Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2941 (6.5.1927)
- Date
- 1927-05-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3841 Me«, Frettsg wlStmr 9/(0t96RgCtQnig e. Wtä msn mm. Gerichtssaal. 6in Lebensbild. An der „Wiener Morgeuzeitung" würbe am 3. April dieses Jahres im Zuge der Wahlkampagne ein Artikel unter der Ueberschrift „Ein Lebensbild" veröffentlicht, der sich mit der Tätigkeit des Rechtsanwaltes Dr. Fritz Spitzer als Wahlagitator für die sozialdemokratische Partei beschäftigte. In dem Artikel wurde dem Doktor S pirtzer vorgchalten, daß er aus' der zionistischen Partei durch ein Ehrengericht ausgeschlossen wurde. Weiters wurde ausgeführt, daß Dr. Spitzer wiederholt beteuert habe, er sei begeisterter Zionist und werde wieder zionistisch arbeiten, bis er in der sozialdemokratischen Partei zu Vermögen gelangt sei. Obwohl noch in den Jahren 1919 und 1920 zionistischer Wahllciter und zionistischer Bersammlungsredner, habe er sich im Jahve 1927 der sozialdemokratischen Bezirksorganisation Leopoldstadt als Wahlhelfer gegen die Zionisten angeboten und angeraten, mit dem lügnerischen Schtagwort -y der lAussichtslosigkeit zu agitieren und in den letzten Tagen vor der Wahl zu verbreiten, daß die jüdische Lifte zugunsten der Sozialdemokratie zurückgetreten sei. Doktor Spitzer sandte nach Erscheinen dieses Artikels der „Wiener Morgenzcitung" eine Berichtigung und klagte überdies auf Ehrenbeleidigung. Gestern fand vor dem Presserichter Hosrat Doktor Höflmayer die Verhandlung gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Herrn Jakob Krausz, wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge statt. Der von Dr. Israel Waldmann vertretene Beschuldigte erklärte, den Artikel weder verfaßt noch vor dev Drucklegung gelesen zu haben, und begründete dieses Versäumnis mit seiner infolge der bevorstehenden Wahlen überaus starken Ueberbürdung. Der Versuch, die Angelegenheit durch eine in diesem Sinne gehaltene Erklärung beizulegen, scheiterte. Der Verteidiger Dr. Waldmann führte in seinem Plädoyer ans, daß der Artikel in einer Zeit der dujrch die Wahlen hervorgerufenen uerbösftni Spannung in das Blatt kam, ohne daß der verantwortliche Redakteur infolge seiner Ueberanstrengung dies hätte inhibieren können. Nur aus diesem Grunde werde jetzt nach den Wahlen, da sich die Erregung bereits gelegt bat, ein Wahrheitsbeweis nicht geführt, obwohl es ein Leichtes wäre, beispielsweise zu beweisen, daß Doktor Spitzer tatsächlich aus' der zionistischen Partei durch ein Urteil des Ehrengerichtes ausgeschlossen wurde.. In seiner eigenen Berichtigung behauptete Dr. Spitzer, daß er nach wie vor Zionist sei> daß er aber gleichzeitig Lei diesen Wahlen agitatorisch gegen die Zionisten gearbeitet habe. Die Redaktion fügte mm mit Recht hinzu, daß dies wohl ein merkwürdiger Zustand sei. Denn auch die Zionisten haben wie jede andere Partei ein Recht aus Zuverlässigkeit ihrer Mitglieder. In einer anderen Sphäre würde man in einem solchen Falle von einem Dolchstoß von rückwärts sprachen. Er plädiere für keim Mildcrungsgründe, da auch die höchste Strafe nicht zu viel erscheint, wenn man Gelegenheit erhalt, die Tätigkeit eines Menschen, wie es Dr. Spitzer ist, in öffentlicher Gerichtsverhandlung aufzuzeigen. Der Richter verurteilte den verantwortlichen Redakteur wegen' Bcstnachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu einer Geldstrafe von 100 Schilling, im Nichteinbringungsfalle zu 24 Stunden Arrest, und sprach die Verpflichtung zur Veröffentlichung dieses Urteils in der „Wiener Morgenzeitung" und in der „Arbeiter-Zeitung" ans. Der Verurteilte behielt