Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2935 (30.4.1927)
- Date
- 1927-04-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung ',0. April mn Nr. 2935 IBPISCHC WEIT PI Sie Stndentenkonferen» tion Nanctz. Die soeben in Nancy beendete Konferenz der jüdischen Cludentenorganisationen Frankreichs protestierte in einer scharfen Resolution gegen die antisemitischen Exzesse in Rumänien, gegen die gefährliche Drangsalierung der jüdischer Stndentenj an den rumänischen Universitäten sowie gegen die Anwendung deS RmneruS clausus in verschiedenen Ländern. Abschriften der Resolution wurden den Konsuln Rumäniens, Ungarns, Polems, dem Völkerbund sowie allen Studenten--Organisationen in der Welt übermittelt. Weitere Entschlüsse betrafen die Mitarbeit mit den arbeitenden jüdischen Massen, die Selbsthilfemaßnahmen der Studentenschaft, die Zentralisierung der studentischen Hilfsarbeit u. a. m. Die Konferenz proklamierte die Existenz einer Föderation der jüdischen Stndenwnorganifationen in Frankreich, die den Namen fiiM: Union de Association des Etudiants Juifs de France. In,' das Zentralkomitee wurden getvählt: Hofman, Magniel, Dombrowski, Homskr, Silberman, Lewin und Kowelman. Iie gnde« i« der polnischen Landwirtschaft. Ans Warschau meldet I. T. A.: In der letzten Beratutrg der Gs'eUfchaft für jüdische Landansiedlung in Polen „Tor" wies der Delegierte aus Wilna, Dr. Z. S ch a b a f>, darauf hin, daß in Polen schon jetzt 130.000 Juden in der Landwirtschaft beschäftigt sind und aus ihr ihren ausschließlichen Lebensunterhalt ziehen. Herr Biber und Agronom Lew in polemisierten gegen den polnischen Landwirdschaftsminister, der seine Zweifel ausgedr-üöt hatte, ob es möglich-sei, Juden in der Landwirtschaft Polens unterWibringen. Gerade vom Standpunkte des Staatsnutzens, führten die Redner aus, ist es zu wünschen, daß mehr Juden der landwirtschaftlichen Produktion zugeführt werden. Eine Masienadresfe der Bukowina er Juden an den Keren Kajenrety. Man schreibt uns aus Czernoivitz: Die Jubiläumsattton des Keren Kajemeth hat in der Bukowina großen Anklang gefunden. Die Bnkowinaer Judenschaft bereitet eine Massenadresse an das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds aus diesem Anlaß vor. Alle größeren jüdischen Institutionen, Korporationen und Vereine haben namhafte Beträge zu ihrer Eintragung ins Goldene Buch gespendet. Auch viele Einzelpersonen wurden ins Goldene Buch eingetragen. Wir erwähnen u. a. die Eintragung der Zion. Organisation und ihres Präsidenten Dr. Maier Ebner, der Kultusgemeinden Czernowitz, Suczawa, Radauh, Curak/umora, Kimpolung und Mnnitza, des Präsidenten des Keren Hajeffod Direktor Seidmann. Bühne und Kunst. Lifftz. die Kokotte. Erika Glaeßner in den Kammerspielen. Eri4a Glaeßner hat sich das in Wien bereits gut bekannte gepfefferte Lustspiel .Berliner Provenienz' an den Kammerspielen selbst inszeniert und spielt die Kokotte Lissy mit allen lebensechten Berussnuancen. Ihr Humor erhebt sich durch graziöse Frechheit weit über das Berliner Milieu (dem die Glaeßner nur dann und wann erliegt). Die geschäftliche Sachlichkeit, mit der diese Lissy „arbeitet", entwaffnet jeden Einwand und löst im Verein mit allerhand gutem parodistischem Ulk reine Heiterkeit aus. Von den Mitspielern ib-er Glaeßner ist Paul V erh o e v e n als „Firmling", der Liebe wirklich lustig. Die anderen tun, was sie können, es wird