Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2943 (8.5.1927)
- Date
- 1927-05-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Wien, Sonntag Wiener Moetzenzeitung M9S7 / Rr. 8943 rt Meine rocht« Stto. Rolandbühnc. der großen Zugkraft des Singspiels „Dorine", die vor allem das Talent der Kartousch entschied, gab es am Freitag in der Praterstrajze wieder eine kleine Operette der betvährten Firma G r ü n D a u m und Stärk. „Meine Tachtec Otto" ist eine Doppelrolle, die im Rahmen einer harmlosen Handlung Frau Rosy W c r g i n z Gelegenheit mb, ihre Begabung zu zeigen. Als gut erzogene junge Baronesse soivic als ungezogener urwüchsiger Ottakringer Bua füllte sie ihre Rollen (und die dazu gehörigen Hosen) vollkommen ans. Eine angenclune Stiminc. gute Tanzbeine sowie ihr drastischer Huinor brachten Frau Wergilrz, die mait in Wien viel zu wenig sicht, großen Beifall. Die flüssige, angenehme Musik Leon Fessel s mußte des öfteren wiederholt werden.' Das Paar Adele Baum und Josef Victor«, die Herren H a u s ch u l z und Kraft soivic die Damen T e s a r, I e n i g und das übrige Ensemble halfen verdienstlich init. Der Rolaudbühnc, die in der Kleinkunst ihr richtiges Genre fand, hat nun auch ihren Sommcrerfolg!. Schließung der Reuen Wiener Söhne. Intendant Robert V o l k n e r hat sich veranlaßt gesehen, infolge seiner Berufung nach Prag und den damit verbundenen außerordentlich umfangreichen und zeitraubenden Vorarbeiten bereits von morgen ab die Neue Wiener Bühne zu schließen. Es findet also heute die letzte Vorstellung in dieser Spielzeit statt. Gegeben wird die auf dem Spielplan befindliche Komödie „Inflation in Paris" von Felix Dörmann. Die mit dem Personal eingcleitcten Verhandlungen nehmen einen günstigen Verlauf. Aus den Theatern. D u r g t h -r a t c r. Morgen, ^8 Uhr, „M ede a". Kein Karkcuverkaus. A'kade m i e t hoa te r. Dienstag: „Weiberfeinde." (Abonnement 1. Gruppe.) .Oper n thea t e r. Morgen, 7 Uhr, „Boris Godu - notv". (Theatergemeinde, Serie A, weiß.) Dienstag: „Turandot." Frau Jeritza in der Titelrolle. Deutsches Volkstheater. Die nächsten Rollen Wexander Morssis sind „Hamlet" (Freitag)'und „Der Gr<rs von Charolais" in der zweiten Hälfte Mai. — Die Direktion hat das Volksstück vrßk Hans Saßmann: ^Dvs blaue Äuge" zur Aufführung angenommen. Raimundtheater. Die Erstausführung der nächsten Novität „Musik i'm Mai", ein Spiel mit Musik von Hans Merley und Kurt Breuer, Musik von Emil Berte, findet Mitte Mai statt. Kammer spiele. Maria Orstka spielt heute und morgen in „Amoureuse". — Dienstag Premiere von „Duell der Liebe", Komödie von Lilly Hatvany mit Leopoldine Konstantin als Gast. Renai'ssancebühne. Freitag beginnt Charlotte Ander ihr Gastspiel in der Lustspielnovitüt „K u k u l i" von V. A. Jager-Schmidt, deutsch von Käthe Rosenberg. B ü r g e r t h e a t e r. Die heutige Ausführung von „Cagliostro in Wien" beginnt ausnaymsmei'sc um 7 Uhr, da um Hll Uhr das Gastspiel der „Ersten russischen Tanz'-, Chor- und Balalaika-Truppe" stattfiudet. Theater in der I o s e f st a d t. Die für heute nachmittags angesehte Aufführung von „S ch >v a r z und W e i ß" entfällt. — Mittwoch, den 11. Mai, Vs8 Uhr, Erstaufführung des Lustspieles „Der gute Kamerad" (Un perdreau de l'unnee) von Tristan Bernard, deutsch von Stephan Hock, inszeniert^von. Max Reinhardt. ^,Der müde TheÄwr." Im Modernen Theater würde ein Dutzendschivank vmr Wax Real und Max Fernem hexausgebrächt, der wohl nur den naivesien Gemütern genügen klym. Theodor, ein Ehegatte in gefährlichem Alter, der für ferne „linke Hand" Toiletten zahlen muß, aber von der Gattin scho kurz gehalten wird, schafft sich als Nachtkellner den nötigen Nebenverdienst. Es ergeben