Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 2933 (28.4.1927)
- Date
- 1927-04-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-^r GM 4 Wien, Donnerstag Wiener Morgenzeitnng 28. UpM 19S7 «r. SSSS Venecin kräftigt den Organismus — schützt vor ^awgto- Erkrankungen. *mmu> « Frank B. H a y n c, der frühere Präsident der Baumwollbörse von Ncworlean?, schätzt den Verlust der Baumwollernte durch die Ney.'rsr-nrcuuuuiig aus e i u.'.-«i lsi o n Val len. Die McnU’fyii'cr Baunnrollkrelsc fo’al’?» den Be'^ns? sogar auf anderthalb Milli o n c n Balle n. Nach einer Meldung der „Associated Prch" sind i'.l d. . Stadt Arkansas 2000 Personen durch das Hochwasser auf den Dämmen und 3060 bis 6000 Personen in der Nachbarschaft der Dämme eingeschlo ssen. Wer sorgt für die Wiener Kultusangestellten? Me Antwort des Kultnsvorstander ans da« Pamphlet des Sr. Bader. - Jas Penfionrnormale der Angestellten angenommen. — 50.000 Schilling für Den PaWina-Anlban. Die gestrige Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes hatte eine Reihe wichtiger Vorlagen zn erledigen. Auf der Tagesordnung stand das Pens ionsnormale der Kultus ge meindeangestellten rmd als zweiter wichtiger Punkt di e B ei t r ag sl e ist nn g der Wiener Kul t u s g eme i nde für das Paläst i n a a u f b a n w e r k. Nachdem der Vorsitzende Präsident Dr. Pick dem verstorbenen Oberkantor K a u f m a n n einen war in empfundenen Nachruf gehalten hatte, referierte zum ersten Punkte der Tagesordnung Dr. Ticho, der einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung des Pensionsrechtes in der Angestelltenschaft gab und sodann die Bestimmungen des vorliegenden Pensionsnormales, das in der Praxis eigentlich schon seit mehreren Jahren gehandhabt wird, erläuterte. Das Elaborat, welches von hohem sozialen Empfinden getragen ist, fand auch die Zustimmung aller Parteien. Nur Wer einen einzigen Punkt, nämlich die Altersgrenze für Rabbiner, gab es ebne DisLlssion. So verlangte ein Antrag, daß für die Rabbiner keine Altersgrenze festgesetzt werde, während der Entwurf ein Pensionierungsrecht, aber keine Pensionierungspflicht bei einem erreichten Alter von 65 Jahren vorsieht. Schließlich einigte man sich auf 70 Jahre, einen Kompromißvorschlag, den der Verband der Rabbiner in einem Schreiben an den Kultusvorsta>nd' gemacht hatte. Namens der zionistischen Fraktion ergriff Dr. Dösider Fried mann, der einen Hauptanteil an der ungeheuren Arbeit der Redaktion des Pensionsnormales hatte, das Wort und wies auf die großen Verdienste gerade der zionistischen Partei für das Zustandekommen des Entwurfes hin. Die zionistischen Mandatare sind immer mit allem lltachdrück für die Rechte der Angestelltenschaft eingetreten und Redner war es auch, der am 4. November 1924 namens seines Klubs die Gleichstellung der Kultusgememdemrgestellten mit den Angestellten der Gemeinde Wien verlangte und auch durchsetzte. Der zionistische Klub rechnet es sich zur Ehre an, auch an dem Zustandekommen dieses Entwurfes großen Anteil genommen zu haben. Besondere Umstände zwingen mich — so führte Dr. Friedmann aus — die Pflicht der Bescheidenheit hintanzusetzen und unsere Verdienste um diese Sache in aller Oesfentlichkeit hervorzuheben. Es wurde nämlich in den letzten Tagen in der jüdischen OoffenÄichkeit ein Pamphlet verbreitet, für das das Mitglied des Bertreterkollegimns Dr. Edwin Bad er die Verantwortung trägt und in dem den jüdischnationalen Vertretern der Kultusgemeinde vorgeworsen