Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2936 (1.5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2936 SBtett, SomMy EötDWER 1. Mai tm «Me 5 Sit Verheerungen im MWWpiaebiet. Sie Sprengungen vor Rew Srieanr unzureichend. — Vene lleberschwemmnngen. Ncwyork, 30. April. Die Sprengung der Miffissippideiche unterhalb Nein Orleans hat sich schon jetzt als u nzureichend erwiesen. Der Stand des Flusses hat sich int Lause der Nacht nicht wesentlich v e r ä n d e r t und die nachkommenden Wassermassen drohen mit einer neuerlichen ttÜberschwemmung über das geopferte Land hinaus. Die Sprengungsakbeiten, . ' sie mit 1 6 0 0 P s u n d Dynamit vorgenommen wurden, haben mit eine wenige hundert Meter breite Oeffnung itt die Dämme gerissen, so daß das aufgebotene Militär in i t S ch a u f e l n und Hacken n a ch h e l f e n mutz, um ein Mflietzen der Wassermassen zu ermöglichen. Die Pionieroffiziere.werden heute die Sprengungen bei PoydraS fortfetzen» da Abflutz für 300.000 Kubikfutz Wasser pro Sekunde geschaffen werden mutz, um - die G e f a h r für N e w- Orle ans abzuwenden. Jnzavischen hat das Hochwasser in Arkansas einen neuen Dammbruch herbeigefiHrt, durch den fast der ga n z e S ü d o st e n des Staates unter Wasser gesetzt wurde. Schon seit einer Woche war ein Heer von Menschen damit beschäftigt, die Dämme zu verstärken, doch erfolgte der Durchbruch unvermutet unterhalb der am meisten gefährdeten Stelle. Die tiefer gelegenen Landesteile stehen; ... . bis zu. zehn Meter unter Wasser, viele Ortschaften sind gältzlich überschivemmt, doch konnte sich die Bevölkerung rechtzeitig retten. Die Viehbestände allerdings sind fast zur Gänze ein Opfer der Waffermassen geworden. Ein von. den Militärbehörden organisierter Flugzeugdienst ist ständig an. der Arbeit, um die Bevölkerung gefährdeter Ortschaften rasch zur Räumung veranlassen zu können. Lee verschluckte Berg. Aus Chile wird englischen Blättern über' einen merkwürdigen geologischen Vorgang berichtet, der sich am Clare-Flutz ereignet hat. Ein mit dichtem Wald bestandener Hügel nördlich des Flusses verschwand plötzlich vom Erdboden.- Ansiedler, die in der Nähe wohnen, hörten ein lautes Gedröhne wie bei einem Erdbeben und viele von ihnen ivaren Augenzeugen» wie der betvaldete Hiigel von der Erde verschluckt wurde; er verschwand in einem sich plötzlich auftuenden, hufförmigen Abgrund von 1200 Meter Länge. Dann sahen die Leute zu ihrem grötzten Erstaunen, wie das Flußbett sich hob und eine Insel von 300 Fuß Länge und 90 Futz Breite sich im Fluß bildete. erwachende gegen Panenropiker. Budapest, 30. April. Eine Gruppe von nationalistischen Studenten drang heute gewaltsam in einen geschlossenen Saal des Cafe „Oktogon" ein, in dem mehrere Universitätshörer, Mitglieder der Hochschulsektton der ungarischen paneuvopäischen Union, eine Besprechung abhielten. Die „Erwachenden" rissen den Paneuropäern ihre Abzeichen aus dem Knopfloch, ohrfeigten sie unter wüsten Beschimpfungen und trachteten sie aus dem Saal hinauszuwerfen. Die paneuropäischen Studenten, setzten sich verzweifelt zur Wehr und es entspann sich in dem Saale eine Keilerei. Erst nach einer Viertelstunde traf eine Polizeipatrouille auf dem Kampfschauplatz ein, trennte die feindlichen Parteien und brachte sie sodann gemclinsam auf die