Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2939 (4.5.1927)
- Date
- 1927-05-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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. wifmT imng 4, Dkrk 1027 Nr. 2990 Tagesbericht. Sin iniereffanter Ingendwettbewerb. Eine Späher-Konkurrenz -es Bundes jWischer Jugendunm-erer. Es gM-meusiLMche^Ligenischafttss und Fähigkeiten, deren Mangel sich im täglichen Leben des öfteren unangenehm benxerkbar macht, und vielleicht gerade deshalb mit Selbstverständlichkeit übergamMn wird. Nicht mn den Intellekt handelt es sich, sondern um Fähigkeiten, die entwickelt und erlogen werden können und müssen. Können Sie auswendig angeben, uras sich in Ihrer Schreibtischlade bcftudet? Können Sie einen Borgang, den Sie irgendwo gelegentlich beobachtet haben, genau wiedergeben? Können Sie aus dem Gesicht und der Art der Kleidung eines Menschen auf seine Eigenschaften, aus seinen Beruf schließen? Können Sie den Bestandteil oder ein Bruchstück eines Werkzeuges oder Gebrauchsgegenstandes identifizieren? Wenn Sie einen Gegenstand fallen hören, ohne ihn zu sehen, können Sie sagen, was es war? Haben Sie soviel Kombinati-onsgabe, 'daß Sie zu einem Bild, zu einer Photographie «den Aitel und Rede und Antwort der Dargestellten niederschreiben können? Könnern Sie schätzen, wie viel Nägel „eine Handvoll" sind? Wieviel Würfel aus 1 Kilogramm Zucker gehen? Was ein Sessel, was Ihr Anzug wiegt? Wieviel Zentimeter Ihr Kleiderkasten hoch ist? Erkennen Sie die Flüssigkeiten oder Gewürze Ihrer Hauswirtschaft am Geruch? Können Sie die Lösung eines einfachen Krimmalfalles finden, die schon in der Erzählung dos Tatbestandes wörtlich enthalten ist? Können Sie an eirrter Sache, vor der Die -gewarnt wurden, angeben, was an ihr verdächtig ist? Nein, in 90 von 100 Fällen werden Sie es nicht Nnnen.. Aber Sie hätten es vielleicht gekonnt, wenn -Sie m Ihrer Jugend solche Hebungen versucht hätten. Nach dom Muster verschiedenartiger pädagogischer Versuche, nnd insbefomid-ers der englischen „Boy-Sco-nts", veranstaltet nun alljährlich. eine jüdische Jugendorganisation, der Bund jüdischer Jungwanderer einen solchen Späher-Wettbewerb, an dem alle jüdischen Jugendlichen teilnckhmen können. Der beste Späher und die beste Spähe rin erhalten je eine silberne Medaille. Die Gegenstände des Wettbewerbes sind 10 Aufgaben: 1. Kimm. 2. Kombinatronsgabe. 3. Gedächtnis. 4. Schätzen. 5. Physiognomie. 6. Gehör. 7. Geruchsinn. 8. Beobachtung and Phantasie. 9. Technische Intelligenz. 10. Einfache Neberlegung und Geistesgegenwart. Der Wettbewerb findet Sonntag dm 8. Mai um %9 Uhr früh im großen Saal des Milchen Zentrums, 2. Bez., Untere -Augartenstraße 35, statt. Ae KriegerdenNMer in Palästina. Aus Jerusalem meldet I. T. A.: Die Serie der geplanten großen Kriegergedenkfeiern und der Enthüllung von Kriegerdenkmälern begann am 27. April mit der Enthüllung deck jKriegerdenkmals in Gaza für die auf den palästinensischen! Schlachtfeldern gefallenen britischen Soldaten der East Anglian Division, Die Enthüllung nahm der Oberkmnmissär Feldmarschall Lord Plumar vor. Der Verband der ehemaligen jüdischen Legionäre in Palästina legte am Fuße des Denkmals einen Kranz nieder.; Die Sveite jEnthüllungszeremvnie sindet, wie schon berichtet, aiq Freitag, den 6. Mai, in Ramleh, die dritte am 7. Mai in,' Jerusalem .in Gegenwart von Viscount Allenby, dem Eroberer von Palästina, statt. Das Denkmal auf dem Jerusalemer jKriegerfvichhvfe hat die Form einer Kapelle, die kein einzi-ges religiöses Emblem oder Symbol ziert, da auf dem Jerusalemer Kriegerfriedhose Soldaten aller Kow- 'fessionen, auch jüdische, beigesetzt sind. Ae Ausgrabungen in Jerusalem. Die I. T. A. berichtet: Professor William Ba.de, der die Ausgrabungen auf Mizpah leitet, hat bei Tel-el-Nisbch einen Teil einer alten Jerusalemer Stadtmauer ausgegraben. Die Äusgrabrmgsstelle befindet sich sieben Meilen irördlrch vom jetziges Jerusalem. Der bloßgelegte Mauerteil läßt auf ein Bauwerk von riesigen Dimensionen schließen. Dia Mauer über dem Fundament ist 25 Fuß hoch, der Durchmesser beträgt 16, zum Teil 2V Fuß. Man schätzt, daß die Mauer in ihrem ursprünglichen! Zustand mindestens etwa 20 Fuß hoch gewesen sein muß. In dev Nahe der Mauer fand man alte Bronze-Stücke und Münzen, die aus der Zeit 1800 vor unserer Zeitrechnung stammen. Auch zahlreiche Tongeräte weiser: auf eins lange vorisraelitische GeschWe Palästinas hin und erbring» den Beweis, daß Palästina vor 5000 Jahren dicht bewohnt gewesen sein muH. Professor Ali ans Leipzig glaubt, daß an der Stelle von Tel-el-Nisbeh einst die Schatzkammer Solomons stand. re Pinedo seht seinen Weltflog fort. Das neue Flugzeug in Amerika eingetrofsen. Pa-ri's, 8. Mai. Der ,Matin" meldet aus New Port: Das .neue Flugzeug des Fliegers de Pinedo, „Santa Maria II", ist vorgestern in New Vor! eingetrofsen. De Pinedo wird auf diesem Flugzeug von Phönix in Arizona aus starten, um seine durch den Verlust des Flugzeuges „Santa Maria I" unterbrochene Lustreise sortzujetzeu. Eine Gruppe von Fasoisten, mit Revolvern und Dolchen bewaffnet, bewacht unaufhörlich den neuen Apparat in der Besorgnis eines anlifastistxschen Angriffes. De Pinedo beabsichtigt, New Book übermorgen zu verlassen, um sich direkt nach Phönix zu begebe«. Klub radikaler Zionisten. Hellte, Mittwoch, y2d Uhr abends, int Klublokal des Cafe Atlashof, 1. Boz., Aspernplah, Vortrag: Ursache und Lehre des Wahlergcbnisses. Referent: Leon Wechtsler. Eintritt frei, Gäste willkommen. Drahtlose Telephonie mittels unsichtbarer ultravioletter Strahlen. M SntdeSxne eine* ttnlieniMen MWrMm. 3t 0 m, 3. Mai. Der Professor für Physik an der Universität Bologna, M a j o r a « a, hat in der Academia >dei Lincsi Mitteilung von der Entdeckung eines Systems drahtloser Telephonie mittels unsichtbarer ultravioletter Strahlen großer Wellenlänge gemacht. Versuche Mischen Bologna und einer 16 Kilometer entfernten Ortschaft haben eine Verständigung rillt deutlichster Stimme bei Wahrung strengsten Geheimnisses ermöglicht. Ae Hochwafferkataftrovbe iu Amerika. New'-Orleans, 3. Mai. Die Ueberschwemmumg erstreckt sich jetzt bis Louisiana. Der nördliche Distrikt der Provinz Concordia steht unter Wasser. Die Einwohner der beiden Nachbavdistrikte find in die hoch gelegenen Gegenden geflüchtet. tzrdbeben nnd Felssturz in Fohannirburg. Johannisberg,, 2. Mai. Hier wilrde ein 30 Sekunden währendes Erdbeben beobachtet. Zu gleicher Zeit ereignete sich in einem in der Nähe der Stadt befindlichen Bergwerk ein F-elsstürz, wobei zwar Personen getötet, 20 verwrmdet wurden. Genickstarre in der Garnison von Mhrisch- SchSnberg. Prag, 3. Mai. In der Garnison von Mährisch- Schöwberg wurden in den letzten Tagen zwei Fälle von Genickstarre sestgestellt. Es' wurden u mfassende Maßnahmen getroffen. Flecktyphus in Polen. Lemberg, 3. Mai. Wie die Blätter melden, ist in dem Orte Weremiany, Bezirk Zaleszezyki, eine Flecktyphnsepidemie ausgebrochen, welche wahrscheinlich von Rußland nach Polen verschleppt wurde. Bisher sind 40 Erkrankungen, darunter fünf mit tödlichem Ans gan g, v-orgokommen. Die vor kurzem in dom Luftkurort P i w i n e z n a in der Nähe der polnisch-tschechoslowakisch en Grenze ausgebrochone Flecktyphnsepidemie konnte trotz energischer Maßnahmen der Sanitätsbehörden noch n i ch t u n t e rd rückt werden und verbreitet sich in dem in der Nähe des Kurortes gelogenen Ortschaften. Bis'zum 30. April wurden