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Wiener Morgenzeitung · 1927-04-28 · Heft 2933 (28.4.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 2933 (28.4.1927)
Date
1927-04-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Wim, Donnerstag Wremer Morgemzettmtg 38. ApvN ISS? Nr. 3938 Schneider-Atelier Heilig k tt, l., KSnitnersiraBe Hr. 9 Telephon 78-1-86 Telephon 78-1*86 BnalisdiM Hbonnementsystcm. A monatlich B 50*- 1 Frühjahrs-Altzug 1 Sommer-Anzug 1 Modehose 1 Frühjahrg-Rock X Herbst-Rock B monatlich 8 SO — 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Herbst-Anzag 1 Frühjahrs-Rock 1 Winter-Paletot 1 Modehose 0 monatlich B SO — 1 Frühjahrs-Anzug 1 Sommer-Anzug 1 Smoking-Anzug 1 Sport-Anzug 2 Hosen 1 Winter-Paletot 1 Modehose 1 Überrock Garantiert beste engl. Störte und erstklassige HaBarbelt. Kleider bleiben Eigentum des Abonnenten. Abonnementsdauer 2 Jahre, Bügeln, Reparaturen kostenlos Inklusive Abholung und Zustellung. inti Sühne und Kunst. »Sech« Wiener rheaterdirettoren faton ein InWtttnn.* Unter diesem originellen Titel veranstaltet der Verein der Freunde der Nationalbibliothek Samstag, dm 7. Mai, im Deutschen Volkstheater als Nachtvorstellung eine Aufführung des Schönthan'schen Schwankes „Der Raub der Sabinerinnen" in einer einzigartigen Besetzung. Fm Interesse des kulturellen Zweckes, welchem das Reinerträgnis dieser Vorstellung zufließt, für welche Direktor Dr. Beer das Theater in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hat, werden nämlich sechs Wiener Theaterdirektoren Mitwirken, und zwar der vormalige und der gegenwärtige Direktor des Burgtheaters, Hofrat Hugo THi mig und Hofrat Franz Herterich, Hubert Marischka, Ludwig Körner (Modernes Theater), Franz Wenzler (Kammerspiele) und der Direktor des Deutschen Volkstheaters Dr. Rudolf Beer. Ein Liebling aus den Tagen des altm Burgtheaters, Margarete Formes-Königswarter, die seit ihrer Verheiratung der Bühne ferngeblieben ist, hat sich bereit erklärt, die Rolle der Frau Prof. Gollwitz zu übernehmen. Weiters wirken als Gäste Blanko G lvssy, Margarete S le z a k und Anna Salten, die als Paula zum ersten Male vor dem Wiener Publikum erscheint, und vom Ensemble des Deutschen Volkstheatevs Hans Ziegler uid> Rolla Ansion, mit. Bernhard Shaw and das begradene Gedicht Shakespeare». AngMich soll Shakespeare anläßlich der Bestattung Spencers in dessen Gruft ein Spencer gewidmetes Gedicht «gelegt haben. BernhardShaw, darüber befragt, ob er die Oeffnung des Grabes befürworte, damit das Shakespeare-Gedicht bekannt würde, soll sich folgendermaßen geäußert haben: ,Zch glaube nicht, daß es der Mühe wert sein nriirbc, Spencers Gruft zu öffnen, weil die Erfahrung lehrt, daß wenn jemand ein Gedicht beisetzt, es entweder nichts wert ist, oder daß, wenn es etwas wert war, er davon eine Abschrift zurückbehalten hat. Wenn man von der Annahme ausgeht, daß ein Dichter ein wertvolles Gedicht in eine Gruft geworfen haben sollte, so kann man sicher sein, daß jemand anderer es vor Schließung der Gruft wieder herausgefischt hätte. Dichter haben nicht die Gewohnheit, wertvolle Gedichte zu verfassen und sie dann wegzuwerfen." Man sieht, der iÄsche Spötter hat seinen Hrmror Noch nicht eingebüßt. In seiner Antwort ist übrigens mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalte». Ans den Theatern. Operntheater. Morgen, 7 Uhr „Die Macht de- Schicksals (Theatergemeinoe Serie F). Burgtheater. Morgen, halb 6 Uhr „Der Alpenkönig und der Menschenfeind" iTheatergemeinde Serie F). — Mittwoch, den 4. Mai, zum ersten Male „PanluS unter den Juden" von Franz Werfel. Akademietheater. Morgen, halb L