Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2936 (1.5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seiten Me», jGmmtvg 1. Muk m* Kk. LWg nung aber ratlos gegenüber landen. Ihr Gatte Dr. Kern veranlagte deshalb die chemische Untersuchung der von ihr verwendeten Schminke, die im Wiener Institut für medizinische Chemie von Dozent Dr. Varrenschren vorgenommen wurde. Dozent Dr. Darrenscheen äußerte sich über das Ergebnis seiner Untersuchung folgendermaßen: Die Schauspielerin Rost Wcrginz war an der tWischcn Erscheinung einer Bleivergiftung'crkmnkt, und da ste ihre Erkrankung auf einen vermutlichen Giftgehalt der von ihr verwendeten Schminke zurücksi'chrte, wurde diese von mir einer genauen Analyse unterzogen. ES konnte jedoch keine Spur von Blei- oder Quccksilbersubstanzen, die allein jene Krankheitserschcinungen hatten verursachen können, gefunden. Es wurden nur Spuren von Eisen festgestcllt, die aber erfahrungsgemäß keinen schädigenden Einfluß auf den Organismus auszuüben imstande sind. Es werden wohl oft den Schminken Blei- oder Zinksalze zugcseht, doch konnte in diesem Falle nichts gefunden werden. Es ist univahvschcinlich, daß die Vergiftung der Frau Merginz, ebenso auch die in Budapest,, durch den Lippenstift erfolgte. Die Vergiftung kann nur durch Bakterien entstanden sein, die sich wohl infolge der wenig sorgsamen Aufboivahrung des Stiftes an diesem, festschten und mit ihm dann in in eine kleine unscheinbare Wunde auf der Lippe gerieben wurden. Lippenstifte bestehen zur Hauptsache aus Kakaobutter und als färbendem Bestandteil aus Ecffm. Das Eosin ist gänzlich ungefährlich: cs übt im Gegenteil sogar antiseptische Wirkungen aus. Ausweisung eines ruffischeu Zonrnaliften. Die Polizcidirckiioir hat, wie die ,^Korr. Wilhelm" meldet, erfahren, daß der im Jahre p387 zu Kare zag in Ungarn geborene Journalist Andreas Bakonyi, der als Berichterstatter auswärtiger Blätter in Wien tätig tvar, sich bei 'Ausübung seiner, publizistischen Tätigkeit, insbesondere bei Einholung von Informationen, an verschiedene Personen, darunter auch an amtliche Organe, herandrängte und sich diesen, wie übrigens auch Geschäftsleuten gegenüber, mit welchen er Verbindung suchte, falscha Nanren und Titel öffentlicher Funktionäre, wie den eines ausländischen Diplomaten oder eines Polizeibeamten, beilegte- Bakonyi, besten Verhalten seinen Aufenthalt in' Oesterreich aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit unerwünscht erscheinen ließ, wurde als -Lästiger Ausländer aus ' Oesterreich ab geschafft und hat das Bundesgebiet bereits verlassen. Bakonyi war Wiener Korrespondent der »Zswestija". lieber seine Festnahme waren allerlei Gerüchte im Umlauft, die : durch die zitierte Darstellung lbe£ Staatspolizei nicht zerstreut : Werden. £ Set 1. Mai. Ms Vorfeier für den 1. - Mai veranstalteten gestern die jugeredlichen Anhänger der Sozialdemokratie ein«: Fackelzug. Die Teilnehmer versammelten sich auf dem Rathausplatze. Wäh>- rend deS Aufmarsches erkletterten zwei Männer den Rathausturnt bis zur Spitze und befestigten am eisernen Rathausmann eine rote Fa,hne. Bon: Rathausplatz bewegte sich danu um 8 Uhr abends der Fackelzug, in dem zahlreiche Musikkapellen Tnitmarschierten, zwischen einem dichten Spalier von Neugierigen üben die Ringstraße. Die