sich Bedenkzeit offen. Der Waffenvorrat des arbeitslosen FronttSmvkers. Vor dem Strafbszirksgericht I (LGR. Dr. Auerbach) hatte fich gestern -der 33jährige Karl Indra zu verantworten, well bei ihm anläßlich einer Hausdurchsuchung, die auf Grund einer vertraulichen Anzeige vorgenommen wurde, 2 Gewehre, 2 Pistolen, 4 Bajonette, 76 Gewehr-Patronen und 43 Pistolenpatvonen sowie sine Anzahl -Ueberschwünge und andere militärische Ausrüstungsgegen-stände gesunden wurden. Indra ist ein rühriges Mitglied der Frontkämpferv e r e i n i g u ng, ansonsten aber arbeitslos. Er gab nun zur Veranttvortung an, daß er die Bajonette zum Abschaben des Fournicrholzes benötigte. Auf- Vorhalt des Richters, wozu er deml dazu 4 Bajonette brauche, erwiderte er, die übrigen seien Vorrat gewesen. Die Gewehre habe er zu Dekorationszwecken angeschafft, und vre Pistolen, Äe er' unter der Hand gelaust habe, benötige er zu seiner persönlichen Sicherheit. Um einen Waffenpaß habe er wohl angesucht, doch sei er abgowiesen worden. Der staatsanwaltschaftliche Funktionär wies darauf hin, daß hier eine besonders strenge Bestrafung erfolgen müsse, weil nicht nur der reine Tatbestand' der Uebertretung des Waffe,tvatents vovliege, sondern gleichsam eine Borbereitungshandln n g zu einem viel bedeutenderen Delikt. Der Richter verurteilte den Angeklagten im Sinne .der Anklage zu einer Geldstrafe von 60 Schillnsg, die Indra sichtlich erfreut^ annahm. f 2,300*000 Kilometer iben Me Flugzeuge der Polnischen Luftverkchrs-A.-G. Corotot", Sten, 1. Bez., Tegetthosfftraßs 7, Tel. 71-0-84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Leben gekommen, kein Warentransport verloren oder beschädigt worden. VOLKSWIRTSCHAFT Die MtimoaÄvrMe. Oesterrcichische Nationalbank. Der Ausweis der Oesterreichrschen Nationalbank vom 30. April zeigt die übliche Mimoanspannung. Diese kommt besonders in einer Zunahme des Wachseleskomptes um 40,2 aus 113,6 Millionen Schilling zun, Ausdruck. Bemerkenswert ist die Der nt eh r u -n g des Devisenschatzes um 2,1 auf 428,2 Millionen Schilling, sowie die Steigerung der N 0 st r 0 d ev is e n der Bank um den Betrag von 16,5 auf 163,8 Millionen Schilling, ein Zeichen, daß das Abströmen kurzfristiger Auslandsguthaben aus Oesterreich, das besonders während der Wahlperiode ein schärferes Tempo ekngoschlagen hatte, nunmehr aufgehört hat und der entgegengesetzten Tendenz zu weichen beginnt.. Vom Teilmi'inzcndkstand der Nationalbank sind 685.900 Schilling wieder in den Verkehr geströmt, wogegen der Goldschatz weiter eine Zunahme um rund 6000 S. auf rund 58,6 Millionen Schilling zu verzeichnen hat. Auch der Lombard hat um 101.000 S. zugenommen und beläuft sich nunmchr aus 407.800 Schilling. Im Zusammenhänge mit dem stärkeren Ultimobedarf sind 48,2 Millionen Schilling vom Girokonto abgehoben worden, so datz in der Berichtswoche die gesamten Giro-Verbindlichkeiten auf 24,8, auf ein Drittel des früheren Standes, gesunken sind. Aus all diesen Veränderungen ergibt sich eine Vermehrung des Notenumlaufes um 106,5 aus 918,2 Millionen Schilling, womit dieser nahezu seinen höchsten Stand wieder' erreicht hat. Ungarische Nationalbank. Ein ähnliches Bild der Mimoanspannung bietet der Ausweis der Ungarischen Nationalbank vom 30. April. Der Esk 0 mp t e hat um'41,2 auf 242,1 Millionen Pengo zugenommen, vom Girokonto sind 53,6 Millionen abgehoben wmÄen und der Gesamtnotenumlaus ist um 80,6 auf 443 Millionen Pengö gestiegen. Dagegen sind vom B a r s ch a tz zirka 1,7 Millionen Pengö weiter abgeströmt, und er beläuft -sich nunmehr aus 265 Millionen Pengö. Während im Ausweis der Oesterreichischen Nationalbank