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Wiener Morgenzeitung · 1927-05-06 · Heft 2941 (6.5.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2941 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Gerte 6 Men, Freitag Wiener Morgenzeitung 6. Mai E Nr. 3941 ohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. Copyright 1927 by R. Löwit Verlag, Wien — Leipzig (25. Fortsetzung.) „Dehß t§ ah's Beste," bestätigte der erfahrene Panigl. „Nur in der Provinz soll er sei Geschäft machen! Geht alls pcr Nachnahm'; braucht cr neht auf's Geld wartn'; — braucht --ahn Laden, fyjt kahne Spesen tntb ih sag' Ihnen, Vaatter..," er klopfte Herrn Hermann vertraulich auf die Schulter, „nur kahn «Angst neht! Er wird a G' schüft machen! — Mrrg'n bestell' üh den Baumahster und Sö..wendete cr sich Kn Gustav, „kummen murg'n austr zu mir und sag'n, wihr iS' alles brancht'n und.." Er hielt Gustav feme Rechte hin und schloß in der Schriftsprache: „Ahbgemacht —!" Gustav wollte einschlagen, aber Herr Hermann verhinderte den Handschlag. „Halt!" rief er, „etwas nmß ich noch lsagerr: Sic verlangen, Herr Panuingxr, daß er das Fleisch bei,Fhnen nehmen muß! — Gut — Aber er muß doch auch das Lokal sicher haben! — Da war' dkoch am besten, daß,ma e Vertrag ." — „Dehß brauchen ma neht, staatter!" 'unterbrach Herr Pauigt, zur vertraulichen Mundart wieder ^urückkehrend. „Dehß branch'n nra neht! Der Gusti kennt,mih! Ih kenn' erin! — Vertrauen gegen Vertrauen Gelns?!" Mer Herr Hermann hatte noch Bedeuten. „Vertrauen ns gut," sagte er, „aber — was is, wenn er ahnmohl «wo anders a Fleisch kaufen wird?" — „Dehß Uchrt er >ja neht!" rief Herr Panigl überzeugt. „Warum soll er denn wo anders a Fleisch kaufen?" — „Vielleicht will er. i— Vielleicht — was weiß ich — hat er e besseren Lieferanten! -— Können Sie ihm das verbieten?" — „Naturli!" änderte Herr Panigl plötzlich Und drohend den Ton. i„Natürli! Dehß glaub' ih! Ih wer' doh in aiei Haus ckahn fteurden Bahnler einer loss'n!?" — „Und was is, .wenn er doch anderswo kauft?" — „Kriegt er d' Aufsag'! — Muhrß er aussi! Dehß wahr neht schlecht! — Aussi pNuhß er dann!" — — Wie schlechter Mörtel war die leichte Tünche seiner gemütlichen Freundlichkeit herabgefallen Und »brutal blinkte das rohe Gestein der wahren Gesinnung: „Aussi muhrß er!" „Ah! So?!" rief, vielmehr schrie Herr Hermann. „E so alprer semr Sie! — Das Hab' ich nur wissen wollen. — Eine Gemeinheit!"'— „Sö! — Halten S' Jhner zruck, Herr Mautner!" — „Nein! Sie werden mit mar Sohn nix a'uher^ Herr Panigl wollte heftig erwidern, aber — plötzlich besann er sich, faßte seinen Hut und ries: „Ueberhaupt! — Ih pfeif <Äfs Ganze! — Ih geh'!"- Bisher hatte Gustav dem Streit der beiden Herren mit halbem Ohr-e gelauscht. Er war mit seiner: Gedanken in einer lieblicheren Gegend gewesen. Er wandelte bereits sin Geiste den „Schupfen" zu.einer blühenden Werkstätte >rmd schlang Rosengirlanden der Hoffnung um die neuen Mauern. — Erschrocken merkte er nun, wohin der Streit geführt und rasch Und beschwichtigend rief er: „Mer Vater! Er meiut's doch nicht so!" — r* „Nahn," bestätigte Herr Panigl Und faßte rasch den Finger der Versöhnung. „Was er mahnt, wahß ich nix!" sagte Herr Hermann. „Aber mit dir wird er nix außer — osser!" Das Wortspiel schien Herrn Hermann zu gefallen und — auch zu beruhigen. Er setzte sich — Eine noch immer fremde Welt Geheimnisvolle Tiefen erschließen uns die Werke der II RUSSISCHEN