Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2936 (1.5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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M«, GmmtW m#m «oegeszetttMS t sm tm Der Sohn des Moses Mautner Ein Wiener Roman von Leopold Hichler. G opyright 16S7 by B. Uwit Volag, Wien - Uipalg (20. Fortsetzung.) Esl schien! alles verändert und doch so wie früher zU sein. Er wußte nicht, was er sagen solle; da aber Gustav erwartungsvoll vor ihm stand, nickte er und sagte: „Das hast du gut gemacht, Gusti!" — „Nicht wahr, Bernhard?!" — „Ja, das hast du gut gemacht; itt& morgen, so tyie ich dir versprochen Hab', kannst du auf ein paar Tag' nach Baden fahren!" — „Was machen sie alle draußen, Bernhard, und wie is es dir gegangen?" Aber Herr Bernhard toor müde und aller Unterhaltung abgeneigt. „Morgen smorgen, Gusti!" sagte er. „Erzähl' ich dir alles. Jetzt is schon spät; jetzt gehen wir schlafen. Gute Nacht." — „Gute Nacht, Bernhard." Gustav ging die Treppe hinunter zu seinem Zimmer und als fx o.uf der letzten Stufe stand, rief Herr Bernhard nach: „Morgen brauchst du nicht so zeitlich aufstehen,!Gusti! Morgen^steh' ich schon mit die Burschen auf! Wann fangen sie denn jetzt an?" — „Um vier Uhr." — „Um vier Uhr? Mut. Gute Nacht, Gusti." — ,Mite Nacht, Bernhard."- Die Sonne stand noch tief unter Men und das Lamplsche Haus lag in Dunkelheit, als am nächsten. Morgen an -Gustavs Türe gepocht wurde. Einmal. Zweimal. Er härte nichts. Da wurde stärker geklopft. „Was is denn?" rief er erschrocken. „Jch.bin's, Herr Gusti!" flüsterte Frau Fanny an der Türe. ,Zch bin's. Kommen Sie schnell hinauf in's Schlafzimmer zum Herrn! .Es is chm sehr schlecht." — „Mas?" — ,xJa, .cs is chm sehr schlecht. Er hat auf mir gelitten!" — „Geläutet, Frau Fanny," verbesserte Gustav. — „Gelitten, geläutet! Das is doch allesahns. Koiwmen Sie nur schnell hinauf!" Rasch schlüpfte Gustav in seine Kleider und lief über die Stiege zum Schlafzimmer seines Schwagers. — Herr Bernhard saß in der Witte des Zimmers auf.einem Sessel und atmete schwer. „Was hast du, Bernhard? um Gottes Willen! Was is denn?" „Luft — Gusti! Luft! Machts die Fenster auf! Luftl!" 'Gustav öffnete die Fenster mrd fragte Frau Fanny, die ihm dabei half, leise: „Haben Sie schon um den Doktvo geschickt?" — „Ja. Ich Habs einem Burschen gesagt." Gustav ging zu dem Kranken. „Bernhard! Möchst dich nicht niederlegen?" — „Nein. Luft möcht' ich!" antwortete er schwach und beugte sich zur Seite, als suche er etwas «cf dem Boden. Er.fiel vom Sessel herab. Mit Mühe hoben ihn Gustav imd Frau Fanny und trugen ihn zum Bett'. Gustav öffnete ihm das Hemd. Herr Bernhard ließ es geschehen. — —, Da trat der Arzt ins Zimmer und ging rasch zum Bett'. „Guten Morgen, Herr Lampl!" sagte er. „Guten Morgen! Was is denn mit Ihnen?" Herr Bernhard antwortete nicht. Da beugte sich der Arzt über den Kranken, horchte an fernem Herzen, fühlte seinen Puls, sah ihm in die Augen Und schüttelte den Kopf. — Dann wendete» er sich.zu Gustav und sagte: „Es ist ja schon aus." „Nein, Herr Doktor! Nein." rief Gustav, „das ist nicht möglich! Nein! Das kann nicht sein! Grad' hat er noch gesprochen!" Er faßte die Hand des Dotm. Sie war Eine noch immer fremde Weit Geheimnisvolle Tiefen erschließen uns die Werke der «RUSSISCHEN II BIBLIOTHEK II Ein lückenlose» Bild des russischen Menschen, seiner Seele und seiner Kunst Tolstoi || Kosaken. Ein Roman a. d. Kaukasus Dostojewski || Brevier. Eine Auswahl Tschechow || Dreißig komische Erzählungen Turgenjew || Ein Adelsnest Roman Gogol || Petersburger Erzählungen Remisow || Russische Frauen. Erzählungen Odojewskij || Magische Novellen Lermontoff || Ein Held unserer Zeit. Roman Der russische Christ. Erzählungen Fedortschenko || Der Russe redet Jeder Band, in Halbleinen geb., auf bestem holzfreien Papier nur $ 2*- Büeherschwemme R. L ö w i