ersucht, nicht zu schießen... Das Publikum quittiert die Humove der Frau Glaeßner mit Lachtränen. S. ,S. Lar Konzert de» Wiener Mischen Gesang' Vereines. Für dieses Heute, 8 Uhr abends, im großen Saale des Volksgartenrestaurants stattsindende Festkonzert, veranstaltet aus Anlaß der Jubiläumsfeier des Keren Kajemeth, gibt sich in weiten Kreisen lebhaftes Interesse .kund. Der Jüdische Gesangverein bringt eine Reih'.', jüdischer Volkslieder und hebräischer Synagogalweisen zum Vortrage. Der mitwirkonde Klavievvirtuose Adolf Baller spielt die As-Dur-Polouaise von Chopin und Liszts 12. Rhapsodie. An das Konzert schließt sich eine TanzunterHaltung mit Tombola. Während der künstlerischen! Darbietungen kern Eintritt. Restliche der Abendkassa. an Borzeichnung einer Wische« Komponisten. Im Juli findet in Nürnberg die 1. Deutsche Sängerwoche des Deutschen Sängerbundes statt. Hierzu ist letzten Herbst eine Ausschreibung zur Erlangung von zur Aufführung geeigneten Werken ergangen. Es sind 1935 Werke eingelausen, darunter solche von den bedeutendsten Komponisten des deutschen Sprachgebietes, z. B. von Richard Strauß. Bon diesen Werken werden nur 62 zur Aufführung gelangen. Unter den preisgekrönten K o m p o ] i» t i onen befindet sich auch das Werk eines Juden, Leon Schmalzbach aus Hechingen. Es ist ein Männerchor a capella: „Was haben denn wir Schneider auch groß für em Gewicht?", nach einem Gedicht von Gustav Falke. Vorgetragen wird der Chor von der Dresdner Quartettvereinigung. . _ r Ä Leon Schmalzbach ist in Hechingen als Lehrer, Kantor und RabbinatHverweser tätig; seine.kantorale Ausbildung hat er bei Prof. Emanuel Kirschner, dem bekannten Münchener 1. Kantor, genossen. Ae Eröffnung Vrr Rathenau-SNstnng. Im Städelschen Kunstinstitut zu Frankfurt. (Eigenbericht der „Wiener Morgenzeitung".) In feierlicher Wcise wurde am 27. April die Gemäldesammlung der Oessentlichkeit übergeben, welche die Mutter Walter Rat Henaus zum Andenken an ihren großen Sohn gestiftet hat und die im Städelschen K u n st i n st i t u t zur Aufstellung gelangte. Stadtrat Meckbach hob die Bedeutung der Stifturvg für Frankfurt hervor und wies darauf hin, wie der Wert dieses Vermächtnisses durch das Andenken an die edle Persönlichkeit, die die Sammlung s ch u f, erh öh t werde. Entsprechend dem Testament sind die gestifteten Gemälde als g-cs ch l os sene Sam mlun g in einem besonderen Raum ausgestellt. Sie enthält nebst zeitgenössischen Werken von Lieb er mann, Klinger, Manet, Aman-Jean, Vuillard, Knophf, Evenepoel, Zuloaga und Gar! Melcher Bilder der älteren Meister Sa s s o s e r r a t o und Franz Krüger. Die Eigenart dieser Sammlung liegt -darin, daß die verschiedenartigsten künstlerischen,, Individualitäten vertreten sind, welche für die ' vorletzte Generation bezeichnend waren. Der Sammlung ist ein .Se lb stP o r t r ä 1 Walter R a t h e n a u s eingefügt worden. Aus hm Lheatern. Theater in der Josefstadt. Heute, halb 4Uhr rachmittags, Tanzmatinee' Katharane Edson (Kalt- °rn®futitftcg Bolkstheater. Heute, Dienstag und ..nx: „Der Garten Eden". „Fiesko" mrt 'B u rg sh e a t e r. Morgen geschlossen. Montag, halb 1 Uhr, „T rieschübel" (Theatevgenteinde Serie A, ^Akademietheater. Morgen geschlossen. Renaissancevüyne. Dienstag, den 3. Mal, zum rstenmal „Die gläserne Frau" von Wilhelm v. 2 ^Neue Wiener Bühne. Dienstag Uraufführung wn Felix Dörmanns Komödie „Inflation