Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2933 (28.4.1927)
- Date
- 1927-04-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2938 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzettn«- Sitte Mlllloueu-zeitunsrausgade. Lei den kürzlichen Bürgermeisterwahlen in Chicago hat fete ^Chicago Tribut mit ihrer TageSauSgabe, wie sie schreibt, etnenf Rekord erreich, der auch eine» allgemeinen Interesses wohl wert ist, da hier an einem Beispiel gezeigt ivird, waS eins modern« AeitungSauSgab« an Papier verschlingt. Die Rekordausgabo der „Tribut bestand in einer 60biS SSseitigen Zeitung in drei Abteilungen. (52 Seiten ftir die SchlußauSgabs.) Ani der Herstellung dieser Zeitung arbeiteten insgesamt 650 Menschen in der Redaktion, in der Anzeigenabteilung und im technischen Betrieb«. Die Rotationsmaschinen zählten 921.590 Zeitung Sexemplare bei einer bezahlten Abnahme von 909.448. Für diese Auflage wurden 388 Tonnen Zeitungspapier benötigt, daS waren 686 Rollen Zeitungspapier oder 14 Gisenbahnwaggon». Führt man das Druckpapier auf seinen Ursprung und seine Herkunft zurück, so drückt sich die von den Rotationsmaschinen verschlungen« Menge in einem Tannen- und Balsambaumbestand vom« 65 Acker Landes auS oder von 3539.76 Hektar. Normal ist die Schlußzett für den Metteurramn 7.46 Uhr abend». Um möglichst alle Wahlergebnisse zu erfassen, wurde die Schlußzeit um % Stunden in der Wrhlnacht hinausgeschoben. Um diese kostbaren 45 Minuten einzuholen, mußte dergesamte Betrieb natürlich unter Hochdruck gestellt werden. Was dabei dem technischen Betriebe abverlangt wurde, geht aus folgenden Angaben hervor: 50 Zeitungsformen wurden innerhalb 30 Minuten in Rahmen für die Stereotypie geschloffen, in der LVO Zeitungsplatten für die acht Rotationsmaschinen hertzu stellen waren. In 24 Minuten waren die 800 Twuckplatten fertig. Um 8.24 Uhr schon liefen auf einen Hebeldruck sämtlich Rotationsmaschinen, und um 8.30 Uhr bereits verließen die ersten LieferungSwageu mit der Nachtausgabe den Betrieb. Für die Schlußauögabe wurde die Seitenzahl noch auf 52 erhöht. 60 Wagen und 48 Lastautos arbeiteten sich durch die Straßen zu den Verkauf-ständen und an die Züge, und in der Früh, genau um 5.59 Uhr, waren 909.448 Zeitungen abgeliesert und verkaufe Auffindung einer zerstückelten Kuabenleiche. Die Wartesrau der öffentlichen Bedürfnisanstalt an der Ecke dev verlängerten Kärntner- und Friedrichstraße, Julie Wolfmaye, nahni am Dienstag um etwa halb 9 Uhr abends wahr, daß vaS Klosett einer Damenkabine verstopft sei. Sie suchte mit dein zu diesem Zwecks dienenden Schürhaken das Hindernis hinunterzustoßen, waS aber nicht gelang. Nun nahm sie mit einem Haken den Gegenstand, dev die Muschel verstopfte, heraus und sah zu ihrem Entsetzen, daß eS der verstümmelt« Rumpf eineS neugeborenen KindeS war. Sie setzte einen Wachebeamten in Kenntnis und dieser brachte den KindeSrumpf zum Stadtkommissariat. ES handelt sich um deu Rest der Leiche etneS neugeborenen Knaben. Sämtliche Gliedmaßen waren abgeschnitten. Auch die Haut über dem Badch und an der rechten Brustseite fehlte, so daß ein Teil der Baucheingttveide und die Lunge bloßlagen. Auch sonst sind an der Leiche Spuren der Wirkung eiries schneidenden Instruments wahrnehmbar. Auf dem Rücken deS Kindes sieht man leichte Stichverlchungen, die aber möglicherweise von dem von Frau Wolfmayer verwendeten Haken herrühren. Die Bedürfnisanstalt wurde amtlich gesperrt. Der Kanal wurde bi» zu seiner AuSmÜndung in den Wienfluß genau durchsucht, doch fand.man keine Spur von den noch fehlenden! Körperteilen. Der Rumpf