wird, daß sie den Angestellten bis heute das Pensionsnormale verweigert hätten. Das ist der Grund, iveshalb ich hier unseren Anteil an der Mitwirkung feststellen und hervorheben muß,.daß gerade unsere Initiativanträge es waren, die das volle Verständnis aller Parteien gefunden haben, um eine weitgehende Verbesieruug des Pensionsnormales für die Angestellten zu erwirken. Ich muß hier vor diesem Forum auf Grund der Protokolle, Urkunden und Zeugenfchasten unserer Mitarbeiter, die uns fast sieben Jahre an der Arbeit gesehen haben, feststellen, daß es sich um einen schamlosen Angriff handelt, der mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden muß. Ich muß aber auch feststellen, daß an von Sitzungen der paritätischen Kommission lediglich Mitglieder der Majorität und der zionistischen Fraktion teilgenommen haben und daß das einzige Mitglied des Vertreterkollegiums, des Klubs für soziale Tätigkeit, nämlich Dr. Edwin Bader, den entscheidenden Sitzungen des Bertreterkollegimns ferngeblie- Len ist. Ich überlasse es dem Urteil der gesamten Oeffentlichkeit, ob Dr. Bader, ein Mitglied des Bertreterkollegiums, welches an den Beratungen überhaupt nicht teilgenom- :en hat, den Sitzungen unentschuldigt ferngeblieben ist, cechttgt ist, Mandataren, die sich redlich um das Zu- Mndekommen des Pensionsnormales geplagt haben, den Vorwurf zu machen, sie hätten das Pensionsnormale verweigert und den Angestellten die primitivsten sozialen Rechte verweigert. Auch der Wahlkampf muß feine Grenzen haben und diese Grenzen liegen dort, wo Angriffe aus» höran und wo Verleumdungen beginnen. Diese Grenze ist in diesen» Falle überschritten worden. Zu dieser Konstatierung habe ich mich hier an gehörigem Ori veranlaßt gesehen, um die Wahrheit in das richtige Licht zu rücken. (Lebhafter Beifall.) Es ergriff sodrvn'n Dr. Bader zu einer, wie von sämtlichen Mitgliedern des Kultusvorstandes und insbesondere von Regierungsrat Dr. Oppenheim festgestellt wurde, äußerst schwachen Erklärung das Wort. Er sagte, daß er es gar nicht für notwendig erachte, sich für sein Fernbleiben von den Sitzungen zu entschuldigen, er könne aber dennoch als Grund anführen, daß er durch dringende Wahlarbeit für die sozialdemokratische Partei abgehalten wurde. Es sei eben viel mehr daran gelegen gewesen, daß die sozialdemokratische Mehrheit in Wien erhalten bleibe als an der sofortigen Erledigung des Pensionsnormales. Im übrigen sei auch im Wahlkampfe seiner Ehre enlpfindlich nahegetreten worden. Zum Schluffe sagte er noch, es sei ja allgemein bekannt, daß die Mandatare des Klubs für soziale Tätigkeit aus allen Kommissionen ausgetreten seie-n. Nach der einstimmigen An n nähme des Pensionsnormales dankte der Präsident Professor Pick allen, die an dem Zustandekommen dieses für die Angestelltenschaft hochwichtigen Dokumentes teilgenonunen haben, worauf namens der Angestelltenschaft Rogierungsrat Dr. Adler dem Kul-tusvorstand für die Verabschiedung des Pensionsnormales den Dank aussprach. Sodann erstattete Regierungsrat Dr. Oppenheim den Bericht über den NechmmgsaSschluß für 1926, der entgegen einem präliminierten Defizit von 900.000 Schilling mit einetn N e b e r s ch u ß von 20.989 Schilling abgeschlossen hat. .Der Rechnungsabschluß wurde zur Kenntnis genommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Beschlußfassung über . die Beitragsleistung dev Wiener Knltnsgemelnde m dem Palästina-Aufbauwerk, die in der gleichen Höhe wie im Borsahr gewährt werden