t, Wien, I, Rotenturmsttfaße 22 warm wie das Leben. „Schauen Ge, Herr Doktor! Das kann doch nicht sein! So schnell?!" — „Lieber, junger Mann!" sagte der Arzt. „Das konrmt schnell. Herzschlag." Gustav hatte noch keinen Menschen sterben gesefym. Er war verzweifelt. „Das kan« nicht sein, Herr Doktor!" rief er immer wieder, „ich — ich lass' noch einen Doktor rufen!" — „Wenn Sie glauben!" meinte kühl der Arzt, aber Gustav hörte seine Worte nicht mehr. Er war schon über die Stiege hinunter und hatte einen Arbeiter beauftragt, einen zweiten Arzt zu holen und sogleich lief er wieder ins Sterbezimmer zurück, und fragte den Arzt: „Kann's nicht Scheintod fein, Herr Doktor?" — „Nein. LeÄrer nicht. — Mir gehts auch nahe. Ich habe ihn lange gekannt den Herrn Lampl. — Ein braver Mensch gewesen. Schad' um ihn." — Da beivnnen die Glocken zU lauten. Keine Kirchenglocken. Die Glocken der Arbeit. Unten im Fabriksraume dröhnten und brummten.und klangen die Maschinen und riefen ihren toten Herrn. Bier Uhr morgens war und das tägliche Werk begann. „Herr Gusti!" schrie Frau Fannv entsetzt." „Lassen Sie. doch die Maschinen einstellen! Die Burschen sollen aukhören mit der Arbeit!" — Da bllck^e Gustav aus den Tote»». Lanae und schmerzlich sah er seinen Lehrmeister an ltnb dann sah er in dm gratun Morgen hinaus. in die Fern- '"nb er sah ein- Witwe und -wer unmündige, unversorgte Kinder. — .Nem. FraU Fannv!" erwiderte er. ..Es wirb m^ter geg^dert-t." Magen- und D^rmlelden werden durch eine einfache Deneci:-Trinkkur erfolgreich bekämpft. «fl 15. Kapitel. Das liebliche Bao-n bei Wim! — Reich, voll Glück war Frau Rest init ihren Kindern und ihrem Manne hinaUsHez«Zrn und nrm — so plötzlich und so sehr verarmt — fh: nach Wim zu ihrem toten Gattm. —- trat sie ins Sterbezimmer. — Da lag er der Erde, auf Stroh, der Mensch, mit dem sie zehn Jcchre glücklich gelebt Und doch so viel gehadert Und gekämpft hatte? — Me gerne hätte sie ihn jetzt Um Verzeihung gebeten Und gelobt, nie mehr ihr Recht ertrotze»: zu wollen, wäre er Nur noch am Leben gewesen. — 'So geschiebt jedem Menschen «an der Bahre eines' geliebten Toten: denn der Tod beiliat und flicht eine Martvrerk^one Um bas' Hgunt des Ber^nr^enen — Die Fehler tmd 'Schwächm des Toten? Sie sind veMastt und veraasten. ineil sie mit seinem Leben gelühUt. All« 'GrinnewlNgeir wandeln stch denr Ns.b-r''!'b-"!bt;n »Ur Glorie de^ Toten Und von M'^ejd Nid w?gllt. ber-wt er. — Lviit w-iie"d fttW- R-st n-^-n be^^ T-ten aUl der Erde. „Mein Manni! Mein liebes' Manni! 'So schaUst dU aus!" und 'küßte seinm kalten Mmd. „Aber gnä Frau!" riefen die Totenwächter und zogen sie fort. „Einen Toten darf man doch nicht küssen!" —- Das Begräbnis war schön. Der Rabbiner sprach ergreifend von dem Lebenswandel Herrn Bernhards: Arbeit, Mühe, wenig Gmuß und jung gestorben. — Die meisten weirttm und Frau Resi schluchzte. — Nach dm Zeremonien in der Halle traten vier Diener der Kultusgemeinde zum Sarg, um ihn zu heben und aus der Halle zu tragen. — Herr Hermann tvchrte ab: „E.rttn Moment, meine Herren! Meine Söhne werden den Sarg tragen helfe«,!" Er winkte seinen Söhnen. Sie kamen heran und er sagte leise: „Helft's dm Sarg tragen. Es is e Mrztve und er hat's um Euch verdient! Er war gut zu Euch, alle!" Dann wendete er sich zu den Dimern der Kultusgemeinde und sagte: „Zwei von Ihnen, meine Herren, tragen auf der einen Seite und auf d'r anderen Seite werden meine Söhne tragen!" — So geschah es. Ztvei Diener und Gustav und Heinrich hoben den Sarg und trugen ihn aus der Halle. Stur Robert stand unschlüssig und sah dem Zuge nach. Da polterte Herr Hermann: „Warum trägst du nicht mit, Roberts — „Wo soll ich tragen Vater? Er tragen doch schon vier!" — „Geh' in der Mitten, zwischen Gustav und Heinrich!" — „Es is kein Platz, Vater!" —- „Geh' toi« ich dir sag'!"