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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-08 · Heft 2943 (8.5.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2943 (8.5.1927)
Date
1927-05-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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fcijscit will, welche große Entwicklung! Welche Kräfte waren wirksam, urn die Bevölkerung dieser im Schnittpunkt der europäischen Straßcnzüge, zwischen dem Westen und dem Osten liegenden Stadt, um die hier sich zusammenfindendcn heterogensten ethnischen Elemente zu einem ganzen zu verschmelzen! Welchen unvertmistlichen Lebenswillen hat doch dieses Volk, das Krieg, Not und Pestilenz nicht seiner natürnchen Anmut berauben konnte. * Die Ausstellung wurde gestern mittags vom Bundespräsidenten Dr. Hainisch in Gegenwart der Spitzen des geistigen und wirtschaftlichen Lebens Wiens feierlich eröffnet und nach dem offiziellen Rundgang dem Publikum übergeben. DaZ großzügige Werk präsentierte sich im strahlenden Licht der Maisonne als fast vollendet. Es fehlen nur noch geringe Kleinigkeiten, die wohl noch gestern nachgetragen werden konnten. In allen Abteilungen wimmelte es von Besuchern und tvir wollen gerne schon an dieser Stelle Mitteilen, daß die Exposition der Zentralstelle für jüdische .I u g c n d s ü r s o r g e, die das Amt des Herrn Dr. Löwy mit so gutem und sicherem Geschmack eingerichtet hat, reiche Anerckenirung fand. Die stärkste Anziehungskraft zeigten die Abteilungen für Technik und Kunstgewcrbe, sowie die Organisation der Gemeinde Wien. * Die Ausstellung befindet sich im Wiener Mestepalast in den Hofstallungen und ist täglich von 9 Nhr früh bis 8 Uhr abends, an Sonntagen von 8 Uhr früh an geöffnet. Eintritt ein Schilling. Die Ausftellungsdauer ist mit zwei Monaten vorgesehen. Dreißig Fahre Zranenstndlum. Eine Frier der Wiener Universität. An der Wiener Universität wurde gestern mittags die Frier des vor dreißig Jahren erfolgten Eintrittes der -Frauen in das akademische Leben und ihrer Zulassung zum Doktorat begangen. Gleichzeitig erfolgte die Ueberreichüng des Ehrenzeichens der Universität an die Mutter des Bnndesprästdenten, Frau Marianne H nimirsch, eine der Borkämpferinnen für das Frauenstudvrm in Oesterreich. Eine gchaltvolle und mit großem Temperament vorgetragene freie Rede der Frau Marianne Hainisch über die Bedeutung des Frauenstudrmns. führte zu lauten Sympathiekundgebungen für die greise Römerin. >Zur Feier waren der Rektor Hofrat Mo lisch mit den Dxkanen uti5 Senatoren aller Fakultäten erschienen, ferner' Unterrichtsminister S ch m i H, Polizeipräsident Sch0kb«r, die Rektoren der anderen Hochschulen, viele Professoren, die weiblichen Lehrkräfte der Universität und Doktorinnen aller Fakultäten. Rektor Professor Mo lisch sprach über die Bedeutung des Franenstudiums. Der Historiker Hofrat Dole sch rühmte die wissenschaftliche Betätigung der Frauen. Me Festrednerin Frau Archivrat Dr. Winkler besprach eingehend die soziale Umschichtung, die zum Eintrttt der Frauen in das Erwerbsleben und damit auch in die akademischen Berufe führte. . Es erfolgte hierauf unter großem Beifall die Ueöerrerchung des Ehrenzeichens der Universität an Frau Marianne H aintsch. Rektor Professor M o lisch feierte Frau Harnisch als diejenige Frau, die den Weg zum Univerfitätsstudium der Frauen ebnete, indem sie schon vor fast 60 Jahren den Antrag auf Errichtung eines Unnachahmlichen, die die Kostüme und Bühnenbilder im heute allgemeinen und beliebten und gar nicht mehr originellen Geschmack entworfen hat. Klaus beklagt sich, daß er Thomasens Sohn ist (und lebt doch von seiner Wstammnjng!). Ist nicht eher Thomas zu beklagen? Klaus ist der junge Mann, der so furchtbar laut von der neuen