Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2943 (8.5.1927)
- Date
- 1927-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Stellet M»rg«>q«rtm>s vtz Mm 15»? ifSkjlXkpyP',~ UM DIE ZARTE SÄUGLINGSHAUT ZU SCHONEN VERWENDE MAN FÜR ALLE BABYWÄSCHE NUR LUX WIRD NIE OFFEN VERKAUFT. HERGESTELLT IN DEN SUNLIGHT-FABRIKEN. : V , v Für I fiin«.Wjsd ohneAusna! ■ M MM W M Sj Hand! Die Franzosen Mt ihr angreifen, denn sie sind die wahren Feinde des Rif." Aber ich Hatte kein Vertrauen in seilte Ehrlichkeit und brach die Beziehungen ab. Dieser Manu hatte sich als mein Freund bezeichnet, war aber immer nur ein Freund der Lüge und immer geleitet von Habsucht. Er war der unzertrennliche Mitarbeiter Primo de Riberas. Von Tag zu Tag wurde die Wirkung der spanischen Propaganda gefährlicher. Unsere Autorität war bedroht. Es galt, keinen Augenblick zu verlieren, wenn wir mu» ser Ansehen retten und unser Land vor der Sklaverei beschützen wollten. Ich entschloß mich, sofort an der Spitze einer Harka zu den Beni Uriagel zn ziehen, um unsere Leute zu beruhigen und die Verbreiter falscher Nachrichten zu bestrafen. ' i Die Spanier boten mir selbst Gelegenheit, die Situation zu retten. Sie Hatten Dar-Mara im Lande Tensamane besetzt, einen Punkt von größter strategischer und politischer Bedeutung. — Ich war sofort entschlossen, ihnen diese Stellung strettig zu machen. DaS Spiel war gefährlich, denn ich verfügte kaum über 300 Krieger. An ihrer Spitze begann ich, trotz meiner geringen Vorräte an Munition, den Angriff. Nach ungemein hartem Kampfe besetzte meine Truppe Dar-Mara. In dieser ersten großen Schlacht verloren die Spanier 400 Mann, darunter zwei Kapitäne und vier Leutnants. Me Beute war wertvoll für uns: eine Batterie 65- Millimeter-Gebkrgsgeschütze, ganz neue Mausergewehre, 60.000 Patronen, Granaten, Medikamente und Lebensmittel. Die Waffen waren uns besonders willkommen. Unser Angriff war so unvorhergesehen und so unjvahrscheinlich erschienen, daß sich die Spanier in Dar- Mara nicht einmal befestigt hatten; auch war er so blitzartig durchgeführt worden, daß die Ristruppen nur acht oder zehn Tote hatten. So wurde ich vom Kadi (Richter) zum Krieger. Man glaube mir: Es ist kerne Kunst, Truppen vor den Feind zu führen. Gesunder Menschenverstand und Entschlossenheit genügen. Jeder meiner Häuptlinge hätte das Gleiche getroffen. Unsere Leute wollten nun, durch' den Sieg ermutigt, zum Angriff übergehen. Aus eigener Initiative entwarfen sie den Plan einer Offensive in der Richtung auf Nual und Sidi-Driß. Es kostete mich schwere Mühe, ihnen begreiflich zu machen, daß der Zettpunkt zu einem Vorstoß nach Norden noch nicht gekommen ser' und daß wir uns durch den Angriff der Möglichkett eines Rückschlages aussetzen würden, der die Bedeutung unseres Erfolges vermindert hätte. Am wichtigsten war jedoch die moralische Wirkung unseres Sieges auf die benachbarten Stämme: Die Bevölkerung des Gebietes, durch das die Spanier den Rückzug genommen hatten, berettete sich zum Mfall vor, alle anderen Teile des Landes Tensamane schloffen sich uns aus eigenem Antrieb an. Damit begann der Bund der Rifstammc. Re amerikanische Hochwasserkataftrovhe. New Orleans, 7. Mai. Der ganze nordöstliche Teil des Staates Louisiana ist jetzt unter W a ss e r. An den Dämmen oberhalb von B i ck s b u r g und Mischen dieser Stadt und Natchez sind neue Risse entstanden, die sich schnell verbreiterten und das Rettungswerk im nordöstlichen Gebiete sehr erschwerten, Man fürchtet für die Sicherheit eines Teiles dieses Gebietes. Einige kleinere Städte, die in der von der Flut genommenen Richtung liegen, sind so gut wie vernichtet. Weitere Dammörüche 'des Red River bei P i n e v i I l e sowie bei Big Bend werden befürchtet, wodurch sich die Uoberschwemnmng auf weite Flächen fruchtbarer Erde ausdshnen würde. Es wird eifrig an der Verstärkung d e r D ä m m e längs des MiMsippi und des Red River in einer Ausdehnung von 160 Kilometer vor ihrem Zusammenflüsse gearbeitet. Weiter gegen Norden geben die aus gewöhnlicher Erde hergestellten Dämme stellenweise nach. Tausende von Personen sind noch an bedrohten Orten und ihre Rettung war bisher noch nicht möglich. LeWe