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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-07 · Heft 2942 (7.5.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2942 (7.5.1927)
Date
1927-05-07
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Men, Samstag Wiener Morgenzettnns 7. Mai 1927 Stt. 2948 ^nr» Bühne und Kunst. -omette. Mottster-Konzert. — Wifcha Elman. In einer Zeit, welche die Riesenorchester allmählich abbaut und sich der kämme rmusikalischen Orchesterbesetzung zuwendet, besteht gewiß keine künstlerische Notwendigkeit, Konzerte mit Monster-Orchester zu veranstalten. Indes heiligt ein wohltätiger Zweck auch unkitnstlerische Mittel und so gaben Philharmoniker mrd Symphonieorchester — zusammen wohl 200 Mann stark — zugunsten ihrer Wohlifahrtseinrichtungen unter Leitung von. Felix Weingartner ein Konzert, dessen Bläsermassen, wie die Pofckunen des jüngsten Gerichtes, den großen Konzerthaussaal erzittern machten. An manchen Stellen freilich bot die Riesenbesetzung insoferne ein« Enttäuschung, als jede Wirkung auÄblieb. Das Ohr nimmt eben eine immer mehr gesteigerte Klangintensität gar nicht mehr auf, gleichwie das Auge eine immer noch wachsende Belichtung eines vom Licht bereits überfluteten Raumes kaum mehr tvahrnimmt. Ein witziger Schriftsteller hat i'rbrigens den Eindruck der Massenbesetzung von Chor und Orchester auf die Zuhörer gelegentlich die „geschlechtliche Zuchtwahl" der Musik genannt und sie mit der Wirkung beruflichen, die etwa der reichste Schmuck, das bunteste Gefieder und die schönsten Stimmen der Tiermännchen auf die Tieoweibchen im Liebeskampfe der Rivalen ausüben. Jedenfalls war diesmal das Liebeswerben des Riesenorchesters um die Publikumsgunst nicht vergebens, denn der Saal war ausverkauft. Weingartner, Fangend disponiert, brachte Tschailawfkys „Sinfonie pathetique" ganz prachtvoll heraus, besonders den dritten Satz, in welchem das Monster-Orchester ein Monster-Feuerwerk abbrannte und die Feuergarben nur so emporzischten rmd niederprasselten. Vollkommen verfehlt schien mir hingegen die Orchestervergrößerung, die zugleich eine Vevgröbemng ist, in Richard Wagners „Holländer" - Vorspiel. Das ganze dichterische Programm — die Erlösung durch das Leiden der Liebe — wurde durch die aufdringlichen Klangefftkte förmlich erschlagen. Auch Rossinis Wilhelm Tell-Ouvertüre vertrug nur stellenweise diesen Zerrspiegel, diese Betrachtung durch ein Vergrötzerungs- — Gerne sei zugegeben, daß das Orchester mit prachtvollem Schwung in größter Begeisterung spielte. Und das Publikum hatte seine helle Freude und jubelte der tollen Orchester-Maskerade zu, gegen welche die toten KomponWn LveMoS stich. . * stst UvanADhriger Abwesenheit von Wien hat DWHg Nm<M/ der berühmte russisch-jüdische Geiger, der irHwWhen Amerikaner geworden ist und in den letzten Fochren den Oprent und den fernen Osten als reisender Virtuose beucht hat/ Mil außerordentlichem! Erfolge im Großen MusikvereÄssaal konzertiert. Sein äußerer Lebens-- laMf erinnerL an einen zweiten großen, russisch-jMschen Geiger, an Faschr Hersetz, mit dem! er auch im Geigenspisel manches ZÄnieknsam hat: vor allem den großen, leuchtenden, schlacknfveien, süßen Ton und den tvohldurchdachten Bortrag. Ja, das Durchdachte überwiegt vielleicht gegenüber dem Durchenchsundenen, der Intellekt gegenüber dem primären Gefühl. Wunderschön geriet das Aw- und Abschwetten des Tones in der getragenen Kantikene^ etwa rm Mttteksatz von Mendelssohns Violinkonzert, tvogegen Elman im FMale die beschwingte Stimmung nicht recht gelang, ja mitunter der klare, hefte SoMmernachtstkcükm! der