in Piwinczna und Umgebung 170 Erkrankungen, darmvter 27 m it tödIxchenr Au sg an g, registriert. Zwischenfall bei einer Grundsteinlegung dl Preßburg. Preßburg, 3. Ddai. Bei der Grundsteinlegwig Kr den Bau des Internats der slowakischen Akademiker in Preßburg kam es zn einem auffchenerrogenden Zwischenfall. Das Gründungsdokument war nnr i,n> tschechischer Sprache verfaßt, worüber sich die Fcstgäste aufregten. Beim Bankett, an dem die Minister Hot za und Grrzik teilnahmen, stand plötzlich der Sekretär -des slowakischen Schrrlvereins ans und hielt eine Rede gegen die Tschechen. Er bezeichnote den Vorfall als typisch für die Denkungsart der Tschechen gegenüber den Slowaken. Einige tschechische Uiwiversitätsprafess oren erhoben sich hierauf und verließen demonstrativ den Saal. Es stellte sich heraus, daß man bei der Abfassung 'beS Gvündungsdoikumontes an die slowakische Sprache vergessen hatte. Chaplins Chennglück. die Newyorker Blätter aus Los AndtiV&3 berichten, haß Las dortige Zivilgericht -der Gattin Charlie Chaplins, Ltta Grey, die die Scheidungsklage wegen angeblicher Mißhandlungen eingebracht hat, bis zur Erledigung des Scheidungsprozesses Alll mente in der Höbe von 1500 Dollar im Monat zugeMocheu. Frau Chaplin hatte 4000 Dollar im Monat verlangt. Im Verlaufe der Behandlung wurde festgeswllt, daß die Einkünfte Charlie Chaplins weitaus die großreu sind, die ein Filmschauspieler oder eine Filmschauspiekerin jemals in den- Bereinigten Staaten verdient haben. Chaplin hat allein aus seinem letzten Mm „Goldrausch", in dem er die Hauptrolle spielte und auch sein eigener Regisseur war, 75 Prozent der Einnahmen erhalten, die sich bisher auf 2,285.000 Dollar belaufen. Demgegenüber verdient die bestbezahltv Filmschauspielerin Amerikas, Norma Talmadge, „bloß" 200.000 Dollar. M0MMM verschiedener Waren wurden bisher von der Polnischen Luftvörkohrs-A.-G. „Aerolot", -Wie», 1. Bezirk, Degetthoffstraße 7 (Telephon 7i-0-S4), ohne die geringste Beschädigung oder Verlust bsfördert und einige Stunden nach der Ausgabe dem Adressaten zugestellr. Etwaige Nachnahmebeträge waren oft schon am iwernächsten Tage in den Händen des Msenders.? Las Gerücht von der Millionenerbfchaft. Die Leiden eines angeblichen DollarmlllionSrs. Aus Ezer uowitz wird uns geschrieben: Das Schicksa. hat den kleinen Kinooperateur Ignaz LeKnian sk i in Czcrnowitz böse genarrt. Bor etwa einem halbexr Jahre bekam er, der bis dahin ein unbeiachtetes und dürftiges Dasein geführt hatte, die Nachricht aus Amerika, daß chm ein vor Jahrzehnten ausgewandcrter Onkel ein Vermögen voxx fünf Millionen Dollar hinterlassen habe. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch gaxxz Rnmäniexx, ja durch ganz Europa. Schade nur, daß der. schöne Tranm nach ciixigen Monaten zerronnen lvar: vor kurzem hat Lesmaxiski, der die ganzmx Monate lang fieberhaft auf die amtliche Bestätigung aus Amerika, wartete, erfahren müssen, dah er irgend einem grausamen Scherz zum Opfer gefallen sei. Gottlob ltxir der junge Mensch vernünftig genug, seine Stellung nicht aufzugeben, so daß ihm eine nmterielle Schädigmxg ans der Geschichte wenigstens xricht erwachsen ist. Trotzdem er kein Geld bekommen hat, ist er xxun aber wesentlich reicher geworden, als er ohne diese Episode je geworden wäre: und zwar an Menschenkenntnis. Denn die Briefe, die er sofort nach Bekanntwerden seines Märchenglückes erhiett, zählen buchstäblich nach Zehn taufen den. Er hat sie alle gelesen und größtenteils vernichtet. Wer einige hat er behalten, weil sie ihm die menschlich wichtigsten erschienen und sie dem Reporter eines Blattes zur Eixlsicht Übergeben. Eine Frau aus Unterfranken adressiert ihren Brief „an den Herrn Millionär Ignaz Lesnianski