jugendlichen Demonstranten, rote Fallen, Turner, Turnerinnen, Juirgordner und Zöglinge des Vereines ^Kindersreunde" touxben vom Publikum lebhaft akklarniert. Mischer Kamps gegen de« Mädchenhandel. Wir berichteten wiederholt, daß in Buenos Aires, dem Hauptsitz der jüdischen Mädchenhändler, ein Kampf gegen diese verruchte Bande begonnen wurde, damit die Nutznießer des schändsscheu Geschäfts völlig isoliert werden. Viele der Besitzer der öffentlichen Häuser, für welche die internattonalen Mädchenhändler die lebendige Ware liefern, sind reich geworden und glaubei: nunmehr, durch Geldaufwand ihr Schandgetverbe vergessen zu machen. So drängen sie sich in den Theatern, in den jüdischen Vereinen und Körperschaften in der vordersten Reihen vor. Von großer Bedeutung für diesen Boykott ist, wie uns aus Buenos Aires geschrieben wird, die Stellungnahme der Kullursektton. des jüdischen Schauspieler- und Artistenvereines, die beschlossen hat, daß ein jüdischer Schauspieler nur in einemsolchen Theater Mitwirken dürfe, in welchem an auffallender Stelle Tafeln mit der jiddischen Aufschrift: „Temaim ist der Eintritt verboten!" angebracht sind. Temaim (Unreine) ist die Bezeichnung für die Mädchenhändler und ihre Auftraggeber. Die jüdischen Schauspieler erklären, daß sie die Pflicht hätten, daran mitzuarbeiten, daß die moralisch Unreinen, Aussätzigen aus den: Lager der jüdischen (Gemeinschaft ausgeschlossen und boykottiert werden. Die sämtlichen jüdischen Theater waren geneigt, sich diesem Beschlüsse zu fügen, bis aus das Jüdische Volkstheater, dessen! Direktion die Anbringung solcher Warnungstafeln ablehntc. Da die Schauspieler dieses Theaters von. ihrem Standpunkte nicht abzubringen und entschlossen sind, iu den Streik zu treten, wird wohl auch diese Theatergeseltschaft gezftmiMN sein, nachgngeben. t 1900 Silometer «glich legen im regelmäßien Dienst die Flugzeuge der Polnischen Lufkvertehrs-A. G. „Aerolot", Wie», 1. Bezirk, Tegetthofsstraße 7, Telephon 71-V-84, zurück. Passagiere, Waren und Briefe Werden schnell und sicher beför-dert. 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Stock, Zimmer Nr. 16, erliegt der Auszug aus den für das Steuerjahr 1926 ailsgefertigten Zahlungsaufträgen, welcher die Bezeichnung der Steuerpflichttgen und den Bettag der von denselben zu entrichtenden Einkommensteuer entkMt, in der Zeit vom 2. bis 15. Mai 1927 zur Einsicht der Einkoickmensteuerpflichtigen dieses Bezirkes gegen entsprechende Legitimation auf. Neue TelephonsteUcn. Morgen werden in FurD a. d. Triefting und Furth- Schromenau (Bez. Baden) und in Schildberg (Bez. Sankt Pölten) öffentliche Sprechstellen, am 4. Mai solche in Rauchwarth (Burgenland) und Klein-Neusiedl (Bez. 'Bruck a. d. Leitha) dem Verkehr übergeben. DienstjUbilÄinn. Am 2. Mai feiert Herr Simon Schnrolka fein 23jähriges Dienstjubiläum als Beamter des Zeitungsburcaus Hermann Goldschmiedt. Der rüstige Jubilar erfreut sich wegen seiner trefflichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung. Zu seinem Jubiläum sind ihm verschiedene Ehrungen zugedacht. ' ' ' 1 1 Großsever in Simmering. Gestern früh brach in der Eisen- und Messin^möbelfabrik August Kitschelts Erben A. G. in der Fikehsstratze ein Feuer aus, dem ein großes Warenlager zum Opfer fiel. Der Schaden, der auf mehr als 