nächste' Wachstube. Nach Abnahme ihres Nationales wurden alle Teilnehmer der Rauferei wieder entlassen, doch wird gegen die Studenten das Strafverfahren wegen öffentlicher Ruhestörung eingeleitet. Sie Geldasfiiren der deutschen Stndentenschaft. Berlin, 2,9.. April. Der „Vorwärts" schreibt: Der völkische Vorstand der Deutschen Studentmschaft hat seine neue Affäre. Da rührt man die Trommel für eine G efallenen -.Ge d e n k st i s tu n g. Etwa 37.000 Mark gehen ein. Aber die Herren vom völkischen Vorstand denken gar nicht daran, die eingehenden Gelder ihrem vorgesehenen Zwech zuzuführen. Bewahre. Die netten Sümmchen gehen in die. gemeinsame Kasse des Vorstandes, die schon einmal Gegenstand eines peinlichen Untersuchungss k a n d a l s war. Damals versuchte der erlauchte Vorstand . die Schuld cntf einige Lotterbuben abzuwälzen. Aber siehe da: die Lotterbuben verschwanden, die Lotterwirtschaft blieb. Jer frühere Sultan von zanzibar gestorben. Nach Mitteilungen aus Dar-es-salem ist der ffü? Here Sultan von Zanzibar, Seyid Chalid bin Barg a s ch ans dem Hause Oman, kürzlich gestorben. Sein Name ist mit der nenerm Geschichte des Sultanats Zanzibar insofern verknüpft, als er beim Tobe des damals regierenden Sultans 1896 Ansprüche auf den Thron von Zanzibar geltend machte. Familienzwiste innerhalb des Hauses Oman wuchsen sich zu offenen Feindseligkeiten aus, in denen Englcnrd sich auf die Seite der angeblich legitimistisrhrn Gegner des Seyid Chalid stellte. Während der Beschießung Zanzibars -durch ein englisches Kriegsschiff suchte Seyid Chalid Schach im deutschen Konsulat. Damit war der Herrschaft des Seyid Chalid als Sultan nach wenigen Dagen ein rgsches Ende gesetzt. Kurze Zeit darauf ß'rfotgte die ' Uebtzr,'Ehrung des SetM Chalid nach. Där^es-salam, wo. er fortan mit Hilfe eines.Jahressolds der deutschen Regierung im Exil lebte. Bei' der Besetzung Ostafritzas durch.Mglischr Truppen während des Weltkrieges wurde Seyid Chalid als Gefangener behandelt mtd als vermeintlich gefährliche politische Persönlichkeit zunächst nach St. Helena befio** -!ü-.. . ijtewinii'iif .'■■■! ggSHBgggSBBHBgBHHSSHBBgBBBM-' Uv--- tiert. 1921 erfolgte dann, Hauptsächlich aus Gesundheitsrücksichten; sSirte Ueberführung nach.den britische Seychel-; len-Jnseln im Indischen Ozean, wo er jetzt im Alter voll 65 Jahren geftorbeit ist. Sr. Mar vernhardt, der Präsident der zionistischen Organisation für die westliche,: Bezirke Wiens, feiert heute sein«: sünszigste'n Geburtstag. Seit den Studentenjahren wirkt Dr. Bernhardt begeistert für die zionistische. Bewegung. Seine hervorragenden organisatorischen Fähigkeiten leisteten Theodor Herzl in den ersten schweren Jahren des politischen Zionismus außerordentliche Dienste und der ausgezeichnete Mann mag sich heute mit Genugtuung dessen erinnern, daß der große Führer zu Ehren Bernhardts einen Festabend veranstaltete, um ihm für seine erfolgreiche Mitarbeit zu danken. Mit unermüdlichem Eifer und vorbildlicher Opferfreudigkeit ist Dr. Bernhardt. zionistisch tätig. Die fortschreitende Entwicklung der Organisation in den ihm anvertrauten Bezirken und die ihn: allseits entgegeugeb rächte Wertschätzung sind Zeugnis dafür. Auch wir gE-lleren herzlichst. Sie Mische Sagend. , Wir erholten die'folgende Zuschrift: Erlauben Sie mir, -als einem aus der reiferen