Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2934 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebe 6 men, Freitag Wiener Mvrgen-ertrmg 39. April 1937 Sir. 2934 Sir krMsche Lage der Süden in Schanghai. Bekanntlich .nahmen in den letzten Jahren zahlreiche Auswanderer ans Rußland Aufenthalt in mehreren Städte« Chinas. Die jüdische Kolonie in Schanghai p. K. zahlt 3000 Personen, sie gliedert sich in zwei Gemeinden: eine.sephardische, deren Mitglieder schon längere Zeit hier wohnen, eine aschkenasische (russisch-jüdisch»'), deren Mitglieder sich aus neu Eingewanderten rekrutieren-. Der Handel in Verbindung mit den ausländischen Kon-: Zessionen war die Hauptbeschäftigung dieser Juden, die in der Schwerarbeit mit dem chinesischen Kuli nicht konkurrieren konnten; aber auch eine ansehnliche Zahl jüdischer Handwerker konnten hier von ihrer Hände Arbeit leben. Wie der Gesellschaft HiaS-Jca-Emig>direkt vorn Charbiner Jnsormationsbureau in einem vom 5. April datierten Schreiben mitgeteilt wird, hat sich nun die Läge der jüdischen Einwanderer in China, und speziell in Schanghai, kritisch gestaltet. „Me letzten aus Schanghai eingetroffenen Nachrichten", schreibt das Char- -iner Bureau, „sprechen davon, daß im Zusammenhang mit der Bewegung gegen die Ausländer'sich eine starke Abwanderung der ausländischen Konzessionsvertreter bemerkbar macht, lvas einen v o l l st ä n d igen Ruin der jüdischen Kaufleute und Handwerker im Gefolge hat. Durch die Abreise der Konzessionsvertreter haben sie nicht allein ihr langendes Einkommen eingebüßt, sondern jene sind ihnen ansehnliche Summen schuldig geblieben; die zurückgebliebenen Vertreter .sind ebenfalls nicht zahlungsfähig. Infolge der nervösen Stimmung ruht jeder Handel. Das Resultat ist, daß ein großer Teil der ruinierten jüdischen Kaufleute in Hank au und in den Jangtse-Provinzen nach Schanghai gekommen sind, wo sich die Lage ebenfalls aufs äußerste zugefpitzt hat und täglich zahlreiche Ausländer die Stadt verlassen und sich auf die Schiffe begeben." (I. T. A.) Ne lmerkkanisch-mnarifcheu Jude» gegen da» Horthy-Regime. ÄuS New Yor k wird uns geschrieben: Die Universität des Staates Maine beschloß, in Oronv ein F r i o* densdenkmal zu errichten und wandte sich an die Vertreter, der verschiedenen auswärtig Land-Zmannschaf'en mit dem Ersuchen, aus diesem Anlaß eine Flagge ihres Staates für die Historische Sammlung der Universität zu wid nen. Ein solches Ansuchen ging auch an den Präsi» en en des Verbandes der ungarischen Juden in Amerika Samuel B ü ch - le r. Er erklärte, daß er und die in Amerika lebenden,, aus Ungarn stammenden Juden, mit ganzem.Herzen j'der pazifistischen Kundgebung mit Freuden zustimmen. Er lehnest jedoch ob, sich an dieser Aktion durch Uebersendung einer nnsgarischen Flagge zu beteiligen, weil „das Ungarn vo n heute, das. von Horthy und Betten beherrscht werde, noch lange nicht unter den zivilisiertl'n S aalen Platz nehmen könne. Ungarn werde von reaktionären Diktatoren regiert, welche die ungarisch: Flagge zur Unterer"»ckung der Minderheiten mißbrauchen, Arbeiterund Juden werden nach wie vor verfolgt und unter den nichtigsten Vorwänden in Gefängnisse gesteckt und ihrer Existen',möglichkit beraübt." Präsident Bücher sch ägt dem Se"at d:r ge.