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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-08 · Heft 2943 (8.5.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2943 (8.5.1927)
Date
1927-05-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Morgenzeitrrng 8. Mar 1627 mr7%)4Z' Krieg im Rif. Von Wdchammed den Add el Krim. Sßrte 2 Hon, Sonntag > ■ .. ■ -.---- -- . - Unter dem Stahlhelm. %&*».*.*;. -* 8mh "Ikv grkW UkWhelmÄ:fn:ärsH in Berlin, der sich heute vollziehen wfvfr, hat den offen ein gc stau denen Zrvcck der Einschüchterung aller zur demokratischen Resmblik stehenden Kreise. Die Ättnosphäre für diese Aufgabe ist ungenügend vorbereitet, ft» sehr, daß die Sicherheitsbehörden die «msassendsten Vorbereitungen treffen mußten, um wenigstens die befürchteten Exzesse zu verhüten. Als Avantgarde waren am Mitttvoch die Nationalsozialisten der Hitlerschen Odservanz cknsMuckt und sie hatten in ihrer Weise zu erkennen gegeben, wie sie sich eine Neuvrdpiung in Deutschland vor stellen. Ein in ihrer Versannnlung anwesender katholischer Pfarrer, der gegen das Wort,Huden.sau" remowstrierbe Und auf das gar nrchk so streng germanische Aeußere des Hauptredners hinwies, wurde' mit Biergläsern niedergeschlagen und dann die Treppen hürnntergeworfen. Ein deutschnationaler Reporter, der über die letzte Hitkerrede nicht mit der nötigen Begeisterung referiert hatte, wurde gleichfalls verdroschen ünd hinausgeschmissen. Die Polizei nahm dann die Taschen der Deutschlcmdretter in Augenschein und koufi^ierte ein ansehnliches Arsenal an Revolvern und Gummiknütteln. Da dies doch einigermaßen zu Bedenken Anlaß gibt, so erfolgte tags daraus die Auflösung der sv rührigen Ortsgruppe und das Verbot, das Hakenkreuz und »das brrüme H:tlerhe«d §u tragen. Seither sieht man in allen Straßen Berlins und insbesondere am Kursürstendmnm' das Hakenkreuz und Las brauny Hen>d, seither gibt eZ Nacht für Nacht Angriffe der „Rollkommandos" auf jüdisch aussehende Pafffanten, die der PolizeiberiG unentwegt als Kommunisten bezeichnet. Diese Rüpeleien passen tvohl nicht ganz in das Kom zept der Stahlhelmleute, die sich gerne als seriöse Politiker aufspielen und als richtiggehende Deutsche für alles, was sie tun oder nicht tun, einen Paragraphen zu zitieren wissen. Die Legalität, wie sie sich in den Köpfer: dieser Ossiziere, Studenten, Turnlehrer ünd Morrokeljunker uralt, gibt sich sogar gerne als Demokratie Urrd behauptet, sich aus den Willen der Natron zu stützen. Das ist ein einfaches /Konzept. Wer damit nicht einverstanden ist, der ist nicht 'vorhanden oder hat feilt Recht auf Leben ’imb /Existenz. Da aber diese Richtung sehr aktiv und lungenkräftig »ist, so wirkt ihr Terror und ihm ist es zuzuschreiben, wenn . Deutschland tjeute eine Regierung besitzt, in der Herr Stresernamr für das westliche Ausland Milde und Versöhnlichkeit mimt, während Herr Hergt als Vizekanzler für das östliche Ausland als der hammerschwmgeude Thor austritt. Zwei Elemente, innig gesellt, so wesenserns wie der.Janus mit den zwei Gesichtern, stellen das deutsche System dar Und suchen aus der nächsten Zukirnst das zu ergattern, was sich am besten für ihre Ziele, die Wiederholung von 1914 unter besseren strategischen Vorbedingungen gebrauchen ließe. Die von der Polizei beschlagnahmten „zehn Gebote" der Hitler!eMc sprechen doch nur in der knappster: Fassung hos aUs, was die Herzen aller Rechtsgerichteten bewegt, die Deutschland herrte wie eh Und je beherrscht und' tvonach sie sich alle sehnen, nach der Zerstörung des heutigen Staates. Das ist n'ur mit Gewollt zu erreichen, mit der Niederknüppelung