Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2942 (7.5.1927)
- Date
- 1927-05-07
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Sk. 2E Mett, SaEtag Wiener MorgenzetLmrg 7. ME W27 GM » s*- :.3! e n, 7. Mai. Las Wetter. Gestern herrschte schönes, heißes Wetter. Mach der Vorhersage Würfle die jetzige Wetterlage andauern. Sparet mit dem Wasser! Trotz der Aufforderung, wahrend der Absperrung der zweiten Hochquellenleitung mit dem Wasser zu sparen, ist ein übermäßig großer Wasserverbrauch zu ver- Ä. Die Wasservorrcite sind schon jetzt zur Hälfte ver« obwohl mit dem Einlangen der Zuflüsse aus der zweiten Hochquellenlevtung erst anr Sonntag gerechnet werden kann. Der Magistrat ersucht die BevMerung dringendst, mit dem Wasser am Samstag und Sonntag zu sparen. Ferner wird aufmerksam gemacht, daß infolge des starken Sinkens der Wasservorräte in den Behältern leichte Wassertrübungen und Verminderung des Wasserdruckes in den Häusern eintreten werden. Mutmaßlicher Kindesmord. Gestern mittags wurde von einem Kanakraumer im Sammelkanal bei der Oberen Donaustraße die Leiche eines neugeborenen Mädchens vollkommen nackt im Wasser treiben gesehen und geborgen. Die gerichtliche Obduktion der Lerche wurde beantragt und die Erhebungen nach der Kindesmutter eingeleitet. Es dürste sich augenscheinlich um einen Kindesmord handeln. Eine geheimnisvolle Tragödie. Vorgestern mittags mietete ein etwa LOjähriges, mittelgroßes Mädchen mit blondem Bubikopf ber einem Bootsverleiher an der Wen Donau ein Boot. Sie kam bis zum Abend nicht zurück und bei einer Suche wurde das Boot an der Kagranerbrücke aufgefunden. Von dem Mädchen fehlte jede Spur. Im Boote wurden ein Damenmantel, ein grauer Stofshut, ein Paar Spangenschuhe, eine schwarze Lederhandtasche mit Toilettegegenständen, eine Geldbörse mit 98 Groschen, eine goldene ovale Armbanduhr und zwei Seidentaschentücher mit der Märke ,,A. Z." gefunden. Es ist zweifellos, daß das Mädchen Selbstmord verübt hat. Vor Schreck die Sprache verloren. Von dem Dache eines Haines in der Reinprechtsdorserstraße siel bei Ausbesserungsavveiten ein Ziegel auf den Bürgersteig. Die vorbeigehende 41jährige Hilssavbeiterm Helene Nowotny wurde von dem Ziegel am Kopfe gestreift und am Oberschenkel getroffen, ohne verletzt zu werden. Die Aufregung über den Unfall hat ihr aber das Sprechvermögon geraubt, so daß sie in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Apotto-THeater. Nach der Revue ist wieder das Variete eingezogen. DMS Programm wird fast ausschließlich von den Produktionen des Illusionisten Kassner beherrscht, der das Publikum in atemloser Spannung hält, soweit sie nicht durch Heiterkeit unterbrochen wird. Nicht weniger als 21 Piecen bringt er, assistiert von feiner Gattin, auf die Bühne; eine ist verblüffender als die andere und ob er nun einen Kanarienvogel in eine brennende Glühlampe schießt oder aus feiner unerschöpflichen Flasche Ehartreuse oder Ehampagner oder Tinte kredenzt, ob er spiritistische Experimente veruM, stets folgt ihm das lebhafteste Interesse und der ebenso lebhafte Dank der Zuschauer. Die schwedischen Zichharmonikavirtuosen Erichsen, die sechs magyarischen Meisterturner Faludy (die wir kürzlich bei Adolfi Men) und der lustige DupontS teilen sich mit Kassner in die Ehren des Beifalls. Sechzehnte österreichische Klassenkotterke. Bei der gestern abgehaltenen Ziehung des 14. Tages der 5. Klasse gewannen; 250.000 S. das Los Nr. 22.091; 5000 S. das Los Nr. 81.948; je 3000 S. die Lose M. 21.178, 23.791, 51.474, 63.830; je 2000 Sdie Lose Nr. 12.075, 31.473, 47.179, 54.000; je 1000 Sdie Lose Nr. 568, 1360, 7741. 25.