sich allerlei Irrungen und Wirrungen, die aber weder kurzweilig noch amüsant sind. ß)ie DamensKamilla Weber, Fröhlich und Altb ach, die Herren Behal, Körner, Berstl und Smyt, sowie eine Reihe fdjtebemühter Episodrsten trachten das Stück zu retten. „Das Svrungbett der Liebe." (Lustspieltheater.) Charlotte 8t..n der verbringt in diesem schon unentbehrlich gewordenen Bähnenrequisit zwei Drittel des Theaterabends und schnellt sprungfederartig bald zu ihrem „Tänzer"", bald zu ihrem eben angetranten, etwas bewahrten Gatten. Sie setzt sich über die heikelsten Dinge mtt einer Harmlosigkeit und Selbstverständlichkeit hinweg, daß man vom ersten Moment überzeugt ist: sie „spricht nur so"". Josef Jarno, dem es gelingt, den Tänzer, den die moderne junge Frau gleich auf die Hochzeitsreise mitgenommen hat, aus dem Felde zu schlagen und die Wider-- Schneider-Atelier M- Heilig ft Ct, l., KSmtnerstraBe Hr. 9 Telephon 78-1-86 Telephon 78-1-86 EnaUsdies Hbonneinentsystent. 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Die sich anfänglich 'hartnäckig Sträubende macht es sich schließlich im'Ehebette recht gemütlich, denn sie hat in der mih Konversation und Paravent begonnenen Hochzeitsnacht schließlich erkennen müssen, haß ihr Gatte, wenn, auch kein Tänzer, so doch pyr „MÄrrn" ist. Charlotte Ander, eine der begabtesten! und reizendsten Darstellerinnen der deutschen Bühne, wurde von' dem entzückten Publikum mit Blumen uird Beifall Mich-' lich bedankt. Die neben dem überragenden Josef Jarno mit-« tuenden Schauspieler fanden den richtigen flotten Rhythmus; ganz ausgezeichnet in einer .Chavgenrolle Willy Trenk-Tre-s bitsch. . k R. S. RaiwmÄtheater. Nach ihrer Uebevsiedlung ins Raimundtheater ging gestern dort Granichstaedtens Operette „Der Orlow"" zum sechshnnderksteu Male in Szene. Die Darsteller, Msbefondrrej Hubert Marrschka, Annv C oty, Margit K-iinl, deä springlebendige Karl >Aöttler und Josef Estger, tvurden. vonl dem dicht ge füllten Haus sehr gefeiert. Ebenso d:e Schöpfer der Kürette, Grani-chstavtzten und Ernst Marischka. ' DÜrgertheater. „Cagliostro in Wien" konnte Freitag sein erstes! Jubiläum feiern. Die alte Operette von Johann Strauß hatte wie am ersten Tage einen volle,t Erfolg. Die Rolle des Cagliostro spielt jetzt Herr Paul Krön egg und gestaltet sie vortrefflich -Bon den übrigen Darstellern zeichneten sich besonders die Damen I:?. ckcußka, Mizzi Zwerenz und Mar- £ ravetc Slezak sowie die Herren Ernst Arno-ld, Jan Kie e r oU u^>. Richard Hold aus. E. W. Kor n go l d, sber Landesgerichtsrat Dr. F r y d a hatte gestern Mer eine interessante Ghrenbeleidigungsklage zu verhandeln, tvelche die Opernsängcrin Frau Lucia Jvanovic-Sawczuk gegen den Gatten der Staatsopernsängerin Frau Karola Jovanovic-Lang, Viktor Lang, erhoben hatte. Die Klägerin führte aus, daß sie in Wien als Opernsängerin tätig sei und in der letzten Zeit wiederholt für sie unangenehme Verwechslungen mit der namensgleichen Staatsopernsängerin vorgekommen seien. In den Rezensionen Mer ihre Person werde fast ausnahmslos der Erfolg der Staatsapernsängerin Jovanovie zugeschrieben. Sie habe gegen diese Verwechslung bisher keine Schritte unternommen, doch habe der Beschuldigte gegen diese Verwechslungen in einer Weise Stellung genommen, die ihre Ehre auf das empfindlichste zu verletzen geeignet sei. Er habe nämlich bei der Polizeidirektion eine Anzeige erstattet, in der er erklärte, daß die Sängerin Lucia Jvanovic-Sawczuk sich wiederholt absichtlich als Staatsopernsängeriu Jovanovie ausgebe, wodurch seiner Gattin schwerer gesellschaftlicher und künstlerischer Schaden erwachse. Nach Inhalt der Klage soll Herr Lang einige Beispiele derart beabsichtigter Verwechslungen