in Ezerxwwitz". Sie ist die Gattin eirxes armen Fabriksarbejters und bittet um ein llexues Darlcherx. Die Mittelschülerin einer Handelsschulklasse in Craiova, einer kleinen rwxnänischen Stadt, schreibt hinter dem Rücken ihrer Eltern, dah ihr Bater wegen drückender Schulden, für die er vierzig Prozextt Zinsen zahlen müsse, ihr kleines Häüschen verkaufen wolle. Da ihr dieser Verkauf das Herz brechen würde, bittet sie Lesnianski, der doch ein guter Mann sein müsse, hllfteich einzugreifen. Kräftig ins Zeug geht ein Krie gsinvalide aus der Nähe von Salzburg. Er erklärt, den Herrn Millionär keineswegs anbetteln zu toollen, sondern er ersuche ihn, ihm ,^xuhertourlxch'^ ein Darlehen von 15.000 Dollar zu gewähren, das er in zehn Jahren zurückzahlen wolle. Zwei Selbstmordkandida tinn en, junge Mädchen in schlechten Bechältnissen, hlgben ihren Selbstmord aufgeschoben in Hoffnung auf die Hllfe des Millionärs. Auch sie sind nicht allzu bescheiden; die eine verlangt 8000, die andere 2000 Dollar. Eine I ugend freundin, von der Lesnianski seit Jahren nichts gchört hatte, pumpt ihn Nicht an, sondern bittet nur unter Versicherung ihrer unwandelbaren Liebe um sofortige Nachricht, was der Jugexxdfreuxxd zu tun gedenke. Eine Amerikanerin schließlich, die in Rumänien bei Verwandten zu Besuch weilt, schrieb kurz und büxxdig, dah sie in einigen Wochen in die Heimat zurückkehre und sich als Reisebdgleiteckn «Mete. Auherdem sende sie, falls LesniansH noch frei sei, ihr Bild mjt.— sie sei aber jn Wjrkljchkeit viel schöner als auf der Photographie. Solche Briefe hat der junge Kinooperateur svielk tausende bekowmew Drei Tage allein hat er gebraucht, xrm sie zu verbrennen. Seine Menschenkenntnis allerdings ist um vieles bereichert wordexx. Gesetz ist Gesetz. Der Amtsschimmel in Frankreich. Aus Paris wird uns geschrlöben: Die französischen Richter haben 'bie für sie außerordentlich angenehme Eigenschaft, sich nicht zu i'Oorarbellen. Sie pflegen ihre Akten monatelang liegen zu lassen und die armen Klienten müssen auf ihre Urteile bis ins Aschgraue warten. Ein Rundschreiben des fransösijschen Justizministers ivolltc diesem Unfug einen Riegel vorschieben und schrieb vor, daß jeder Richter eine bestimmte Anzahl von Urteilen Hn Monat zu fällen habe. Eines Tages kommt ein Advokat zu einem Richter und bittet, einen bereits angesetzten Termin wioder auszuheben. Der Richter lehnte das schroff ab. „Aber um GotteÄvillen", meint der Advokat, „der Termin nruß j« aufgehoben werden. Es handelt sich um eine E h e s ch e i d n « g und das Ehepaar hat sich wieder vertragen. Der Streit ist also gegenstandslos geworden." ,Mir ganz egal," antwortete der tüchtige Richter, „ich brauche meine bestimmte Anzahl von Urteilen im Monat. Ob sie sich nun vertragen haben oder nicht — die Sache istanhängig und sie werden trotzdem geschieden." «in Rottzschiid'Fnftitnt ln Paris. Mus Parts wird gemeldet: Baron Edmund R ot Hs chxl b hat dreißig Millionen Franken für die Gründung eines JnsditM für ph ys iko-che mische Biologie gespendet. Dieses Institut soll ähnlich wie das Rockefeller-JnsWt und das Kaffer-Wilhelm-Jnstit-ut eingerichtet werde- Ser Berlenmdnngsvrozeb gegen Semtz Ford. Aus New Porl mellet die I. T. A-: Der Richter Raymond aus Detroit, der im Berleumdnngs- und Schadenersatz- Prozeß des Chicagoer Rechtsanwaltes Aaron Sapiro gegen Henry Ford den Vorsitz ft'chrte und vor einigen Tagen auf Antrag der AmvWe Fords die Unterbrechung des Pvozesses wegen angeblicher Besangenheit eines weiblichen Mitgliedes der Geschworenenban! aussprach, erklärte, daß der Prozeß am L Juli d. I. vor dem Gericht zu Detroit als neues Versah«« und vor neuen Geschworenen wieder beginnen r«>trk,.,/ i v C00:..:::/.93A