sich die Bewegung der anderen Aktiven, die überwiegend Devisen enthalten, und die der anderen, Passiven das Gleichgewicht hielten, war bei der Ungarischen Nationalbank die Verminderung des jStandes der anderen Aktiven um 12 Millionen Pengö nicht von einer Verminderung der sonstigen Passiven begleitet, sondern diese haben vielmehr um 415.000 Pengo zugenommen. Keine weitere krmäßigimg des Bankrinsfnßes in England. London, 5. Mai. Entgegen der allgemeinen Erwartung ist der Bankzinsfuß unverändert geblieben. Durch diese Entscheidung sind die Fondsmärkte -nicht beeinflußt worden und die allgemeine Tendenz war stetig bis fest. In Konsols hatte sich aus der Fondsbörse am gestrigen Spätnachmittag ein umfangreiches Geschäft entwickelt, da maneine Aenderung des Zinsfußes angenommen hatte. Seit der letzten Ermäßigung der Bankrate ist eine große Menge des neu aufgelegten Kapitals, f ast 20 Millionen, bereits vom Publikum gezeichnet worden. — Mittag« Amman gegen die Anttegung einer rmnSnIschen Anleihe In Lonvon. Aus L k> n d 0 n, 5. Mai, wird telegraphiert: Das Projekt der Auflegung einer neuen Anleihe für Rumänien aus dem Londoner Markte ist fallen gelassen worden. Der Gouverneur der Bank von England, Montagu Norman, soll, wie verlautet, die betreffenden Bankiers verständigt haben, daß eine solche Anleihe gegenwärtig k e i n e Aussichten hätte, da das britische Kapital jetzt durch private Anlagen in Rumänien zehn Prozent erzielen könne. Dar Trugbild der deutschen Mien-Hanffe. Reichsbankpräsident Dr. Schacht gegen jede Aufwertung. Berlin, 5. Mai. Im Rechtsausschuß des Reichstages erklärte Reichsbankdirektor'Dr. Schacht über die Fragen der Aufwertung von Bankguthaben und Banknoten, die Reichsbank habe ihren schon früher gegen ei-ne rechtliche Aufwertung gerichteten Standpunkts nicht geändert. Sie habe immer nur eine sogenannte soziale Auswertung -für diskutabel gehalten. Je häufiger und je weiter Man das Problem der Auswertung aufrolle, unr so mehr müsse die' Geneigtheit des Auslandes, mit Deutschland Kreditgeschäfte abzuschließen, sinken. Aber auch soweit es sich um rein innerwirtschaftliche Verschiebungen Mischen ehemaligen Gläubigern und Schuldnern handle, müsse die Mobilisierung neu geschaffener Aufwertungsverpflichtungen in einem an Betriebskapital so armem Lande neue, außerordentliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, schaffen. Die Auffassung von dem angeblich schon wieder errungenen Wohlstände Deutschlands beruhe im wese-nt-lichen aus dem Trugbild der derzeitigen hohen Aktienb ew ert u-ng an den beutschen Börse n. Die Ursache dieser Kurse sei aber keine normale und beruhe vielmehr zu ganz wesentlichem Teil auf der Leichtigkeit der kurzfristigen Geldheimnahme aus dem Auslände einerseits und aus den durch den fortschreitenden Rationalifierimgsproizeß in der Großindustrie hervorgeru-fenen J-nteressenkäusen. Die Auswertung der Banknoten sei durch das Warkkgesetz vom 30. August-1924 ausgeschlossen. Dieses Gesetz könne -nicht einseitig geändert werden, da es einen T eXX des Londoner Paktes darstelle. Redner weist zum Schluß darauf hin, daß Deutschland zur Wiedererlangung seiner nationalen Kraft noch ans lange Zeit an die Mitwirkung des Auslandes gebunden sei und nichts unternehmen dürfe, was das Vertrauen des Auslandes in die HaiÄ> habung der deutschen Geschäfte erschüttere. Nene Sanarbeit in PaiSftina. lieber neue Bauarbeiten in den Städten Palästinas berichtet die Handelszeilschvift „Mischar Wetaasiah": ' In Tel Aw rw wurde einem i taliein-i schen Unternehmer die Ausführung dreier Bauten übertragen, bei denen 100 Arbeiter, davon die Hälfte