der Sozialdemokraten, der Demokraten, des Zentrums und vielleicht auch der Kommunisten, vor allem aber mit der Arrangierung der schamlosesten Judcnhetze unter Benützung der ja vorhandenen und stets rvillfährigen Instinkte. Das System ist logisch entwickelt: erst die Republik weg, dann Krieg gegen Frankreich, gegerc die ganze Welt. Denn am detckschen Wesen Muß die Welt genesen. Nun sitzt aber dieses' selbe Deutschland im Völkerbund Und gehört sogar dem Rat an. Das' ist nun freilich nicht gar so paradox. Denn in diesem Völkerbund sind nicht zwei Nationen, die einander nicht gern, Wenns finster ist, abmurksei: Würden. Es ist ein Axion, daß die äußere Politik der inneren entsprechen Muß. Diese Behauptung erweist sich als das lebenskräftigste Erbe des seliger: Maechiavelli. Es soll vielmehr lauten, die äußere Politik muß so scheinen, als wäre sie frurefj die innere gedeckt Und es ist doch nicht mur Deutschland allem, das dem so weisen Italiener huldigt. Es Macht seine Sache nur täppischer, mit Säbelgerassel! und lärmend Und es verfehlt nicht seine Msicht, die ganze Welt Unter einen Stahlhelm zu bringen. Damit berührt es' verwandte Saiten bei seinen Mitgenossen im Völkerbund. England fuhrt Krieg in Ehina und ist gut Freund mit Ungarn, Italien rüstet, Frankreich nistet, Rußland Mit seine chemische Industrie aus und wenn man genau wissen wkll, wie es um die "Welt'bestellt ist, so lese man genau die Rede Laytorrs auf der Weltwirtschastskonserenz, daß die Schutzzollinren in der Welt -ich seit dem Kriege uml 21.000 Kilometer verlängert haben. Mit diesem Bankerott alles wirtschafllichen Gewissens stimmt die Politik Mitteleuropas überenn Und für sie ist das Hakenkreuztreiben, ob in der Form des Hitler oder in der des Stahlhelms nur ein Ausdchiifck von vielen. Und wenn wir's genau überdenken, so wird Uns der Anschluß cm dieses Deutschland als dasj große Heilmittel gepriesen. Vorbemerkurrg: Die Nachrichten über neue Schwierigkeiten! der Spanier im Rif lenken die allgemeine!Aufmcrksamkeit Wieder auf dieses Gebiet. ®ir sind heute in der Lage, unseren Lesern «ms Schilderung t*fi Anfänge des Befrcirmgskrieges der Rifstämme aus der Fedev Abd el Krims zu bieten. Die Darstellung bildet einen Teil der Erinnerungen, die Abd el Krim %n\ September 1926 nach seiner Gefangennahme niederschried. Eine deutsche Buchausgabe davon erscheintim 'Herbst dieses Jahres bei Carl Reißner, Dresden, in der einzig berechtigten Uebersetzung unseres Mitarbeiters Doktor! Artur Roseuberg. , Mejn Vater war lauge entschlossen, iu den fortwährenden PlSukelesten zwischen Spanien und de» verschiedenen RifstämMen neutral zu bleiben. Diese Msicht war so tsef in seinem! Herren verankert, daß er uns! 1919 wortwörtlich erklärte: „Ich beabsichtige, dem Kamps fern zu blesben. Sollten zufällig die Spanier überraschend unser Land besetzen, so wollen wir uns lieber zrt den Franzosen nach Fez oder nach Marrakesch zurückziehen und dort in Frieden unsere Tage beschließen, als das Rif den Greuel:: eines Krieges auszusetzen." Lieber sreinMige Verbannung als Kamps. Aber diese Haltung war nicht nach dem Wunsche der Spanier, die unsere Unterwersimg auf Gnade und Ungnade wünschten. Jedes Mittel war ihnen gut genug, um wesirem Vater zu schaden. Er »var damals oberster Käst» der Beni Uviagel. Alles was vorkam, auch außerhalb seines Eiustußgebietes, wurde ihm zugeschrieben, ob cs sich 'mm um politische Unruhen, um! gemeine Verbrechen, um Vergehen rose Diebstähle oder dergleichen handelte, — von Ajdir bis zum andern Ende des Rifgebietes gab es immer nur einen Schuldigen: meinen Vater. Die Spanier