&Ö7, 28.994, 41.629, 47,382, 134.523, 77.265, 85.975, 91.274, 91.603, 92.238. Außerdem wurden 197? Gewinne zwischen 600 und 160 S. ausgelost. Ei« Gauner, der Uhren — schluckt. Der junge Kurt Riegert, der in Berlin vechafbet wurde, Werl er sich bei einem Juwelier Mi .Uhren ange-. eignet hatte, hatte in seiner Zelle im Polizsigewahcsain eilten Selbstmordversuch durch Erhängen verübt, der aber vereitelt werden konnte. Der Gerettete klagt« über starke Leibschmerzen und gestand ein, daß er beide gestohlenen Uhren verschluckt hatte. W mußte in das Krankenhaus eingeliefert werden. Chicagos Dollar-Prinzessinnen. In Chicago leben mindestens 153 Frauen, von denen, wie voir dort berichtet wird, „jede mehr als eine -Million Dollar wert ist'. Bon ihnen sind 95 Witwen und 15 Junggesellinnen. Unter den 110 Damen, die heiratslustigen Männern zur Wahl stehen, befinden sich die reichsten und nicht die tvenigst schönen der ganzen Liste. Ihr Durchschnittsvermögen beträgt drei Millionen Dollar. Das heißt also, daß der heiratsbare Reichtum Chicagos sich heute aus 200 Millionen Dollar beläuft. Hoffentlich ruft diese Meldung keinen Sturm aus die Uuswanderuugsbureaus hervor. Die größte Meeresttefe. Auf dem Wege von Makassar (Celebes) nach Nagasaki hat, wie die deutsche Marineleitung mitteilt, der Kreuzer „Emden" eme Meerestiese von 10.460 Metern gelotet. Cr ym damit die größte bisher bekannte MeerKtiefe entdeckt. Bisher galt als grüßte Tiefe eine solche von 9788 Metern. Ern neues biegsames Glas. Unter dom Namen Wlndolit wird von der Windolite Co. in London ein neues organisches Glas (ein Zelluloseazetat) hergestellt, das sehr leicht ist, sich bequem mit Meffeu und Schere schneiden laßt und auch für ultraviolette Strahlen durchlässig ist, dabei loiderstandSfähig gegen Luftzug, Regen und Kälte. Cme iiOKOOO Jahre alte Tanne. In der Glaeier Bah von Alaska mlrde kürzlich ein interessanter Fund gemacht. Man stieß auf eine Rottanne, die vor vielleicht 300.000 Jahren durch einen vorwärts« drängenden Gletscher in EiS gehüllt worden war und jetzt wieder freigelegt wurde. Sie mar noch sehr gut er* lallen und dürste vor der Vereisung ein Mer von War hundert Jahren gehabt haben. Hunde, die nicht betten könne». Mn Hundezüchter in Olympia bei Washington hat durch Kreuzung eines gewöhnlichen Bastardhundes mit einem Sibirier eine neue Rasse erzielt, deren Eigentümlichkeit nach Meldungen amerikanischer Blätter darin besteht, daß sie nicht bellen können. Der einzige Laut, den diese Hunde hören lassen, ist ein dumpfes Geheul, und dies ist auch nur dann zu vernehmen, wenn die Tiere Hunger haben. Sonst sind die Hunde stumm wie die Giraffen, die ja im «*■ Aviso für Feinschmecker I Sie speisen vorzüglich und billig in den Wiener Grand-Restaurants „National“, II., Taborstrafie Nr. 18 „ZitabofVII., Mariabilferstraße 88a Telephon 44-5-03 Telephon 35-5-35 Erstklassige Wiener und orientalische Küche Speisen Natur, am Rost und Spieß — Beste Getränke Neueinführung: Balkanplatte Leitung: W. Spritzer * JÜDISCHE WEIT * 1 zur Statistik der Juden r« Seutschland. Die religionsstatistischen Ergebnisse der letzten Volkszählung vom 16. Juni 1926 sind im Vergleich mit den entsprechenden Resultaten der Volkszählung von 1910 für 18 von den 18 Ländern des Deutschen Reiches in verschiedenen Heften der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" des Statistischen Reichsamtes aufgearbeitet. Für die Israeliten ist — wie Univ.