I BIBLIOTHEK Ein lückenloses Bild des russischen Menschen* seiner Seele und seiner Kunst Tolstoi || Kosaken. Ein Roman a* d. Kaukasus Dostojewski || Brevier. Eine Auswahl Tschechow || Dreißig komische Erzählungen Turgenjew || Ein Adelsnest. Roman Gogol || Petersburger Erzählungen . Remisow || Russische Frauen. Erzählungen Odojewskij || Magische Novellen Lermontoff || Ein Held unserer Zeit. Rom? t Der russische Christ. Erzählungen Fedortschenko || Der Russe redet Jeder Band, in Halbleinen geh., auf bestem holzfreien Papier nur S 2*— Bücherschwemme R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstraße 22 Herr Panigl tat das Gleiche. Und Herr Hernrann wiederholte in freundlichereui! Tone. „Mit dir wird er nix außer — osser!" — „Aber, Vater! Ich bin doch noch gar nicht drin! — Und ich will ja nicht wo anjbers Fleisch kaufen!" — „No also!" rief Herr Panigl. ,,Z' was streiten S' dann?" — „Ich streit'? — Sie streiten!" — „Nahm Sö streit'n!" — „Da gehört was dazu! — Ich streit'? I" — Der Streit um das Streiten wogte noch eure Weile unentschieden, bis Gustav rief: „Vater! Lass' doch!" Das verdroß wieder Herrn Hermann und er sprach kurz zu seinem Sohne: „Gusti! Mich lass' du gehn! — Du verstehst das nix; — aber ich weiß jetzt, wie mr dran sind! — Ich Hab' ja nur Höven wollen, was der Herr da, — Ker Herr..." — „Tuhrn 'S' Jhner nix ahn!" unterbrach Herr Panigl. „Ich Hab' nur wissen wollen," setzte Herr Hermann fort, „was der Herr Panuinger..." — Panigl, Vater!" — „Also der Herr Panigler tun wird, wenn du cnrohk bei ihm ka Fleisch nimmst!" — „Epper soll ih erm uoh a Remontehru.hr für dehß drauf geben! — Was?" höhnte Herr Panigl. „Das brauchen Sie nix! Aber Sie werden mit mai Sohn nix außer! — Verstehen Sie?!" — „Ih kann aber kahn fremden Bahnler in nrci Hans einerlassen! Dehß mührßen S' doh einsehngn!" — „Gut," erwiderte Herr Hermann, „das versteh' ich. Mer wo..ivendete er sich zu seinem Sohne, „wo hast du die Sicherheit, daß er dir e gutes Fleisch liefert und..." •— „Ih Hab' ja gar ka schlechts Fleisch!" unterbrach Herr Panigl. „Und daß er dir... setzte Herr Hermann — die Unterbrechung Herrn Panigls ignorierend — fort, „nicht zu teuer liefert?!" — „Zteier?" rief Herr Panigl irnd so sehr erstaunt, als hätte er stets unter dem Gestehungspreise verkauft. „Zteier? — Ih bin doh billiger wihr die andern! — Mir is (ja neht ttm den Verdienst ztuhrn! Wissen S', Baatter...," begann er wieder vertraulich, „dehß is ah so: Meine Burschen brauch' ih am Vurmittag in der Bank und er — kriegt am Nachmittag sei Fleisch und da haben die Burscherr nix ztuhrn Und dehß is mei Verdienst!" — „E so e Jahr auf meine Sonnim!" rief Herr Hernrann zu Gustav, „wie ich das versteh'?! Das is e Geschäft, daß d!le Bühne und Kunst. „Weiberfeinde." Madamietheater. Dieses Beefsteak bezwingen wohl nur englische Kinnbacken und vermögen nur englische Mägen zu verdauen. Unsereins hat weder Zeit noch Lust, die zähen Akte des Lustspiels zu kauen und ihnen Geschmack abzugewinnen. Gleich zu Beginn läßt Ben W. L e v i fünf Herren ihre Weiberfeindschaft begründen. Das geht also vor sich: Sie wählen einen Vorsitzenden, erteilen einander das Wort und halten Ansprachen. Fünf Mann hoch, fünf ausgewachsene Reden, wozu noch etliches Debattengeplänkel kommt. Beneidenswert, wer Ausdauer und Gleichmut genug hat, sich dieser langwierigen Diskussion zu erstellen. Und wem: sich später einer der Fünf darüber ärgert, daß er