wurde in das Gerichtlich-medizinische Universitätsinstitut gebracht. Frau Wolftnayer kann nur angeben, daß die letzte Besucherin des Klosett» eine Frau mit einem drei-« bis vierjährigen Mädchen war. Bon ihr kann sie keine nähere Beschreibung geben. Ier Sparelulugenverkehr ImDorotheum Wie wir aus dem Dorotheum erfahren, nimmt der Sparclnlagenverkehr nunmehr wieder den gewohnten Verlauf. Die Verlautbarung, des Kuratoriums, daß denjenigen Einlegern, welche ihre abgehobenen Spareinlagen wieder einlegen oder nachlsgen, die ihnen bei der Behebung abgezogene ESkomptogebÜhr vergütet wird, veranlaßt das Publikum neuerlich, seinen Gparpfennig Ins Dorotheum zu tragen. Um allen Mißverständnissen vorzubeugen, wird uns von dev GeschäftSloitung mitgeteilt, daß die Reformplane, von denen wiederholt bezüglich der Bankavteilung die Rode gewesen ist, sich nur auf die bankmäßige Geschäfte dieser Abteilung beziehen, daß aber daS Spareinlagengeschäft wie bisher in der Hauptanstalt und allen! Zweiganstalten weitergeführt wird. I 2,300*000 Kilometer haben die Flugzeuge der Polnischen Luftverlohrs-A.-G. „Aevolot", Wion, 1. Bez., Tegetthoffstraße 7, Del. 71-0-84, bisher zuvückgÄegt. Kein Passagier ist ums Lebe« gekommen, kein Warentransport verlöre« oder beschädigt morden. Wie«, 38. April. Das Weiter. Dlschlechte Wetterlage Alt au. Gs ist kW und zeitweise regnet es. Die Vorhersage lautet; Wechselnde und dabei abnehmende Bewölkung, mäßige Winde, etwas mävmer. Die AmtSstunden im Wiener tßchechoflowMjHe« Konsulat. DaS Generalkonsulat der tschechoslowakischen Republik in Wien teilt mit, daß Vom 3. M a i 1927 die Amtsstunden für Parteienverkehr in allen Abteilungen mit Ausnahme deS PatzamteS von halb 8 Uhr bis haw 13 Uhr, ln den beiden Postämtern von halb 8 Uhr bis 14 Uhr'festgesetzt sind. Samstag enden die Amtsstunden für den Parteienverkehr in allen Abteilungen des Generalkonsulats nur 12 Uhr. Tienstftrbtlätttn. Man schreibt uns aus Krems a. D.r Anläßlich seines löjäbrigen DienstjubiläumS war der hiesige Kantor, Herr Samuel Neubauer, Geaenstand mehrfacher Ehrungen. So hielt insbesondere der Kultusvorstand vor Beginn des Gottesdienstes am letzten Pessacktage audiesem Anlaß im Beisein deS Jubilars eine Festsitzung ab, in welcher der Kultusvorsteher, Herr Otto Auspitz. daS von der KubtuSgemeinde gewidmete Ehren geschenk überreichte. Auskünfte in aNen HoHWtlangelegenheiten ertettt der jüdische Hochschulau sschuß, die Exekutive deS Gesamtvervindes jüdischer Hochschüler Oesterreichs „Judäa". die alle Fachvereine umfaßt. Die jüdischen Studenten und Studentinnen werden aufgefords'tt. der „Judaa" beizutreten, die die Interessen der jüdischen Studentenschaft an den Hochschulen vertritt. GS ist Pflicht jedes südischen Studenten, den südlichen Fachvereinen fteHutte* ten. Amtsstunden täglich in den Bureaus des Jüdischen HochschnlousschusseS, 9. Bez., Zimmermannplatz 3. wo sich auch die Mensa academica judaica beftndet. Tödlicher Autonnfall. Gestern vormittags ereignete sich in der Vorzellangasie ein schwerer Autounfall, dessen Opfer der 89jährige Alfred Berd ach wurde, der in der Nordvergstratze 4 wohnte. Er wurde von einem Molkereiauto, als er einem anderen Auto auSweichen wollte. überfahren und sterbend auf die Unfallstatton aebracht. Berdach war eine unter dem Namen „Der narrische Alfred" im aanzen 9. Bezirk bekannte Strastensiaur, ein armer Idiot, der überall das Aussehen der Passanten und namentlich der Schuljugend auf Nch lenkte, indem er mit seinem Stock klopfend durch die Sttatzen ging. Die BikdtekegrapWe auf der Ausstellung „Wien und die