-Prof. Dr. Leap. Karl G o e tz - B o n n a. Nh. tit der „Jüdischen Rundschau" feststellt — das allgemeine Ergebnis das, daß sie nur in zwei von den 13 untersuchten Ländern eine Zunahme gegenüber dem Jahre 1910 aufweisen, daß dagegen in 11 Ländern des Deutschen Reiches eine Abnahme der Zahl der Israeliten eingetreten ist, die nach den einzelnen Ländern stark schwankt. Zunahme der Israeliten im Jahve 1928 gegenüber 1910 haben wir in den beiden Stadtstaaten Hamburg und Lübeck. In Hamburg haben sich die Israeliten von 19.472 im Jahre 1910 auf 19.904 im Jahre 1926 vermehrt, also um 432 Personen oder 2.22 Prozent. Die allgemeine Bevölkerungszunahme betrug in dieser Periode in Hamburg 13.69 Prozent. Lübeck weist 629 Israeliten im Jahve 1926 aus, gegen 623 im Jahre 1910, also eine Vermehrung um 6 Personen oder 0.96 Prozent bei einer allgemeinen Bevölkerungszunahme von 9.76 Prozent. In Bayern sind die Israeliten von 68.066 auf 49.146, also um 6920 Personen oder um 10.8 Prozent zurückgegangen, während die Gesamtbevölkerung sich um 7.1 Prozent vermehrt hat. In Württemberg haben wir statt 11.982 Israeliten nur noch 10.827, also eine Minderung von 1166 Personen oder 9.6 Prozent bei gleichzeitiger allgemeiner Bevölkerungs z U n a h m e von 6.8 Prozent. In Baden haben sich die Israeliten von 26.896 auf 23.909, also um 1987 oder 7.67 Prozent vermindert, bei gleichzeitiger allgemeiner Bevölkerungszunahme von 7.92 Prozent. In Hessen ist die Zahl der Israeliten von 24.063 auf 20.401 zurückgegangen, also um 3662 Personen oder 16.2 Prozent bei allgemeiner Bevölkerungszunahme um 6.1 Prozent. Thüringen hat heute 8603 Israeliten gegen 3820 im Jahre 1910. Die Mnahme beträgt 217 Personen -Her 6.68 Prozent. Allgemeine Bebölkerungszunahmc 6.64 Prozent. In Anhalt haben sich die Israeliten von 1383 auf 1140, also um 248 oder 17.57 Prozent vermindert, bei gleichzeitiger allgemeiner BevMerungszunahme von 6.01 Prozent. Schaumburg- Lippe zählt jetzt 180 Israeliten gegen 230 im Jahre 1910; die Mnahme macht 60 Personen aus oder 21.7 Prozent; allgemeine Bevölkerungszunahme 8.0 Prozent. In Lippe sind noch 607 Israeliten gegen 780 früher. Die Abnahme beträgt 173 Personen oder 22.18 Prozent; allgemeine Bevölkemngszunahme 8.42 Prozent. In Oldenburg sind die Israeliten von 1626 auf 1613 zuri'lckgegcmgen. Die Verminderung beträgt 0.79 Prozent bei allgemeinem Bevölkerungszuwachs von 12.86 Prozent. Mecklenburg-Schwerin zählte früher 1413 Israeliten, jetzt noch 1202, also Verminderung um 211 (14.93 Prozent) bei allgemeinem Bevölkerungszu- Ivachs von 6.38 Prozent. Mecklenburg-Strelitz weist den größten relativen Rückgang der Israeliten in allen deutschen Ländern auf. Statt 264 Israeliten im Fahre 1910 haben wir 1926 noch 184, also Mnahme von 73 Personen oder 28.36 Prozent, bei allgemeinem Bevölkerungszuwachs von 3.80 Prozent. Der prozentuale Anteil der Israeliten an der allgemeinen Bevölkerungszahl in diesen Ländern ist heute: Württemberg 0.4; Schaumburg-Lippe 0.4; Bayern 0.7; Mecklenburg-Strelitz 0.16; Mecklenburg-Schwerin 0.18; Thüringen 0.22; Oldenburg 0.28; Anhalt 0.32; Lippe 0.87; Lübeck 0.49; Baden 0.88; Hessen 4.6; Hamburg 1.79. In dieser StattstA fehlt das wichtigste Gebiet, nämlich Preußen und Berlin. Sie nördliche Berstadt van Tel Awiw. AUS Tel Awiw wird uns geschrieben: Der jetzt in Angriff genommene Bau der „Schechunach Haza- Phon", der nördlichen Borstadt von Tel Awiw, wird bereits auf Grund der „ästhetische Bauweise" durchgeführt. Die Pläne dieser Gartenstadt wurden von dem Spezialisten für Gartenstadthau Prof. Geddes entworfen. Dieses neue Stadtviertel verspricht das herrlichste nicht nur von Tel Alviw, sondern von ganz Pa-- lästina zu werden. Die Baupläne sehe» die Errichtung aller erforderlichen 'Kulturanstalten, Sportplätze, Schulen, Bortragshallen usto. vor. Da sich diese neue BorstM bis hart ans Meer erstreckt, hat sie Aussicht, allmählich die palästinensische „Riviera" zu werden. Der notwendige Boden wurde von einer Gruppe des Tel Awiwer Mieter Vereins, dem Angestellte^ Arbeiter, Handwerker und Kleinhändler airgehörem noch vor zwei Jahren, zur Zeit der höchsten Wohnungsnot und Wohnungsteuerung, erworben. Mit dem Bau Hätte eigentlich schon damals begonnen werden sollen, da