten der 26iährige Tischwlcrgehlfe Joihann B r od i n a im Streit durch einen ^Messerstich in den Hals getötet. Er wurde gegen halb 1 Uhr früh tu einer Blutlache in der Leibnizgasse aufgefunden." Das Blut rann aus einer Wunde am Hals, die die Schlagader durchtrennt chatte. Passanten bemühten sich um ihn. Er konnte nur mit letzter Kraft den Namen „Baünreis" sagen. Die RettungSgesell-- schaft wurde rasch' berufen und brachte Bcodina ins Wicdn? Krankenhaus. Dort er kurze Zeit danach gestorben.. Zeugen der -ber'ÄMtak'"twvrüsgegang'ett ist. sind der Polizei "b'lshÄ nicht-'öekaMi"' Mau chdt nur' gesehen, daß' siih"'B'ködina' vor! der Bluttat mit einem Mann in der Gegend herumgetriebon: hat. Das Polizeikommissariat ersucht Zeugen der Szene sich ehestens beim Kommissariat zu melden. Wien, 9. Mai. Die Kinbesleiche im Kasten. - Die 22jährige Hausgehilfin Therese Ronpee, Klosterneuburgerstvaße 18, ließ sich am .7. d. M. im Brigittaspital nach einey Angeblichen Fehlgeburt aufnehmen. Nachher wurde in ihrem Wohnzimmer im Kleiderkasten verborgen, die Leiche eines neugeborenen Knäbleins gefunden. Da die Todesursache nicht geklärt scheint, wurde die Staatsanwaltschaft verständigt und die gerichtliche Oeffnung der Leiche beantragt. Selbstmord wegen Arbeitslosigkeit. Der 20jäh-rige Schlossergehilfe Anton S. hat sich wegen andauernder Arbeitslosigkeit gestern eine Kugel 'in den Mund geschossen. Er wurde dem Spital übergeben. Auffindung eines Selbstmörders. In den Wienerberger Ziegelteichen wurde gestern ein Mann tot aufgefunden. Er hatte eine Schußverletzung in der Herzgegend und in der linken Schläfe. Nach einem bei der Leiche Vorgefundenen Abschiedsbrief ist der Selbstmörder mit dem Hilfsarbeiter Franz Le dl aus Meidling identisch. Unfälle auf Sportplätzen. Gestern hat der 26jährige Gerüster Ferdinand Z o k a n beim Fußballsviel auf. dem Sportplatz Stad lau durch Sturz einen Bruch oes linken Schlüsselbeines erhalten. Er wurde ins Arbeiterunfalllspital gebracht. — Auf dem Sportplatzt in der Zippergaste erlitten gestern durch Zusammenstoß zwei Spieler, der 20jährige Maurerlehrling Karl Klima und der SMHrige Kutscher Karl Schmidt Verletzungen. Beide mußten ins Spiral gebracht werden. Mark Twain und die Trauben. Mark Twainder.im.Grunde kein Freund allzu großen Aufwandes war, konnte sich den Einladungen der Dollarkönige nicht immer entziehen, und so war er auch einmal bei einem bekannten Multimillionär zu Tisch geladen, der seinen Gästen die auserlesensten Gerichte vorsetzte, aber es nicht unterlassen konnte, stets auch die Rlestnsummen zu nennen, die er dafür ctüsgegeben. Als zum Schluß Obst angeboten wurde, machte der Gastgeber auf besonders köstliche Weintrauben aufmerksam, deren Beeren fast Pflaumengröße erreichten. Er erzählte, was er dafür habe bezahlen müssen, und berechnete, daß jede Beere ihm einen halben Dollar kost-. Mark Twain aß schweigend seine Trauben, aber als er damit zu Ende war, rief er plötzlich ' aus: „Großartig, diese Trauben, großartig! Geben Sie mir davon! nochmal für sechs Dollar!" Man berichtet, daß der Dichter von dem Multimillionär nicht mehr zur Tafel gebeten wurde. t MWndMchstausend Briese wurden bisher durch die Polnische Luftverkchrs-A.-G., Wien, 1. Bez., Tegetchoffstraße 7 (Telephon 71-0-84) befördert und einige Stunden nach der Ausgabe dein Adressaten Wgestellt. Ein Expreßbrief nach Palm kostet S. 1.1V. Ein Luftpostbrief pur S,. 