Uhr,^piel im Schloß". BolkSoPer. Morgen Uraufführung der Singspieles „Ich Hab! mein Herz in Heidelberg verloren". Deutsches Volkstheater. Die Uraufführung der ,Kömödieves Glücks" von Nikolaj Nikolajewitsch Evreinoff, mit Alexander Moissi und Frau Johanna Terwin-Mvissi, fiiwet Freitag, den 6. Mar statt. Roland bühne. Am 3. Mai findet die Uraufführung ded iKammeroperette „Meine Tochter Otto" von Grünbaum mib Stärk, Musik von Leon Jessel, statt. Modernes Theater. Als nächste Novität wird der Schwank „Der müde Theodor" vorbereitet. Apvllotheater. Heute verabschiedet sich dar Ensemble Lev Haller-Revue „An und AuS". Am 29. und 30. d. gastiert das Deutsche Volkstheater mit „Gespenster", mit Alexander Moissi, und ,Hohannisfeuer". Ei« neuer Einakter von Romain Rolland. Zn Paris soeben ein neuer Einakter Rollands „Blühende stern" erschienen, in welchem Jean Jacques Rousseau auftritt. Das Stück spielt im Jahre 1774 und ist ein Vorspiel zu dem großen Drama der Revolution, an welchem der Dichter gegenwärtig arbeitet. Zum Mitglieder der Wilnaer Truppe ans Rumänien auäfienstefen. Aus Czernowih wird uns berichtet: Hier gastiert seit einiger Zeit ein Ensemble der Mlnaer Trupve und hat mit seinen Ausführun ien durch.ch'naen en E s lg. Dieser Tage nun wurden zwei Mitglieder dieser Truppe, und zwar Jakob Weißlitz und seine Frau Jochewed plötzlich verhaftet und nach kurzem Verhör aus dem Land ausgvwiesen. Welche Ursachen diese Maßregel herveigeführt haben, ist nicht bekannt. Konzert PHNHarmonike«-Sinfonieorchester. Für das Donnerstag, den 5. Mai, halb 8 Uhr, im Großen Konzert« haussaal, unter der Leitung von Franz Schalk stattfindende Monstrekonzert (Wiener PhiHarmoniker-Wiener Sinfonieorchester) wurde folgendes Programm gewählt: Händel: Concerto grosso G-Moll; Tschaikowski: 6. Sinfonie (pathetique) und Ouvertüre 1812: Rossini: Ouvertüre zu „Wilhelm Teil". Das Erträgnis dieses Konzertes kömmt der Wohlfahrtseinrichtung der Wiener Philharmoniker und dem Verein Wiener Sinsoni-orck^üer zupnte. vereine, Vorträge nnd verlommlnngen. Klub radikaler Zionisten. Die für heute einberufe ne Aus« schußsitzung findet erst Samstcw, den 30. d. M., um J49 Uhr abends im Klublokale (Cafe AtlaShof) statt. Erscheinen dringend notwendig. Adreßbuch der beste» belgische« Firme». Die Compagnie Belge de Propagande Internationale, JO, Avenue Fon-ny. Brüssel, teilt uns mit, daß die Ausgabe 1927 ihres Adreßbuches unter de» Titel „Annuaive General de la Belaique* erscheinen wird. Der Band umfaßt 1800 Seiten in Großformat und enthält neben wichtigen dokmrrentarffcheii Angaben ein Verzeichnis diejenigen» die sich für beloviche Erzeugnisse interessieren, bildet dieses Jahrbuch einen unerläßlichen Führer. Zwecks Propaganda gibt es die Gesellschaft gegen Uoberstndung der Porto- und Verpackungskosten, gratis an. die Interessenten aib. Predigte» in de» israelitische» Gemeindetempela. Samstag finden bei dem um J49 Uhr beginnenden Morgengottesdienste Predigten statt: 16. Bestick, Hubergasse 8 (Rabbiner Dr. I. M. Bach); 13. Bestick, Schopenyauerstraße 39 . (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang), exegetischer Vortrag; 21. Bestick, Holzmeistergaffe Nr. 12 (Rabbiner Dr. M. Rosenmann), exegetischer Bortrag. Wiener Berbladuagrbahn. Im Hinblicke auf den am Sonntag, den 1. Mai, zu erwartenden stärkeren Zugsbedarf auf der Borortelinie und der Mener Verbindungsbahn werden bei - günstigem Wetter außer den fahrplanmäßigen Zügen bedarsswelst noch folgende Züge geführt werden: 1. Borortelinie. Ab Heiligenstadt: 8,17,. ALI, 9.07, 9.37, 10,17, 1037; an Hütteldorf-Hacking: 8.