sowohl der Stadtrat von Tel Awiw als auch ettrige Frnanzinstitute ihre Mitwirkung und Förderung zugefagt hatten. Dann brach die Wirtschaftskrise aus, die Mitglieder des Mietervereines blieben zum großen TeLkj ohne Arbeit und Einkommen, eine starke Abwanderung setzte ein, und nun begannen die Tel Awiwer Hausbesitzer alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit diese neue Borstadt nicht erbaut werde. Es kann als Zeichen der beginnenden Besserung der Verhältnisse und des steigenden Vertrauens gewertet werden, daß die „PaLstine Economic Corporation" in Amerika sich nunmehr entschloß, die Durchführung des Planes selbst in die Harid zu nehmen urrd die erforderlichen Kredite für den Bau zu gewähren, allerdings unter der Bedingung, daß der Boden, auf welchem die neue Gartenstadt errichtet werden soll, Eigentum des Nativnalfvnds bWe, der ihn den Besitzern der neuen Hchrfer für die Dauer von 99 Jahren in Pacht gibt. . ' ' . Las Tabakraucher! im alte« Ghetto. Als das Tabakrauchen in Europa aufkam, versuchte die christliche Kirche anfangs' durch Mehrfache schwere BÄ-, Lote der neuen Mode zu st euer». Rkht so war es! imj alten jüdischen Ghetto. Die Rabbiner hatten gegen den Tabak nichts einzuwenden, im Gegenteil — sie > erblickten Kni Tabakrauchen das Mittel gegen den Alttchokismus. Hstd in der Tat gab es int alten Ghetto fast niemals einen! berauschten Juden und auch' die Popularisierung des Käst fees unter den Indien ist auf die gleiche Ursache, sie Vdm exzessiven Weingennh abznhalten, ist auf dieses Motjiv zurückzuführen. In verschiedenen hebräischen Werken asts dein 18. Jahrhundert wird der Kassie das Mische Getränk genannt, eine Bezeichnung, dse auch im ganzem Orient nicht nur bei den Juden gang und« gäbe war. T8je Vorliebe der Inden für den Kaffee veranlage einen jEschen Autor zu der Bemerkung, daß Kafstetrßnken Ae „zweite Natur" bei vielen Juden fei. So hat denn das Rauchen als Mäßiges Narkotikiyn bei den Juden sehr rasch Zlnklang gefunden und diese Vorliebe für das Rauchen hat sich bss auf de» heutige» Dag bei den Juden erhalten. Im 18. Jahrhundert hat. die neue Mode des Rauchens wie jede neue Lebenscrschcimmg bloß religiöse Auseinandersetzungen zur Folge gehabt. Eine gartze Responsenliteratur beschäftigt sich mit der Frage, ob daH Rauchen anr Sabbat und an gewöhnlichen Fasttage» gestattet sei und' ob man, wenn Man dje Pfeife anraucht, -etwa einen Segensspruch zu sagen habe, wie beim' Beginn des Essens. Schließlich einigte man sich in der Entscheidung daß man an Fasttagen das Rauchen bis zur Mitkigsstnrwe lassen soll, währerck es am Sabbat ganz verboten werde. Dies hat unter den jüdischen Masse» gleich nach der ersten Entscheidung große Unzufriedenheit hervorgernsen und die hebräische und jüdische Literatur ans jener Zeit verzeichnet «ine ganze Anzahl von Fällen, wie die Juden im Orient Auskunftsmittel erfanden, die ihnen den Tabakgennß am Sabbat ermöglichten, ohne dabei gegen düs Verbot zu verstoßen. Biele Juden benützten eine sagenannte Wasserpfeife, die sie vor Eintritt des Sabbats mit heißem Wasser füllten, toodurch die brennende Pfeife während des ganzen Sabbats lvarm erhalten tvurde. An diesen Rargflehs sog mau dann während des ganzen Sabbats. Auch andere Erfindungen sind bekannt. So wird von einem besonders leidenschaftlichen Raucher im! Orient erzählt, der am Sabbat sesiren Nchhainmeda Nischen Freund zu besuchen pflegte und stundenlang neben ihm saß, während jener seine Pfeife rmnhte. Der jüdische GeWrtt Joffe gestorben. In"SMolensk verstarb der bekannte jüdische Gelehrte, Mathematiker und Altertumsforscher G. S. Joffe im Alter von 74 Jahre». Er war ein Abkümnttng des berühmten Gelehrten Mordedjai Joffe, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aelevt hat.