100.009 Schilling geschäht wird, erscheint durch Versicherung geeckt. Die Brandursache ist noch unbekannt. r ■ : Großer Straßenexzeß wegen einer roten Fahne. Gestern nachts entstand zwischen mehreren Passanten in der Reindlaaste auf der Schmelz ein großer Exzeß, in dessen Verlauf der Installateur Leopold Konstreber durch Stiche in den linken Oberschenkel erheblich, der Maschinenschlosser Franz Zaufalh durch Schläge auf den Kops lercht, der Hilfsarbeiter Franz Faust durch Schläge auf den Hinterkopf erheblich und der Tischlergehilfe Eduard Hummer im Gesicht leicht verletzt wurden. Der Streit war ausgebrochen, weil eine Pattei in einem! Haus in der Hicklgafse eine rote Fahne hißte und der Hausbesorger dies nicht zugeben wollte. Passanten mischten sich in den Streit, der bald gefährliche Dimensionen annahm. Polizei mußte die Ruhe wieder Herstellen. Festbeleuchtung des NaHarrfeS und des Leuchtbnmnens. Heute wird das Wiener Rathaus von halb nenn bis zehn Uhr abends festlich beleuchtet. Dev Leuchtbrunnen am Schwarzenbergplatz wird von acht bis neun Uhr abends in farbigem Licht erstrahlen. Hebräische Literalurkurfc an der Wiener Universität. Mt Genehmigung des Rektors werden, wie bereift berichtet, an der Wiener Universität Kurse fiir hebräisch Literatur eröffnet, die der Dozent des Maimonides-Insti tuts Prof. Dr. Armand Kaminka abhält. In Aus sicht genommen ist eine Vorlesung über biblische Lite ratur mit Berücksichtigung der Septuaginta und der moder nen vibelkritischen Hypothesen, ferner eine Vorlesung übe neuhebräische Dichtungen oder eine Einführung in der Talmud. Die Vorlesungen sind für Hörer aller Fnttil täten bestimmt, ebenso für auswärtige Hörer, wobei fü dre zu behandelnden Texte die Vorkenntnisso der Höre maßgebend sein sollen. Die Kurse beginnen Dienstag, der 8. Mai, an der philosophischen Fakultät. Die Hatihvatz im Nabto. Waldemar W e n d l a n d, der zurzett in Basel lebende, erfolgreiche deutsche Opern- und Liederkomponist, hielt dieser Tage in Bern einen Radiovottraa über „Nationavhhmne und Volksseele" und erläuterte seinen interessanten Vortrag durch musikalische Beispiele am Flügel. Waldemar Wendland spielte auch die Hatikwah in das Mikrophon und gab der Hhmne nachfolgende Geleitivorte: „Die Musik ist von tiefer und süßer Tragik durchtränllt.. * und doch von Hoffnung durchglüht! Sie ist die ausdrucksvollste aller VolMHmnen. Es ist wohl die Nationalhymne, die — da sie aus einem Volkslied erwuchsen ist — auch die Enmnation eines schwer geprttsten Volkes ist, eines Volkes, dessen künstlerische Schöpfungskraft außerordentlich ist und dessen künstlerische Ei nMlungs fähigkett wohl" bis heute von keinem der jüngeren Bokker erreicht wurde.. Ei« Opfer seines Berufes. >. 5 Der Professor der Berliner Universität Dr. Max Hans Kn czins ki, der als Bakteriologe einen bedeutenden Ruf genießt, war vor kurzem in die Gegend an der polnischtschechoslowakisch en Grenze gekommen, um die dott herrschende Flecktyphusepidemie zu studieren bzw. um Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche zu treffen. Professor Kuczinski hielt sich in der polnischen Stadt Pimnrczna auf, die unmittelbar an der Grenze liegt. Dott wurde der Forscher, der sich mit Aufopferung seiner Aufgabe widmete, unglücklicherweise selbst von derSeuche angesteckt und erkrankte an Flecktyphus. Er diagnostizierte selbst seine Erkrankung, die sicheln äußerst schwerer Fonn kund tat. Professor Kuczinski wurde infolgedessen unverzüglich nach Leniberg übergeführt und in die dortige Klinik eingeliefert. Der Zustand des Erkrankten ist jedoch so gefährlich, daß an seinem Aufkommen ge>- zweifelt wird. Professor Dr. Kuczinski war als Bakteriologe an der Berliner Warite und am Charlottenburger Eäcili enkrankenhaus tätig. 