-anntert Uniyersüät vor, der Sammlung die jüdische Flagge als die Flagge eines Volkes, das für den Weltfrieden tätig ist, emzuverleiben. Srkedeasschluß in der «nnarlSndischen neologen guveuschast. Aus Budapest wird uns berichtet: Der langwierige Bruderkrieg im Lager der neologen Judenschaft, der seit Jahren von einem unverantwortlichen jüdischen Geschäftsjournalisten geführt wurde,, ist dank der Besonnenheit, die zur rechten Zeit in allen Kreisen , die Oberhand gewonnen hat, beigelegt. Dieser Zwist wurde von demselben ultraassimilatorischen Blatte angezettelt, das auch den niedrigen, mit allen verwerfliche» Mitteln geführten Kamps gegen den Zionismus und die Aufbauarbeit in Palästina angezettelt'hat. Nunmehr konnte eine einstimmige Wahl des von demselben Blatte persönlich verfolgten Dr. Franz Mez e i zum Präsidenten der israelitischen Landestanzlei sichergestellt werden. Jetzt, nachdem der schädliche Einfluß dieses jüdischen Journalisten gebrochen ist, wird auch die Arbeit für die Palästina-Fonds ohne Störung vor sich gehen können. Ae Alliame NraeMe wieder ms dem «rtegsvsm. .Aus Paris wiro uns berichtet: Die Alliance Jsraelite Universelle, erregt durch, die Erfolge des Zionismus, ganz besonders in Frankreich, hat in ihrem Organ einen scharfen Vorstoß gegen den Zionismus unternommen. Sie hat zu diesem Zweck Theodor Reinach in die Front geschickt, der die Juden Frankreichs beschwört, dem Zionismus keine Gefolgschaft zu leisten. Besonders schwer betroffen fühlt sich die Alliance durch die Ausbreitung des Zionismus in Marokko, wo die Alliance noch bis in die letzte Zeit die dortige Judenschast allein geistig und ideell beherrschte. Es ist daher sicherlich kein Zufall, daß fast zur gleichen Zeit auch in dem verbreiteten Blatt „Echo du Marogue" ein an die Mressi der marokkanischen Juden gerichteter Artikel im gleichen Geiste erschienen ist. Das in Marokko erscheinende jüdische Wochenblatt „Menorah" antwortet nun auf die Ausfälle Reinachs uttb des „Echo du Maroque". Das Blatt wirft Reinach vor, daß er dem jüdischen Volke das schönste und stärkste Ideal rmt&en wolle, ohne ihm dafür etwas anderes zu bieten. Wünscht etwa Reinach — fragt das Blatt — daß die französischen Juden eine Massenpetition an Frankreich, England und den Völkerbund richten, damit die Mächte die im Aufbau begriffene Nationalheimstätte der Judm vernichte«, noch ehe sie ganz aufgebaut ist? Reinach möge doch auch daran denken, daß die erste Keimzelle für den Wiederaufbau des jüdischen National- Heims in Form der ersten jüdischen Kolonie vor fünfzig Jahren schon von eurem großen französischen Juden, von Baron Edmund de Rothschild geschaffen und die erste jüdische landwirtschaftliche Schule gleichfalls von einem bedeutenden französischen Inden, von Charles Netter erbaut lourde und daß die französische Regierung die erste war, die ihre Zustimmung zum Zionismus gegeben hat. Der blindwütige Haß Reinachs und der Mliance gegen den Zionismus und das zionistische Palästina sei unverständlich, fast pathologisch Irr Pariser Stadtrat subventioniert deu Seder der jüdischen Arbeitslosen. Aus Paris wird uns beeichet: Das Komitee zur Unterstützung jüdischer Arbeitsloser in Paris, an dessen Spitze Grandrabbmer Levy sieht, veransta'tete au äßich dr Pe'-- sachtäge für die jüdischen Arbeitslosen und Alleinstehend n einen großen Sedcrabmd und versorgte diese Hilfsbedürftigen auch sonst mit Geldmitteln und Maleria ien. Im Pariser Städtrat beantragte Gilbert M a r c i n, diese Veranstaltung der jüdischen Mitbürger mit einem Beitrag von 5000 Francs zu subventionieren. „Wir wollen n! sit, begründet« Marcin seinen Antrag, daß an dem Tage, an welchem zufällig auch wir Nichsiuden das Osterfest feiern, sich in Paris ein notleidender jüdischer Mitbürger findet, der gesenkten Hauptes zusehen.muß, tvie andere in Frohsun und Zufriedenheit ihr Fest feiern." Der Antrag Marcin tvurde hieraus e