Geigenromantik wie durch ein schweres beunruhigendes Alpdrücken in seiner Heiterkeit beeinträchtigt wurde. Vielleicht gär halb bewußt, denn Elman ist, wie auch der ein wenig reißerische Vortrag der Händel-Sonatie offenbarte, eben ein denkender Vortragskünstler, der für heftige Gegensätze imb; das Moment der Ueb'erraschung viel übrig hat. J^ienfalls ein Geigenvirtuose ganz großen Stils, der nicht nur Mit seinem' imposanten KönNen, sondern auch Mt Mterikanischen SMqtionen sein Publikum zu packM,-verstchk- ^' flb'. . . Aus de« Theatern. BltADkHieater. Morgen, nachmittags 3 Uhr Mbt»- Heidelberg". Abends, halb 8 Uhr ,^8eonie". ' Amiethoater^ Morgen, nachmittags 3 Uhr „Der Schwan", Abends, halb 8',Uhr „Spiel im Schloßt OPornthoater. Morgen, hdlb 8 Me „Die Boheme" mit Paul Marlon a. &. Deutsches Bolkstheat.s-r. Morgen, nachmittags halb ckiUhv „D-er Garten Eden". —^ Dr. Beer hat daS Trauerspiel „Warch<ck" Von Victor Hahn zur Erstaufführung er- »vorben. Ka-mmerspiele. Morgen um 11 Uhr vormittags Tanz» matinee .der Münchener Tänzerin Senta Maria. Theatevsin der Josefstadt. Mittwoch, den 11. Mai, ErstauWMung des Lustspiels „Der gute Kamerad Von Tristan Bernard, deutsch von Stephan Hock. Regie Mvx R-einhardt. ffleue Lbiemer Bühne..Als nächste Novität gM Vas Lustspiel Erlebnis" von RllMf Lothar in S^ene. Der neue Drrtgent der Phicharmoutter. Nach einer Wotss-Metdung aus Berlin soll Wilhelm Furtwänaler die an ihn ergangene Einladung, das Dtrjaentenamr der Wiener Philharmoniker (als Nachfolger Weingartners) zu übernehmen, stieben angenommen haben. 'Eine offizielle Bestätigung dieser 'Meldung liegt bis jetzt nicht vor. (Palästina reise des BtlWmerS Mestrovic. Wie uns aus Zagreb (Jugoslawien) gemMet wird, ist: vorigd Woche der in der Kunstwelt, besonders in England urch Amerl«» bekannte Bildhauer Ivan Mestr at»i^ nach Unsere Rötselkonkurrenz. vermgeruns des slnfeudetermlnes bis 8. Rai. Aus Leserkreisen des Inlandes und Anslandes find uns viele Zuschriften zugekommen, in welchen wir ersucht werde», durch Erstreckung des Einsendetermines für unsere Rätselkonkurrenz noch die Möglichkeit zu geben, an der Konkurrenz teilzunehmen. Obwohl der Einlauf der Rätsel, läsungen außerordentlich angewachsen ist, sehen w!r uns doch veranlaßt, denSlilsendetekinlli endgültig bis m 8. Mai zu verlängern. Wir senden daher die vielfach verlangten Ersatzexemplare von Rümmer« unseres Blattes, welche die einzelnen Rätsel enthalten, auch weiterhin ab, «nd es haben auch diejenige«, denen einzelne Nummern der „Wiener Morgenzettmrg" zwecks Beteiligung an der Konkurrenz fehlen, noch Gelegenheit, hie betreffenden Exemplare unseres Blattes bei uns zn beziehen. lästina adgereist. Mestrovic interessiert sich lebhaft auch für Erez Israel und wird die Stätten des fiMiwn AuMauwerkes in Palesttna sowie Djedda, die Konnte der jugoslawischen Juden, besuchen. In seiner Begleit tung befinden sich der Zagreber Stadtpfarrer Dr. Ritttg smvre einige jugoslawische Universitabsprofessoren, auch Abgeordnete der slowenischen Bolkspartei. Gerichtssaal. 8i«e «ngünstige Auskunft — vor Todesurteil kür eine Firma. Der Inhaber einer Auskunftei, Adolf Körner, trat gestern beim Strastbezirksgerichte I als Privatkläger gegen den Firmengesellfchafter Hugo Lenk auf. Die Auskunftei Körner hatte im September v. I. der Firma „In tag" über deren Auftrag eine Auskunft über die Firma, deren Gesellschafter Herr Lenk ist, erteilt. Diese Auskunft fiel sehr ungünstig aus.und gipfelte darin, - daß em'e Kreditverbindung mit der genannten Firma derzeit nicht angezeigt sei: Die Firma beschwerte sich wegen