Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2943 (8.5.1927)
- Date
- 1927-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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SS gfoszy | Wien. Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3 ^der in einerVersehleißstello (Trafik) monatl.5 Schilling Straßenverkanf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied. L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsohecho Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen :Mon. 6 Zloty Deutschland: Mon. Gm.4.Frankr eich, Belgien: Mon. Pres. 35 dach«»ktmngan bei PrelsorhOhauxen rarbeh alten. Nr. 2943 Wiener Morgenzeilung Wien. Sonntag. 8. Mai 1927 (S. Rar 8887). 1 Preis «S gj l'i n g 1 a n d: Mon.4 Schilling Italien: Monatl. 20 Lire Bumünien: Mon. 170 Lei Bulgarien: Mon. 100 Lewa. S c hw e i 7, und das übrige Ausland monatlich Fr cs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II., Taborstr. 1 Telephon: 44*0-38, 43-3-19 Ab 6 Ohr abends- Telephon Nr. 31-0-86 Vll., Lerchenfelderstraße 1 (Druckerei „Inva“) Oesterreichisches Postsparkassenkonto Nr. 150.693 9. gahrgang Rußland auf der Weltwirtfchaftskonferenz gusammenarbeit zwischen kapitalistischem nnd sozialistischem Stzstem. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. ALLEINIGE ANZEIGEN - ANNAHME ANNONCEN fffKTCS SCHALEK WIEN, I., WOLLZEILE 11. - TEL. 76-0-81, 76-0-82 Versprich» mir, daß Du nun sechs Wochen lang regelmäßig Sanatogen nehmen wirst. 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Das Gros wird erst morgen früh ln Berlin erwartet Das englische Sewerkschaftrgeseh. Auch die Aussperrung ist illegal. London, 6. Mai. Das Unterhaus hat ein Amendement zur Gewerkschastsvorlago angenommen, das die Aussperrung unter denselben Voraussetzungen de» Streik für illegal erklärt. Genf, 7. Mai. Die heutige Vormittagssitzung der Weltwirlschaftskonserenz brachte die mit großer Spannung erwariele Rede des russischen Delegierten Sokoln i ko w, der es verstand, die Aufmerksamkeit der Konferenz in einer Weise zu fesseln, wie man es auf der Konferenz bisher noch nicht gewohnt war. Sokolnikow konnte darauf verweisen, daß die düsteren Prophezeiungen, die man für Sowjetrußland in Genua und im Haag ausgestellt hat, fehlgeschlagen sind. Wenn das Mrlschastsprogramm der Sowjetunion in diesem Jahre zur Durchführung gelangt, wird der Wert der russischen Produktion 8450 Milliarden Rubel betragen gegenüber 7 Milliarden im Jahre 1913. Die eingehenden Darlegungen des russischen Delegierten erläuterten die wissenschaftlichen Forschungen und Untersuchungen, die das russische Programm zur Verbesserung der Produktion begleiten und fanden so das lebhafte Interesse der Konferenz. Sokolnikow betonte nachdrückl''chst den tiefgehend m Unterschied zwischen dem Wirtschaftssystem der Sowjetunion und den kapitalistischen Wirtschaftssystemen, erklärte aber trotzdem eine Zusammenarbeit zwischen diesen beiden so verschiedenen Systemen für durchaus möglich, wobei er bc sonders auf die Möglichkeit der Erteilung von Konzessionen und auf die bereits mir verschiedenen Ländern, speziellmit D e u v-s dj.Xfl n b, abgeschlossenen industriellen Abkommen verwies. Das System eines roten - Imperialismus leugnete Sokolnikow entschieden. Die Konferenz werde ihre Aufgabe erreicht haben, wenn sie zu einer V erbe s s e r u n g d e r Bezieh u it g e n zwischen den kapitalistischen Ländern und der Sowjetunion führe. Vorher waren noch verschiedene Redner zu Worte grkommen, u. a. der frühere deutsche Minister Dr. Hermes, der sich eingehend über die Krise der Landwirtschaft verbreitete, und der ungarische Delegierte Graf Hadik, der die durch den Krieg völlig veränderte Wirtschaftslage Ungarns schilderte. In der Nachmittagssitzung sprach der jugoslawische Delegierte Dr. Secerow über die Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung und die Mittel zu 'ihrer Steigerung. Das geeignetste Mittel sieht er in der Hebung der Lebenshaltung der ländlichen Bevölkerung, die ihrerseits auch die Erträgnisse der landwirtschaftlichen Produktion steigern würde. Im weiteren Verlaufe der Debatte sprach dann der Präsident der Danziger Handelskammer Kl a- Witter. Er berichtete über die Erfahrungen der freien Stadt