J-uden, beschäftigt sind. In der Straße Nachlath Benjamin hat man mit dem Abbruch zweier alter Häuser begonnen, um -auf diesem Platz Neubauten zu errichten. Im Gang der Arbeit bei öffentlichen Bauten, wie Volkshaus, Theater-Studio, Saal des Waad Hatarbutih, Altersheim, Kinderanstalt in Novdiah, Spital der Jviah, Arboiterhaus des Msrachi und große Synagoge sind Fortschritte zu verzeichnen. In Jerusalem hat der Solel Boneh mit -der Arbeit -an der Straße in Talpioth bsgEnen, die auf gegen 1200 ägyptische Pfund zu stehen kommt, und beschäftigt dabei 40 Arbeiter. Sechzig Prozent der Kosten hat die Siedlung von der Zionistischen Exekutive aus Mitteln des Keren Hajeffod a-ls Darlehen erhalten. M-tte März hat die Arbeit der vom Magistrat hergestellten Straße in der Nähe von Merkas Mischari begonnen, die 50 Arbeitern Beschäftigung gibt und an der die Stadtgemeiinde sich mit 500 Pfund beteiligt. Die andere Hälfte gibt die Palestine-Land-Dsvelopinent-Company. Die Grabungsarbe-iten für das Fundament des Gymnasiums sind beendet. Man hofft demnächst mit den Bauarbeiten beginnen zu können. In Haifa wurde -am 29. März der Grundstein für den -Bau -des V 0 lk shauses gelegt. Palästinas Import nnd Export. Nach der oWziellon StatiM über den . palästinensischen Außenhandel in den Jahren 1924, 1925 und'1926 hatte der Gesamtimport nach Palästina im Jahre. 1924 einen Wert von 5,589.679 ägyptische Pfund, 1925 belief er sich auf 7,603.923 Pfund, 1926 auf 6,513.331 Pfund. Der Gesamtexport betrug 1924 2,120.931 ägyptische Pfund, 1925 1,588.157 Pfund, 1926 1,497.921 Pfund. Der Export -von eigentlichen P a-lä st 4 na- P r odukten betrug 1924 1,200.012 ägyptische Pfund, 1925 1,297.539 Pfund, 1926 1,275.625 Pfund.. Der T ram-s i te xp o rt betrug 1924 61.002 ägyptische Pfund, 1925 48.752 Pfund, 1926 33.811 Pfund. Die Geld aus fuhr betrug 1924 717.275 ägyptische Pfund, 1925 102.145 Pfund, 1926 13.356 Pfund. Die Wied orausfuh-r fremder Güter belief sich 1924 auf 141.842 ägyptische Pfund, 1925 auf 139.701 Pfund, 1926 auf 175.179 Pfund. Verbvauchswaren wurden importiert: 1924 für 5,226.349 ägyptische Pfund, 1925 für 7,338.491 Pfund, 1926 für 6,429.245 Pfund.. Me T r a n s i t i m p 0 r t e betrugen 1924 136.138 ägyptische Pfund, 1925 71.776 Pfund, 1926 73.257 Pfund. Die Bar g e l d i m p or tc betrugen 1924 187.192 ägyptische Pfund, 1925 193.656 Pfund, 1926 10.835 Pfund. Große Schwankungen der Lira. Me Devise Mailand unterlag größeren Schwankungen. Zu Beginn -es Börsenverkehrs verzeichnete sie einen Kurs von 26.80 gegen Zürich, erholte sich dann auf 27.45, schloß 27.37% und ermäßigte sich nachbörslich weiter aus 27.10. Dar Le u -sprach sich bei 3.31 fest aus. Der Verband der Rekla,mefachleute bei Vizebürgermeister Emmerling. Gestern sprach unter Führung des Präsidenten Stefan O. Bors eine Deputation des Verbandes österreichischer Reklamesachlente 'bei Vizebürgermeister Emmerling vor, um ihm das Tätligkeitsprogranun des Borbandes vorzulegen und seine Stellungnahme zn diesen Problemen kennen zu lernen. Vizebürgermcister Emmerling erklärte, daß er sowohl in seiner Eigenschaft als Referent der städtischen Unternehmungen als auch als Vizebürgermeister alle Vorgänge auf dem Gebiete der Reklame mit größtem Interesse verfolge und in den dar- Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.S 5'— Tschechoslowakische Republik..?K 22-— Jugoslawien.Dinar 60- Polen. ./loh 6- Deutschland.'...Goldmark 4- Frankrelch, Belgien. f^cs 35*— Italien.. 20- .. I.ei 170 — Bulgarien.* ^?wa 100* Atn&rikä , ,;,•••*• •*•*•*• Doilsr 1 ■“ Schweiz und das übrige Ausland , . . frcs Oesterr. Postsparkassenkonto 150.693. I