Ö0, 9.04, 9.40, 10.10, 10.42, 11.10. In der Gegenrich t u n g:-M Hütteldorf-Hacking:-7.07, 8.26, 8.46, 9.06, »Äl, 9.69; an Heilrgenstadt: 7.30, 8.57, 9.17, 9.40, 10.13; 10.30: ‘/;; - /' ' . 2. Wieue 4 $e^b i n.4» u ng36ah u. Ab Wien-Hauptzollamt: 6.20, 7.88, 8.10, 859, 9.10, 9.60, 10.16; ab Meidling: 6.40, 7.61, 8L9, 8.48, 9.29, 1040, 10.36; a» Hütteldorf^acking: 7.00, 8,11, 8.40, 9.08, 9.49, 10.80, 10^6. In der Gegenrichtung: M Hüttelldocf-Ha'cking: 5.31, 6.03, 6.36, S.3S, 9.06, 1030, 11.00; ab. Meidling: 5.69, 632, 7.91, 9.01, 934, 10.66 1136; an Men-Haupüzollaml: 6.09, 6.42, 74 9.11, 9.44, 1136, 1136. . Sie Matter erschlagen. Bor einem Schwurgericht unter Vorsitz beS Hofrates 4Dr. Härdtl hatte sich gestern der 51jährige Wirtschaftsbesitzer aus Gerhans bei Bruck an der Leitha, Michael Annerl, lvegen Totschlages an seiner eig enen Mutter zu verantworten. Frau Maria Annerl hatte ihren nmsangrüchen Besitz ihrem Sohne übergebe» und lebte bei ihm im Ausgedinge. Zwischen der alten Frau und der Gatttn des Angkklagten kam eS wiederholt zu Streitigkeiten, weil sich die Mutter von der Schwiegertochter benachteiligt fühlte. Michael Annerl hielt bei diesen Streitigkeiten stets zu seiner Frau. Am 10. Juni 1926 fand beim Bezirksgericht Bruck an der Leitha ein Prozeß über eine Ehrenbekeidigunxfsklage fijatt, die Frau Marie Annerl gegen ihre Schwiegertochter eingebracht hatte und die mit der Verurteilung der Therese Annerl zu einer Geldstrafe von 60 Schilling endete. Am 21. Juli gäb es wieder heftigen Streit. Ms Michael Annerl auf dem Hose seine Mutter traf und diese ihn beschimpft«, ergriff er eine» vor ihm liegenden Bügelstahl und schlug mit diesem mehrmals auf den Kopfseiner Mutter loSi Dann kümmerte er sich nicht weiter um die Schwerverletzte, ging zu einem Kaufmann nnd trank eine Flasche Bier. Die alte Frau hatte sich indessen in die Kanzlei drs Gemeindevorstehers geschleppt, der sofort eine» Arzt rufen ließ und die Ueberführung der Blutüberströmten in das Hamburger Spital verfügte. Am 27. Juli starb dort die Marie Armerl. Die Obduktion der Leiche ergab, daß durch die Srffäge mit dem Stahl die Schädeldecke zertrümmert war, und daß das spitze Ende des Stahls in das Gehirn eingedru gen war. Nach seiner Verhaftung gab Michael Amerl an. daß er durch d'e Herausforderungen seiner Mutter und infolge d's Gmusses von Wein derart in Aufregung geraten sei, daß er blind lings auf ihren Kopf zugeschlagen habe. Bor dem Untersuchungsrichter änderte er seine Verantwortung dahin, daß er erklärte, er habe überhaupt in seiner Aufregung nicht gewußt, daß er seine Mutter mit einem Bügelstahl bearbeite. Die Gerichtspsychiater erklärten in ihrem Gutachten, Michael Annerl habe die Tat in einem s chweren Affektzu stand begangen. Da er aber die volle Erinnerung an die Vorgänge bewahrt habe, so könne von einem SchuldauSkckliekunasarund nicht aelvv»chen werden. Der von Dr. Preßburget verteidigte Angeklagte blieb auch vor den Geschworenen bei seiner letzten Verantwortung. Nur stotternd beantwortet er die Fragen d"s Vorsitzenden. Neber die Tat selbst gab er an, daß er sich mit einem Rasiermesser in der Scheune selbst umbringen wollte, weil er die fortwährenden Streitigk-iten nicht mehr aushalten konnte. Auf dem Wege traf er seine Mutter rmd geriet mit ihr in Streit weg:n einer'Marille. Als ihn die Mutter einen „Rotzbuben" nannte, habe et ihr ein paar Ohrfeigen versetzt und mit dem in der Nähe liegenden Bügeleisen mehreremale auf den Kopf zugeschlagen. Dann sei er fortgegangen, ohne zu wissen, daß er die Mutter schwer verletzt habe. Nach dem Verhör mit dem Angeklagte» wurde eine Reihe von Zeugen, darunter die Frau und der Bruder