soll. Es wird ein Betrag von 66.000 Schilling bewilligt, der wie folgt verteilt wird: 26.000 Schilling für den Keren Hajefsod, 16.000 Schilling für die Chaluzim, 7600 Schilling für den Keren Hajischuw und 2600 Schilling für den Palästma-Arbeiterfonds. Für die Majorität erklärte Baurat K e m p l e r, daß sich die Kultusgemeinde auch in den Dienst diches großen Aufbauwerkes stellen Herr und Frau Moses Schwager zeigen die Geburt eines Sohnes an. Alle Freunde werden zur f)V"Q eingeladen, welche morgen Freitag, den 29. d., 10 Uhr vormittags, im Rudolfinerhaus, XIX., Billrothstr. 78, stattfindet. Das mährisohe Paradies! DAD LllflAtOIHX. Die stärksten natürllohen Kohlens&urebäder der Tsobeohoslowakel. Berühmte Kaltwasserheilanstalt. Modernstes Inhalatorium Europas. Ueber 20,000 Kurgäste. Heilt: Nasen-, Rachen-, Bronchialkatarrhe, Asthma, Herz-, Nerven- und Frauenkrankheiten, Magen- und Darmkatarrhe, Nierenleiden, Gicht, Ischias, Rheuma. Philharmonische Konzerte, Tennis- und Spielplätze, Abendreunionen, Jagd, Ausgänge und andere Zerstreuungen. Direkter SohnellsugansoUuß ab Wlen-Ostbahnh. ISIS, an Luhaoovioo 10*80. Fahrpreisermäßigung auf d. tsoheohoslow. Bahnen. Nächster tschechoslowakischer Kurort. Prospekte, Wohnungen und Informationen duroh die Badedirektion und J. Dauneberg, Wien, I., Graben Nr. 28. OQC»0(XXlGKN10000000QQ00a00CXXX10OQ00OO00( Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.S 5— Tschechoslowakische Republik.6K S2 — Jugoslawien.Dinar 60'— Polen. Zloty 6 — Deutschland . .. Goldmark 4'— Frankreich. Belgien ............ Frcs 36 — Italien .. Lire 20'— Rumänien ..Lei i70 — Bulgarien. Lewa 100'— Amerika..Dollar 1'— Schweiz und das übrige Ausland.Frcs 6 — Oesterr. Postsparkassenkqnto 150,603. QQQOOOOOQOQOQ&XiOOaOOOOOQQQQOQQOOQQQQQ müsst!, da sie einer die ganze Judenschaft bewegenden Mtion nickt indifferent und indolent gegerrüberstohen könne. Ebenso wie im Vorjahr sprach sich anch diesmal der Vertreter der ,.Aguda", Wolf P a p p e n h t t m, gegen eine Zuwendung an den Keren Hajessod aus. Der Betrag von 60.000 Schilling ivurdc sodann mit allen Stimmen gegen die Stimme Pappenheims angenommen. Aus dem Einlauf, ivelcher der Sitzung vorlag, sind zwei Stücke hervorzuheben, die darauf Hinweisen, wie die Gemeinde Wien die Rechte der Juden achtet: Seitens der Gemeinde Wien sind in der letzten Zeit vielfach Ansuchen der Kultusgemeinde um Verpflegskostenvergüt u n g e n für nach Wien zuständige Insassen der israelitischen Versorgungsanstalt trotz der erhobenen Bedürftigkeit und Würidigikeit der Einschreiter aus dem Grunde a bgelehnt worden, weil die betreffenden Petenten zwischen-- zeitig in die Anstalt ausgenommen worden waren, ohne daß die Kultusgemeinde erst die oft viele Monate ausständige Entscheidung des Magistrates über die Kostenfrage abgewartet hätte. Durch diese Maßnahme, aber auch durch eine Gebührenvorschreibung bezüglich der allgemeinen Verwaltungsauslage n.d esZentralfriedhofes, Ivelche in extensivster Auslegung eines im Jahre 1877 zwischen der Gemeinde Wien und der Kultüsgemeinde geschloffenen Vertrages erfloffen ist, erscheinen die Finanzen der Kultusgcmeinde empfindlich berührt. Das Präsidium fand sich daher veranlaßt, bei Herrn Stadtrat Breitncr unter ausft'chrlicher Darlegung der Verhältnisse und besonders unter Geltendmachung der in Be-, tracht kommenden Billigkeitsgründe vorstellig zu werden. Der zweite Bericht im Einlauf betrifft den „Wipag"- Skandal, daß die Plakatterungsansialt, an