Wiener". Zum erstenmal wird die Oeffentlichkeit Gelegenheit haben, auf der Ausstellung „Wien und die Wiener" (Eröffnung 7. Mai) die von Kapitän O. F u l t o n erfundene BildtelearaMe (System Telectrograpsttz in Tätigkeit zu sehen. In der großen Reitschule des MeffepalasteS werden ein- Sendestatton und zwei Empfangsstationen (eine für Draht- und eine für drayttose Uebertragung) einaericktet. Das Bnblikum wird au dieser Erfindung insbesondere den außerordentlich eindrucksvollen Vorgang des "llmäblsickien Erscheinen? deS Bildes mitansehen können. Ein iiber dem Anvarat angebrachter Spiegel mkrd eS ermöalichen. daß eine feftr große Zahl von Besuchern die, BildMertrggung beoNaMen kann. Hilde HanNd in der Gttafanstali gestoWen. Aus Präg wird berichtet; Wie „Prävo Lidu" meldet, ist in der Frauenstrafanstalt Repv aestern Hilde Hanika gestorben, die seinerzeit inegen Beihilfe an dem. Mord ibres Mannes, eines Stabskabitäns» mit dem sie in unglücklicher We lebte, z;;m Tobe verurteilt, jedoch später begnadigt worden war. Ein Vater erschießt sich und seine Kinder. Aus B u d a v e st wird gemeldet; Der BankkomMissionar und Getreidemakler an der Bubadester Brodukten^rße Dr. Geza Szalah erschoß seine beiden kleinen Kinder Und tötete sich sodann selbst mit einem Revolverfchirtz. Alle drei Personen waren auf der Stelle tot. Man alaubt, daß Dr. Szalah wegen materieller Sorgen die Tat beging. Englische Aerzte kn Karlsbad. Ans Karlsbad schreibt man NnS: Außer seinem Ruhm als ftihrender Weltkurort, den alljährlich Kranke aus aller Herren Länder zu Tausenden aussuchen, um Heilung ihrer Leiden zu finden, besitzt Karlsbad auch seit altersher die Sympathien der Angehörigen aller möglichen Geistesrichtungen als Kongreßstadt und als Ott, der mannigfach zu Studienzmecken aemMsst wurde. Neuerdings sah Karlsbad am 17. Avril 26 enalische Aevzte, teilweise mit Men Damen, in seinen gastlichen Mauern. Sie kamen aus Fnachimst^al. stiegen im Grand Hotel Buvp ab. wo sie Gäste der Stadt waren, und beim Dinner von einem Vertretet derselben herzlich begrüßt mutden. Ngch einer Besichttmma der O,"ellen und Bäder setzten die Gäste M- Studien^tte nach Marienbad und FranzenSvad fott. Für den Mai sinh enalische Keramiker und Koloristen zum Besuch der Sprudelstadt angesagt. Sechzehnte österreichWe Klasf-nkotterre. Bei der gestern avgebaltenen Ziehung des 7. Tages der 6. Klasse gewannen; 76.000 S. daS LoS Nr. 78.998? 20.000 S. das LoS Nr. 81.867: 16.000 <S. das LoS Nr. 99.912: 6000 S. das LoS Nr. 82911? je 8000 S.. die Lose Nr. 94.773. 36.467? je 7000 S. die Lose Nr. 1126. 40.Ä? 6000 S. das LoS Nr. 1807? je «000 ©. die Lose jftr. 83.287, 62.796? 4000 S. daS LoS Nr. 70.266? je 3000 G. die Lose Nr. 81.682. 86 420. 96 647; je 1000 G. die Lose Nr. 18.108. 78.160, 80.962, 96.964. Außerdem wurden 2461 Gewinne zwischen 600 und 160 G. ausgelost. Mische Belt. Sie allweltllche Propaganda für 3iott. Im gegenwärtigen Moment wird in sündig Ländern der Welt in allen Weltteilen, darunter auch in den entlegensten Gegenden von Afrika und Asien, Propagandaarbeit für de» Aufbau von Grez Israel geleistet. In Amerika umfaßt die Kampagne die Bereinigten Staaten trau Nordamerika, Kanada, Mexiko, Kuba, Ehile und Peru. In Afrika: Südafrika, Ägypten «. a., ftrner Australien und Neuseeland. I« Europa ist diese Aktion gegenwärtig im Gang« in: Polen, Jugoslawien, Deutschland, Oesterreich, Holland, Rumänien, Tschechoslowakei, Finnland, Litauen, Lettland, England, Frankreich, Estland, Schwüren, Norwegen u. a. In Asien in den Ländern; Persien, in verschiedenen Teilen Arabien- und in Palästina