des Angeklagten über die Famuienverhaltnisse einveruomnren. In später Nachtstunde Wurde das Urteil gefällt. Die Geschworenen bejahten die Hauptfrage auf das Verbrechen des Totschlages, sowie die Zusatzfrage, ob der Angeklagte zu der Getöteten in einem nahen Bev- waMschaftsverhältnis gestanden sei, einstimmig, verneinten dagegen die Zusatzfrage auf Sinnesverwirrung zur Zeit der Tat mit 10 gegen 2 Stimnren. Der Gerichtshof verurteilte hierctttf Michael Annerl zu zwei Jahren schweren Kerker. Der Verurteilte nahm die Strafe an und erklärte sie gleich antreten zu wolle». Freispruch ln einem „Minalmordprorei". Aus B i a IY st o k wird uns geschrieben: Vor einige» Tagen fand vor dem hiesigen Gericht die Hauptverhandlung in dem Prozeß gegen den jüdischen Schuhmacher Lubnieki statt. Ein christlichcr Bewohner der Stadt hatte die Anzeige erstattet, daß er, als er im Geschäft des Lrvbnicki wogen Bestellung eines Paar Schuhe erschien, von dem jW'scheu Schuster in das Hoszimmer feiner Wohnung gelockt worden sei, wo Lubnicki ihm Blut für die Mazz oth zu bereit un g ab zapfen wollte. Der Prozeß wurde, um rascher Klarheit über den Fall und Beruhigung in die infolge der Verleumdung erregte Bevölkerung zu bringen, m beschleunigtem Tempodurchgeführt. In der Verhandlung verwickelte sich der Anzeiger in solche Widersprüche, daß sowohl der Richter, der seinen Ausführungen mit ironischem Lächeln folgte, als auch das Auditorium die Ueberzeugung gewannen, daß der Kronzeuge dem Gericht ein phantastisches Märchen aufbinden wolle. Me Verhandlung schloß mit dem Freispruch Lubnickis, der nunmchr <K7;t im'tt Verleumder die Klage erheben wird. Die Wiener Milch ist fast durchwegs verwässert. Bor kurzem hatten sich vor dem Lauoesgerichtsrat Dr. Witfinger die Besitzer der Speisinger Molkerei, Marktbreitor und Hufnagel, zu verantworten, weil sie verwässert» Milch zum Verkauf gebracht haben sollen. Wie die Untersuchungsanstalt für Lebensmittel feststellte, wies diese Milch einen sechsprozentigen Wassergehalt auf, der nach Ansicht der Anstalt mit der M ilchwage hätte feftge stellt werden können. Marktbreiter verantivortete sich damit, daß dies« Verfälschung nicht festzustellen war, während Hufnagel erklärte, er habe mit der Milch überhaupt nichts zu schaffen, er sei nur dev kaufmännische Leiter des Unternehmens. Bei der Verhandlung trat der D^chverstäMge Hoftat Dr. Hiemesch der Behauptung des Angeklagten entgegen, daß er die 'Verfälschung nicht habe erkennen können. Diese Milch sei Mischmilch geioesen nnd eine solche müsst durch die Milchwage erkannt werden. Dieser Ansicht des Sachverständigen trat der Marttamtsoborinspektor W (sch, der die Milchproben in der Speisinger Molkerei entnommen hatte, entgegen. Er erklärte, daß die Milch, die vom Lande nach Wien hereinkonrme, fast durchwegs verwässert sei. Insbesondere die burgenlündische Milch könne nicht als Vollmilch bezeichnet werden. I» einem so großen Betriebe, wie es die Speisinger Molkerei sei, die täglich 12.000 Liter Milch erhalte, könne der Inhaber gar nicht der Vorschrift genügen, jede einzelne Kanne mit der Atilchiwage zn prüfen. Obendrein gingen die Bauern bei der Bclivässerung sehr raffiniert vor. Sie entrahmen zuerst die Milch und schütten dann das schwere Wasser hinzu, so daß das spezififche Gewicht unverändert bleibt. Es könne also die Milchwage sthr wohl Vollmilch anzeigen und di« Milch sei doch gewässert. Diese raffinierten Fälschungen könnten nur durch «ns chemische Untersuchung festgestellt werden Der Richter schloß sich diene« Gutachten an und wrack beide Anaeklaaten (f4U»

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