in 8 a r i s". Rolandvüyne. Von morgen bis Dienstag bleibt as Theater geschlossen. Mittwoch, den 4. Mai, zum erstennal „Meine Tochter Otto", Operette von Grüniflunt und Stärk. Musik von Leon Jessel. Oper. Morgen bleibt das Theater geschlossen. Mon- :aa „Turandot" mit Frau I eritza kn der Titelrolle. Apollo-Theater. Heute abends, halb 8 Uhr, gattert das Deutsche Bolkstheater im Apollo-Theater mit Supermanns „Johannisfeuer" in erster Beeüuna. „Ter Orions wn Raimundtheater. Nun ist die erfolgreiche Operette von Ernst Marischka und Bruno Granichstätten in das Raimundcheater übersiedelt, wo sie gestern, ovwohl sie in Wien schon aus vielen Bühnen, gespielt worden ist, jubelnden Erfolg errungen hat und mrt vollen Segeln auf die 600. Aufführung lossteuevt. Die gestrige Freude litt allerdings unter der Tatsache, daß an St Ile les angekün ijen Tirrtt^rs Hube.t Marischka, der leicht erkrankt ist, Herr Flemming als Alex Doroschinstl austrat. Er wie auch die Damen Künl und Coth und die Herren Egger, Langer und Tusch! ernteten reichen Beifall. Remharbt und die Wiener Festwochen. Für die Zeit der Festwochen bereitet das Theater in der Josefstadt Ihre Gesundheit können Sie vollständig wieder zurück* erlangen, von allen ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA- Franzbranntwein mit Menthol äußerlich zu Einreibungen, Innerlich auf Zucker, tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. «srfcKtklrfBiefta. bfe Aufführung von zwei neuen Werken vor. Tristan BernardS „Gefällige Thierrh" und voraussichtlich Frantisek Langers Schauspiel „Peripherie" werden durch Max Reinhardt für die Festwochen inszeniert werden. Bartete Reklame. Heute bringt die jüdische Theatergesellschast unter Mitwirkung von Markus Herschkowrcz und Frau Weintraub-Graf „Der Gules-Jid" zur Aufführung. Reicher Soloteil. Mitivtrkung eines Kinderchors. Kunstausstellung tu Jerusalem. Im Zusammenhang nrit der Passahwoche wurden in Jerusalem sechs, in Tel Awiw zwer und in Haifa zwei Kunstausstellungen eröffnet. Die Jerusalemer Ausstellungen sind: Die Jahresau4ftel''.^rg des jüdischen Künstlerverbandes (160 Bilder von 38 Künstlern), die Ausstellung deS Malers Rubin, eines extremen Modernisten, Ausstellungen von Z u cE c x m a n n, Taddeusz und Anna Ritter, des jungen galizischen Künstlers S ch ir t g und endlich eine 'Kunstausstellung der Schüler des vom palüstinenftfchen Arb eite rverb artbegründeten Studio. (I. T. Ä.) Einzelverkauf von Bibliotheksbeständen Georg Brandes'. Georg Brandes hat bei seinem Tode "eine Büchersammluttg voü reichlich 10.000 Bänden hinterlassen. Nachdem sich die Familie und die Königliche Bibliothek eilten beträchtlichen Teil gesichert haben, wird der Rest von etiva 5000 Banden im Hassingschen Antiquariat in Kopenhagen einzeln verkauft. Da es sich uw größtenteils von beit Verfassern dedizierte Werke mit eigetten Widmungen handelt und Oieorg Brandes die meisten Bücher mit Randbemerkungen und Unierstveichungen versehen hat, weckt der Verkauf bei allen literarisch Jnderessi^rien starke Teitnahnte. Vereine. Boriräge «nd Versammlungen. Moadon iwri (L. Bezirk, ZivluSgasse 33). Henie, Ptüzise *A8 Uhr, Vortrag Dr. N. M. Gelber: „Zionisti'che Versuche in England 1640—1846." — Klub der radikalen Zionisten. Heute, Vi9 Uhr, im Cafe Atlas, l. Bez., Aspernplatz, dringende Ausschußsitzung. Erscheinen ist Pflicht! — „Akademische Sektion" des Verbandes der