Jugend redet und keinen Hauch von ihr verpürt hat! Der von Revolution den Mund voll nimmt und ein alter Romanttker ist, ein Lyriker von vorgestern, ein blutleerer Nachempfinder, der schreiben, nicht dichten kann, der über das Wort verfügt und des Gedankens, des Funkens ermangelt. Er jammert und manifestiert fortwährend, und ist überall da, wo man ihn endlich einmal nicht zu finden hofft. So jetzt in den Kammerspielen mit dem Mann-Wedekind-Stcrrcheimschen Haustheater, mit seinem Bangschen MelancholisMus, seinem Dilettanttsmus. Ach, Thomas hat zu viel zu tun mit Schreiben, Reden, Einleitungen, Rezensionen, Privatbriefen, Festessen und Reisen, als daß er besser auf seine Kinder hätte auf- .pasfen können. Er, der Meister der Vollkommenheit, der MnWer im Buch, der Unsterbliche des „Todes von Venedig" hat den lebendigen Dilettantismus in die Welt gefetzt. Matt klatschte Beifall: nicht dem Stück: dem Liebhabertheater! nicht den Schauspielern: den Dichterkindern'! Man war sozusagen Familienschoß. Und die Kinder amüsierten sich zum Amüsement der Erwachsenen. Aber daß man mit so was auf Tournee geht! Die Tantieme müßten den Vätern zufließen! Pamela hat den Ton des Vaters... IM und sie ist ein Mädchen, ganz jung. Wieviel Reiz mehr hätte sie, ivenn sie weniger Intellekt hätte! Wie stillos ist das: Frank in Pamela'!... Der Schwiegersohn Thomasens ist ein kluger Schauspieler, einer von den heutigen geistigen, literarischen. Es wäre der Bühne so bekömmlich, wenn die Männer wieder ettvas dümmer und ungMllA^Mren. Daß Aykelchen, Klaus (PringsWm) hat M ädch eng ymnasünns stellte. Immer ttjfe&ct hat sie zunächst für das Mittelschulstudium der Frauen in Wort und Schrift gekämpft und so die. Grundlage für ihr Hochschulstudium gelegt. Die? »Zurufe und der Applaus wiederholten sich in verstärktem Maße bei einer eingehenden Erwiderung, die Frau Hainisch Mt überraschender Frische und Kraft angesichts der großen BersaMnlmig vortrug. DK gnsannnenfaffmig der Wische« Fugenüvrrbande Sefteneichr. Gastcrn nachmittags fand die Konferenz der Führer der jüdischen Jugendorganisationen unter übe raus zahlreicher Teilnahme unter Vorsitz des Herrn Lanczener statt. Erschienen waren vom Zionistischen Landeskomitee der Präsident Dr. G o l d h a in m e r, ferner Dr. Rothblum, Dr. T a r t akower, Dr. Kiaber, Herr Schmerler, Dr. Gelber, sowie Dr. Plaschkes und Dr. Wilhelm vom Turnverband.. In der überaus lebhaften Debatte, an der sich auch einige Herren des Landeskomitees beteiligten, wurde der einmütige Wille zur Gründung eines jüdischen Jngendverbandes zum Ausdrucke gebracht. Die daraufhin von Herrn Lanczener verfaßte nachstehende Resolution wurde einstimmig beschlossen und ein Komitee zur Ausarbeitung eines Organisationsstatutes aus den Herren Kamiol, Kerzner, Lanczener, Erwin Rotier, Sternberg und T e i t e l b a u m (Misrachi), Silberberg (Hitachduth) gewählt. Dieses Komitee wird bereits .kommenden Dienstag um HO Uhr im He iure der zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt, 2. Bez., Zirkusgasse 33, mit der Ausführung der ihm anvertrauten Arbeiten beginnen und an einer in kürzester Zeit einzuberufenden Delegiertenversammlung Bericht erstatten. Jede Jugendorganisation wird aufgefovdert, zu dieser Versammlung ihre Delegierten dem Sekretariat- -des Verbandes der zionistischen Jugendorganisationen Oesterreichs, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, namhaft zu machen. Die - Gründungs-Resolution hat folgenden Wortlaut: ' Die heute versammelten Vertreter der zionistischen Jugendvereine, Gruppen, Bünde usw. beschließen, in Anbetracht, a) - der schwierigen Lage der Zionistischen Organisation in Oesterreich und . b) der drohenden Abbröckelung der zionistischen Jugend von der Gesamtorganisat-ion, ferner