Jugend, einige kleine.Bemerkungen über die letzten Wahlergebnisse zu machen. Die Evbitterung in - unseren Reihen ist, sehr groß. Man sucht nach den Ursachen unserer Niederlage.. Doch liegen die Dinge so klar und deutlich vor uns, daß man sie wegen ihrer allzugroßen-Nähe gar nicht -bemerkt. Märt hat — und ich spreche nur von den 2H Jahren, die ich in. Wien bin, die Jugend ganz und gar vernachlässigt. Ich meine nicht dabei Ae Jugendlichen unter 18 oder 20 Jahren. Es ist wahr, -daß auch diesen, d. h. den Jugendgruppen, in letzter Zeit wenig. AufmeMa-nrkeit geschenkt würde und daß' sie mit vielen Schwierigkeiten, zu kämpfen hatten. Wen ich aber meine, das ist die reife Ingens diejenigen, welche, zu reis' für d»e Kultur- und Jugendgrnppen, aus den letzteren austreten, denen ' aber dann keine andere Organisation zur Verfügung steht. Sie - können diese Leute innerhalb der Zionistischen Organisation an -dey Fingern aufzählen. Die zionistischen Sektionen, bestehen zumeist aus Leuten Über' 30 oder 35 Jahr« Bei ihnen fühlt sich die Jugend, nicht wohl. Was sie braucht, ist eine Gruppe, ein Verein gleichaltriger, damit auch zugänglicherer Leute. Hin Blick ins jüdisch« Zentrum genügt, um uns davon zu überzeugen. Die meisten Besucher der dort veranstalteten Abende sind ausden Reihen' der reisen Jugend, die an die Zionistische Organisation einen Anschluß -suchen, aber nicht finden können, weil sie den Jugendgruppen entwachsen sind, die Sektionen aber ihrem Temperament nicht' entsprechen. Denn, dort müßten sie - ihren jugendlichen Elan auf die Dauer unterdrücken. So. z. B. suchen manche Sportvereine Anschluß an einen zionistischen Verein, können ihn aber aus dem obenerwähnten Grunde nicht finden: Hier sei nur der Sportverein „Achdnth" erwähnt, der schon seit langem mit verschiedenen Gruppen Unterhandlungen Pflegt,, ohne dgs Entsprechende zu. finden. Und nun stellen Me sich folgendes vor: Die meisten. Zöglinge der Jugend-gruppen treten ins Erwerbsleben ein. Eine Organisation der reifen zionistischen Jugend steht ihnen nicht zur Verfügung: Sie müssen aber, aus Berufsrücksichten, sich einer Gewerkschaft oder einem Ange-stelltenverbande anschließen. Da nun der Drang zur. Betätigung bei ihnen, immer stärker wird, so gehen viele von ihnen zu der sozialdemokratischen Partei, die aus jede Art und Weise die Jugend zu sich hevanzulocken sucht, indem sie ihr sehr viele Vorteile bietet. Die übrigen werden mit der Zeit gaitz apathisch. Nur sehr wenige kommen zurück. , Das ist eine der Ursachen unserer Niederlage. Die Zahl der Uten vermindert sich alljährlich auf natürliche Weise, die Jugend aber lassen wir laufen. Scheuen wir uns jetzt nicht, die Wahrheit ganz mchudecken, denn es handelt sich ja nicht um dieses oder jenes Mandat. Es handelt sich um die Zukunft der' Organisatitzn, um die Zukunft der zionistischen Idee. Bor allem müssen wir dje reif« Jugend organisieren. Biele junge Leute > Es gclK jeden an denn jeder ist den Unbilden einer Verkohlung ausgesetzt, die von rerti&ngntsYollen folgen begleitet sein kann. Der beste Schutz gegen Verkühlung ist die . Abhärtung und die Stählung des Körpers, die am besten durch ständigen Gebrauch des DIANA- Franz branntwein mit Menthol «§ ermöglicht wird. Ueberall erl»4fclrfll«li. irren herum, sie werden aber auf den ersten Ruf zu