Erdstöße. Memphis, 7. Mai. Heute um 3 ULhr früh wurden in einem Umkreis von hundert Meilen insechsStädten leichte Erdstöße verspürt, die die Besorgnisse unter den Opfern d er Ueb erschwemmung erhöhten. Eine ExvloslonskatastrMe. Newhork, 6. Mai. Infolge der Explosion eines Gasbehälters sind mehrere Häuser bei East River emgestürzt, wobei sechs Personen den Tod fanden und etwa zwanzig verletzt wurden. Tagesbericht. Wim «ud die Wiener. Die Eröffnung der Ausstellung. Wien hat sich selbst ausgestellt. In einer grcuidiofen Vogelschau gibt es alle Cntwicklungsstadien, alle Phasen seiner Arbeit; in einer mit vollkommener Systematik ausgebauten Organisation zeigt es sich, seinen Werdegang, seine Kultur, seine Schönhett und seinen Fleiß. An dieses letztere, an die Arbett, wird doch so selten gedacht, wenn man von Wien spricht, und so ist in der Welt die ganz dumme und lächerliche Anschauung entstanden, daß Wien nur seine Lage an der Donau, seinen Heurigen und seine blödn und verblödenden Operetten besitze. Wr es bisher nicht wußte, der erfährt in dieser Ausstellung, daß Wien auch eine Stadt der emsigsten, ihrer selbst bewußten und in sich sicheren Arbett ist, daß die Mensch'en dieser Stadt die Würdelosigkett der ersten Nachkriegsjahre überwunden haben und daß sie aus dem Land der Phäaken (das doch kaum existiert hat) eine kulturelle Großmacht geschaffen haben. Das Pärteiunwesen kann die Bevölkerung teilen und bis zum Fieber erhitzen. Cs kann ihr aber die Freude am Schönen, die leichte aller Politik abgekehrte Lebensanschauung, die Heiterkeit ihres Wesens nicht beeinträchtign und diese Elemente sind es, die die Werte erzeugen, die man in verschwenderischer Fülle, aber auf kleinem Raum dargestellt, in dieser einzigartigen Ausstellung vor sich sieht. Ein Wort des uneingeschränkten Lobes und Dankes an die Organisatoren dieser Schau. Es ist hier nichts vergessen worden. Alles, was auf Wesen und Gestaltung der Stadt/ auf ihre Lebensbedingungen, Verehr und Gewerebe Einfluß nimmt, ist hier organisch durchdacht zusammengetragen und geordnet worden. Vergangenheit und Gegenwart schließen sich aneinander, eines erklärt das andere und von der prähistorischen Ausstellung des niederösterreichischen Landesmuseums bis zum Modell des Straßenbahnwagens der Stadt Wien, von Den römischen Münzen über die Empirezeit bis zu den-modernsten und auch schwierigsten Probleme der Technik, der Jugendfürsorge, des sozialen Fortschrittes/ zieht sich eine einzige Linie und hier kann man in der kurzen Frist einiger Tage durch eigene Anschauung mehr lernen als dickleibige Folianten in jahrelangem Studium geben können.- Vom Wien der Basteien, in dem zwischen den Prunkpalästim und den Biedermeierkostümen das Volk in dumpfen Höhlen wohnte und an der Tuberekulose starb, bis zu der moderenen Berliner Schlußrunde. Von Kmt Münzer. . Man dünkt — aber Berlin lenkt. Man denkt: langst liegt die Saison k. o. und ist ausgezählt; aber immer wieder rappelt sie sich auf, wankt im nicht mehr umlagerten Ring — nur die Presse hält aus und ihre Bank besetzt — und stellt sich zu einer letzten Runde mtt dem Publikum. DaS kommt daher, daß die Erfolge nicht standhalten. Bei den Premieren immer regelmäßig großer Beifall, zahllose Vorhänge, Blumen, Eljenrufe. Doch schon andern Morgens die tödliche Kritik. Organisieren läßt sich eben nur die Claque. Bei der dritten Vorstellung ist das Haus leer, bei der vierten ausverschenkt, bei der fünften werden nicht einmal mehr die Freikarten an der Kasse abgeholt und die Schauspieler extemporieren zu eigenem Vergnügen. So geschieht es, daß es wieder fünf, sechs Premieren in einer Woche gibt. Es ist wie ein Todeskampf des Theaters. Ehe es, im Juni, ganz zu Ende ist, ausgeatmet hat, krampst es sich noch einmal, richtet sich auf, schnappt nach Luft. Zum Beispiel das Berliner Theater. Es versuchtes umgekchrt. Statt seiner gewohnten Operette bringt es Literatur, Fred A. Angermayer, „Komödie um Mittag", und hofft, daß es auch im Lenz ernsthaft gebliebene Leute gibt, die die Kunst der Revue und d^rr Schwank vorziehen. Nun, sicherlich gibt es unter Berlins vier MMonen ein paar Ernsthafte, die gern der Kunst nachsteigen. Aber diese