für die anderen vier Luft ist, dann ärgert er sich eine stundenlange Viertelstunde lang. Mr ärgerten uns schon in der zweiten Minute über seinen Aerger. Dennoch hat das Stück seine Qualitäten, läßt wiederholt spitzige satirische Heiterkeit aufleuchten. Der Autor kerrnt seine Mitmenschen und nimmt sie, aufgeräumt und liebenswürdig, aber doch nicht unsanft her. Karola Neher hat in dieser ihrer zweiten Antrittsrolle ein Mädchen zu spielen, welches Weiberfeinde besiegt, weil es ein! hundertprozentiges Weib ist. Klug wie die Schlange, anmutig lind gewandt wie die Katze, verlogen-diplomatisch und naiv-aufrichtig, beides in einem Atenrzug, und — natürlich — nicht nur hübsch, soildern seiner gefälligen Erscheinung sehr wohl bewußt. Die Künstlerin spielt das blutjunge, elementare, gefährliche Geschöpfchen just so, wie wir es eben schilderten. Und wenn, wir hinzufugen, daß ihr außerhalb des Textes, im stummen Spiel, die Bezwingerin der Weiberfeinde besonders gelingt, haben wir alles erdenkliche Lob vorgebracht. Karola Neher ist bestimmt ein Gewinn fitr das Burgtheater. Sr« hatte ausgezeichnete Partner. Die Herren Arndt, T hall er und Reimers sind ein Terzett alter Herren wie es eigenartiger und ergötzlicher dem Autor bei früheren Aufführungen seines Stückes kaum zustatten gekommen sein dürfte. Tie drei jüngeren mitwirkenden Herren, Muffi, Hennings und Emmerich Reimers, stehen zurück, sind aber angenehm. Und die treffliche Gesamtaufführung rechtfertigt diese Premiere. O. A. Las mitteleuropäische Aealer nachdem Kriege. Im Kulturbund sprach Mittwoch Dramaturg Dr. Friedrich Rosenthal über den Niedergang des Theaters in Mltteleuropa seit dem Kriege und dessen Aussichten für die Zukunft. Die Masse der Knnstkonsumenten —führte der Vortragende aus — ist 'verschwunden, die Theatergebäude lassen sich nicht auswerten, während daneben die Kinos immer neue Paläste bauen. Das mitteleuropäische Theater hat zwei Zentralpunkte, Berlin und Wien. Wien hat die große Vergangenheit und die ungewisse Gegenwart. Berlin ist ohne diese Tradition, aber der Unsere Ratsellonkurrenz. BerMgernng des klnsendeternilnes bis 8. Mai. Aus Leserkreisen des Inlandes und Auslandes sind uns viele Zuschriften zugekommen, in welchen wir ersucht werden, durch Erstreckung des Einsendetermines für unsere Rätselkonkurrenz noch die Möglichkeit zu geben, an der Konkurrenz teilzunehmen» Obwohl der Einlauf der Rätsellösungen außerordentlich angewachsen ist, sehen wir im» doch veranlaßt den Einsendetermin endgMig bis zum 8. Mai zu verlängern. Wir senden daher die vielfach verlangten Ersatz» exemplare von Nummern unseres Blattes, welche die einzelnen Rätsel enthalten, auch weiterhin ab, und es haben auch diejenigen, denen einzelne Nummern der „Wiener Morgenzeitung" zwecks Beteiligung an der Konkurrenz fehlen, noch Gelegenheit, die betreffenden Exemplare unseres Blattes bei uns zu beziehen. Burschen nachmittags nix za tun hasten!" .