wollten beweisen, daß mein Vater nur äußerlich Neutralität zur Schau trug, daß er aber insgeheim fortlvährend provoziere und unermüdlich gegen sie Hetze. Es zeigt aber eine völlige Verkennung der Seele des Muselmanen und besonders der Rifleute, wenn jemand glaubt^ bei ihnen durch Lüge und Verleumdung zuM YQQ^fäötpi&dk'm Q&SC tr. FA ß INA Hötc tz 'mär ix. i Ziele zu kommen. Sehr rasch wurden die Spanier gewahr, daß sie mit diieser unsauberen Politik nicht einen Zoll Bodens gewannen und daß der Haß gegen sie täglich im Ansteigen begriffen war. Jetzt änderten sie ihre Taktik: sie sandten einen Mann namens Sclinnian Khattabi ins Rif, der meinen Vater umgarnen und seinen Einfluß untergraben sollte- Dieser Mann lebte nrm in der Nähe von Ajdir. Bei jeder Gelegenheit suchte er meinell Vater unter dcmt Vorwand auf, von ihm Ratschläge zu erbitten. Da aber mein Vater genau wußte, daß es sich un: einen bezahlten Spion handelte, fertigte er ihn im'niei* mit nichtssagenden Worten ab, wje „wenn du willst", „wie du Mejn ft", „ganz wse di: glaubst". Und nach ganz kurzer Zeit schon wurde Seljnman Khattabi, aufgebracht über seinen Mißerfolg, unser ärgster Feind. Da er aber meinen Vaster nicht zu beirren vermochte, verlegte er sich nun auf Anwendung von Gewaltmitteln, während er seine Vjrrlertmdungsmethoden weiter fortsctztc, dse. ja bei seinen Auftraggebern so beliebt waren. In: spanischen Auftrag und nrit Hilfe seiner zahlreichen Vertrauensleute suchte er nun planmäßig unsere Bevölkerung einzuschüchtern. Es war der reine Terror. Während in Melisia und in Tetuan dort ansässige Leute aus dem Stamme der Beni Uriagel in ganz willkürlicher Weise verhaftet wurden, kam es bald da bald dort im Rif zur Einäscherung von Häusern. Dabei erzählte man immer wieder, daß m/in Vater an all diesen: Unglück schuld sesi weil sein Eigensinn es heraufbeschworen habe. Diese Gewalttaten, die man wahrlich nicht als Vergeltungsmaßnahmen bezeichnen kann, waren ein solcher Hohn auf alle Menschlichkeit, daß mein Vater den Gerrdralen Azpurru und Berenguer schrieb: „Sagen Sie mir den Grnnd für diese Schikanen, diese Verbrechen, diese Herausforderungen. Sie wissen, daß ich die Absicht habe, neutral zu bleiben, da ich nun einmal nicht mit Ihnen zusammen arbeiten kann. Mer warum wollen Sie mir Handlungen in die Schrkhe schieben, denen ich seMstehc und dsi niemals mit meiner Zustimmung möglich gewesen wären! Sie wissen recht gut, daß ich in Zurückgezogenheit lebe und weder Suks noch Moscheen besuche." Statt zu antworten, ließen die Spanier alsbald das Gerücht verbreiten. Mein Vater habe sich besiegt erklärt und sie beschworen nun die Nisieilte, sich von ihrem aufständischen Führer abzuwendcn. Ueber soviel Unrecht erbittert, erklärte sich Mein Vater von dieser Zeit an vor Gott nnd der Wett als Feind Spaniens. Er versicherte, wenn auch Spanien und sein,: offenen und geheimen Agenten ihn geschlagen tvähntcn, so werde er doch im richtigen Augenblick' den Beutels erbringen, daß er mit seinen Krijegern nicht nur imstande sei, sich zu verteidigen, sondern auch, anzugreifen und die spanischen Truppen bis ans Meer zurückMverfen. Jetzt 'änderte mein Bayer sein bisheriges zurückgezogenes Leben. In allen Richtungen durcheilt er das Land, irr allen Suks ist er zu finden. Ueberall fordert er zur Erhebung auf; er samMelt seine ersten Anhängen etwa 200 Mann. Er stellt seine Truppen in Tasersit vor den Spaniern auf, die dort eine Keine Bahnlinie beherrschen. 