0.60. Wrcner Hakoah in Chicago gegen ern starkes Team der Stadt brachte der jüdischen Mannschaft einen großen Erfolg. Im Vorjahre war die große Hakoah-Mannschaft gegen dieses Team 2 : 3 unterlegen. Diesmal lieferten die Wiener, die durch ihre ehemaligen Spieler S ch'w a r z und Häusler verstärkt antraten, ein prächtiges Spiel. Unter den 6000 Zuschauern befanden sich die Honoratioren der Stadt mit dem Bürgermeister an der Spitze. In der ersten Häbft-e hatten die Hakoahner gegen den heftigen Wind anzukämpfen. Außerdem spielten die Amerikaner nicht nur gut, sondern auch sehr tv u ch t i g, weshalb Schwarz bereits in der zehnten Minute verletzt ausscheiden mußte. Für ihn sprang K a tz e i n. Bei der Abwehr eines scharf geschossenen Balles wurde F ab i a n h e f t i g ä n g e g a n g c n, so daß er das Leder vor die Füße eines gegnerischen Spielers schlug, der glatt verwandelte. Nach Seitenwechsel sprang Stroß für den gleichfalls verletzten Fried ein. Nunmehr setzte sich Hakoah zumeist in der gegnerischen Hafte fest. Im Angriff brillierten Fischer und Häusler, doch g e l a n g erst Gold der A u s g l e i ch d u r ch e i n e n F r e i st o ß. Schließlich verwertete N.ikolsburger ein Zuspiel Häuslers zum führende u T r eff e r. Haloah bleibt dauernd überlegen und Fischer erzielt noch ein drittes Goal, doch pfeift der Schiedsrichter gleichzeitig ab, ohne den Treffer, anzuerkennen. Das S p i c l d c r j ü d i s ch e u M a, n n schaf t fand bei den Zuschauern vollen Beifall. Die gesamte Verteidigung arbeitete ü b c r r a g e n d. In der Hälfreihe zeichnete sich Fried besonders aus und ■ im Angriff spielten Häusler und Fischer die Hauptrolle., Folgende Mannschaft bestritt das Spiel: Und er wählte, der' gute, alte Nikolsburger und bestellte, als erwarte Steinamanger eine Hungersnot. -- „No!'< rief er dann, „sind .Sie mit mir zufrieden?"' — „Sehr, Herr Weiß!" — „Und wo Sie hinkommen, junger Mann, merken Sie sich: Können Sie sich auf mich berufen. — Sie brauchen nur sägen: Jonas Weiß aus Steinamanger hat bei Ihnen bestellt! — Wern alle kaufen: Denn es is to. Zweiter da, in der Branche! -- Verstehen Sie!?" — — Gustav zog mm in Ungarn, in der Slowakei, in Böhmen, in Mähren von Ort zu Ort nnd allen Selchwarenhändlern las er — wie ein Rhapsode — das schöne ^Gedicht der großen Bestellung des Herrn Jonas Weiß vor! Und wie ein Magnet zog dieser große Auftrag viele andere, größere und kleinere, an sich. — — >. Nach acht Tagen kehrte Gustav von seinenr ersten Feldzug heim und wie eine erbeutete Fahne hielt er das (Bestellbuch jedem vor> Augen: „Da schau! Welcher Erfolg! Sechsundfünfzig Aufträge!" 17. Kapitel. Während Gustavs Reise war.die Metamorphose des „Wagtznschupfens" zur Werkstätte beendet worden. Freundlich blickte die Wcrkstätte, denn aus den neuen Oberlichten, flutete hell der. ,Tag in den früher .so düsteren sRaUm. Der Räum war klein — so wie das Personal. Drei '.Gehilfen und eine Köchin. Gustav selbst tvar Buchhalter und Mcigazineurin, Reisender und Tafelbursch. Er tvar überall, und Herr Panigl, der mit Herrn Hermann zur Eröffnung gekommen tvar, bewunderte die Vielseitigkeit Gustavs. „Was Hab' ih g'sagt, Baatter?" meinte er zu Herrn Hermann, „Pässen's auf: Der üringt's zu was!" — „Ja,.er tahgt!" sagte Herr Hermarm stolz, und rückte seinen Zylinder ein tvenig nach links. Beide Herren, sowohl Herr Hermann als Herr Panigl standen int Wurstziinmcr, und trotz Rauch And Dilnsst gab Herr Hermann den Zylinder nicht vom Kopfe, als fürchte er^ dadurch die Feierlichkeit der Eröffnung zu nnndern. Er betrachtete seinen Sohn, der lebhaft, wie ein Kreisel, im WuOzimmer hin- und herschoß, und wiederholte leise zu Herrn Panigl: „Ja, er tahgt!" Und zu seinem Sohne, rief er: „Was treibst du e so Gusti? DU hast — Gott sei Dank —• fo viel Bestellungen bekommen — Und hast nicht geglaubt, daß du so viel -eiegen wirst — tvas willst de noch mehr?!" Gustav tvar, arckever Meinung und mit Recht, denn her ernste Kaufmann darf auf den Lorbeer,! des Auftrages nicht, ruhen. Im Gegenteil. Der Auftrag muß ihm! zum Quell neuer Sorgen werden. Und Gustav — wie eilt „Ru- (Katz), Häusler, Nckolsburgec, Wortmauu, Fischer. 