-Robert gehorchte und reihte sich ein; jedoch der Raum war mg und Robert — nicht einer dev Geschicktesten — trat Gustav, der vor ihm ging, wiederholt auf die. Fersen. Gustav wendete sich um und rief leise: „Robert! Gib acht! Du trittst mir immer auf de» linkm Fuß!" - „Was soll ich tun? Ich Hab' doch keinm Platz, Und er hat mir geschafft, ich Muß tragm!" erwiderte Hat TatimanRSdorl. Erstklassige, streng orth. "1^2 Küche wieder in eigener Regie, neu eingerichtet, wird in den Lokalen der vorm. „Deutsche Eiche“ am 1. Mai eröffnet. Vorzügliche Getränke. Bürgerliche Preise. A* Stern, Restaurateur. ft Fratz Noiowan w bringt für die heurige Frühjahrssaison Bpcrflangs-ROdtc In den herrlichsten Farben, neuesten Dessins, modernsten Schnitten, durchwegs auf Seide gearbeitet, In allen Größen, zum Preis von S160- Robert so unschuldig und verzweifelt, daß Gustav sich rasch abwendete, um das Lächeln zu verbergen.-Der Zen» tvalfriedhof ist groß, ,wtjb das Grab Herrn Bernhards lag weit weg von der Halle. Es war ein langer Weg. Robert bemühte sich wohl, Gustav zu schonen und versuchte mit seinem linken Fuß im Halbkreis um Gustavs Ferse zu schleifen. — Jedoch dieser Ungewohnte, schwierige Schritt, raubte ihm die Herrschaft über seinen rechten Fuß, und er trat nun einige Male auf Gustavs rechte Ferse. Gustav wendete fich wieder um: „Robert!" rief er leise, „gib doch acht! Jetzt trittst du mir auf dm rechten Fuß!" Mer als er den seltsamm, ,graziösen Schritt Roberts bemerkte, dp.. Gott ist sein Zeuge! Er wollte ernst bleiben; aber das Lachen ist ein freies Geschöpf und läßt sich nicht Uuterdrükkm. Es wählt sogar mit kleiner Tücke jene Orte Und Zeiten, wo ihm der Mensch — wie diem Bösen — gerne entfliehen möchte! Aber je mehr du widerstrebst, desto stärker faßt es dich. DU sinkst wchrlos in die Arme dieses! liebmswürdigm Despoten und reißt im Sturz noch die Umgebung mit. — Es lächelte nicht nur Gustav. Es lächelte auch der Uebeltäter Robert und auch Heinrich, der als Letz-! ter in der Reihe ging Und alles sah Und hörte. So war es ein seltsamer Anblick, wie die drei Brüder dm Sargj trugen Und in dem verzweifelten Benrühen, den Ernst ztt bewahrm, sonderbare Grimassen schnitten. Es zuckte Uni ihren Mund, um ihre Nasm und Augen wie fernes Wetterleuchten; aber der Donner war nah'; denn Herr Hermann, trotzdem er rückwärts ging, hatte alles gesehm Und schon war er vorne bei seinm Söhnen Und' flüsterte leiseaber grimmig: „Mott» Donner in Enkl Wie könnt's" Ihr lachen bei einer Kwure?! Hcckt's doch e Stückel Gefühl! Leü»er! Leider is das, weil Ihr ka Stückel Mdischkat Und ka Gottesfurcht habt's! Vor Zeilms hatt' ma Lenti' gestahnigt, die so was getan haben!" — — Lieber, alter Herr! Sei stlll. Du weißt nicht, was' Gott will. Seine Wege sind verschlungen und sein Wille kaum erkennbar.! Als Frau Rase am Abend die Geschichte erfuhr, zUcktcj sogar um ihrm Mund ein kleines Lächeln, und diesen! schwächm Sonnenstrahl — wer weiß es denn? — vielleicht hatte ihn der liebe Gott her schwergeprüften FvaU geschickt, um sie,em wenig zu erheitern! — Denn alleI ist von Gott. Das Lebm, der Dchi, die Furcht,der SchrttHH- und auch — das Lachen. ’ (Forösetzmrg rra MontagVkrtt.) Die neuen Schlnger unserer BOdierschwemme Upton Sinclair: Der Sumpf Hundert Prozent Jimmie higgins Man nennt mich Zimmermann Samuel, der Suchende Der Liebe Pilgerfahrt Der Industriebaron König Kohle Die Metropole Die Wechsler Nach der Sintflut 5 Bände In Kassette S 20.—. Maxim Gorki: Foma Gordejew Drei Menschen Eine Beichte Verlorene Leute und andere Erzählungen Die Holzflößer und andere Erzählungen Märchen der Wirklichkeit Wie ein Mensch geboren ward Der Spitzel Broschiert 8 2.—, geh. S 3.— pro Band. 5 ■ : ■ ■; ■ > S, m m ■ : ■; Einzelbände: Der Industriebaron König Kohle Die Metropole Die Wechsler Nach der Sintflut In Pappe geb. je 8 4.—, In Halbleder geb. Je 8 S.—« R. tÖWlT, VIEH, L Rotenturmsfrabe 22