der die Ge-; meiude Wien intereffiert ist, P o g r o mp l a k a t e affichiert. Das Präsidium der Kultusgemeinde hat sich veranlaßt gesehen, beim Bürgermeister dagegen vor-» stellig zu werden, daß seitens des Plakatierungsinstituts „W i p a 8*, auf welches die Gemeinde Wien hervorragenden Einfluß hat, die Plalatierung der bekannten „V o l k s k a m p f - P l a k a t e", die in unerhörter Weise Aufreizungen gegen die Angehörigen der israelitischen Ne-, ligionsgesellschaft enthalten, vorgenommen wird. Hiecübev ist eine Erledigung der Magistratsdirektion im Aufträge des Bürgermeisters eingelangt, aus welcher zu entnehmen ist, daß die „Volkskampf" -Plakate seitens des Bürgermeisters die gleiche Beurteilung finden ivie seitens dev Kultusgemeinde, daß jedoch eine Zen surmö glicht eit nach dem Inhalt des Vertrages der „Wipag" nicht gegeben erscheint. Kommentare selbst für unentwegte Wüsche Rotwahlev überflüssig. An Nordlichtobservatonvm. Aus Tromsöien soll aus den Mitteln der Rockefellerstistung ein Nordlichtobservatorium errichtet werden. Dem vovberei-tendon Komitee gehört u. a. der norwegische Mordlichtforscher Lars Begard an. Das Observatorium wird wahrscheinlich im Sommer 1926 fertig sein. Das Gebäude soll auf dem höchsten Punkt vom Tromsöen liegen, ein paar hundert Meter nördlich des geophysischen Instituts. Die Beobachtungen des Observatoriums sollen von dem magnetischen Bureau in Bergen bearbeitet werden. Petroleum au« Kohle. Aus Oslo wird berichtet: Die seit einiger Zeit 6or-! genommenen Experimente, ans Spitzbergen-Kohle Oel zn gewinnen, haben ein außerordentlich günstiges Ergebnis gezeitigt, weshalb ein Plan ausgearbeitet wurde, in der K i n g s b a i eine Anlage zur Herstellung synthetischen Petroleums zu errichten. Vorher soll noch der Umfang der Kohlenlager untersucht werden. Aus dir Schachwelt. Gegenwärtig finden zwei Turniere statt, an -denen international bekannte Großmeister teilnehmen: Das eine ist das Turnier in Tunbrtdge (England), bei^ dem vier englische und vier ausländische Meister, unter ihnen i>er Belgier C o l l e, kämpfen. Nach dem bisherigen Ergebnis hat Colle 'Me Führung, In Lodz findet jetzt ein Turnier um die Meistevschast von Polen statt, an dom 15 polnische Meister, darunter Rubin sie in und Doktor Ta r tato wer, tettnehmen. Der polnische Champion Przepiorka mußte wegen eines Krankheitsfalles in seiner Familie absagen. Der erste Preis in diesem Turnier beträgt 1000 Zloty; bemerkenswert ist, daß für die schönste Partie ein Spvzialpreis von 2000 Zloty gestiftet wurde. Nach den ersten vier Runden führt Rubtnstein mit 4 Punkten vor Dartakower, der 35s Punkte erzielt Hai. Von den nächsten Turnieren ist das noch Ende dieser Woche beginnende Sechsmeisterturnier in Berlin hervorzuheben, das die dortige freie Schachveremigung veranstaltet. Teilnehmer sind: B o g o l j u b o w, Reti, Mieses, Sämisch, Johner und ein Vertreter der Berliner freien Schachvereinigung. Am 25. Juni beginnt in KeeSkemet aus Anlaß des Kongresses des ungarischen Gchachbundes ein doppelrundiges, internationales Großmeistevturnier, das mit Preisen von 300 bis 1009 Pengö dotiert ist. Eingeladen sind: M a r o c z y (der jetzt in New Bork lebende'ungarische Großmeister, der bereits zrlgesagt hat), B o g o l j u b o w, N i e m z o w i t s ch, R u b i n st e i n, S p i e l m a n n, Dr. Tartakower. Reti, Przepiorka, Kostie und Grttnfeld. mul-1• inii |-| iiiriiTi aiffiTnn iiii'iirnmmi ime» HätoBHLXäkäBäi- 'J