selbst. In diesen Ländern befinden sich die ältesten Judengemeinden in Europa und Asien und di« jüngsten jüdischen Gemeinden in Kuba und Mexiko, di« größten Gemeindenwie Newyork und Warschau, und die kleinsten Judengemeinden, wie in Norwegen und Peru, wo es bloß wenige jüdische Familie» gibt. Die Palästina-Arbeit umfaßt den ganzen Erdball, und aus den Berichten der Delegierten, die in den einzelnen Ländern sind, ist zu ersehen, daß e» keinen noch so versteckten Erdenwtnkel gibt, wo nicht die Juden für den Aufbau deS jüdischen HeimlandeS interessiert werden. Diese Delegierten hatten Gelegenheit, die rührendsten Szenen mitzmnachen, wenn blutarm« Juden baten, sie nicht von der Pflicht zu entheben, «in Scher flein für Zion beizutragen. brr allweltliche Wische llnvalkdenverbarid. Aus Krakau wird uns berichtet: Bonge Woche fand hier eine Beratung der Exekutive des al'lwjrttlichen jüdischen Jnvaljdenverbandes statt, in welcher mehrere wichtige örganrsatottsche Beschlüsse gefaßt wurden. So sollen schon in der nächsten Zeit Zweigverbände in Rumänien, Jugoslawien, Griechenland, Ungarn, Tschechoslowakei, Deutschland, Litauen und Lettland Ins Leben gerufen werden. Eine engere Fühlungnahme mit dem allgemeinen internationalen Jnvalidenverband in Genf ist bereits angevahnt und dürste zu gutem Erfolg« führen. Die Konferenz beschloß auch in bet Frage der verlassenen jüdischen Frauen mit den RaMnjrvverbänden und anderen jüdischen Organisationen, die sich mit dem jüdischen Wanberwesen befassen, zusammenzuarWten. Der jüdische Sejmklub in Warschau wird livfgefordett werden, bei der Regierung und in der jüdischen Qefferitlichkert zugunsten der jüdischen Kriegsopfer zu fntervenjierett. Re Konferenz der Hasch»«« Hazakr ln Litauen verboten. Wie Uns aus Kowno berichttt wird, wurde bis von der zionistischen Jugendgruppe Haschomer Hazatr für die Zeit während der Pessachfeiettage anberaumte Landeskonferenz von der Regierung ist dev letzten MLnntt verboten. «Metlfcher Stildteba« ln PalMna. Aus Jerusalem wird unS berichtet: DaS Amtsbbüt der Palästina-Regierung gibt bekannt, daß ei« Bertvet« deS RegierungSaMteS in Haifa znm Vorsitzenden jener Kommission ernannt wurde, deren Aufgabe eS sein wöck, die Banplätto de« neuen jüdischen Stadt Afuleh (Ir Jeserevy im Vmvk lzu überwachen. Die Regierung ist einverstänbllch mit den maßgebenden jüdischen Kreisen entschlossen, darauf zu schauen, daß den Aufbau neuer Städte nicht nur den modernen AnforderuugjM in technischer und hygienischer Hinsicht, sonder» auch dem Geiste des Landes entsprechend, vom Ästhetischen Gesichtspunkte Mocht werde. i ' „Satone", Die Stadt der Sabbat-Beobachter I« Amerika. Die Vorbereitungen zur Gründung der Stadt Jatttzw in der Nähe von New York sind so weit vorgeschritten, daß bereits der Grundstein für die erstei; Häuser gelegt werden konnte. BiS Ende dieses Sommers werden die ersten hundert Häuser fertig zum Beziehen sein. In den nächsten paar Jahren sollen 2000 Häuser erbaut werden. DaS Gemeindeleben in dieser jüdischen Stadt soll nach der Absicht der Gründer auf der BeobachLnug aller religiösen Vorschriften, insbesondere auf der strengsten Beobachtung de» Sabbat, Lasieren. (I. L. A.) Großer Brand. In Najaud (GiebeiMrgen) wurden durch -Feuer 160, ttt der Mehrzahl von Juden bewohnte Häuser vernichtet. Die große Synagoge, die Mische Badeanstalt und die Wohnhäuser ver beiden RäLbiner Freund und tzalberstci n brannten oollständig ab. Im Haust von Rabbiner Halvevsteln befand sich «ine der reichsten jüdischen Bibliotheken in Dransylvanlen. DIE FÜHRENDE MARKE WIENER STADTBRAU;; SiAO^Vjf