Komödie! int Sternheim-Kaiser- Stil, der völlig unglaubhaft ist, wenn ihn kleinstädtische Philister sprechen! Matt glaubt ihnen kein Wort, den Bürgern, die von Herrn Mittag an der Nase herumgeführt werden. Der Witz ist schal, nachdem mau ihn so «ft Mört W, d,k Figuren allzu marionettenhasst, | als daß sie menschlich wirken können. Es wäre ein Triumph her Langeweile, wenn nicht die Schauspieler ergötzlich wären. Auch Karikatur kann schematisch werden, auch Satire abgestanden sein. Bald wieder wird Man zu neuer Premiere gerufen werden. Im Lujstspielhaus versuchte man unter fingiertem englischen Namen „Bobbys letzte Nacht" zu lancieren. Mer von englischer Laune und Frische sind nur die Namen da, und der wahre Verfasser, der schließlich unverzagt und mutig seinen deutschen Namen Johannes Brandt zugeftand> hat nur den hübschen Einfall, das lustige Thema, aber nicht d«n Geist und die Routine der Verarbeitung und Durchführung. Eine Frau schenkt sich einem dem Tod geweihten Mann in seiner letzten Nacht, aber — er bleibt am Lxhenl Und mm, wo der Witz beginnen sollte, gcht er dem Autor aus... Den gleichfalls fehlenden durch Musik zu ersetzen sucht man im Kleinen Theater, wo man ein „Kuckucksei" ausgebrütet hat. Mer was da herauskamwar eine Mißgeburt, nicht Fisch, -nicht Vogel, nicht Operette, nicht Schwank, nicht Vaudeville, sondern —- wenn man dem Wesen einen Namen geben soll — eine, tüchtige Langeweile, deren sich Hella Kürth mit molligem Körpevchen annahm. Mein Gott, wie viele Damen ziehen sich in so einer Saison auf Berliner Bühnen aus! Wie falsch beurteilt man die Seele des Publikums! Me schlechte Psychologen sind die Theaterdirektoren! Die letzte Neugier gilt nur noch der Farbe der Kombination. Das Restdenztheater verspricht sich alles davon, wenn alles fällt, auch die Kombination, und es sich eine Schauspielerin verschafft, die den Mut zur absoluten Nacktheit hat. Den hat Maria West,, und Rudolf Lothar hat ein Stück für solche mutigen Damm ge- ^schrieben, in dessen erstem Akt ein Modell die Tadellosigkeit seines Wuchses zu beweisen hat. Es heißt „Die schöne Melusine", und im ersten Akt ist die Spannung groß: hat Fräulein West ein Trikot an oder nicht?... Sie hat keines an, und trotz geschickter Verheimlichung ihrer vielleicht einzigen Schönheit zeigt sie, daß die mlvetheimlichte allerlei zu wünschen übrig läßt. Meine -Damen: nicht die Nacktheit macht es, sondern die SchSu^- heit. Mer ich gestehe: applaudierenswert ist der Mich, ferne mangelhaften Proportionen zu zeigen! Markt West wurde applaudiert und bekam Mumen, ihre Blößen zu verschönern.; 1 Die Wellbühne erneuerte Friedrich KayhSlerH derbes Lustspiel „Jan der Wunderbare" ohntz zwingenden Grund. Die Lustigkeit ist Kopfarbeit darin, ist konstruiert, ist gewaltsam, niederländisches GenrMld in Wort übertragen. Mer von einem, de^s will, nicht einem, der's. hat. Kayhsler ist einer der Menschlichsten auf der Bühne. Seltsamdaß ein so Schwerblüttger Und Schwermütiger überhaupt zum Theater kam. Und doch ist der Schauspieler viel besser als der Dichter, der Mensch viel größer als der Dramatiker. Bon den: Schauspieles gcht fast zu viel Persönlichkett aus. Ist das der Grund, kveshalb er nicht den Beifall findet, den viel Geringere üppig haben? Er ist Charakter, mchr als er Charakterdarsteller ist. Er ist sich selbst im Wege, im Schatten seiner Menschlichkeit verlassen seine Bühnenschöpfungen. Man glcmbt: er leidet unter immer Last uNd Schlvere. Aber wer setzt sich heute ins Theater, um mitzuleideN? OTc diese Abende verliefen sang- und klanglos. Keine -Autoparks vor den Theatern, wenig große Toilette, kein Gesellschastsbild in den Foyers. Dafür alles dies soeben vor uns in den Kammerspielen, wo die deutschen Dichterkruder ihre „Revue zu Bieren" spielten, mtt W auf einer Tournee begriffen in alle Städte, wo die Namen Wedekrnd und Mann Klang haben. Deim von diesen Namen lebt dieses Stück, nicht von Eigensoele. Es handelt sich also um Klaus, den Sohn des Thomas Mann, der diese Komödie schrieb; um seine Scheuester Erika und deren Bräutigam G r u n dgv Ns, Berufsmime, um P a m e l a W e d e k i n d und um Thtz a Stern he im, Tochter Karls deS Große», Einzigen und