2: 2 gegen Sparta. Chicago, 8. Mai. 15.000 Zuschauer hatten sich heute eingefunden, um dgm mit Spannung erwrrrterten Zusammentreffen der Wiener Hakoah gegen die hiesige Sparta beizuwohnen. Sie wurden nicht enttäuscht. Es gab ein gigantisches Ringen. Die Sparta ist stärker als im Vorjahre und spielte auf Sieg, da es sich ihr um eine nationale Sache handelte. In gleicher Weise gingen die Hakoahner de» Kampf an. Die Wiener jüdische Mannschaft, bei der diesmal außer Häusler auch noch der Mittelläufer Guttmaun tätig war, kämpfte mit größtem Heroismus. Sie lieferte denn auch ihr bestes Spiel auf der Tournee und zeigte sich im allgemeinen den Heimischen überlegen. Dennoch gelangten die Amerikaner zu,m ersten Treffer, dnn Hakoah bis zur Pause Nichte cntgegenstcllen konnte. Nach Seitenwechsel gleicht Häus lcr aus, und Fischer verschafft seiner Mannschaft dr Führung. Schon winkt den Hakoahnern ein wichtiger Sicda gelingt es der Sparta in der letzte Spielminute nach einem Versehen Fabians äuszu gleichen. Total erschöpft verließen beide Mannschaften das Feld, wobei besonders Hakoah viel be jubelt wurde. In der 56. Minrrte schied Guttmann Ms, für ihn sprang Fcldmann ein. Die Verteidigung und der Angriff boten Standardleistungen. Alle Verletzungen der Hakoahner sind harmloser Natur. Das weitere Programm lautet: 15. Mai Cleveland, 21. Mai Chicago, 22. Mai Detroit, 24. Mai Toronto, 28. Mai New- ' York gegen Indiana Flvorings, 30. Mai Philadelphia 1 Retourspiel. (28. Fortsetzung.) tengänger" — fmrd innner neue Quellen der Sorge. „Daß Ihr mir die Würstel nicht z'groß machts und.auch neht z'klahn!" rief er den zwei Burschen zu, die,bei der >Tafel standen, und dann hüpfte er wieder zur Selchje, vor der Floriau, sein „Erster" stand Und er sagte eindringlich LU Florian: „Die.Hauptfach' is, Florian, daß die Wär' Mt ansfallt! A schöne Färb' nmssen's ham, die Würstel; .sunst bestellt mir kahner nach!" — „Wern ma scho Machen!" erwiderte Floriair zuversichtlich; jedoch> Gustav war nicht so überzeugt. „Glauben- S'? — Glauben S'f?" fragte ^er zweifelnd, und blickte in. den 'Selchofen hinein, worin die „Erstlinge", die allerersten Würstel, die ersten Produkte der neuen Fabrik, hingen. Er bangte Um das Gelingen und blickte bekün-tuart zum Räucherofen, als tväre dieser ein Kvernatoriurn, dessen Flamnrerr sein Liebstes übergeben wordene „Daß S' nur neht z'haaß gehen lassen, .Florian!" tneinte er rvarnend. Florian warf zunächst mit Grazie.eine Schaufel feuchter Hobelspäne Ms die Flammen des Selchofens und ertviderte dann gelassen: „Herr Mautner! Lassen S' dehß imr über! So wern z'frieden sein und die Kundschaften ah!" Er össnete die kleine Türe des.Räucherofens und sah hinein. Es tvar ein lieblicher Anblick. Auf tveißen Holzstangen saßen mit gespreizten Minen, wie niedliche Reiter, die kleinen Würstel. Herr Hermann eilte.zUm Räucherofen hin, Und blickte Mch hinein. Aber er hatte sich zu weit vorgebeugt, und der RMch ftchr ihm schjo-, nUngslos in di« Augen. „Ffiih! das beißt!" rief her alte Herr Und blinzelte, und dann schüttelte er sein' Haupt, als bestände der Rauch aus Tropfen. Diese Bewegung tvar unvorteilhaft — für den Zylinder nämlich 7denn dieser stürzte kopfiiber zu den Hobelspätren; vielmehr er wollte es, de,m Florian erfaßte den Ausreißer in her.Lust: „Oha!" rief er und reichte Herrn Hernimrn den Zylistder. Der alte Herr setzte das Attribut der Würde wieder aus, und niemte resigniert: „E so viel Raach!" Florian tröstete: „Jetzt lass' ih's eh glei aufbrenu'n!" und tvarf eine Schaufel.trockener Hobelspäne auf die Glut. Hello Flammen prasselten nun in den Ofen hinein. Florian stand eine Weile, dann öffnete er die Türe der Selche und blickte befriedigt auf die (kleineli Reiter, die durch die Hitze —i wie frische Krapfen gebläht, hochtot der Befreiung harrten; und Florian sagte- „Jetzt ham mer's!" hob eine Stange nach der anderen! alus dem Ofen, hielt jede im schiefen Winkel geneigt zU einem! Korb und die Würstel glitten rasch und Munter — wie am LeopMtag — in den Korb. Gustav stand beim Ko:b Und blickte auf die schön gefärbten (Fortsetzung folgt.) ' v ff Ti—"TM immj HiLnrnrnrnMemmmemmatm Ein Wiener Roman von Leopold Hiohler, Copyright 1927 by R. Löwit Verlag, Wien — Leipzig mm i

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