— „Vater!" rief Gustav kachelnd — denn er war vertranter mit d>er Fassion der Herren Fleischhancr, „Vater! Verlass' dich auf Herrn Panigl! Er wird schon seine Rechnung finden." „Geh', geh', geh'!" schäkerte Herr Panigl. „Bei in* — du Gahncw! — kann ahner sei Rechnung finden! Was hat der..." er sprach jetzt zu Herrn Hermann und.zeigte auf Gustav, „was hat mir der stei sein Schwägern — Gott lass' er in selig rühm — was hat mir der durt ozwickt! —> Jessers!' Was Hab' ih da Geld verlnrn in d>em Hans!" Er blickte eine Weite bekümmert. warf noch einen tiefen Seufzer als Scholle in das' Grab der 'früheren 'Verluste MÄ dann — wie einer, der sich ins Unvermeidliche fügt —' deckest er den »Friedhof: „Hin is hin! — Aber jetzt is littr nur, daß ih dem Felid'mann was zahgn will! — Nimmt sih ahn andern Bahndler! — Wissen S', alter Herr, was dehß haßt? — Zwanzig Jahr'! Zwanzig Jahre, Hab' ih dehß HaNs bedient und ehrlich — Gott is mei Zeuge! — (Fortsetzung folgt.) Mittelpunkt eines großen Kulturbereiches, es wird internationaler und amerikanisiert sich, während Wien süddeutscher und e n g e r wird. Zu den äußeren Schwierigkeiten, die aus dem sozialen Gefüge Mitteleuropas stammen, kommen die i 71 n e r e n Schwierigkeiten des Theaters selbst, der Mangel der dramatischen Produktion, die Zersplitterung der schauspielerischen Ensembles durch das Ueberhandnehmen der Wirtschaft der „Prominenten" und der daraus folgenden Proletarisierung des schauspielerischen Mittelstandes sowie der geringen Entwicklung des Nachwuchses. Dazu kommt die Unmöglichkeit einer Gestaltung und Belebung des Spielplanes. Die gastierenden Stars fördern wegen der Rollen die hannlosen Unterhaltungsstücke des französischen wird englischen Theaters. Die Theaterleiter dagegen fördern oft aus äußerlichen Gründen das neueste expressionistische Drama, das wieder kein Publikum findet. Die Klassiker ermangeln der geistigen Einstellung des Schauspielers und leiben an verworrenen szenischen Experimenten. Dem Publikum wird cs schivcr, sich in diesem Chaos znrcchtznfinden. Es wendet sich immer inehr dem Sport, dem Kino und dein Radio zu. Forscht man irach der Zukunft des mitteleuropäischen Theaters und schaut nach der Möglichkeit seiner Rettung aus, so kann sie nur durch die Arbeit am Menschen erfolgen, diesseits und jenseits der Rampe. Wir brauchen neue und junge Schauspieler mit einer ireuen Sprechkultur. Wir brauchen ein neues Publikum, das ein Ohr für die Kunst hat, wir brauchen Werke, die sittliche Ideen verkörpern, unb die vielleicht auch dia Idee des Tragischen einem neuen Zuhörerkreis wiw ■" iiHH.-rbringen können. Aus Ben Theatern. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr „P a u 1. unter den Juden". Akademietheater. Morgen, halb 8 Uhr „W eiberfeind e". O p e r n t h e a t e r. Morgen, halb 8 Uhr >.T ose a" mit Frau Jeritza in der Titelrolle. Deutsches B0lks theat er. Heute 8 Uhr deutsche Uraufführung der ö m ö d i e des Glücks" von Nikolaj Nikolapewitsch Evreinoff, mit Alexander Mvissi. * Modernes Thea te r. Heute Erstaufftihruug des dreiaktigen Schwankes „Der müde Theodor" von Max Nea! und Max Ferner. Die Operttwoche. In der nächsten Woche gelangen kn der Staatsoper folgende Werke zur Aufführung: Sonntag, den tt. Mar: „Die Boheme"; Montag: „Boris Godunow" (Theatergemetnde); Die ns tag: „Turandvt"; Mittwoch: „Salome"; Donnerstag: „Die Königin von Saba"; Freitag: „Die tote Stadt"; Samstag: „Eadallerta rusticana" — „Der Ba 1 azz 0". Gastspiel SäMijapll» alt der Stantsoper. Das bereit« angekimdigte Gastspiel Schaljapins silldet im Operntheater am 18. und LI. Mat statt. Der Künstler singr um 16. die Titelrolle in „Boris Godunow" und am 21. den Mephisto in „Margarethe" (Faust). MiHttgstelMng. In urrserer gestrigen Besprechung von Franz Werseis „Paulus unter den Juden" soll es'richtig heißen: . .. der ihn die „Abendsonne seines Volkes" nennt.

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