dieser.Auskunft bei Körner, worauf dieser im Bureau des 'Herrn Lenk erschien und sich bereit erklärte. Nach erhaltener Aufklärung eventuell die Auskunft richtigzustellen. Herr Lenk verweigerte jedoch Herrn Körner die Einsichtnahme in die Bücher und jede Aufklärung und bemerkte zu Herrn Körner: „Sie Narr, wenn Sie eine solche Auskunft erteilen, gehören Sie entweder aus den Steinhof oder in das Laüdesgericht". Diese I FÜR ALLE Versicherungs-Abschlüsse bietet besonders günstige Bedingungen: Gemeinde Wien Städtische Yersichernngsanstalt Direktion: Wien, /., Tuchlauben <8, Tel 67-5-40 FILIALEN. U. GESCHÄFTSSTELLEN IN AL¬ LEN OROSSEREN ORTEN DER REPUBLIK ■ s i H ■ Bad Tatzmannsdorf. Erstklassige, streng orth. Küche wieder in eigener Regie, neu eingerichtet, wird in den Lokalen der vorm; „Deutsche Eiche" am 1. Mai eröffnet. Vorzügliche Getränke. Bürgerliche Preise. A* Stern, Restaurateur. Aeußerung bildete den Inhalt der Ehrenbeletdigungsklage des Auskunfteibesitzers. Der Verteidiger des Beschullügten, Dr.Schwarz- H i l l e r, führte aus, daß die ungünstige Auskunft geeignet gewesen tväre, die Firma, deren Gesellschafter Lenk ist, geradezu zu vernichten, wenn diese Firnia nicht so gut fundiert tväre. Der Klagevertreter Dr. Ludwig Körner behauptete dagegen, daß die Auskunftei ihre Auskunft nach bestern Wissen und Gewissen auf Grund mehrfacher eingehender Erhebungen erteilt habe. Der Richter LGR. Dr. F r y d a verurteilte Herrn Lenk zu einer Geldstrafe von 60 S ch i l l i n fl, eventuell zu 48 Stunden Arrest, wobei als mildernd die Aufregung des Angeklagten angenommen wurde. In der Begründung wurde hervorgehoben, daß eine ungünstige Auskunft für eine Firma nicht nur ein schwerer Schlag sei, sondern unter Umständen geradezu das Todesurteil für einen Kaufmann bedeuten könne. Der VerurteMe meldete die Berufung an. Segen die Bestellung unfähiger Ausgleichs- Verwalter. Dem Präsidium des Handelsgerichtes Mttds eine Eingabe der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie überreicht, in welcher darauf hingewiesen wiird, daß in zahlreichen Fällen Personen, welchen jede kaufmännische Erfahrung fehlt, von den Ausgleichskommissären zu Aus-- gleichsverwaltern bestellt werden. Die Kammer müsse daher neuerlich an daS Präsidium des Handelsgerichtes das Ersuchen stellen, zu Ausgleichsverwaltern nur die in die Liste der Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie aufgenommenen Personen zu bestellen, dr' nur bei diesen die Gewähr gegeben sei, daß sie geschäftskundig im Sinne der Bestimmungen der Ausgleichsordlrung sind. Neben dieser Aktion fand die Kammer es auch für geboten, die in Betracht kommenden Körperschaften daraus aufmerksam zu machen, daß das Gesetz über das Ausgleichsverfahrcni den Gläubigern selbst die Möglichkeit bietet, ihra Interessen zu wahren und binnen acht Tagen die Bestellung eines anderen Ausgle ichsverwal ter s gu beantragen, wenn der Ernannte kein Kaufmann ist und ihm die allgemeinen kaufmännischen Kenntnisse und Erfahrungen oderv die im speziellen. Falle notwendigen Branchekenntniffe fehlen. Strettge Bestrafung eines AutoWildlingS. Bor dem! Scybssensenat des Krersgertchtcs Wiener-Neustadt hatte sich gestern der 24jäh>rige Mafchinentechniker Hans Polkah aus Wien wegen BergeHens gegen die körperliche Sicherheit zu verantworten. Polkak fuhr aut 13. Februar mit einen: Auto, in dem sich die Private Mja W e b e p und ein gewisser Otto S ins che befanden, in rasendem! Ternpo von Heiiigenkreuz nach Baden. In der Nähe deS Sanatoriums Esplanade geriet das Auto ins Schleudern, Poiiat verlor die Herrschaft Über den Wagen