i n st i mm i g zumBefch'uß erhoben. Der'Seder der jüdischen Arbeitslosen verlies sehr würdig. An der Spitze eines der Tische, an welchen arme jüdische Männer, Frauen und Kinder saßen, führte eine bekannte Persönlichkeit des Pariser jü' ischm öffentsichm Lebens den Vorsitz. Die Leitung des Sehers hatte Rabbiner Lubelski inne. Dir Verlegung der Baron-tzirfch-Slkstung nach Polen. Wie wiederholt berichtet würde, werden seit dem Zusammenbruch zwischen Polen und Oesterreich B^rhandlun- , gen wegen Transferienrng der B a r o n -.H i r s ch- S t i f* tung für Schulwesen, deren Sitz' auch heute noch in Wien ist, gepflogen. Wie uns nun aus Warschau berichtet lvird, fährt Ministerialrat Adelberg in den nächsten Tagen nach Wien, um diese Transferierung nunmehr zu perfektuieren. Da es sich bei der Stiftung des Baron Hirsch hauptsächlich um. die Gründung und Erhaltung von jüdischen Schulen in Galizien gehandelt hat, dürste der Sitz der Stiftung nach Lemberg verlegt Werdern Eine endgültige Entscheidung in dieser Frage wurde jedoch noch nicht getroffen.. . Die Liquidierung der Wiener Baron-Hirsch^Stiftungszentrale stößt auch aus finanziell-technischen Gründen solvie mit Rücksicht auf die Abfertigung der bisherigen führenden Beamten der Stiftung auf Schwierigkeiten. Die SchSdelbllvung der Juden. Beiträge zur Kranioiogie der Judm veröffentlicht I. M a t i e g k a im dritten Heft des vierten Jahrganges der Zeitschrift „Anthropologie", die vom Anthropologischen Institut der Prager Karls-Universität heraüsgegeben wird. Der Verfasser stellt fest, daß es bisher nur sehr fragmentarische Kenntnisse auf diesem Gebiete gibt. Er hat daher 'mit lebhaftem Interesse die Gelegenheit benützt, die sich geboten hat, als auf dem alten Prager Judenfriedhof aus Anlaß der Verbreiterung der anliegendm Straße über 1000 Gräber geöffnet werden mußten. Die vom Verfasser untersuchten und beschriebenen 118 Schädel (53 märmliche und 66 weiblich«) stinnrnen aus dem 17. Jahrhundert. Das Ergebnis zeigt, daß die jüdischen Schädel sich in &eu allgemeinen Merkmalen nicht sehr pon arideren mitteleuropäischen Schädeln unterscheiden, wie man sich durch einen Vergleich mit den Messungen von Schädeln aus Bayern, Württemberg usw. überzeugen köyne. Auch mit gleichzeitige^ Schädeln von einem alten Prager Friedhof bestehen groß« Aehnlichkeiten, daneben aber auch beachtenswerte Unterschiede. Unsere RStfellonknrrenz. Seclüngeruig tu einfenOttetainei lis s. mal. Aus Leserkreisen des Inlandes und Auslandes sind uns viele Zuschriften zugekommen, in welchen wir ersucht werden, durch Erstreckung des Einsendetermines für unsere Rätselkonkurrenz noch die Möglichkeit zu geben, an der Konkurrenz teilzunehmen. Obwohl der Einlauf der Rätfellöfungen außerordentlich angewachsen ist, sehen wir uns doch veranlaßt, aen Sinfenttetetmla enWlilg Bis zsm 8.A»i r» ««Wier«. Wir senden daher die vielfach verlangten Ersatzexemplare von Nummern unseres Blattes, welche die einzelnen Rätsel enthalten, auch weiterhin ab, nnd es haben auch diejenigen, denen einzelne Nummern der ,Mener Morgenzeltung" zwecks Beteiligung an der Konkurrenz fehlen, noch Gelegenheit, die betreffenden Exemplare unseres Blattes bei uns zu beziehe«. Ne Sitzung im SesSagni». Eine-Konferenz der jiddischen Lehrer in Polen. AuS Wilna meldet I. T. A.: In den Zwischentagen des Passah-Festes wurde in Wilna die erste Konferenz der jiddischen Lehrerschaft Polens abgehatten. ES wurden die Grundlagen und Prinzipien des Aufbaues einer normalen jüdischen Schule festgesetzt nnd ein Beschluß gefaßt, daß di« jüdische Schule eine weltliche