angeführt haben. Einmal soll die Namensschwester einen Hund in.Mödling gekauft haben, den dann seine Gattin hätte bezahlen sollen. Oesters seien Herren in seine Wohnung gekommen, um Frau Jovanovie zu einer Heurigenpartie einzuladen, und auch Briefe und Karten anzüglichen Inhaltes seien an seine Gattin gelangt. Frau Jvanovie wurde Mer die Anzeige einvernommen, doch fand die Polizei auf Grund eingehender Erhebungen keinen Anlaß, gegen sie einzuschreiten. Irr der Klage wird ausgesührt, daß die von dem Beklagten bei der Polizei angegebenen Fälle in keiner Weise der Wahcheit entsprechen und daß die Klägerin, eine verheiratete Frau, sich als ernste Künstlerin betätige, und keine Abenteuer mit Herren habe. Vor Gericht erklärte der Beschuldigte, daß er keine formelle Anzeige erstattet habe, sondern lediglich bei dem ihm bekannten Vizepräsidenten Hofrat P a m e r um gütals Wetter von Strahl. Ein seltenes Jubiläwm. Freitag, den 13. Mai, um 6 Uhr rmchnüttags, spricht der 'Dramaturg des Deutschen Volkstheaters Prof. Heinrich G l ü ck s m a n n als delegierter Vertrauensmann smntlichcr Wiener Bühnen im Radio über „Die Theaterstadt Wien und! die Festwochen". Es ist dies Glücksmanns tausendster öffentlicher Vortrag. Vor 44 Jahren wurde diese lange Reihe in ungarischen Städten eröffnet, wo damals noch ein lebhaftes Interesse für Darbietungen in deutscher Sprache vorhanden war. Es folgten zahlreiche Vorträge in Wien, und zwar im Verein dev Literaturfrennde, im Wissenschaftlichen Klub, in der Friedens- Gesellschaft, tim Kaufmännischen Verein, im Niederösterreichischen Gewcrbeverein, ,im Verein reifender Kaufleute, in der Toynboe Hall, in akademischen und Lehrervereinen, im Literarisch-kün.st-- lcrischen Friedensverein, dessen Begründer und erster Präsident Glücksmann war, ferner häufige längere Vortragsreisen durch alle großen Städte' Oesterreichs und Deutschlands und einer: Teil des Auslandes. Glücksmann sprach auch sehr häufig im Volksbildungsverein sowie in den Arbeiterbildungsvcveinen und hatte in vielen Fällen die hervorragendsten Bühnenkünstler zu Illustratoren seiner literarischen Ausführungen. Wohltätrgkertskonzert der „Providentia". Donnerstag, den 12. Mai, findet um *A8 Uhr abends im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architektenvereines, 1. Bezirk, Esche nbachgaffc 9, zugunsten des Pc reines „Providentia", Heim für blinde Mädchen, ein Wohltatigkeitskonzert statt. Es wirken mit: Prof. B u x b a u m, Klavier-Virtuose I is s e r l i s und Konzertsänaerin Mis'lap. Außerdem wird das in Wiener Gesellschaftskreisen bekannte Kwdertrio der Geschwister Marcus das erste Mal in der Oeffentlichkeit konzertieren und das Trio von Böhm für Klavier, Violine und Violoncello und das Menuett von Beethoven zur Aufführung bringen. kiche Beilegung der VcrwcchsürngZaffäreu vorgesprochen habe. Er stehe nicht an zu erklären, daß er sich mit seinen Informatoren keineswegs identifizieren tvollc. Die Klägerin verlangte nun von Herrn Lang eine Ehrenerklärung, in der er alle Vorwürfe als den Tatsachen nicht entsprechend zurückzichc. Diese Erklärung verweigerte der Beschuldigte, tveil er der fortwährenden Vcrtvcchslungen schon Mcvdrüssig sei. Er legte ein Exemplar einer Theaterzeitschrist aus dem Jahre 1914 vor, in welchem Frau Jvanovic mit einem Hund abgebildet war. Das Bild trug die Unterschrift „Karola Jovanovie". Die Klägerin erklärte, daß das Bild ohne ihr Wissen in das Blatt gekommen sei. Der Richter beschloß, zur Vorladung des Vizepräsidenten Hofrat Pamer als Zeugen die Verhandlung zu vertagen. Irrsinnige schneidet ihrem Kinde beide Hände ab. ndustriellcii Vezirkskonnnission liefen Anzeigen ein, d^st Eine Bei! Iber In? Johann. E., der