Zionisten-Rcvisionisten. Montag, den 2 Mai, 8 Uhr abends, Cafe Helvetia, 8. Bez., Lange gaste Nr. 61, Vortrag Dr. Paul Diamant: „Juden und Araber." Gäste willkommen! — Zionistische Bezirkssektion 6—8 — Pfadfinderbund „Zirenu". Dienstag im Vereinslokale, 8. Bezirk, Bennoplatz 1a,' %8 Uhr abends, große Elternvevamnilung. Tagesordnung: Otto Hochstädt: Elternhaus und Schule, Max S ch r ö t t e r : Unsere Sominersahrt in Wort und Bild" (Lichtbildervortrag). — Bund jüdischer Jungwanderer, Ortsgruppe Men. Jüdische junge Leute, die.unter der Leitung geprüfter, erfahrener Führer an Ausflügen teilnehmen wollen, treffen sich'diesen Sonntag um 8 Uhr früh (nur bei schönem Wetter) beim Sporchaus Lazar, 9. Bez., Kolingasse. Rückkunft gegen 4 Uhr. Kosten 24 Groschen. Proviant ist mitznnehmen. Sjd des Bundes Mischer Jungwanderer: Zentralheim, 2. Bez., Untere Augartenstraße 3b. Geschäftsstelle und Neueinschreibungcn jeden Mittwoch von 6 bis A8 Uhr abends. — Histadriith Noar Hamisrachi, Wien. Heute, 8 Uhr abends, int Heime, 2. Bezirk, Praterstraße 43, Sichah Klallith. Tagesordnung: 1. Täligkeitsbericht, 2. Einbringung von Anträgen, 3. Sichah, „Jüdische Parteien", Referent: Herr S. Schonermann. — Zionistische Jugendgruppe Leopokdstadt, 2. Bez., Zirkusgasse 33. Heute, 3 Uhr nachmittags, Sichah, abends Hebräisch. Morgen, A8 Uhr, Ausflug, Treffpunkt: Franz-Josess-Bahn. — Jugendvvrttn „Erez Israel", 2. Bez., Zirkusaasse 33. Somttag, 2 Uhr nachmittags, Ausflug. Tresfputckt: «vchwedenbrücke. — Volkshochschule Leopoldstadl (VolEsheim), 2. Bez., Zirkusgasse 48. 1 Uhr: Josef Fritz Kästner: „Aus Wiens ältester Vergangenheit." Mt Lichtbildern und Vorlage von Origtnalfuitden. Eintritt frei. — Verein Oesterreich'.scher Chemiker. Heule, 7 Uhr abettds, im Hörsaal 7, 4. Bez., Karlsplatz 13, Vollversammlung. Vortrag Dr. Ph. Groß: ^Abänderungen deS Massenwirtinigsgesehes für starke Elrktrolyte." Jüdisches Zentrum der Sozialen Hilssgonteinschast Anitta Müller, 2. Bez., Untere Augartenstrnße 35. Sprechlurs, geleitet vom diplomierten Stimmbildner Oskar Teller. Dienstag von 8 bis 9 Uhr. Anmeldungen hiezu täglich von 6 bis 8 Uhr im Sekretariat. Dienstag von 8 bis 9 Uhr Kurs: Physiologie und Hygiene der Frau (Dr. I. Kl aber). Mittwoch beginnt ein neuer Kurs für Jnvividual-Psycholog'ie, geleitet von Frau Martha Holub. Anmeldungen werden taglicb von 0 bis 8 Uhr in der Kanzlei entgegengenommen. Unentgeltliche Arbeitsvermittliingsstette des Jüdischen Hochschnlansschnsses. Hofmeister, Hauslehrer mit Keunlnissen fremder Sprachen, auch für Nachhilfsnnterricht in nll/n Miltelschulfächern (Philosophen, Pädagogen), erstilästige Kräfte für kommerzielle Unternehmilngen (Han-delshvch'ch.ü'ler, Juristen) und Prlbatsekretäre vermittelt prompc und unentgeltlich der Jüdische tzochschulausschuß, Wien, 9. Bez.. Zinnnermannplatz 6, Tel. 26-2-26 Telephonischer Aufruf oder Postkarte g^'nügt. Jfldlscher Liederabend im srooen saaie des Vo3ingarten-Restaura»tf veranstaltet vom JÜClISChan GfifanSVOreill zugunsten des Keren Kalemeth anläßlich seines 2ß Jährigen Jubiläums Mitwirfcend s Pianist Adolf Baller Anschließend Basar und Tanz. Erster Preis der Tombola: Lebenslängliche Unfallversicherung. Während der künstlerischen Vorführungen kein Ein!’: Karten im Bureau des Keren Kajemeth, Wien, 1., Kärntnerstraße Nr. 28, Telephon 77-4*85, 77*4-89, und an der Abendkassa im Volksgarten-Restaurant,