uns kommen. Organisieren wir-sie und fangen wir mit einer planmäßigen, fortwährenden Arbeit an. Ich bin sicher, daß diese vereinigte reife Jugend sowohl neue Jugendliche heran- und erziehen wird, wie auch durch ihre frische, junge Kraft der gesamten Organisation den Antrieb nach vorwärts wieder geben wird. Düs wird unsere Zukunft sein. Wien, am 06. Apr.il 1927. Laucendicki Arje, 20. Bezirk, Karl-Meißl-Straße ti/15. Lrganifierung der Wischen Kanslente und Gewerbetreibenden in Oesterreich. Ein Komitee, bestehend aus Vertretern der jüdischen Kaufleute, JndustriAle», Gewerbetreibenden mtd Handelsvertretern ruft die Berufsgenossen zur Bildung eines Reichsverbandes auf. In. der Einladung heißt es, daß die jMschen Berufsgruppen, infolge des Ausganges der Wahlen jetzt nur mehr auf Selbsthilfe angewiesen sind und deshalb eine machtvolle Organifatton bilden müssen, die ihren politischen Ausdruck in einer großen jüdischen Biolkspärt e i finden soll. Als das publizisttsche Organ dieser Bestrebungen wird die „Wiener Morgenzeitung" allen jüdischen Kaufleuten, Industriellen und Gewerbetreibenden empfohlen. Ab Mittwoch, den 4. Mai, werden in der Kauf- 'mannshalle des Wiener Bürger-Cafes (2. Bez., Praterstraße 11) allwöchentlich um 8 Uhr abends Besprechungen stattfinden. Das Gremium österreichischer Hmidelsvertreter beruft seine Angehörigen für Donnerstag, den 5. Mai, 8 Uhr abends, zu einer Versammlung in das genannte Cafe ein, in welcher zu den Fragen der Fachsektton Stellung genommen werden wird. Ser rensnrierte Goethe. Eine scharfe Debatte in der „Ravag". Gestern fand eine Beiratssitzung der „Ravag" statt, die zum grötzten Teil durch Auseinandersetzungen zwischen Vertretern christlich orientierter und sögialdemokrättscher Nadioteilnehmevverbande ausgefüllt war. Die „Ravag" hatte nämlich für den 1. Mai ein Festprogramm aufgestellt, bei dem die „E r st e W a l p u r g i s n ach t" von Mendelssohn-Bartholdy mit Text von Goethe angefeht ist. Darin ist auch eine Stelle: . . Diese dumpfen Pfaffenchristen wollen wir jetzt überlisten", die, als die religiösen Gefühle katholischer Hörer verletzend, von seiten des Vertreters, des Oesterreichischen Radiobundes beanstandet wurde. Der Einspruch, fand auch anderweitige Unterstützung, wurde aber vom Freien Radiobund aufs schärfste bekämpft. Es kam zu einer mehrstündigen, ziemlich scharfen'Debatte. Da die „Ravag" darauf bedacht ist, die Beleidigung von Zuhörern und die Verletzung ihrer Gefühle ' zu vermeiden, wurde dem Einspmch stattgegeben und es dchn Musikdirektor Ast überlassen, seine sich daraus ergebenden Anordnungen zu treffen. M der Lippenstift giftig? Die Schmink» und Bleivergiftung. Die hohe Bedeutung der Schminke kt der Schönheitspflege löst bei den sich in letzterer Zeit häufenden Vergistungserscheinungen infolge Schminkens arges Bedenken aus. Aus Budapest kam kürzlich die Nachricht, daß dort eine Dame der Gesellschaft an den Folgen einer sich durch einen Lippenstift zugezogenen Vergiftung. gestorben sei. Nunmehr gelangt auch der Fall zur Kenntnis, dich die Wiener Schauspielerin Rost Wergin 3 durch Mpem schminke relativ schwer erkrankte. Sie erlitt Anschwellungen der inneren Wangen, Eiterung der Zunge und der Speicheldrüsen stellten sich ein. Frau Werginz wandte sich an mehrere ärätliclie Kapazitäten, die de"