6tn Diamarrten-Jnbttänm. Südafrika kann in diesem Jahre ein Jubiläum feiern» denn es sind gerade 60 Jahre verstrichen, seit ber Ire John OMeilly bei einem Jagdausflug aus der Farm von Schal! van Nleker'k an den Ufern des Orange-Flusses den ersten südafrikanischen Diamanten fand. Bei einem Besuche der Farm bemerkte OMeilly, daß die Kinder seines Wirtes mit glitzernden Steinen spielten, die zahlreich am Flußuser lagen. Er nahm einen Stein mit, und dieser wurde als ein Diamant ‘ festgestellt, für den ihm der Gouverneur der Kap-Kolonie 16.000 Mark zahlte. Bald darauf setzte das große „Diamanten-,Fieber" ein, und es entwickelte sich eine Industrie, die gewaltige Schätzet gewonnen hat. Man beziffert den Wert der bisher m Süd- Afrika gewonnenen Diamanten auf mehr als 6 Milliarden Mark. , i:--..—.:.-:..;-;.:::.— . > Die Astrologe« künde» «nS pompöS: Die Fixsternwelt beneh'm sich ganz nervös. Sie wolle demnächst auf die Erd' s ') stürzen, U« anch mit Huber-Essig sich das Mahl zu würze«. Ueberall erhältlich. trug rrrrisier wirf lunjir m fein eigenes sronzerrr Ftttz Kreisler ist nicht nur in Europa einer der beliebtesten Geiger, sondern vor allem tn Amerika der König aller Violinisten. Kein Wunder, daß sich, wo er auch austritt, die Leute zu seinen Konzerten drängeir. So war cs auch neulich in Detroit, wo Kreislrr lange nicht gewesen war. Der Saal war so überfüllt, 'haß der bekannte Apfel nicht hätte zur Erde fallen Können. Außerdem fürchtete man, daß, abgesehen von den zahlenden Zuhörern, auch noch Zaungäste auf boliebte Manier sich einfinden würden: nämlich, indem sie mit einem Musikinstrument in der Hand am Villetteür vorbeigingen und fo taten, als ob sie zum Orchester ge-, hörten. Um diesem Unfug borzubougen, und da sowieso die regulären Platzanweiser nicht ausreichten, wurden zwei Studenten umntttelbar vor dem Orchestereingang placiett, die alle Musiker nach vocher ausgegevenen Ausweisen zu fragen und streng jeden zurückzrWeisen hatten, der nicht im Besitz' dieses Ausweises war. Der eine Student hatte soeben einen Mann hinausgeworfen, der mit einer Flöte unterm Arm eindttngen wollte, als wieder ein Mann austauchte mit einer Geigen unterm Arm. Der Student fragt ihn nach dem Ausweis — er hatte keinen. „Dann v senoar WK niedergeschlagen, wea und kam nach drei Minuten in Begleitung des Direktors der Konzertlhalle zurück. Und nun durste er wirklich hinein? ES Z nämlich Fritz Kreisler selbst. Nagenu. Darmleldende nehmen mit bestem Erfolge „BOLUCAHBON“, zusammengesetzte Tlerlcohle-Tabletten. Bolucarbon, von ärztlichen Autoritäten empfohlen, bestbewährt bei Blähungen- Aulstoßen, akuten und chronischen Magen- und Darmbeschwerden etc,, sind In der Apotheke C. BRADY, Wien, I., Rotenturmstraße 18. Ecke Fleischmarkt, stets lagernd, wo auch Literatur gratis erhältlich Ist. Postversand überallhin