22 Tage bljeb inein Vater vor Tastrsit, dann »vurde er krank nach Ajdir gebracht und starb. Viele sagen, er sei vergiftet worden. Ich kann es nicht mit Bestimmtheit behaupten, aber ganz tief in Meinem Herzen bin ich unerschütterlich davon überzeugt. Vor seinem Tode hatte uns unsjer Vater noch gesagt: „Wenn Ihr das Rif nicht schützen könnt, wenn Ihr es nicht zu einen: freier: und wohlorganisierten Lande machen könnt, dann ist es Vesser, Ihr geht fort von hier." * Trotz der Schwierigkeit der Lage wollte ich im Eirv Verständnis mit meiitem Bruder alles aufbictcn, um der: Krieg zu vermeiden. So beschlossen wir zwei Tage nach dem Tode möines Vaters, dse Spanier brieflich zu be- , schwören, sie mögen ihre feirtdsilige Haltung aufgeben und nochmals versuchen, mit unserer chrlich gemeinten Mitarbeit ein Regime einzuführen, das beiden Ländern zum Vorteil gereichen sollte. Warum ist Spanien so bösartig, so grausam, so barbarisch und fanatisch! Warum hat dort uur die Geistlichkeit das eutscheidende Wort, lvarum will dieses La:ü> noch immer Religionskriege! — Daran wird es schließe lich zugnmde gehen! Wozu Krieg? Müssen wir nicht alle durch dasselbe Tor cingehen? Müssen wir rricht alle sterben!? i Wegen unseres wiederholten Aufenthaltes irr Me-! lilla, Malaga und Madrid tvaren wir rn den Augen unserer Leute verdächtig. — Sechs Mo::ate mußten wir, f mein. Brlcher und ich, alle Anstrengungen machen, um den Verdacht zu zerstreuen/ - die Söhne Md el Krims hätten sich an die Spanier verkauft. 1920 oder anfangs 1921 erhielt General Sylvestre den Befehl über die spanischen Truppen. Bei seiner Ankunft habe ich nochmals versucht, für den Frieden zu wirken. Ich stieß auf tarrbe Ohren. Generäl Sylvestre, ein tapferer Soldat, aber ganz ohne jedes polittsche Verständnis, entschloß sich, berauscht vom Gedanken an kleine Scharmützel, aus Kelates zu marschieren. Seine. Msicht war, im Gebiete der Beni Tusin «ine Stellung einzunchmen, von der er uns aus Grund günstiger Nachschubbedingungen dom Meere her aus Achucemas und dem ganzen Lande vertreiben könnte., Sein Vormarsch, den lvir mit Rücksicht Ms den geringen Stand unserer Streitträfte hinnehme:: mußte»:, ermöglichte es chm, einen Teil des Rifgebsetes zu besetzen, was für uns sehr nachteilig wurde. Mai: beschuldigte uns, die nottvendigen Maßnahme:: zum Widerstartd vernachlässigt zu haben, während man uns auch gleichzeitig freundschafttiche Gefühle für Frankreich zuschrieb. - Solche Gerüchte hatten die Spanier selbst verbreitet. Es »var ein wohlüberlegtes Spiel; es »vor llar, es Handelle sich darum, uns zu zwingen, gegen Frankreich Stellung zu nchmeu, um uns vor utlseren Lcsute»: zu rechtfertigen. ' In jener Zeit erschien ein Mann auf der Bildfläche, der in den Angelegercheiter: des Rif eine große Rolle spiele:: sollte: Etchevarieta. Er versuchte im ausdrücklichen Auftrag Primo de Riberas, was ich beso»:- ders betone, »nich zu einer Zusam»Ne:mrbeit mit Spanier: auf Kosten Frankreichs zu bestimmen; schon war ich nahe daran zuzusagen. Etchevarieta schlug mir ohne alle UmWveffe den folgenden Handel vor: Wenn ich meine Zustimmung zu einer spanischen Besetzung von Kelates, Portö-Nuevo und einiger Stützpunkte erteile, sollte ich 20 Milliorren Pesetas erhalten, dazu eine vollkommene; moderne Ausrüstung und die notwendige Murritton, um in NLarokko ein«: großzügigen und erbarmungslosen Kampf gege:: Frankreich zu beginnen. Bis zum Ueberdruß rviederholte er mir: „Wir Spanier sind leider die Handlanger Frankreichs. Versöhnen wir Uns so rasch als möglich, arbeiten wir Hand in WINDJACKEN » d.»^, S O, 12,15 Linoleum- und Teppich -Großhandlung HAIU KHLU6A & CO., TaborslraBe 9 und 33 rs Ui 7 nir-i nfmiitrmi-

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