der c) faktisch bestehenden gogeusei-tigen Entfremdung bei den vorhandenen Gruppen die Gründung des „V e r b a n d e s z i o n i st i s ch e r Jugendgruppen Oesterreichs" zur Zusammenfassung ' aller aktiven Kräfte, zur Stärkung und dem Ausbau der Jugendorganisationen. Bei voller Wahrung der sozialen und politischen Ideologien der einzelnen Gruppen wollen wir.dafür Sorge tragen, daß eine nationales zionistische Grunderziehung bei allen- Gruppen durchgeführt werde,- die die Prinzipien des zionistischen Gedankens -den Jugendlichen dauern vermitteln. Weit davon entfernt, Kulturkämpfe auszutragen, wollen, mir die allmähliche Hebraisierung der Gruppen in die Wegeleiten. Unbeschadet der Richtung oder Art der Arbeit der einzelnen Gruppen wollen wir in/Zukunft einander oft begegnen, um in gemeinsamer Aussprache Verständnis und Achtung voreinander und zueinander zu 'gewinneil. G e m e i n s a m aber, wollen toir uns ziistcmmentuii, um Mittel und Wege ausfindig 31t machen, die uns noch fernstehende Jugend der zionistishen Idee Zuzuführen, welcher sonst die Gefahr der völligen Entfremdung die Musik zu dem Stück gemacht. Ihr lvißt doch, was zu einem , „heutigen" Drama gehört.: Variete, Jazz, Akrobatik. Der junge Mann bedient ‘ sich der heutigen Methode. Aber er hat nur die Methode, nicht das Heutige. Und der Witz ist: das Umgekehrte! Methode zum Teufel! Aber von heute sollt ihr sein! Das Heute sollt ihr sein! Nun: der Geist der Väter sei über eurer Tournee! Ihr flucht ihm zwar,'aber er nährt euch, und ihr sagt schmerzlich: Verhängnis. Doch auch Verhängnis kann Glück und Tantiemesein. -Das Zentraltheater macht auch Entdeckungen. Die letzte heißt Karst Sloboda und sein Stück „Die Wette". Um was geht sie? Daß ein reizender Herr eine Tugendsame in ein paar Stunden zu seligem Fall bringt. Wer schwankt noch über den Ausgang? Gibt es noch Publikum von gestern? Mir scheint, alle waren gewiß, daß man wettet, um zu gewinnen; baß die Tugend da ist, um möglichst rasch gewesen zu sein. "Löhnt es sich, einsame Genugtuung mit Seligkeit zu bezahlen? Wer dankt der Tugend ihren Bestand? Sie sich selbst nicht einmal. Also die Wette geschieht im ersten Akt. Im zweiten wird geredet und geredet, und. der Regie ist jedes Wort heilig, heute, im Jahrzehnt des Films, wo jedes Wort zu viel ist, wo es nur noch auf den Tonfall der Handlung ankommt. So entschließt man sich nach dem zweiten zu gehen... Aber da ist ein achtzehnjähriger Racker in dem Sessel vor einem, d^r ist süßen Geheimnisses voll, wie Pfirsich, Haar, schattet braun. Man bleibt! für ihn! für einen Monolog an ihn, eine Hymne, eine Sehnsuchtskanzone. Und da stellt es sich heraus, daß das wortreiche Stück «inen dritten -Akt hat, der. .. Beschwingt, witzig, pointiert, einfallsreich. Und gleich zwei Frauen sitzen in den Stuben des Geivinners und Siegers. Bosheit, Spott des Geschicks! Man selbst wird nicht einmal von dem achtzehnjährigen Racker erhört! Aber der dritte Akt ist sq Mt, daß er mit dem schnöden. Geschick versöhnt l ■ ■ Wer alle möglichen ■ wmmmammmmmmmmmm M ■ durchgemacht hat und trotz großer diattscher Ent- M Lehrungen keine Gewichtsabnahme erzielen konnte, verfnche Dr. HossvanerS EntfettunaStablettev, die vor allem keine Aenderung der 88 ■ gewohnten Lebensweise verlangen und in kürzester Zeit Gewichtsverminderung bewirken. — Depot; n Apotheke H. Bayer, Wollzeile Rr. 12 von unserem Volke droht. In ernster gemeinsamer Arbeit mit den zionistischen Instanzen in hvfem Lande wollen wir unser Ziel erreichen. In diesem Sinne beschlichen lvir die Gründung des V e r b a n d e s der z i 0 n i st i s ch c n I ngend 0 rganisa 0 n - n O cstc».». «ich §. Verband Wischer Kauslente, Gewerbetreibenver und Handelsvertreter. Donnerstag fand die zweite Plenarversammlung