die Arbeitslosennnterstützung bezog, änl Rudolfsheiiner Markt Aushilfsarbeiten als Marlthelfer verrichte >und svl'rch oen widerrechtlichm Bezug der Unterstützung den Staat schädige. Zug Verhandlung vor dem Bezirksgericht Fünfhaus (LGR. Doktor Delapina) erschien her Beschuldigte in Begleitung seines fittefjähr igeni jKindes. Arrgekl.: Ich arbeite bloß für tu ei.ne jetzige Lebensgefährtin ohne Entgelt, den't ich bin ihr zu größten: Dank verpflichtet. Richter: Warum? Angekl.: Meine Frau, von der ich jetzt geschieden bin, ist geisteskrank und in einen: Wahnsinnsanfall hat sic meinem armen Knud beide Hände wcggcschnitten. Sie wurde in eine Irrenanstalt gebracht und,n:cin,e Lebensgefährtin hat das Kind, das damals 13 Monate alt war, zu sich 'genommen und durch die aufopferungsvollste Pflege am Leben erhalten. Der Richter ließ nun daS Kind seine Aermchen herzcigenf und fand diese entsetzliche Thtsachc bestätigt. Die Lebensgefährtin des Beschuldigten hatte bei einer polizeilichen Ern'eernahme angegeben, daß Johann E. für sie ohne Entgelt arbeite. LAR. Dr. Delapina verkündete hierauf den Freispruch des Angeklagten. , , Sle Ihren Arzt! Hlnüöertroffen Oet rheumatischen, gichtische« und nervösen Schmerzen, Kopfschmerzen und Erkättungskrankhetten. 1M0 amen, g N neu die hervorragend schmerzstillende, rieilcnde «.prompte Wirkung. Keine schädlichen Nevenwirknngen. Fragen ren Arzt! — In allen Apotheken. — Preis 8 2-20 , - Vereine. Vortröge und Versammlungen. Msrachi Wien. Heute, 10 Uhr vormittags, im Bercinslokale, 2. Bezivk, Pmterstraße 43, diesjährige ordentliche Generalversammlnng. Die Mitglieder werden um pünktliches Erscheinen evfucht. — Ziomstlscho Sektion 6—8, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Dienstag, den 10. Mai, 8 Uhr abends, Vortrag Prof. Nahum Jwi Ehrlich: „Das jüdische Volkslied in seiner Entwicklung" mit musikalischen Illustrationen. — Zionistischer Klub „Blau-Weiß" 19. Dienstag Vortrag Direktor Dr. Viktor Kellner: „Der Zionismus, die geistigen und politischen Strömungen der Gegenwart", im Klublokal, 19. Bez., Peter-Jordan-Straße IO- Jugendliche Gäste willkommen! — „Brith Hazosim." Versammlung Dienstag, den 10. Mai, 1 Uhr abends, Cafe Metropol. 9. Bez., Berggasie 33. — Maimonides-Jnftitut, 8. Bez., Hetzgasse 40. Montag, 6 Uhr, Dr. A. Kamurka: „Das Buch Nachtlm"; 7 Uhr: „Das Problem der Willensfreiheit." Zionistische Bezlrkssektion Innere Stadt. Be: der au: 5. Mai stattgehabten Generalversammlung wurden zum PrÄskdenteu Herr Dr. Hofs mann, zu V'izeprüsideuteir die Herren Dr. Leopold Grünberg und Oswald Reicher, sowie ein engerer Ausschuß aus 7 und ein erweiterter aus 30 Personen gewählt. Der neue Ausschuß hat seine Tätigkeit bereits aukgenomnren. A-ls eine der ersten Veranstaltungen wird am 81. Mai ein Vortrag des Herrn Dr. Wolsgang Weisl, Jerusalem, in den Olympiasälen stattsinden. Boi der Generalversammlung wurde auch eine Reisolutivu angenommen, welch« Herrn Dr. Leopold Plaschkes für seine langjährige Tätigkeit im Gemeinderat der Stadt Wien Anerkennung ausspvlcht und cs bedauert, -daß durch den unglücklichen 'Wahlausgang die Mische BevMerung Wiens ihrer Vertretung im Gemeinderate beraubt wurde. — Die Lvsestube der Sektion bleibt rmch wie vor joden Dienstag im Cafe 5wbsburg (Erceiisior). 1. Bezirk, RotenturMstraßo 24, i. Stock, dom allgemeinen Besuche' zugänglich. Klub radikaler Zionisten. Mittwoch, HO Uhr abends, Cafe Atlashof, Klubvepamm-lung. Tagesordnung: Unsere ulichisteu Aufgaben. Referent: Dr. Plaschkes. ForFetzung der Diskussion über den Vortrag Dir. Wechslers über: Ursachen und Lehren des Wahlergebnisses. Zum Worte gelangen die Herren: David Nebenzahl, Ing. Oskar Kramer, I. Hellenberg,