und plötzlich explodierte mit einem lauten Krach die PneumaKg des linken Hinterrades. Der Wagen kippte um und die Insassen srelen heraus. Während PollaL und Slusche unverletzt blieben, erlitt die Dame mehrfache schwere Verletzungen. Pollak, der vererts dreimal wegen Schnellsayrcns vorbestraft ist und am Tage des Unfalles wiederholt von Wacheorganen wegen zu schnellen Fahrens beanständet wurde, bekannte sich nicht schuldig und schob die Schuld an dem Unfall dem Platzen der Pneumatik zu. Die als Zeugin ^vernommene Mia Weber jagte dagegen aus, daß Pollak mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern gefahren sei und nur aus diesem Grunde das Unglück passiert sei. Sie erlitt durch den Unfall! emen offenen Bruch des linken Schlüsselbeins, Rippenbrüche und Rißquetschjwunden. Der als Sachverständige ernvernommene Ingenieur Zum stein erklärte, daß da§ Platzen der Pneumatik auf das Schleudern des Wagens zurückzuführen fei. Schuld an üenr Unfall sei nur bä# Schnellfahren. Der Gerichtshof venirreilte den Angeklagten zu zwei Monaten strengen Arrest, Vevfchörft durch zwei harte Lager, und zur Zahlung eines Betrages von 1030 Schilling an die Verletzte, die mit den Mehransprüchon auf den. Zivilrechtsweg verwiesen wurde. Der Verurteilte meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Vereine. BortrSge und Versammlungen. Zionistischer Klub „Mau-welß" 19. Dienstag, den 10. Mal, Vortrag Direktor Prof. Dr. Mktor Kellner: „Der Zionismus, die geistigen und politischen Strömungen der Gegenwart", im K'lublokal, 19. Bez., Peter-Jordan-Straße 10. Jugendliche Gäste wiMommen! — Zionistische Sektion Prater, 2. Bez., Jrmgstratze 8. Heute, 8 IHr abends, im Heim, 2. Bez., Jungstraßo 8, Vortragsabend. Thema: „Was lehren uns die Wahlen?" Referenten: Dr. Israel Taubes, Dr. Z. Finkelstein. — Akademische Sektion des Bervanides der Zionisten-Revisionisteu. Montag, 8 Uhr abends, Cafe Helvetia, 9. Bez., Langegasse 61, Vortrag Dr. Paul Diamant: „Juven und Araber" H. — Hiftadruth Roar Hamisrachk. Heute Samstag, 8 Uhr abends, im Heime, 2. Bez., Praterstraße 43, Heimabend. Jugendliche Gäste willkommen! — Jugendverein „Erez Israel", 2. Bez., gkrkusaasse 33. Morgen Sonntag, 8 Uhr früh, Tagesausslug am Troppberg. Kosten: 2 S. Treffpunkt: Stadtbahn-Haltestelle Schwebenbrücke. Führer: Wleselberg. 2 Uhr nachmittags: Hal'btagsausflug. Treffpunlkt: Schwedenbrücke. Führer: Lebensohn. — Volkshochschule Leopoldstadt (Volksheim), 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Dr. Msred Neu mann: ,Me KrebSkrankheit und ihre Bekämpfung." Eintritt frei. 7 Uhr im Festsaal: Theaterabend der französischen und engl-iischen Kurse. Karten zu 30 Groschen. Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilfsgemelnschast Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstraße 35. Der englische Kurs für Anfänger I. findet von nun an Montag und Donnerstag statt. Schwedisches Turnen für Frauen und Mädchen wird wieder regelmäßig abgehalten. Sternabenve aus dem Sommerheidenweg. Heute Samstag, Ho Uhr, Versammlung in Pötzleinsdorf, Ende der 41er-Linie. Schluß HlO Uhr. Führung: Professor Thomas. Jüdisches Realgymnafium (mit Oeffentlichkeitsrecht), 2. Bez» Castellezgasse 3b. Aufnahme in die erste bis achte Masse täglich zwischen 12 und 1 Uhr in der Direktionskanzlei. Die Fortsetzung der Jugendsührerkouferenz findet heute um HZ Uhr nachmittags, 2. Bez., Zirrusgasie 33, statt, und werden alle Jugendgruppen und Vereine in Anbetracht der wichtigen Tagesordnung anfgefordert, zuveostchtlich und pünktlich zu erscheinen.

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