und ihre Unterrichtssprache jiddisch sein müsse, eine weltlich- und ihre Unterrichtssprache Jiddisch sein müsse. Da die Konferenz illegal abgehalten wurde, wurden die Delegierten von der politischen Polizei verhaftet und in einen Saal des Gefängnisses gebracht. Dort fanden die Schlußberatnn gen statt und wurden die Entschlüsse gefaßt. * In Warschau fand eine Beratung der jüdischen Lehrerschaft an den polnischen Staatsschulen statt. Es wurde sehr viel über die Sprachenfrage debattiert. Die Mehrheit sprach sich dafür» aus, daß an Volksschulen, die in der Hauptsache von jüdischen Schülern besucht werden. Jiddisch als Unterrichtsfach eingesührt werden soll. Slbleben eines Beterans des amerttanischen Bürgerkriegs. Irr l»cew^orc pari) dieser wage im Altervon 85 Jaulen 6« Beterair des americamschen Bürgerkrieges Adolf Goldfisch. Der Verstorbene nahm im Jahre 1861 als Freiwilliger am Bürgerkriege teil und war nach Abschluß des Krieges Mitglied dev Freittntligen-Delegatiou, die dem Präsidenten Abraham Lincoln ihre Huldigung dacbrachte. Das Leichenbegängnis fand unter, überaus großer Beteiligung der verschiedenen amerikanischen und jüdischen Kriegerorganisalionen statt. Der Vorsitzende des Sephi.irdifchen RaSbinifchen Rates gestorben. Aus Jerusalem meldet I.T. A.r Rabbiner Pappv, der Vorsitzenve des Sephardsschrn Rabbinischen Rates und des sephardischen „Beth-Din", ist im Älter von 78 Jahren verstorben. Ein Gelebter als ^rtedhofSveiMatter. Aus Prag wird uns geschrieben: Freitag begeht der Obervevwalter der Israel. Friedhöfe, Herr Matthias Kisch, seinen 80. Geburtstag. Er redigierte früher in Wien die „Deutliche Kunst- und Musik-Zeitung" und die „Wiener Post" und ist auch Kenner orientalischerSp rachen und Literatur Seit 35 Jahren versieht er seinen Dienst in' voller Rüstigkeit und Pflichttreue. Eine jiddische Emigrantenzeitung in Kuba. Me aus Newport berichtet wird, erscheint in Havanna, der Hauptstadt von Kuba, seit einigen Wochen eine jiddische Emigrantenzeitung, die sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen der Mischen Eimvanderer in Kuba zu vertreten. Als Herausgeber zeichnen die Brüder Berniker, die Redaktion des Blattes leitet Herr Hirsch Schapiro. Vom Hilfsverein der deutschen Juden. Bei der am 35. April zu Berlin abgehalteuen ordentlichen Mitgliederversammlung des Hilfsvereines der deutschen Juden, dem eine Gedenkfeier für Dr. Paul Nathan voranging, wurde Herr Dr. JameS stimmt zum Verfitzenden des Hilfsvereines wiedergewählt und zum ersten Borsitzenden-Stellvertreter Generalkonsul Eugen Landau bestellt. l 2,300.000 Kilometer haben die Flugzeuge der Polnischen Luftverkehrs-A.-G. „Aerolot", Wien, 1. Bez., Tegetthoffstraße 7, Del. 71-0-84, bisher zurückgelegt. Kein Passagier ist ums Leben gekommen, kein Warentransport verloren oder beschädigt worden. Das mährlaobe Paradies l Ö4> OOOO» oböOOOQQQ ,Ai.AAAAi.A.l DAD LMMOVICE. Sie stärksten natftrliohen Kohlensäorebäder der Tschechoslowakei. Berühmte Kaltwasserheilanstalt. Modernstes In. halatorlum Europa». Ueber 20.000 Kurgäste. Hellt: Nasen-, Rachen-, Bronchialkatarrhe, Asthma, Herz-, Nerven- und Frauenkrankheiten, Magen- und Darmkatarrhe, Nierenleiden, Gicht, Ischias, Rheuma. Philharmonische Konzerte, Tennis- und Spielplätze, Abendreunionen, Jagd, Ausgänge und andere Zerstreuungen. Dlrehter BohneUzugansohluß ab Wien Ostbahnh. ISIS, an Iinhaoovioe 19*30. Fahrpreisermäßigung: auf d. tsoheohoslow. Bahnen. Nächster tschechoslowakischer Kurort. Prospekte, Wohnungen und Informationen dnroh die Badedirektion and J. Sanneberg:, Wien, I«, Graben Nr. SS. ’TYTT-f