Danzig. Unter Hinweis aus die gestern von Layton entwickelte These über die Zerstückelung Mitteleuropas rief er das Interesse der Wirtschastskonferenz für Danzig an, das einer der kleinsten Splitter Europas sei. Inmitten der Debatte wurden hierauf aus Vorschlag des Präsidenten folgende Mitglieder zu Vizepräsidenten der Wirtschastskonferenz gewählt: Bohnin-Longaro (Italien), Rio Br an ko (Brasilien), B alfour (England), Frau Freun dlich (Oesterreich), O u d e g e e st (Holland), G l i w i t s ch (Polen), Sonne (Dänemark), SHida ch i (Japan) nnd O b o l e n s k i (Sowjetrußland). Nach dem Danziger Redner nahm der russische Delegierte Obolenski das Wort. Auch dieser russische Redner fand große Aufmerksamkeit. Im Hauptteil seiner Rede zeigte er eine Reihe von Widersprüchen des kapitalistischen Systems aus, von denen er als den einfachsten und allgemeinsten den scharfen Abstand zwischen der Produktionskraft der Industrie und der Anfnahmsfähigkeit der Märkte hinstellte. Er unterließ es nicht, auf die N i ch t r a t i f i z i e r u n g der Washingtoner Konvention zu verweisen und behauptete, daß Sowjetrutzland das einzige Land sei, wo der Arbeiter nur 7 Stunden und in den Bergwerken nur 6 Stunden arbeite. Dagegen sei die Arbeitszeit in England, Deutschland und in anderen Ländern auf dem Wege der Verlängerung. Auch dicser zweite Sowjetredner sprach von den Möglichkeiten des N e b e neinanderbestehens des sozial: st i scheu und des kapitalistischen Wirtschaftssystems „während einer gegebenen Periode". Der frühere sanzösische Minister L o u ch e u r, br das Schlußwort hatte, trug als einziger Red ne der Konferenz seine Rede frei vor. Er umschrieb den Aktionskreis der Konferenz dahin, daß sie die notwendigen Ergänzungen der vom Völkerbund vorbereiteten Konvention zur Wiederherstellung der Freiheit des Handels liefern könnte. Den Gedanken der Errichtung der Bereinigten Staaten von Europa lehnte er als unmöglich a b. Eine allmähliche Herabsetzung der Zöll" könnte durch Schaffung eines einheitlichen Zolltariffchemas vorbereitet werden. Die Konsere müsse die Notwendig keit betonen, dem Wettrennen der Zollerhöhungen ein Ende zu machen. Das wirksamste Mittel zur Beschäftigung der Arbeitslosen besteht nach Loucheurs Meinung in oer Rationalisierung der Industrie, das heißt in der Errichtung von internationalen Kartellen. Indem sich Loucheur direkt an die russischen Delegierten wandte, bat er sie, auf ihre Polemik über das kapitalistische Wirtschaftssystem zu verzichten. In Genf komme nur dieArbeitsür das gemeinsame Ziel, die Beseitigung der heutigen Wirtschaftskrankheiten, in Betracht. Loucheurs Rode fand starken Beifall. ' Die jugoslawische Regierung verhandelt mit den MiuoriMea. Belgrad, 6. Mai. Die Regierung ist neuestens in Verhandlungen mit dere deutschen und magyarischen Minorität getreten, um sich ihre Unterstützung für die vielleicht sehr bald notwendig werdenden N e u w a tzlen zu sichern. Die deutschen Abgeordneten sind seit gestern in Belgrad versammelt, und für morgen ist eine Besprechung ihres Führers Dr. Kraft mit dem Ministerpräsidenten Bukicevie in Aussicht genommen. Amerila in Nicaragua. Washington, 7. Mai. Das Staatsdepartement veröffentlicht einen Bericht des Vertreters des Präsidenten Coolidge in Nicaragua, S t i m s o n, der folgendes Abkommen enthält: Vollständige Entwaffnung auf beiden Seiten, sofortiger Friede, der es ermöglicht, die Anpflanzungen für die neue Ernte im Juni , vorzunehmen, allgemeine Amnestie für alle Personen in Nicaragua oder in der Verbannung, Rückgabe alles in Besitz genommenen oder beschlagnahmten Eigentlims an die ursprünglichen Eigentümer, Teilnahme der Liberalen am Kabinett Diaz, Organisation der Polizei auf unparteiischer Grundlage unter dem Befehl amerikanischer Offiziere, amerikanischer U eb erwach un g der nächstjährigen Wahlen und Beibehaltung der g e g e n w ä r - tigen amerikanischen Streitkräfte bis zur O "lanisation einer eigenen Polizei. Die Beschlagnahme der Marlenbader Melerhöfe. Prag, 7. Mai. Das Oberste Berwalüütgsgerkcht veröffentlichte he»iie bciä Urfc.'ii über ik Beschwerde des Test- Klosters gegen die Beschlagnahmctz inzelner Höfe in Mn rienbad. Die Beschwerde wurde abschlägig beschied?!- *