des Verbandes statt, welche ans allen Bezirken stark beschickt war und, an der auch Delegierte verschiedener wirtschaftlicher Korporationen teilnahmen. Nach den Referaten des Präsidenten des Gremiums österreichischer Handelsvertreter und Kommissionäre, Herrn A. M. E h r l i ch, sowie des Herrn Dr. Leopold Plaschkes wurde über Antrag des Gremialrates Herrn L i ch t c n st c i n der Verband in eine Wirtschaftsorganisation ausgestaltet, die streng unpolitisch ist und die sich insbesondere mit unentgeltlichen Rechts- und Stcucrschutz, mit Kreditcrteilung, Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten in allen Branchen sowie mit dem Austausch von Angebot und Nachfrage beschäftigen soll. Herr Moritz K 0 h n w!>cS auf die Notwendigkeit hin, die Organisation nach Branchen und Bezirken sofort durchzuführen und dafür zu sorgen, das; ein ständiger Parteienverkehr möglich ist. Mittwoch den 11. Mai um 8 Uhr abends findet in der Kaufmannshalle des Wiener Bürgerecafe, 2. Bez., Praterstraße 11, neuerdings eine Massenveresammlung der jüdischen Kauflcute, Gewerbetreibende urs Handelsvertreter statt. eine Widmung der „Hygiena" au» Anlaß des Muttertages. 100 „Hyglena"-Säuglings-Ausstattungen für Abonnenteu der „Wiener Morgenzeitung". Die Säuglingswäsche-Unternchmung „Hygiena" Wien, 1: Bez., Bäckerstraße 14, schreibt uns: An die Redaktion der „Wiener Morgenzeitung" Wien. Anläßlich des Muttertages haben wir beschlossen, den bedürftigen Lesern Ihres Mattes 10V „H h g i e n a" S ä u g l i n g s a u s st a t t u n g e n zum ermäßigten Preise von S. 40.— für die ganze Ausstattung zu widmen. Wir stellen es Ihnen anheim, diese Spende in geeigneter Form zu publizieren und übersenden Ihnen für die sich bei Ihnen beiverbenden Abonnenten 100 Anweisungen, die Sie mit Ihrer Stampiglie versehen wollen. Wir sind bereit, allen Parteien außerhalb Wiens die Ausstattung bei Einsendung der mit genauer Adresse versehenen Anweisung ohne Preisaufschlag franko zuzusenden. Hochachtungsvoll ,Hygiena", Säuglingswäsche-Unternehmen. Indem lvir namens der bedürftigen Leser der „Wiemer Morgenzeitung", sowie im eigenen Namen für diese Säuglingswäsche-Wohlfahrisaktion der „Hygiena" danken, laden wirunsere Leser des In- und Auslandes ein, je eine Säuglingsausstattung bei uns anzusprechen. Die Anforderung ist — bei Trafikabonnenten — mit dem Ausweis des Abonnements ferner mit der Bestätigung se-itens der Kultusvorstandsbehörde zu versehen, daß die Abonnentin, beziehungsweise eine Familienangehörige des Abonnenten oder der Abonnentin diese Säuglingsausstattung für einen Säugling, oder einen zu erwartenden Säugling benötigt und den vollen Preis zu leisten nicht in der Lage ist. Nach Einbringung dieser Bestätigung werden lvir den betreffenden Petenten unverzüglich die Anweisung übermitteln. Eine komplette „Hygiena"-Säuglingsausstattung Versteht ausfolgenden Stücken- - 6 Hemden, 6 Leibchen, 12 Windeln, 4 Flanelle, .1 Bademantel, 2 Nabelbinden, 2 Gununieinlagen, 1 Saugsiasche, 1 Sauger, 1 Höfer-Streupulver, 1 Höfer-Kindcrcreme, 1 Höfer-Kinderseife. s Set falsche Hohenrolletnvrinz — ein Mörder? Der falsche Hohenzollcrnprmz Harry Dpmcla scheint, Joi* die „B. Z." erfährt, verdächttA, on einem schweren in Berlin verübten Velbre«heir beteilkkgi zu saül. Es handelt sich frUrfvi um das v e rfchttind en des . 16jährigen KeNneclehrlings WM Schnabel, der im Cafe „Vaterland" bttchäfttgt!var, aufeinem Dtenst verschiuaud uud nach vier Wohen im Schilf bei Gettylv als Leiche aufgefunden wurde. Seite 4 Wien, Sonntag Wiener Morgettzettu«g 8. Mai 1M7 Nr. 2843 Grotzsmdt, dic das Mitleid durch soziales Verständnis err '—rf-“ iiaifirwn-fiHimiiiw «nirm-i r t-i ti ■ ..'OMaAMvyKi tSr-r 31497481

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